Bildquelle: Kölner Stadt-Anzeiger

Jemen: Auf der Arabischen Halbinsel gibt es Krieg

(Bildquelle: Kölner Stadt-Anzeiger)

Seit Donnerstagmorgen herrscht Krieg auf der Arabischen Halbinsel. Mehr als 100 saudische Jets beteiligten sich am Angriff auf den besetzten Präsidentenpalast in Jemen. Das könnte erst der Anfang der Offensive gegen die Rebellen gewesen sein. Von Martin Gehlen

Kairo – Hohe Rauchwolken standen über der jemenitischen Hauptstadt. Schwere Raketenexplosionen und Maschinengewehrfeuer waren in Sanaa zu hören, als saudische Kampfflugzeuge am Morgen die Luftwaffenbasis Al-Duleimi nahe dem Zivilflughafen sowie den von Aufständischen besetzten Präsidentenpalast angriffen. Seit Donnerstagmorgen herrscht Krieg auf der Arabischen Halbinsel.

Hunderte Bewohner versuchten, mit ihren Habseligkeiten aus den Wohnvierteln zu fliehen. „Die Leute sind total verängstigt. Es ist furchtbar, überall in der Hauptstadt wird bombardiert“, berichtete ein jemenitischer Journalist dem Sender „Al-Arabija“. Über lokale TV-Kanäle wurden alle Ärzte aufgerufen, in die Krankenhäuser zu kommen. Die Angaben über Todesopfer bei den Kämpfen schwanken zwischen 13 und 25.

Mehr als 100 saudische Jets waren nach Angaben aus Riad an den Angriffen beteiligt sowie 30 Flugzeuge aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und acht aus Bahrain. Man werde alles tun, um die legitime Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi zu verteidigen, erklärte der saudische Botschafter in Washington, Adel al-Jubeir. Huthi-Sprecher Mohammed al-Bukhaiti dagegen sprach von einer offenen Kriegserklärung. Im Süden rückten die schiitischen Rebellen weiter auf die Hafenstadt Aden zu, in der sich Tausende regierungstreuer Stammeskämpfer verbarrikadiert haben. Ein Teil der Angreifer wird von Ahmed Salih, dem Sohn des 2012 gestürzten Präsidenten Ali Abdullah Salih, kommandiert, der auf diese Weise die verlorene Macht zurückerobern will. Sein Präsidentennachfolger und Gegenspieler Hadi hält sich möglicherweise noch in der Stadt versteckt. Andere Quellen sprechen davon, er habe sich ins benachbarte Saudi-Arabien abgesetzt.

Zehn arabische Nationen haben sich bisher der „Operation entscheidender Sturm“ öffentlich angeschlossen, die vom neuen saudischen König Salman und seinem Sohn, dem 35-jährigen Verteidigungsminister Mohammad bin Salman, koordiniert wird. Am Wochenende will die Arabische Liga auf ihrem Gipfel in Scharm el Scheich über eine pan-arabische Eingreiftruppe beraten. Saudi-Arabien erklärte eine Bodenoffensive sei nicht ausgeschlossen.

Rebellen stark bewaffnet

Im Kampf um den Jemen setzen die Golfstaaten allerdings vor allem auf Bodentruppen aus Pakistan und Ägypten. Beide Regime hängen am saudischen Milliardentropf und können sich diesem Ansinnen nur schwer verweigern. „Wir prüfen eine entsprechende saudische Anfrage“, hieß es aus Islamabad. Kairo setzte vier Kriegsschiffe in Richtung Aden in Bewegung. Man stehe bereit, falls Bodentruppen gebraucht würden, gab das Außenministerium bekannt.

Die jetzige Offensive im Jemen unter Führung von Saudi-Arabien stieß beim regionalen Widersacher Iran auf scharfe Kritik. Teherans Außenminister Mohammad Javad Zarif forderte einen sofortigen Waffenstillstand. „Militäraktionen von außerhalb gegen Jemens territoriale Integrität und sein Volk werden nur noch mehr Blutvergießen und Tote nach sich ziehen“, erklärte er.

Denn die Huthis und die mit ihnen verbündeten jemenitischen Truppenteile des Ex-Präsidenten Salih sind gut gerüstet. Den schiitischen Rebellen fielen Flugzeuge, Panzer, Geschütze und Fahrzeuge im Wert von 500 Millionen Dollar in die Hände, die in den vergangenen Jahren von den Vereinigten Staaten geliefert worden waren. Und so könnten die Aufständischen versuchen, mit ihren Jets saudische Ölanlagen anzugreifen, von denen ein erheblicher Teil der westlichen Energieversorgung abhängt. Die Ölpreise zogen am Donnerstag an, die Börsen am Golf gaben teilweise kräftig nach.

Auch die wichtige Suezkanal-Schifffahrtsroute durch den Golf von Aden liegt unmittelbar im Kriegsgebiet. Der Kampf gegen Al-Kaida im Jemen erlitt zudem einen Rückschlag.

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