Bildquelle: screenshot/youtube

Libanon: Moderatorin dreht Islamisten den Ton ab

(Bildquelle: screenshot/youtube)

„Sie sind eine Frau, die …“ Wie dieser Satz weiterging, weiß niemand: Als ein Islamist im Interview sexistisch wird, wirft Moderatorin Rima Karaki ihn aus der Schalte – und wird dafür gefeiert.

Das will sich der Islamist Hani al-Sebai nicht bieten lassen: Da muss er sich schon von einer Frau interviewen lassen – und dann unterbricht die ihn auch noch. Aber als al-Sebai seinem Ärger Luft macht und sexistisch wird, reagiert die libanesische Moderatorin Rima Karaki souverän: Sie dreht dem Islamisten einfach den Ton ab.

Die Organisation Memri, die islamische Medien im Nahen Osten beobachtet, hat den Vorfall mit Untertiteln auf Youtube gestellt. Seither wird Karaki für ihre Reaktion gefeiert. Mehr als fünf Millionen mal wurde das Video geklickt.

„Unterbrechen Sie mich nicht!“

Anfangs verläuft das Interview noch ruhig. Al-Sebai lebt heute in London – in Ägypten wurde er wegen Unterstützung von Dschihadisten verurteilt. Als Karaki ihn fragt, warum sich so viele Christen den Islamisten anschließen, holt er zu einem mächtigen Exkurs aus: Er spricht über die Kreuzzüge, über Baader und Meinhof, über die Roten Brigaden in Italien. Zu viel für so wenig Gesprächszeit.

Als er dann auch noch mit Venezuela anfängt, versucht Karaki, das Gespräch wieder aufs aktuelle Thema zu lenken. „Dr. al-Sebai, lassen Sie uns den Fokus wieder auf die Gegenwart legen …“ beginnt sie höflich. „Mit welchen Slogans versuchen Islamisten Christen zu locken?“

Das kann sich ein echter Islamist nicht gefallen lassen. „Unterbrechen Sie mich nicht!“, blafft al-Sebai. „Ich werde antworten, wie es mir gefällt.“ Karaki versucht die Situation zu beruhigen: „Wir respektieren Sie und verstehen, dass Sie uns eine komplette Antwort geben wollen“, sagt sie beschwichtigend. „Aber wir haben leider nur begrenzt Zeit …“

Al-Sebai wird laut: Was das für ein Verhalten sei? Man habe ihm zugesichert, dass sie ihn nicht unterbrechen werde. „Sie fühlen sich wohl ganz toll und mächtig!“ Karaki geht weiter auf Deeskalationskurs: „In Ordnung, fahren Sie fort“, sagt sie und hebt die Hand entschuldigend, „wir haben mehr Zeit bekommen. Fahren Sie fort, aber beleidigen Sie mich nicht.“

„Ich bin hier, um der Idee zu dienen, an die ich glaube“, ruft al-Sebai, und in dem Moment platzt der Moderatorin doch ein bisschen der Kragen. Mit ruhiger Stimme, aber innerlich aufgebracht klärt sie ihn über die Grundregeln eines Interviews auf: Dass es in seinem eigenen Interesse sei, mehr Zeit für andere Fragen zu haben. Dass, wenn man über die Geschichte diskutiere, kein Raum bleibe fürs aktuelle Thema. Dass sie es sei, die entscheide. „Sie können entscheiden, was Sie wollen, aber ich werde tun was immer ich will!“ poltert al-Sebai.

„Halten Sie den Mund, so dass ich reden kann“

Karaki versucht ein letztes Mal, das Gespräch zu retten. „Okay, lassen Sie uns Ihre Antwort hören“, sagt sie. „Kehren wir zum Thema zurück, statt unsere Zeit zu verschwenden.“

„Sind Sie fertig?“ ruft al-Sebai. „Halten Sie den Mund, so dass ich reden kann.“ In dem Moment möchte Karaki das Gespräch bereits beenden. Eines aber will al-Sebai die Welt noch unbedingt wissen lassen: „Es ist unter meiner Würde, von Ihnen interviewt zu werden“, ruft er. „Sie sind eine Frau, die …“

Stille. Karaki hat ihm den Ton abgedreht.

Weiterlesen…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s