Bildquelle: AFP/Getty Images/J. Watson

Namibias Präsident erhält Mo-Ibrahim-Preis

(Bildquelle: AFP/Getty Images/J. Watson)

Überraschend hat die Mo-Ibrahim-Stiftung wieder einen afrikanischen Staatschef für gute Regierungsführung ausgezeichnet: Namibias scheidender Präsident Pohamba sei ein Vorbild für ganz Afrika, so die Jury.

Wer unter afrikanischen Ex-Staatschefs Kandidaten für den international renommierten Mo-Ibrahim-Preis finden will, muss mitunter lange suchen. Vielen sind persönliche Bereicherung und Machterhalt wichtiger als Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und das Wohl ihrer Bevölkerung. Seit 2011 wurde der Preis mangels geeigneter Kandidaten tatsächlich nicht vergeben. Am Montag konnte die Stiftung nun wieder einen Preisträger präsentieren: Namibias scheidenden Präsident Hifikepunye Pohamba. Damit geht die Auszeichnung nach Mosambik und Botswana zum dritten Mal an ein südafrikanisches Land.

Der 79-jährige Politologe Pohamba führt Namibia seit zehn Jahren. In diesem Monat wird er das Amt verfassungsgemäß an seinen Nachfolger, den derzeitigen Premierminister Hage Geingob, abgeben. Auch damit hat er sich für den Preis qualifiziert, der mit umgerechnet mehr als fünf Millionen Euro zu den höchstdotierten Auszeichnungen weltweit gehört. Pohamba habe die nationale Einheit sowie die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des jungen Landes beispielhaft vorangebracht, hieß es in der Begründung des Komitees. Vertreten sind dort unter anderem der ägyptische Friedensnobelpreisträger Mohammed el-Baradei, die mosambikanische Politikerin und Witwe Nelson Mandelas, Graça Machel, oder der tansanische Diplomat Salim Ahmed Salim.

Eigentlich wollte Pohamba Rinder züchten

Pohamba hat die Demokratie gefördert und den Lebensstandard der Bevölkerung verbessert“, sagt Salim im Gespräch mit der DW. Beispielhaft habe er sich etwa der Bekämpfung von AIDS angenommen. Fortschritte gebe es außerdem im Bildungssektor: Seit die Schulgebühren abgeschafft worden seien, habe sich die Anzahl der Analphabeten verringert. „Er hat seinem Land viel Gutes getan, mit Integrität und in aller Bescheidenheit“, so Salim. Dabei wollte sich Pohamba vor zehn Jahren eigentlich aus der Politik zurückziehen und auf seiner Farm Rinder züchten.

1959 hatte er zu den Gründungsmitgliedern der SWAPO-Partei (South West Africa People’s Organization) gehört, die für die Unabhängigkeit Namibias von Südafrika kämpfte. Sein Politikstudium absolvierte er Anfang der 80er Jahre in Moskau. Nachdem Namibia 1990 eigenständig wurde, führte Pohamba mehrere Ministerien im Kabinett des ersten Präsidenten Samuel Nujoma. Auf dessen Bitten kandidierte er 2005 und landete prompt mit mehr als 75 Prozent der Wählerstimmen im Präsidentenamt.

Anhaltende Jugendarbeitslosigkeit

Seit Jahren hält Pohamba in Umfragen Zustimmungswerte von rund 80 Prozent. „Man sieht ihn als eine Art freundlichen Großvater, der das Land gut führt“, sagt der Politologe Graham Hopwood vom Institute for Public Policy Research (IPPR) in Namibias Hauptstadt Windhuk. Die Zustimmung sei auch ein Ergebnis des parteiübergreifenden Zusammenhalts. „Pohamba hat ein sehr gutes Verhältnis zur Opposition aufgebaut und ist nicht auf Konfrontation aus. Er trifft sich regelmäßig mit den Oppositionsführern – und das obwohl seine SWAPO-Partei die absolute Mehrheit im Parlament hat“, so Hopwood. Ein Glücksfall in Afrika, wo politische Parteien ihre Konflikte nicht selten mit Gewalt austragen oder wo Oppositionelle unterdrückt und verfolgt werden. Die Meinungs- und Pressefreiheit in Namibia gilt als beispielhaft in Afrika.

Doch längst ist nicht alles gut in dem südafrikanischen Land: Die Jury des Mo-Ibrahim-Preises verweist auf die anhaltend hohe Jugendarbeitslosigkeit von fast 50 Prozent. Die Kluft zwischen Arm und Reich wachse. „Aber kein Land dieser Erde ist perfekt“, sagte Jurymitglied el-Baradei bei der Bekanntgabe des Preisträgers. „Die Auszeichnung ist ein Spiegel für jedes afrikanische Land, um zu sehen, was im eigenen Land fehlt“, so der Ägypter. Der Preis solle die Zivilgesellschaft in afrikanischen Staaten dazu anregen, Druck auf ihre Regierungen auszuüben. „Am Ende geht es uns um die Bevölkerung und nicht um deren politische Führer“, so el-Baradei.

Der britisch-sudanesischen Mobilfunkunternehmer und Milliardär Mo Ibrahim, auf den Stiftung und Preis zurückgehen, nutzte die Bekanntgabe des diesjährigen Preisträgers für einen flammenden Appell: „Wir haben wunderbare politische Führer in Afrika, aber wir Afrikaner kennen sie nicht.

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