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Was im Jemen wirklich los ist

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Der Konflikt im Jemen wird oft als Stellvertreterkrieg beschrieben. Doch so einfach ist es nicht. In dem Land tobt schon seit Jahren ein schwerer politischer Konflikt, der auch mit Waffen ausgetragen wird.

Relativ unbeachtet von der Weltöffentlichkeit kämpft eine sunnitische Militärallianz im Jemen weiter gegen die Huthi-Milizen. Der Guardian aus London beklagt, dass wie so oft vor allem Zivilisten die Opfer der Kämpfe sind. Zudem vermutet er, dass die „militärische Rivalität zwischen Saudi-Arabien und Iran vermutlich weiter eskaliert, da keinerlei Verhandlungen über eine regionale Sicherheit in Aussicht sind.

Viel wird davon abhängen, wie die USA nach einer Einigung mit Iran bei den Atomverhandlungen die Sorgen ihrer arabischen Verbündeten berücksichtigen. Man sollte immer versuchen, die regionalen Mächte an einem großen Verhandlungstisch zusammen zu bringen.“

Doch ganz so einfach ist es in diesem Fall nicht, schreibt Charlotte Wiedemann in der taz, denn im Jemen gebe es eine politische Auseinandersetzung, die nicht von außen induziert sei. „Von ‚schiitischen Rebellen‘ zu sprechen, wie es die meisten Medien jetzt tun, ist deshalb irreführend.

„Schiitische Moscheen“ kennen nur die Nachrichten

Die Huthi, die sich selbst als Ansar Allah (Verteidiger Gottes) bezeichnen, sind als politisch-soziale Bewegung gegen die Marginalisierung von Jemens Nordwesten entstanden. Während der Revolution zählten sie zu den neuen politischen Akteuren auf der nationalen Bühne, wie die Jugend und die Bewegung des Südens. Gemeinsam verlangten sie die Ablösung der alten korrupten Elite, insbesondere des Clans von Saleh. Er und sein Sohn sollten sich auch für Kriegsverbrechen in der nordwestlichen Stadt Saada verantworten.“

So sei es allerdings nicht gekommen. Der Westen war eben mehr an Stabilität als an einem demokratischen Neubeginn interessiert gewesen. Diese Politik sei gescheitert, weshalb man jetzt lieber von einem religiösen Konflikt spreche.

Zudem führt Wiedemann kundig aus, dass es auch keinen sunnitisch-schiitischen Konflikt im Jemen gebe. Die Huthi seien nämlich Zaiditen, also eine kleine eigenständige muslimische Strömung, die sunnitischen Gruppen wie den sogenannten Mutaliziten nahestehe. Deshalb beteten im Jemen die zaiditisch-schiitischen und die sunnitischen Gläubigen in denselben Moscheen.

„Schiitische Moscheen“ kennen nur die Nachrichten. Ihr Fazit: „Man braucht für die Huthi keine Sympathie zu haben. Zu sehr hat sie die alte jemenitische Krankheit befallen: auf die Waffe setzen und die Waffe sich ihre Verbündeten suchen lassen. Aber der Westen gibt ihnen aus einem anderem Grund nicht die Hand.

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