Bildquelle: AMEPRES/CNN-Screen/krj

Aktuelle Lage in Tikrit: Der Kampf um die Stadt beginnt

(Bildquelle: AMEPRES/CNN-Screen/krj)

Lesen Sie unseren Ticker zur aktuellen Lage in der umkämpften Stadt:

***Weiterer AMEPRES-Ticker: Aktuelle Lage in Kobane***

MITTWOCH 11.03.2015

09:30: Der Kampf um die Stadt beginnt

Nach eine Woche stehen die irakischen Truppen vor den Toren Tikrits. Armee und schiitische Kämpfer haben laut unseren Informationen mit dem Sturm auf die Stadt begonnen. Der Angriff erfolg aus drei verschiedenen Richtungen, heißt es aus Sicherheitskreisen.

Bereits gestern hatte die Armee gemeinsam mit den überwiegend schiitischen paramilitärischen Hashd-Al-Shaabi-Milizen den nördlich gelegenen Ort Al-Alam eingenommen und waren bis auf 3 Kilometer auf Tikrit vorgerückt. IS-Kämpfer hätten dort Gebäude sowie Geschäfte angezündet und seien aus Al-Alam geflohen, berichten mehrere Quellen.

Auch im Süden melden unsere Kontakte das Vorrücken auf Tikrit und seit dem Morgen heftige Kämpfe in den Außenbezirken.

Der IS erhält anscheinend auch Unterstützung aus China: Extremisten aus der Unruheregion Xinjiang in Nordwestchina haben sich lauf offizieller chinesischer Mitteilung der Terrormiliz angeschlossen. „Jüngst haben wir welche geschnappt, die zurückgekommen sind, nachdem sie in dem Krieg gekämpft hatten“, sagte der Parteichef der Region, Zhang Chunxian, bei der Jahrestagung des Volkskongresses in Peking.

SONNTAG 08.03.2015

11:30: Al-Dur von IS zurück Erobert

Wie das irakische Staatsfernsehen am Samstag unter Berufung auf die Militärführung berichtet, hat die Armee Al-Dur, eine Ortschaft südlich der Stadt Tikrit, wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Eine unabhängige Bestätigung für die Eroberung haben wir bis heute nicht, da wir an der südlichen Frontlinie keine verlässlichen Quellen haben. Der Gouverneur der Provinz Salaheddin, Raad al-Dschuburi, sprach lediglich von einer Rückeroberung der Hauptstraße des strategisch wichtigen Ortes. Die Einnahme und Sicherung des Ortes ist aufgrund seiner strategischen Lage eines der ersten wichtigen Ziele auf dem Weg zur Rückeroberung von Tikrit.


(Kampf um Samarra – Video durch uns nicht verifiziert)

Im Norden melden unsere Quellen ein stocken der Offensive beim Vorrücken auf Baiji. Unbestätigt sind bislang auch Meldungen darüber, dass der IS Ölquellen in Brand gesteckt haben soll, um den Vormarsch zu stoppen.

FREITAG 06.03.2015

11:00: 30000 Zivilisten fliehen aus Tikrit

Auch unsere Kontakte melden eine Massenflucht vor der bevorstehenden Offensive. Reuters spricht von 28000 Flüchtlingen, die die Stadt bereits verlassen haben sollen. Wie viele der ursprünglich 250000 vorwiegend sunnitischen Einwohner Tikrits in den nächsten Tagen und Wochen noch folgen werden, ist ungewiss.

Mittlerweile formt sich auch im Irak ganz im Stillen eine breitere Koalition gegen den IS. Die üblichen Interessen treiben die erklärten „Befreier“ zusammen. In der Kölnischen Rundschau schreiben Jan Kuhlmann und Farshid Mothari dazu:

Iran unterstützt Iraks IS-Offensive

Irans starker Einfluss im Irak war lange ein offenes Geheimnis. Jetzt stellt Teheran seine Macht im Nachbarland öffentlich zur Schau – und soll sie als Druckmittel bei den Atomverhandlungen einsetzen.

Der Iraner Ghassem Sulejmani ist im Irak ein bekannter Mann. Im Internet kursieren immer wieder Fotos des grauhaarigen Herren. Eines der letzten zeigt ihn mit uniformierten Kämpfern. Sulejmani trinkt Tee. Die Männer um ihn herum scheinen sich über seinen Besuch zu freuen, sie lächeln. Spannend ist aber vor allem, wo das Foto entstanden sein soll: Es zeigt den hochrangigen Kommandeur aus dem Iran angeblich nahe der Stadt Tikrit – wo Iraks Streitkräfte eine Großoffensive gegen die IS-Terrormiliz begonnen haben.

Dass der schiitische Iran seinen Nachbarn im Kampf gegen die sunnitische Terrormiliz Islamischen Staat (IS) unterstützt, war lange ein offenes Geheimnis. Nun aber bemüht sich Teheran gar nicht mehr darum, die Unterstützung zu verheimlichen. Sulejmani, ein Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, lässt sich bereitwillig ablichten. Und die iranische Nachrichtenagentur Fars meldete, er sei in Tikrit als „Berater und Beobachter“ vor Ort.

Iran stellt Drohnen

Nach Angaben des „Wall Street Journal“ hat der Iran zudem Drohnen für die Schlacht um Tikrit bereitgestellt. Auch Kämpfer der iranischen Revolutionsgarden sind demnach im Einsatz und für Artillerieangriffe auf den IS zuständig. So offen habe der Iran seine Unterstützung noch nie zur Schau gestellt, sagte US-Generalstabschef Martin Dempsey.

Seit Jahren schon ist die Bindung zwischen Teheran und Bagdad eng. Als die US-Invasion 2003 das sunnitische Regime Saddam Husseins stürzte, übernahmen die Schiiten die Macht, die im Irak die Mehrheit bilden. Der langjährige Ministerpräsident Nuri al-Maliki galt als Mann von Teherans Gnaden, bis heute wird die Regierung in Bagdad von Schiiten dominiert. Mit dem IS-Vormarsch und dem Zusammenbruch großer Teile der Armee ist Irans Einfluss noch weiter gestiegen.

Zu erkennen ist dieser vor allem am Machtzuwachs der schiitischen Milizen, die in den vergangenen Monaten enormen Zulauf bekommen haben. Sie sind eng mit dem Iran verbunden. Ihre Kampfkraft soll mittlerweile größer sein als die der eigentlichen Streitkräfte des Landes. Die Milizen sind es offenbar auch, die die Offensive gegen den IS in Tikrit anführen. 30 000 Man will die Regierung dafür mobilisiert haben – zwei Drittel davon kämpfen nach Angaben von US-Generalstabschef Martin Dempsey für schiitische Milizen.

USA in delikater Lage

Die USA bringt diese Gemengelage in eine delikate Lage. Hunderte US-Militärberater unterstützen im Kampf gegen den IS die irakische Armee. Diese aber wiederum marschiert in Tikrit Seite an Seite mit Männern, die von Washington als Terroristen verfolgt werden. Dazu zählt etwa der Milizen-Anführer Abu Mahdi al-Muhandis, den die USA für Angriffe auf ihre Soldaten im Irak verantwortlich machen.

Irans starker Einfluss dürfte auch der Grund dafür sein, warum die USA sich an der Tikrit-Offensive gegen den IS nicht mit Luftangriffen beteiligen – obwohl US-Jets seit Monaten immer wieder Ziele der Extremisten in verschiedenen Teilen des Landes angreifen.

Problematisch ist der starke Einfluss der Milizen auch, weil er Ängste vor möglichen Racheakten von Schiiten weckt. Sie könnten mit Gewalt gegen Sunniten vorgehen, die unter Verdacht stehen, mit dem IS zusammengearbeitet zu haben. Die schiitischen Gruppen werden für mehrere Übergriffe auf irakische Sunniten verantwortlich gemacht.

Strategische Bedeutung für Iran

Für den Iran sind die arabischen Länder in der Nachbarschaft von großer strategischer Bedeutung. Im Libanon unterstützt Teheran die Schiiten-Miliz Hisbollah. In Syrien hält sie das Regime von Baschar al-Assad am Leben, das den Bürgerkrieg gegen die Rebellen ohne Hilfe aus Teheran wohl längst schon verloren hätte. Mit dieser Achse will sich der Iran seine Stellung als Regionalmacht sichern.

Die Zusammenarbeit mit dem Irak im Kampf gegen den IS verfolgt der Iran aber auch aus Sorge um die eigene Sicherheit. Der IS hasst die Schiiten genauso wie die „Ungläubigen“ im Westen. Daher sahen sich die iranischen Revolutionsgarden und deren Eliteeinheit Ghods gleich am Anfang der Krise gezwungen, der Regierung in Bagdad und auch den Kurden in Nordirak mit Waffen und angeblich auch Kämpfern zu helfen.

Mittlerweile setzt der Iran seinen Einfluss im Irak angeblich auch als Druckmittel bei den Atomgesprächen ein. Außenminister Mohammed Dschawad Sarif soll gedroht haben, dass es ohne Atomabkommen keine Zusammenarbeit im Kampf gegen den IS geben werde. Fotos des hohen iranische Kommandeurs Ghassem Sulejmani in Tikrit verleihen da Teherans Forderung noch zusätzlich öffentlich Nachdruck.

(Originalartikel in der Kölnischen Rundschau vom 05.03.2015)

Unterdessen gehen die Kämpfe im nördlichen wie im südlichen Umland Tikrits unvermindert weiter.


Nennenswerte Fortschritte wurden aber nach unseren Erkenntnissen in der vergangenen Nacht nicht erzielt.

DONNERSTAG 05.03.2015

09:00: Irakische Einheiten stehen 20 KM vor Tikrit

Bevor die irakischen Streitkräfte mit dem Sturm auf Tikrit beginnen, sollen die Terrormilizen de IS eingekesselt werden. Laut der Militärführung kann die 30.000 Mann starke irakische Truppe bereits kleinere Erfolge verbuchen. Dennoch kommt die Offensive aufgrund heftiger Gegenwehr nur langsam voran.

General Abdel Amir Al-Saidi sagte gegenüber Pressevertretern, dass man der Taktik folge, dem IS die Nachschublinien für Waffen und Einheiten abzuschneiden und die Extremisten „vollständig einzuschließen“. Jetzt sollen IS-Kämpfer in den Ortschaften Al-Alam und Al-Dur nördlich von Tikrit eingekesselt werden. Die Extremisten versuchen, die Regierungstruppen mit Straßenbomben, Selbstmordanschlägen und Heckenschützen aufzuhalten.

Im Süden steht das Militär in Samarra. Zu einem „direkten“ Gefecht zwischen irakischen Soldaten und IS-Kämpfern ist es laut unserer Erkenntnis bislang nicht gekommen. In der Nacht meldeten unsere Kontakte jedoch teilweise massives und anhaltendes Mörserfeuer aus der Umgebung von Samarra.


(Video konnte nicht eindeutig verifiziert werden, deckt sich jedoch mit den Aussagen unserer Quellen)

MITTWOCH 04.03.2015

10:00: Selbstmordattentäter und Ablenkungsangriff auf Samarra

Die irakische Armee meldet, dass der IS zur Abwehr der irakischen Offensive auf Tikrit gezielt Selbstmordattentäter einsetzt. Seitens der irakischen Streitkräfte, die derzeit mit 30.000 Kämpfern versucht, die Stadt zurückzuerobern, spricht mann aber dennoch aber auch von ersten Erfolgen. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es nicht, auch haben wir keine Quellen in den östlichen Regionen um Tikrit.

Die Armeeführung hat nach eigenen, ebenfalls nicht bestätigten Angaben, östlich von Tikrit die Region Hamrin sowie zwei kleinere Orte eingenommen. Irakische Presseorgane berichten von heftigen Kämpfen zwischen beiden Seiten, berufen sich aber ebenfalls nur auf Infos von der Militärführung. Solch Erfolgsmeldungen der irakischen Armee haben sich in der Vergangenheit häufiger als falsche Probaganda herausgestellt.

Die AP berichtet hingegen, dass der IS am Straßenrand Bomben deponiert habe, um den Vormarsch der Armee zu behindern.

Unsere Quellen aus Tikrit selbst, melden eine ruhige Lage in der Stadt. Die Kämpfe zentrieren sich derzeit östlich von Tikrit.

Weiterhin melden verschiedene Quellen einen weiteren strategischen Ablenkungsangriff südlich von Tikrit nahe der Stadt Samarra. Von dort werden heftige Kämpfe gemeldet.

Salat Fajr, der als Teil einer Einheit der irakischen Armee von vorderster Front über die Offensive auf Tikris berichtet, konnte im Morgengrauen östlich der Stadt folgende (von uns nicht durch eine zweite Quelle verifizierten) Aufnahmen machen:

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