Bildquelle: Hubertus Koch

Dokumentation „Süchtig nach Jihad“ – Ein Film gegen die Gleichgültigkeit

(Bildquelle: Hubertus Koch)

Der Germanistikstudent Hubertus Koch begleitete einen Syrer in seine Heimat. In einem Film über ein Flüchtlingslager dokumentiert er das Ausmaß der Katastrophe – und sein Verständnis von „Jihad“.

Der Westen muss aufhören zu vergessen und ignorant zu sein“, sagt der Student Hubertus Koch. Der 25-Jährige Kölner gehört eigentlich zu der Generation „Komasaufen“, sagt er selbst. Er fuhr mit Freunden nach Amsterdam, spielte Ballerspiele, wollte um jeden Preis Spaß haben. Doch sein Leben änderte sich, als er sich den Dokumentarfilm über den humanitären Helfer Mahmoud Dahi vornahm. Der gebürtige Syrer sammelt seit über zwei Jahren mit seiner Familie Spenden und bringt sie in das syrische Flüchtlingslager Bab Al-Salameh, die Endstation für 12.000 Menschen auf der Flucht. Hubertus Koch wollte mit seinem Film zeigen, wie sich eine Privatfamilie engagiert.

Er begleitete Mahmoud Dahi in das Flüchtlingslager kurz hinter der Türkischen Grenze. Noch nie hatte er so viel Leid und Elend gesehen. „Ich habe mich drei Monate vorbereitet und wusste, da gibt es Kindersoldaten, da gibt es ein Lager ohne Strom, ohne Wasser, wo alle möglichen Krankheiten wüten und wo es den Leuten extrem schlecht geht. Aber wenn du dort stehst, dann ist es einfach was komplett anderes“, erzählt er. „Ich war mehr damit beschäftigt meine Tränen zu unterdrücken, als zu filmen.“ Nach seinen ersten Eindrücken warf Hubertus Koch sein komplettes Drehbuch über den Haufen. Satt einer Dokumentation über Mahmoud Dahi entstand: „Süchtig nach Jihad. Der Film eines kleinen Jungen.“ Mit dem Untertitel meint er sich selbst, Hubertus Koch, neulich noch mit Freunden in Amsterdam. „Ich bin kein Nahostexperte oder Kriegsreporter, ich bin keiner der die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Ich bin einer, der da war und wieder zurückgekommen ist und jetzt erzählt, was er erlebt hat.“ Gespickt mit bissigen, wütenden und zum Teil anklagenden Kommentaren gibt Hubertus Koch in seinem Film dem Westen auch eine Mitschuld an der humanitären Katastrophe. „Die Zustände im Lager sind katastrophal. Die Menschen leben dort zusammengepfercht in einer improvisierten Zeltstadt, ohne Strom und ohne fließendes Wasser. Sie leben buchstäblich in der Scheiße“, sagt er. Zwei Drittel der Bewohner seien Kinder, zumeist schwer traumatisiert, krank von Dreck und Fäkalien.

Hubertus Koch war zehn Tage in Syrien. Seine Erlebnisse und Eindrücke brachte er mit nach Deutschland. Es sei ihm schwer gefallen, ins normale Leben zurückzufinden, sagt er. Gedanklich sei er noch immer in Syrien: „Die Welt hier dreht sich genau so weiter. Aber deine eigene Welt dreht sich ganz anders weiter, weil du was ganz anderes gesehen hast und du das mit niemandem richtig teilen kannst.“, sagt der 25-Jährige.

Warum hat Hubertus Koch seinen Film „Süchtig nach Jihad“ genannt?

Er sagt, er wolle bewusst mit Vorurteilen aufräumen, die er selbst vorher gehabt hätte. „Jihad“ sei ein sehr komplexer Begriff. Viele verstünden darunter den bewaffneten „Dschihad“. Doch der sei eine absolute Ausnahme und der „Jihad“-Begriff selbst habe überhaupt nichts damit zu tun. In der Religion bedeute er etwa „Die Bemühung auf dem Weg Allahs“. Der „Große Jihad“ beschreibe den inneren Kampf mit sich selbst. Man solle sein Ego, seine Gelüste und seine Bedürfnisse überwinden und im Namen des Friedens handeln. Eben süchtig nach Jihad sein.

Mit dem Film wolle er zeigen, was in Syrien wirklich passiert. Denn hierzulande werde vornehmlich über ISIS debattiert und das Leid der Betroffenen vernachlässigt. Auch er habe vorgefertigte Meinungen gehabt, doch die änderten sich. Auch seine Auffassung von dem begriff „Dschihad“ habe sich verändert – deshalb die Wahl des Titels für den Film.

Hubertus Koch arbeitete neuneinhalb Monate an seinem Film. Er will kein Geld damit verdienen, sondern stellt ihn ganz bewusst kostenlos im Internet und auf Youtube zur Verfügung. Er will seine eigene Generation damit ansprechen: „Auf Youtube hängen Leute wie ich rum. Und dort hast du vor allem auch direkt die Diskussion. Du hast Kommentare und du hast den Austausch.“

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