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Immer mehr aidskranke Prostituierte im Iran

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Im Iran erkranken immer mehr Prostituierte an HIV. Doch die Regierung in Teheran leugnet das Problem. Das hängt mit der Diskriminierung von Frauen zusammen.

Nach Drogenkonsum ist der zweithäufigste Übertragungsweg des HI-Virus im Iran der Geschlechtsverkehr. Davon sind vor allem Prostituierte betroffen, die aber in den offiziellen Statistiken ebenso wie Homo- und Bisexuellen nicht erwähnt werden. Die Regierung leugnet ihre Existenz. Im Land der Mullahs kann nicht sein, was nicht sein darf.

Nach den neuesten Angaben des Gesundheitsministeriums im Dezember 2014 sind über 28.000 Personen im Iran HIV-positiv. Die tatsächliche Zahl aber wird von Experten auf das Dreifache geschätzt. Sie gehen weiter davon aus, dass ein Drittel aller Infizierten Frauen sind.

Unvollständige Informationen

Die ersten Berichte über Aids im Iran erschienen im Jahre 1986 und seitdem gibt es immer wieder widersprüchliche Daten der Behörden. Abbas Sedaghat, Leiter des Gesundheitsministeriums, behauptete im Januar 2015, dass der Iran von allen Ländern der Region am sorgfältigsten mit dem Thema Aids umgehe. Sedaghat räumte ein, dass der Anstieg besonders bei Frauen hoch sei. Dass insbesondere Prostituierte betroffen sind, sagte er jedoch nicht.

Der Iran ist dem globalen Programm zur Bekämpfung von Aids der Vereinten Nationen (UNAIDS) beigetreten. Das Land hat sich damit verpflichtet, umfassende Informationen etwa über die Zahl der Betroffenen bereitzustellen, wie Roya Kashefi, Leiterin der Menschenrechtsorganisation Association of Iranian Researchers in London der Deutschen Welle sagte. Das sei aber nicht geschehen. „Die Ergebnisse aus dem Iran machen deutlich, dass Homosexuelle, Bisexuelle und Prostituierte, die im Land am stärksten von der Krankheit betroffen sind, überhaupt nicht berücksichtigt wurden.“

Die unvollständige Bereitstellung von Informationen ist in der strikten Sexualmoral der Mullahs begründet. Im Islam ist der außereheliche Geschlechtsverkehr verboten. Und demnach darf es Prostituierte eigentlich gar nicht geben.

Das Problem liegt in der Frauendiskriminierung

Warum dennoch immer mehr Frauen in die Prostitution gedrängt werden, ergibt sich aus der prekären Lage der Frauen, so Kashefi. Die Arbeitslosigkeit unter ihnen ist drei Mal höher als bei den Männern. Das führe eben auch dazu, dass Frauen ihren letzten Ausweg in der Sexarbeit sehen. In einigen Fällen geraten die Frauen sogar mit Zustimmung oder gar durch Zwang des Ehemannes zu dieser Arbeit.

Die Frauenrechtsaktivistin Mina Ahadi aus Deutschland ist der Meinung, dass auch frauenfeindliche Gesetze die Prostitution indirekt verstärken. „Die Gesetze der islamischen Republik sind gegen Frauen und wenn eine Frau unter häuslicher Gewalt leidet, entscheidet sie sich für den schnellsten Weg: die Flucht. Und zwar obwohl sie von Außen keinerlei Schutz bekommt. In ihrer Verzweiflung werden Frauen dann drogenabhängig oder prostituieren sich.“

Ahadi fügt hinzu, dass im Iran der Situation von Prostituierten keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Selbst Organisationen, die helfen möchten, können wenig tun.

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