Bildquelle: Medici con l'Africa Cuamm CC BY-SA 2.0

Afrika: Entwicklungszusammenarbeit ignoriert Krebszahlen

(Bildquelle: Medici con l’Africa Cuamm CC BY-SA 2.0)

Krebs galt lange als Krankheit der reichen Länder. Doch auch Afrika bleibt nicht mehr länger verschont. Die Zahl der Toten steigt – doch niemanden bekümmert das. (EurActiv Frankreich berichtet.)

Keine Prävention, eine schlechte Infrastruktur, fehlendes medizinisches Personal, späte Diagnosen – und auch die steigende Lebenserwartung macht Krebs zu Afrikas neuer Herausforderung für die Gesundheit.

„Krebs galt lange als Krankheit der reichen Länder, ganz einfach deswegen, weil man lange genug leben muss, um Krebs zu bekommen“, sagt Pierre Bey, Leiter des Internationalen Netzwerks für Krebsbehandlung und Forschung (INCTR).

70 Prozent der weltweiten Krebstodesfälle in Entwicklungsländern

Mit der steigenden Lebenserwartung in vielen afrikanischen Ländern mit niedrigen Einkommen, und der Entwicklung eines westlichen Lebensstils, werden neue Krankheitsphänomene alltäglich. Afrikanische Länder, die noch immer von der AIDS-Epidemie betroffen sind, sehen sich mit einer Ausbreitung von Krebs konfrontiert.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzte 2012 weltweit 14,1 Millionen neue Krebsfälle und acht Millionen Tote. Die meisten davon wurden in Entwicklungsländern festgestellt. Dieser Anteil wird bis 2030 weiter ansteigen. WHO-Experten erwarten dann 22 Millionen neue Fälle.

„Rund 70 Prozent der Krebstodesfälle weltweit ereignen sich in Entwicklungsländern. Viele dieser Todesfälle könnten vermieden werden, wenn die richtige Ausstattung und erfahrene Fachleute zur Verfügung stünden“, sagt Yukiya Amano, Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA).

In Afrika sind die Daten zu Krankheiten bruchstückhaft. Viele Länder haben keine verlässlichen Systeme zur Erfassung von Gesundheitsdaten. Die WHO nahm 2012 aber an, dass es 645.000 Krebsfälle gab. Darunter sollen 456.000 tödliche Fälle gewesen sein.

„Ein Krebs wie das Retinablastom hat eine Heilungsrate von 100 Prozent in Frankreich. In Subsahara-Afrika hingegen liegt sie bei 20 Prozent“, so Pierre Bey.

Fehlendes Engagement

Trotz der Tragweite des Problems gibt es keine Antworten. „Das Bewusstsein der afrikanischen Sub-Sahara-Staaten, wonach Krebs das Hauptgesundheitsproblem in den 20 oder 30 nächsten Jahren wird, ist sehr begrenzt“, so Bey.

Die fehlenden Investitionen in die Gesundheitspolitik sind bittere Realität. Die afrikanischen Länder verpflichteten sich 2001 in der Abuja Erklärung, 15 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die Gesundheitsvorsorge aufzuwenden. Im Durchschnitt sind es aber nur drei Prozent. Und die Hauptziele dieser Investitionen bleiben HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose.

Für die Industrieländer, die öffentliche Entwicklungshilfe zur Verfügung stellen, ist der Kampf gegen den Krebs ebenfalls nebensächlich. Die Bekämpfung von Epidemien wie HIV/AIDS, Tuberkulose, Malaria oder der Ebola-Krise hat für sie oberste Priorität. „Es gibt wenig Platz für den Kampf gegen Krebs in internationalen Programmen“, sagt Bey.

Auch Frankreich fokussiert die Gesundheitsausgaben der Official Development Assistance (ODA) überwiegend auf den Kampf gegen Epidemien und auf die der Gesundheitssysteme.

Nur fünf Prozent der weltweiten Mittel gegen Krebs fließen in Entwicklungsländern, schätzt die Global Task Force für den verbesserten Zugang zur Behandlung und Überwachung von Krebs.

Zwei Onkologen für 16 Millionen Menschen

Mangelnde Strukturen und fehlendes qualifiziertes Personal führen zu sehr späten Diagnosen und zu einer späten Einweisung in die Krankenhäuser. Das Ergebnis sind hohe Sterberaten.

In einem Land wie Mali gibt es nur zwei Onkologen bei einer Bevölkerung von 16 Millionen. Einige Länder der Region haben einen ähnlichen Anteil. Die Elfenbeinküste hat trotz einer seit 2009 bestehenden nationalen Politik gegen Krebs nur eine Handvoll Onkologen für 21 Millionen Menschen.

Doch trotz der Schwäche der lokalen Gesundheitssysteme sind einige Krebsarten vermeidbar.

„Wir müssen unsere Aktionen auf heilbare Krebsarten konzentrieren, bei Kindern und jungen Erwachsenen oder Gebärmutterhalskrebs“, sagt Bey.

Jedes Jahr gibt es 528.000 neue Fälle Gebärmutterhalskrebs. Es ist weltweit die vierthäufigste Krebsart bei Frauen, insbesondere in Subsahara-Afrika. Von 100.000 Frauen wurde es bei 34,8 festgestellt. Die Sterberate liegt nach Angaben der Internationalen Agentur für Krebsforschung bei 65 Prozent. In Nordamerika liegt sie bei 26 Prozent.

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