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Mali: Tuareg-Rebellen verweigern Unterschrift

(Bildquelle: picture-alliance/dpa)

Ein gemeinsames Friedensabkommen aller Konfliktparteien steht in Mali weiter aus. Das Land steckt in der Krise, seit vor drei Jahren Rebellen die Unabhängigkeit Nordmalis forderten. Eine Chronologie der Ereignisse.

Es sollte der feierliche Schlussstrich werden unter eine jahrelange Krise, mehrere afrikanische Staatschefs waren eingeladen nach Bamako. Denn in der Hauptstadt wollte Malis Präsident Ibrahim Boubacar Keita am Freitag (15.05.2015) einen Friedensvertrag mit Separatisten aus dem Norden des Landes unterzeichnen.

Das Abkommen wurde zwar unterzeichnet, aber nur von den algerischen Vermittlern, von Malis Außenminister und zwei kleineren Separatistengruppen. Die wichtigste Konfliktpartei, die Tuareg-Rebellen, waren nicht dabei. Sie hatten ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt: Die Tuareg-Rebellen – zusammengeschlossen in der „Koordination der Bewegungen des Azawad“ (CMA) – hatten zwar am Vorabend ein vorläufiges Abkommen signiert, vor der feierlichen Unterzeichnung aber weitere Verhandlungen gefordert. So ist auch weiterhin kein Ende in Sicht für eine Krise, die vor mehr als drei Jahren begonnen hat.

17. Januar 2012

Im Norden Malis brechen Kämpfe zwischen Tuareg-Rebellen der neu gegründeten „Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad“ (MNLA) und dem Militär aus. „Azawad“ wird der Norden Malis genannt. Auch die islamistische Gruppierung „Ansar Dine“ nimmt den Kampf auf. Zehntausende Malier ergreifen die Flucht.

22. März 2012

Das Militär putscht unter Führung von Hauptmann Amadou Sanogo gegen Präsident Amadou Toumani Touré – rund einen Monat vor der geplanten Präsidentschaftswahl. Als Grund nennt Sanogo, die Regierung unterstütze das Militär nicht in seinem Kampf gegen die Rebellen im Norden. Die Verfassung wird außer Kraft gesetzt.

30. März bis 1. April 2012

Tuareg-Rebellen erobern die wichtigsten Städte Nordmalis Kidal, Gao und Timbuktu und bringen damit rund zwei Drittel des Landes unter ihre Kontrolle. Innerhalb weniger Tage zeichnet sich ein Bruch im Rebellenbündnis ab: Die säkulare Tuareg-Rebellion MNLA ruft am 6. April den Staat Azawad aus, der international nicht anerkannt wird. Die Islamisten von Ansar Dine und deren Verbündete, „Al-Kaida im Islamischen Maghreb“ (AQMI) und die „Bewegung für den Dschihad in Westafrika“ (MUJAO), sind gegen einen unabhängigen Staat: Stattdessen fordern sie die Einführung der Scharia im bestehenden Mali. Sie gewinnen bald die Oberhand und verüben wiederholt Gräueltaten im Namen des islamischen Rechts.

12. April 2012

Um dem Land nach dem Putsch eine Führung zu geben, wird Parlamentspräsident Dioncounda Traoré als Interimspräsident vereidigt. Er bildet eine Interimsregierung aus Militärs und Technokraten.

Mai 2012

Islamisten zerstören ein Mausoleum in Timbuktu, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Sie richten sich damit gegen den moderaten Islam Nordmalis. Es folgen weitere Akte der Vernichtung historisch wertvoller Bauten. Sie verstören im Juli die Weltgemeinschaft und werfen die Frage auf, inwieweit die Zerstörung von Kulturgütern Teil der Kriegsführung sein darf.

Dezember 2012

Der UN-Sicherheitsrat spricht sich für eine Entsendung von Friedenstruppen durch den westafrikanischen Staatenblock ECOWAS aus. Dieser hatte bereits Mitte November entschieden, 3300 Soldaten im Rahmen der AFISMA-Mission nach Mali zu entsenden, und die Vereinten Nationen um Zustimmung gebeten.

Januar 2013

Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich greift ein. Mit Unterstützung französischer und westafrikanischer Truppen gelingt es der malischen Armee, die Islamisten aus großen Teilen Nordmalis zu vertreiben. Die französische „Operation Serval“ wird rückwirkend von den Vereinten Nationen gebilligt.

April 2013

Die EU startet eine Ausbildungsmission in Mali, an der sich auch deutsche Soldaten beteiligen. Der UN-Sicherheitsrat beschließt am 25.04.2013 die Einrichtung der MINUSMA-Stabilisierungsmission für Mali als Ablösung der westafrikanischen AFISMA-Mission. Beginn der Mission ist im Juli.

18. Juni 2013

Dank der Vermittlung Burkina Fasos schließen Malis Übergangsregierung und die Tuareg-Rebellen ein Waffenstillstandsabkommen.

11. August 2013

Nach einer ersten Wahlrunde Ende Juli wird Ibrahim Boubacar Keita (kurz: IBK) in einer Stichwahl mit deutlicher Mehrheit zum neuen Präsidenten gewählt und am 4. September vereidigt. Die Wahlbeteiligung liegt bei unter 50 Prozent – viele Menschen haben Angst, an die Urnen zu gehen. IBKs Partei kann im Dezember 2013 auch die Parlamentswahlen für sich entscheiden.

September 2013

Neue Kämpfe zwischen den Tuareg-Rebellen und der malischen Armee machen den Waffenstillstand hinfällig. Kurz darauf starten französische, malische und UN-Soldaten eine neue Offensive, um das Gebiet unter ihre Kontrolle zu bringen.

Mai 2014

Ende Mai entbrennen in Nordmali neue Kämpfe. Die MNLA erobert Kidal und viele kleinere Städte in der Grenzregion zu Algerien und Niger kurzfristig zurück, schließt aber kurz darauf einen Waffenstillstand mit der Übergangsregierung in Bamako.

Juli 2014

Vertreter der malischen Regierung und der Rebellen nehmen in Algerien neue Friedensgespräche auf. Aus der französischen Mission „Serval“ wird die Mission „Sicheldüne“, die sich auf die Bekämpfung von Islamisten in fünf Ländern der Sahelzone ausrichtet.

März 2015

Die Gespräche in Algier enden nach fünf Verhandlungsrunden mit einem Friedensabkommen. Doch die an den Verhandlungen beteiligte Allianz CMA unterzeichnet nicht – unter dem Vorwand, ihre Basis befragen zu wollen. Tage später kommen bei verschiedenen Anschlägen von Dschihadisten weitere Menschen ums Leben, im Norden flammen neue Kämpfe zwischen Armee und Separatisten auf.

14. Mai 2015

Nach Tagen heftiger Kämpfe setzen Vertreter der Tuareg-Allianz CMA ihre Initialen unter ein vorläufiges Algier-Abkommen.

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