Bildquelle: Yahya Arhab/dpa

Jemen: Präsidentenpalast bombardiert – Minister festgenommen

(Bildquelle: Yahya Arhab/dpa)

Droht ein neuer Bürgerkrieg im Nahen Osten? Schiitische Huthi-Rebellen rücken auf den Präsidentenpalast vor – der Verteidigungsminister wurde inhaftiert. Eine Intervention Saudi-Arabiens ist möglich.

In Aden sollen Kampfflugzeuge Medienberichten zufolge den Palast von Jemens Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi angegriffen haben. Ein Kampfjet habe mindestens drei Raketen auf die Residenz abgefeuert, berichtete die lokale Nachrichtenseite „Aden al-Ghad“ am Mittwoch unter Berufung auf Augenzeugen. Bodentruppen hätten das Feuer erwidert. Über Opfer war zunächst nichts bekannt.

Die Hafenstadt Aden steht vor einem möglichen Angriff schiitischer Huthi-Rebellen. Die Aufständischen beherrschen große Teile des Jemen und waren in den vergangenen Tagen auf den Fluchtort Hadis vorgerückt. Hadis genauer Aufenthaltsort ist unklar. Der jemenitische Sicherheitsdienst wies Gerüchte zurück, das Staatsoberhaupt sei bereits aus Aden geflohen.

Die Rebellen haben nach eigenen Angaben den Verteidigungsminister des Landes festgenommen. Mahmud al-Subaihi sei in der Stadt Huta in einer Nachbarprovinz von Aden gefasst und in die Hauptstadt Sanaa gebracht worden, teilte der Sprecher der schiitischen Rebellen, Mohammed Abdulsalam, am Mittwoch im Fernsehsender der Miliz mit. Zuvor hatte sich der jemenitische Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi nach Angaben aus seinem Umfeld wegen des Vorrückens der Rebellen auf die Stadt Aden in Sicherheit gebracht.

Saudi-Arabien zieht Truppen zusammen

Unterdessen häufen sich die Anzeichen für eine Intervention des Nachbarlandes Saudi-Arabien. Das Königreich ziehe schweres Militärgerät an der Grenze zum Jemen zusammen, hieß es in Kreisen der US-Regierung. Präsident Hadi rief den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen dazu auf, einem Einschreiten ausländischer Truppen zuzustimmen. Militärisch verschlechterte sich die Lage des US-Verbündeten Hadi. Die Huthi eroberten einen strategisch wichtigen Luftwaffenstützpunkt und rückten bis auf 40 Kilometer vor Aden vor. Dorthin ist Hadi vor einem Monat geflohen, nachdem ihn die Huthi-Kämpfer aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben hatten.

Die Konzentration saudiarabischer Streitkräfte könne sowohl offensiven als auch defensiven Zielen dienen, hieß es in den US-Kreisen. Denkbar sei, dass sie Luftangriffe zur Unterstützung Hadis vorbereiteten. Hadi wird von Saudi-Arabien und anderen sunnitischen Monarchien der Region unterstützt, die Huthi-Miliz vom schiitischen Iran.

Hadi erklärte, er habe die Staaten der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats gebeten, dem Jemen auch mit militärischen Mitteln zu helfen. Abtrünnige Offiziere, die zum 2011 gestürzten Präsidenten Ali Abdullah Saleh stehen, widersprachen: „Wir lehnen entschieden und vollkommen jede ausländische Einmischung in jemenitische Angelegenheiten ab, unter welchem Vorwand, welcher Art und von wem auch immer“, heißt es in einer Erklärung des sogenannten Hohen Komitees zur Wahrung der Streitkräfte und der Sicherheit. Die Armee stehe bereit, die territoriale Einheit des Jemen zu verteidigen.

Am Montag hatte der saudiarabische Außenminister Saud al-Faisal erklärt, sollten Friedensbemühungen scheitern, seien „die Staaten in der Region und der arabischen Welt bereit, die notwendigen Maßnahmen zu treffen“.

Rebellen rücken auf Aden vor

Mit der Einnahme des vor Aden gelegenen Luftwaffenstützpunktes Al-Anad gelang den Huthi ein wichtiger militärischer Erfolg. Beobachter nehmen an, dass die Regierungstruppen jetzt eine Reihe von Kampfflugzeugen nicht mehr einsetzen kann. Auch um die Provinzhauptstadt Huta nördlich von Aden wurde heftig gekämpft. Anwohner berichteten Reuters von schwerem Maschinengewehr-Feuer. Auf den Straßen lägen die Leichen von Rebellen und Regierungssoldaten.

Augenzeugen berichteten, die Rebellen würden ihren Vormarsch auf Aden fortsetzen. Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes seien angewiesen worden, sich zu bewaffnen, berichteten Einwohner. Der Präsident ist nach den Worten seines Büroleiters Mohammed Marem zum Widerstand entschlossen: „Präsident Hadi ist in Aden und verfolgt die Entwicklung der Lage“, sagte er Reuters. „Wir rufen die Leute auf, die Reihen zu schließen, und wir sind sicher, dass die Jemeniten und die arabischen Völker es nicht dulden werden, dass Aden geplündert wird.“

Der Konflikt im Jemen droht sich zu einem offenen Bürgerkrieg auszuweiten. Die Lage eskalierte zuletzt, nachdem am Freitag bei Bombenanschlägen in dem von den Huthi kontrollierten Sanaa mehr als 130 Menschen getötet wurden.

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