Bildquelle: Nigerian Army/AFP

Nigeria: Befreite Boko-Haram-Geiseln berichten von Gräueltaten

(Bildquelle: Nigerian Army/AFP)

Zwangsheirat, Sexsklavin, menschlicher Schutzschild: Die aus den Fängen der islamistischen Miliz Boko Haram befreiten Frauen und Kinder haben ungeheure Gräuel erlebt.

Die nigerianische Armee hat nach eigenen Angaben etwa 160 weitere Geiseln aus der Gewalt der Islamistengruppe Boko Haram befreit. Etwa 60 Frauen und 100 Kinder hätten aus dem Sambisa-Wald im Nordosten Nigerias gerettet werden können, sagte ein Militärsprecher am Donnerstag. Insgesamt wurden damit seit Wochenbeginn fast 500 Geiseln aus den Händen von Boko Haram befreit.

Die Geiseln seien unter „sehr harten und unmenschlichen Bedingungen“ festgehalten worden, sagte der Militärsprecher Chris Olukolade. Die Armee will die Befreiten nun an einen sicheren Ort bringen, um ihre Identität und ihre Herkunft zu klären. Das Militär veröffentlichte mehrere Fotos, auf denen einige der geretteten Frauen und Kinder zu sehen sein sollen. Sie kauern auf dem Boden und werden von Soldaten bewacht. Ein Kleinkind sieht stark unterernährt aus.

Aus Militärkreisen hieß es, die befreiten Frauen hätten angegeben, unter anderem als menschliche Schutzschilde bei Kampfhandlungen missbraucht worden zu sein. Frühere Geiseln hatten von Zwangsverheiratungen, sexuellem Missbrauch und erzwungenen Kampfeinsätzen für die Islamisten berichtet.

Bei den Gefechten zur Befreiung der Geiseln war der Sambisa-Wald nach Militärangaben von Kampfflugzeugen bombardiert worden. Eine Frau und ein Soldat wurden demnach getötet sowie acht Geiseln und vier Soldaten verletzt. Der Militärsprecher sagte, bei den Einsätzen seien mehrere „Trainigscamps der Terroristen“ geräumt worden. Ausrüstung und Fahrzeuge seien beschlagnahmt worden.

Unklar, ob vermisste Mädchen aus Chibok unter den Befreiten

Erst am Dienstag hatte die nigerianische Armee die Befreiung von 200 Mädchen und 93 Frauen aus Boko-Haram-Lagern im Sambisa-Wald bekanntgegeben. Das Militär kann nach eigenen Angaben noch nicht sagen, ob unter den Befreiten auch einige der vor einem Jahr von Boko Haram entführten Schülerinnen aus der Stadt Chibok sind.

Der Sambisa-Wald im Bundesstaat Borno ist nach Angaben des Militärsprechers die „letzte Hochburg“ der Extremisten im Nordosten Nigerias. Die Armee werde das Gebiet weiter „flächendeckend“ durchsuchen. Es gebe die „große Hoffnung“, weitere Geiseln zu retten.

Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International entführte Boko Haram seit Anfang 2014 im Norden Nigerias mindestens 2000 Frauen und Mädchen, um sie mit Kämpfern zu verheiraten. Für weltweite Bestürzung hatte die Verschleppung von 276 Schülerinnen aus Chibok vor einem Jahr gesorgt. Von ihnen befanden sich zuletzt noch 219 in der Gewalt der Islamisten.

Noch immer hunderte Menschen verschleppt

Amnesty bezeichnete die Befreiung der etwa 500 Geiseln seit Wochenbeginn als „Grund zum Feiern“. Zugleich warnte die Organisation jedoch, dass „nur die Spitze des Eisbergs“ sichtbar geworden sei. „Es gibt tausende weitere Frauen und Mädchen, zudem auch Jungen und Männer, die von Boko Haram verschleppt wurden.“

Boko Haram kämpft mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit dem Jahr 2009 tötete die Gruppe bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 15.000 Menschen.

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