Bildquelle: Christopher Fomunyoh/Facebook

Nigeria: Kinder vergessen durch Geisel-Trauma ihre Namen

(Bildquelle: Christopher Fomunyoh/Facebook)

Sie waren Geiseln von Boko Haram und sind tief traumatisiert. Rund 100 Kinder, die aus den Händen der Terroristen befreit wurden, erinnern sich nicht mehr an ihre Namen, berichtet ein US-Beamter.

Die Gräueltaten der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram versetzen Nigeria in Angst und Schrecken. Das besonders perfide am Vorgehen der westafrikanischen Dschihadisten: Zu ihren Entführungsopfern gehören häufig Kinder. Immer wieder verschleppen die Terroristen Mädchen und Jungen und halten sie teilweise jahrelang gefangen. Schaffen diese es, sich aus den Händen ihrer Peiniger zu befreien, lässt das Grauen sie oft auch in Freiheit nicht mehr los.

Christopher Fomunyoh, ein Mitarbeiter des US-amerikanischen National Democratic Institute (NDI), ist einigen dieser Kinder begegnet und berichtet in der Washington Post von dem schockierenden Ausmaß ihrer Traumatisierung: Nach Jahren in den Händen der Extremisten hatten die Kinder ihre Muttersprache vergessen. Sie konnten sich nicht einmal an ihre Namen erinnern.

„Da war eine Leere in ihren Augen“, sagt Fomunyoh. Die Kinder hätten einfach durch ihn hindurch gestarrt. Sie gaben ihm den seltenen Einblick, welche menschlichen Opfer die Extremisten fordern, die für die Errichtung eines islamischen Staates in Nigeria und den umliegenden Regionen kämpfen.

Schäden größer als gedacht

Der Regionaldirektor Afrika des NDI besuchte die Kinder in einem Waisenhaus in der Stadt Maroua im Norden Kameruns. Die Armee des Landes hatte sie im November aus einem Lager von Boko Haram in der Nähe der Grenze zu Nigeria befreit.

Was er dort sah: rund 100 Kinder im Alter zwischen fünf und 17 Jahren, ohne Schuhe und mit kaum etwas zu Essen, in einem Waisenhaus das für 20 Kinder gebaut wurde. Jungs, die ein paar Brocken arabisch sprachen, anstatt einer der vielen Stammessprachen Kameruns.

Boko Haram wird derzeit belagert von nigerianischen und anderen afrikanischen Truppen. Zuletzt schworen die westafrikanischen Extremisten den Dschihadisten des Islamischen Staates im Irak und Syrien einen Treueeid. In ihren Händen befinden sich noch Hunderte weitere Kinder.

Fomunyoh versuchte, von den befreiten Kindern zu erfahren, was sie in der Gefangenschaft erlebt haben. Doch diese konnten sich an ihre Entführer genauso wenig erinnern, wie an ihre eigenen Namen oder den Heimatort ihrer Eltern.

„Zurzeit gibt es noch kein volles Verständnis für die Schäden dieser Krise“, kritisiert Fomunyoh. Selbst wenn Boko Haram besiegt werden würde, würde es Jahre dauern bis die menschlichen Auswirkungen benannt werden könnten.

Zurück in die Gesellschaft

Im April 2014 bekam Boko Haram weltweite Aufmerksamkeit, als die Terroristen 200 Schulmädchen in Nordnigeria entführten. Das war jedoch nicht deren erste Massentführung. Häufigkeit und Umfang der Verschleppungen nehmen einem Bericht der Watchlist of Children and Armed Conflict zufolge seit 2013 stetig zu. Die Terroristen zwingen die entführten christlichen Frauen und Mädchen, zum Islam zu konvertieren und nötigten sie oft zur Heirat, heißt es darin. Laut Human Right Watch rekruitiert Boko Haram bereits Jungen im Alter von 12 Jahren als Kämpfer für ihre Gruppe.

Trotz dieses Wissens sei Fomunyoh nicht auf das vorbereitet gewesen, was er zu sehen bekam.

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