Bildquelle: Reuters/Darren Whiteside

Asien und Afrika rücken zusammen

(Bildquelle: Reuters/Darren Whiteside)

In Indonesiens Hauptstadt Jakarta trafen sich hochrangige Vertreter aus rund 80 Ländern zu einem Asien-Afrika-Gipfel. Sie wollen ihre Zusammenarbeit stärken und fordern eine Neuausrichtung der globalen Weltordnung.

Es war eine geschäftige Woche für Indonesiens Hauptstadt Jakarta. Denn das Weltwirtschaftsforum zu Ostasien war kaum vorbei, da trafen sich Staats- und Regierungschefs sowie wichtige Vertreter aus 77 Staaten zur Asien-Afrika-Konferenz. Sie bekundeten ihre Absicht, in Zukunft enger zusammenzuarbeiten und sich von der Dominanz des Westens zu emanzipieren.

Abkehr von Bretton Woods gefordert

Entsprechend selbstbewusst traten die Konferenzteilnehmer auf. Indonesiens Präsident Joko Widodo forderte in seiner Eröffnungsrede eine „neue Weltordnung“, die „offen ist für aufstrebende Wirtschaftsmächte“, und die die „überholten Ideen von Bretton Woods“ überwindet. In Bretton Woods wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die internationale Währungsordnung vor allem nach US-amerikanischen Vorstellungen neu ausgerichtet. Er kritisierte scharf, dass „einige noch immer darauf beharren, dass nur Weltbank und IWF die globalen Probleme lösen können“.

In die gleiche Kerbe schlug auch Chinas Präsident Xi Jinping: Er betonte, dass „eine neue Art der internationalen Beziehungen“ nötig sei, in der die Zusammenarbeit zwischen asiatischen und afrikanischen Staaten vorangetrieben werden müsste. Und auch wenn niemand die auf Initiative Chinas neu gegründete Asiatische Infrastruktur Investmentbank (AIIB) beim Namen nannte, wurde doch deutlich, dass die Vertreter beider Kontinente sehr darauf aus sind, ihre Abhängigkeit von den westlich dominierten Finanzinstitutionen deutlich zu verringern.

Treffen im „Geist von Bandung“

Dass der Gipfel dabei den „Geist von Bandung“ wieder heraufbeschwören wollte, hat dabei besondere Symbolkraft. Denn die erste „Konferenz von Bandung“ im Jahr 1955 war vor allem ein Treffen von Staaten, die gerade erst die Unabhängigkeit erlangt hatten. Aus ihrer antikolonialen Haltung heraus wollte der damalige Gipfel ein politisches Gegengewicht zu USA und UdSSR schaffen – und wurde so zur Keimzelle der späteren Blockfreien-Bewegung. Und auch wenn die Blockfreien mittlerweile politisch so gut wie keine Rolle mehr spielen, gilt die Bandung-Konferenz von 1955 als wichtiger Wendepunkt, denn de facto setzte sie einen Schlussstrich unter die europäische Kolonialzeit.

Seitdem hat sich viel geändert. 1955 repräsentierten alle teilnehmenden Staaten zusammen nicht einmal ein Viertel der weltweiten Wirtschaftskraft. Heute ist es weit mehr als die Hälfte. Und so haben sich auch die Prioritäten verändert. Sechs Jahrzehnte nach Bandung suchen die asiatischen und afrikanischen Staaten erneut nach ihrer Rolle in der Weltpolitik – einer Rolle, die auch ihrem gestiegenen ökonomischen Gewicht entspricht. „1955 war die Weltwirtschaft von Amerika und Europa dominiert“, sagt Asien-Experte Gregory Poling vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) gegenüber der DW. „Heute gibt Asien den Ton an, und auch viele afrikanische Staaten legen an Bedeutung kräftig zu.“

China, Indien und Indonesien gehören zu den G20-Staaten, auch in Afrika haben sich einige Staaten zu regionalen Wirtschaftsmächten entwickelt. Nicht zuletzt deshalb versucht Indonesiens Präsident Joko Widodo, den „Geist von Bandung“ vor allem durch ökonomische Vorhaben wiederzubeleben – indem er etwa fordert, Handelsbarrieren zwischen Asien und Afrika zu senken und deutlich mehr gegenseitig zu investieren.

Ungleiche Rollenverteilung

„Die Beziehungen zwischen Afrika und Asien haben sich seit 1955 komplett verändert“, sagt auch Rajiv Biswas, Chefökonom für Asien-Pazifik beim Thinktank IHS, „vor allem getrieben durch den Aufschwung Chinas zur mittlerweile weltweit zweitgrößten Wirtschaftsmacht.“ Chinas Aufstieg hat auch zu einem riesigen Rohstoffhunger geführt, und Afrika ist dabei zu einer immer wichtigeren Quelle geworden.

Betrug die Handelsbilanz zwischen China und dem gesamten afrikanischen Kontinent im Jahr 1955 noch 12 Milliarden US-Dollar, sind es heute bereits 200 Milliarden. Chinas Handelsbilanz mit Afrika ist damit deutlich größer als die von Asiens zweitgrößter Wirtschaftsmacht, Japan, die gerade einmal bei 30 Milliarden US-Dollar liegt.

So werden auch die Beziehungen zwischen Asien und Afrika von den beiden größten Wirtschaftsmächten dominiert. Es ist geradezu bezeichnend, dass das wichtigste bilaterale Treffen des Gipfels zwischen Chinas Staatspräsident Xi Jinping und Japans Ministerpräsident Shinzo Abe stattfand – und Afrika dabei gar keine Rolle spielte. Und selbst wenn Vertreter beider Kontinente über „gegenseitige Investitionen“ sprechen, dann geht es vor allem um asiatische Investitionen in Afrika – und nicht umgekehrt. Vielleicht auch deshalb sind viele afrikanische Staatschefs gar nicht erst nach Indonesien angereist, sondern haben rangniedrigere Vertreter geschickt.

Zusammenarbeit schwach institutionalisiert

Und aller vielbeschworenen „asiatisch-afrikanischen Solidarität“ zum Trotz sind die Verbindungen beider Kontinente zueinander noch immer schwach ausgeprägt. Während Asien seine Beziehungen zu anderen Erdteilen auch institutionell gefestigt hat, etwa über das Asia-Europe-Meeting (ASEM) oder das Forum für Ostasien-Lateinamerika-Kooperation (FEALAC), gibt es zwischen Asien und Afrika noch immer keine entsprechende Organisation. Zwar einigte man sich vor zehn Jahren – zum 50. Jahrestag der Konferenz von Bandung – auf eine „Neue asiatisch-afrikanische strategische Partnerschaft“ (NAASP), doch viel mehr als technische Kooperationen, Studentenaustauschprogramme und ein unverbindliches Wirtschaftsforum sind dabei bislang nicht herumgekommen.

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