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Israel/Deutschland: Das einseitige Staunen

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Die deutsch-israelische Zusammenarbeit konnte wachsen, weil sich Deutschland seiner Vergangenheit gestellt und Israel sich für die Zukunft geöffnet hat. Eine Presseschau.

Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland scheint lange her. Aber wenn man hört, dass es sich zum 50. Mal jährt, erschrickt man, wie zeitlich nah die deutschen Verbrechen sind, die das Verhältnis der beiden Staaten seit jeher bestimmen. Das hat auch Alexandra Jacobson in der Neuen Westfälischen beschäftigt: „Die Aussöhnung zwischen Deutschland und Israel ist ein Wunder. Ein Wunder hat viel mit Staunen zu tun, aber momentan ist das Staunen leider eine ziemlich einseitige Angelegenheit. Viel mehr Israelis reisen nach Deutschland als Deutsche nach Israel. Die Neugier der sonst so reiselustigen Deutschen auf den jüdischen Staat hält sich in Grenzen. Die Reisetätigkeit nimmt ab. Dafür wachsen wieder die Vorurteile. Zwei Drittel der Israelis mögen Deutschland, aber die Liebe wird kaum erwidert. Fast die Hälfte der Deutschen denkt negativ von Israel.“

Die Zukunft wird weniger von der Vergangenheit geprägt sein

Klaus-Dieter Frankenberger geht in der FAZ davon aus, dass es für gelingende Beziehungen mehr braucht als nur den geschichtlichen Hintergrund: „Die Sicherheit Israels, sein Existenzrecht, ist Teil deutscher Staatsräson. Diese Verantwortung bestimmt weitgehend die deutsche Nahost-Politik. Aber es dürfte auch klar sein, dass die Zukunft des deutsch-israelischen Verhältnisses weniger von der Vergangenheit geprägt sein wird. Auf Geschichte allein wird das künftige deutsch-israelische Verhältnis nicht gründen können. Es wird auch jenseits davon neue zukunftsfeste Angebote suchen müssen, die für das Leben junger Leute in beiden Ländern von Belang sind.“

Alter Antisemitismus in neuen Formen

Thomas Fricker nennt in der Badischen Zeitung das gegenwärtige Problem zwischen Deutschland und Israel beim Namen: „Das hierzulande erstarkende Israel-Bashing aus Prinzip ist aber noch verfehlter. Nicht selten lauert dahinter alter Antisemitismus in neuen Formen. Heute mögen deutlich mehr Israelis die Bundesrepublik als Deutsche Israel schätzen. Das macht nachdenklich. Denn zugrunde liegt dieser Entwicklung eine oft sehr pauschale Verurteilung des israelischen Umgangs mit den Palästinensern. Als gäbe es den Terror der Hamas nicht, werden die Palästinenser zu Opfern und Israelis zu Tätern stilisiert. Eine solche Sicht wird der entsetzlichen Komplexität des Konflikts in keiner Weise gerecht – und auch nicht Israels Ringen mit der eigenen Zerrissenheit.“

Peter Münch stellt in der Süddeutschen Zeitung schließlich die Zukunftsfrage: „Diese Freundschaft zwischen Deutschland und Israel, dem Land der Täter und dem Land der Opfer, ist nicht vom Himmel gefallen. Sie ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines harten Ringens und harter Arbeit auf beiden Seiten. Sie konnte wachsen, weil sich Deutschland seiner Vergangenheit gestellt und Israel sich für die Zukunft geöffnet hat. Das hat ein solides Fundament geschaffen.

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