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Syrien: Flucht aus dem Todeslager Jarmuk

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Im Süden der IS, im Norden die syrische Armee, mittendrin palästinensische und syrische Milizen: Die Bewohner des syrischen Flüchtlingslager Jarmuk sind zwischen alle Fronten geraten. Nun konnten die meisten Zivilisten das „Todeslager“ verlassen.

Jerusalem – Die meisten Zivilisten haben inzwischen Jarmuk, das palästinensische Flüchtlingsviertel in Damaskus, der Hauptstadt von Syrien, das UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kürzlich mit einem „Todeslager“ verglichen hatte, offenbar verlassen können. Die ohnehin katastrophale Lage dort hatte sich dramatisch zugespitzt, als Truppen der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) Anfang April nach Jarmuk vorgedrungen waren. 18 000 Lagerbewohner, darunter 3500 Kinder, gerieten so zwischen alle Fronten: im Süden der IS, im Norden die syrische Armee, mittendrin palästinensische und syrische Milizen.

Genaue Zahlen liegen nicht vor, aber geschätzt wird, dass nur noch 6000 Menschen im Lager geblieben sind. Die PLO (Palestinian Liberation Organisation) geht davon aus, dass 95 Prozent von einstmals 160 000 Einwohnern aus dem kriegszerstörten und von Versorgungswegen abgeschnittenen Lager geflohen sind.

IS überlässt Stellungen der Nusra-Front

Auch der IS zog sich laut der Nachrichtenagentur Reuters nach heftigen Gefechten aus Teilen Jarmuks in seine Hochburg Hadschar al-Aswad zurück, überließ aber seine Stellungen der Nusra-Front, einem anderen Al-Kaida-Ableger. IS-Kämpfer hatten zuvor verfeindete Rebellen, unter ihnen Mitglieder der Gruppe Aknaf Beit al-Makdis, die mit der palästinensischen Hamas verbündet ist, geköpft und deren Angehörige massakriert. So zumindest schilderten es Jarmuk-Bewohner, die sich in benachbarte Stadtteile retten konnten.

Schon aus Eigeninteresse ließ das Assad-Regime die eingekesselten Jarmuk-Bewohner an diversen Ausgängen passieren. Um den IS zurückzudrängen, braucht Damaskus Verbündete, auch aus den Reihen der Rebellen. Achmed Madschdalini, Leiter der PLO-Delegation, die in Krisenmission nach Syrien gereist war, willigte ein – entgegen der offiziellen Haltung in Ramallah, sich aus dem Bürgerkrieg herauszuhalten. So gab Madschdalini bekannt, die wichtigsten PLO-Fraktionen seien zur Kooperation mit der syrischen Regierung bereit, „um mit militärischen Mitteln die IS-Terroristen aus Jarmuk zu jagen“.

Zahlreiche Versorgungsposten

Die palästinensische UN-Flüchtlingshilfe hat derweil zahlreiche Versorgungsposten südöstlich und nordöstlich von Jarmuk errichtet. Neben Lebensmittelpaketen und Mahlzeiten würden Matratzen, Decken und Hygieneartikel ausgeteilt, berichtete UNRWA-Sprecher Christoph Gunness. Auch sei seit vergangener Woche eine mobile Krankenstation im Einsatz, die täglich Hunderte Patienten behandele, unter ihnen Fälle von Hepatitis A, verursacht durch verseuchtes Wasser. Vorrang, so hieß es, habe aber weiter die Versorgung der Zurückgebliebenen in Jarmuk.

Um einen humanitären Korridor nach Jarmuk auszuhandeln, war auch UNRWA-Chef Pierre Krähenbühl vor einer Woche nach Damaskus geeilt. Nach Gesprächen mit syrischen Regierungsvertretern hatte er Optimismus geäußert, aber betont, dass man in Kooperation mit den in Damaskus akkreditierten Diplomaten auch mit nichtstaatlichen Beteiligten sprechen müsse.

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