Bildquelle: US Navy/Handout via Reuters

Nahost: „IS ist nicht an Verhandlungen interessiert“

(Bildquelle: US Navy/Handout via Reuters)

US-Präsident Obama hat den Kongress aufgerufen, einem Militäreinsatz gegen den IS zuzustimmen. Gleichzeitig sprach er sich gegen den Einsatz von Bodentruppen aus. Barry von der Londoner Denkfabrik IISS gibt ihm Recht.

DW: Was hat die US-geführte Kampagne gegen den „Islamischen Staat“ (IS) bisher gebracht?

Ben Barry: Die Luftschläge haben zweifellos dazu beigetragen, den IS aufzuhalten und ihn davon abzuhalten, bis Bagdad oder Erbil im Nordirak vorzustoßen. Beides hätte ernste politische Auswirkungen gehabt. Dadurch ist eine recht stabile Front im Irak entstanden, die sich von Kurdistan bis zur Provinz Al-Anbar erstreckt. Die Kämpfe gehen hin und her, bleiben aber in der Nähe dieser Frontlinie. Eine Großoffensive oder größere Angriffe konnten die IS-Kämpfer nicht mehr starten.
Zudem haben die Luftangriffe wohl den Fall Kobanes verhindert und syrischen Kurden und ihren Alliierten geholfen, die IS-Kämpfer sogar ein Stück weit aus Kobane hinauszudrängen. Die Luftschläge haben die Möglichkeiten des IS insgesamt eingeschränkt. Ein Grund dafür, dass ihre Video-Propaganda nicht mehr ganz so produktiv ist, sind vermutlich Sicherheitsvorkehrungen.

Teil der US-Strategie gegen den IS ist die Schulung und Beratung von irakischen Brigaden und Peshmerga-Milizen, damit sie eigenständig gegen den IS agieren können, aber das wird vermutlich dauern?

Der irakische Premierminister Haider al-Abadi hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz gesagt, dass eine Offensive im Sommer starten würde, aber das halte ich für kaum machbar. Die Iraker werden sich schwer tun, Streitkräfte für Schulungen von der Front abzuziehen.
Zudem sind die irakischen Truppen stark geschwächt – nicht nur wegen der schweren Verluste im Kampf gegen den IS, sondern auch, weil sehr fähige Offiziere durch politische Freunde aus dem Dunstkreis des ehemaligen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki ersetzt wurden. Die ungeheure Korruption hat die Armee massiv geschwächt.
Abadi hat bereits einige der alten Offiziere ausgemustert. Und die USA werden alles tun, um kompetente, kampferfahrene Offiziere zu fördern und aufzubauen, aber ich fürchte, das wird recht lange dauern.

Der IS ist eine Mischung aus Aufständischen, Terroristen und Infanterie. Was bedeutet das für die Strategie des US-Militärs?

Letztes Jahr haben wir beobachtet wie der IS in Guerilla-Manier agiert hat, als extrem bewegliche Kampftruppe mit leichter Infanterie und Technicals, also bewaffneten Zivilfahrzeugen. Gleichzeitig organisieren sie aber in Zusammenarbeit mit anderen sunnitischen Gruppen Aufstände.
Obwohl es nun eine relative stabile Frontlinie zwischen IS- kontrollierten und kurdisch, beziehungsweise aus Bagdad kontrollierten Gebiet gibt, kommt es auch abseits der Front fast täglich zu tödlichen Autobomben- oder Selbstmordanschlägen.
Ein weiteres Problem ist, dass der IS offenbar überhaupt nicht an Verhandlungen interessiert ist. Er wurde schon als Todeskult beschrieben, er ist extrem nihilistisch.

Halten Sie die Taktik der USA gegen die besondere Kriegsführung des IS für angemessen?

Zunächst einmal ist ein Mischkonflikt aus mehreren Arten der Kriegsführung nichts Neues. Das gab es beispielsweise schon im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen Großbritannien. Die Lösung liegt nicht allein in einer schlagkräftigen Streitmacht. Man braucht einen umfassenden Ansatz mit Diplomatie und Geheimdiensten, aber auch wirtschaftlicher Unterstützung und Entwicklungshilfe. Und – erst recht im 21. Jahrhundert – gehört auch eine ausgefeilte Propaganda- und Informationsstrategie dazu. Das ist wohl der schwierigste Teil daran – und das gilt für Irak, Syrien und die Ukraine.

US-Präsident Obama lehnt es ab, Bodentruppen gegen den IS einzusetzen. Ist das sinnvoll?

Es ist ziemlich klar, dass die Regierung in Bagdad keine US-Bodentruppen auf seinem Territorium wünscht. Und das gilt auch für die Shia-Truppen, die vom Iran unterstützt werden.

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