Bildquelle: Maghrebia/Flickr

Afrika zunehmend unter Strom

(Bildquelle: Maghrebia/Flickr)

Ganz Afrika könnte laut Präsident des Panafrikanischen Parlaments in weniger als zehn Jahren vollständig an das Stromnetz angeschlossen sein. Das Projekt benötigt jedoch noch weitere 50 Milliarden US-Dollar.

Roger Nkodo Dang, Präsent des Panafrikanischen Parlaments, stellte dem französischen Parlament am 3. November seine Vision zur Elektrifizierung Afrikas vor. „75 Prozent der Afrikaner haben keinen Zugang zu Licht und Strom“, erklärte Nkodo Dang. Dabei könne man die derzeit 600 Millionen Afrikaner ohne Elektrizität schon recht bald ans Stromnetz anschließen.

„Wir haben das Instrument geschaffen. Jetzt brauchen wir nur noch das nötige Kaptal“, so Nkodo Dang. Am 15. Juni dieses Jahres einigten sich die 54 Staats- und Regierungschefs der Afrikanischen Union einstimmig auf die Schaffung einer afrikanischen Stromversorgungsbehörde. Diese soll in Afrika Projekte für den Ausbau des Stromnetzes finanzieren und koordinieren.

Am 7. Oktober stimmte dann auch das Panafrikanische Parlament, eine beratende Versammlung bestehend aus 53 afrikanischen Vertretern, für die Entscheidung der Staats- und Regierungschefs.

„So könnte Afrika in weniger als zehn Jahren den Anteil der Haushalte mit Stromzugang von derzeit 25 Prozent auf 100 Prozent steigern“, unterstreicht Nkodo Dang. „Wir wären damit der erste offiziell nachhaltige Kontinent weltweit. Das Abkommen ist zum Greifen nah.“

Der Jean-Louis Borloo Fund unterstützt den Elektrifizierungsplan im Rahmen seiner Energies for Africa Initiative. Auch für französische Firmen biete er wirtschaftliche Wachstumsperspektiven. Die Stiftung steht unter der Leitung des französischen Umweltministers und finanziert sich über eine lange Liste französischer Großunternehmen – darunter zum Beispiel Total, Bouygues, Bolloré und Engie.

Es fehlt an staatlichen Mitteln

Damit der Elektrifizierungsplan fruchtet, muss Afrika zunächst die nötigen Gelder aufbringen. „Wir brauchen über die nächsten zehn Jahre hinweg fünf Milliarden US-Dollar jährlich. Das ist nur eine Kleinigkeit angesichts dessen, was auf dem Spiel steht. Die Summe muss allerdings als gesichertes Darlehen vorliegen“, betont Nkodo Dang.

Allen Erwartungen nach werden die historisch für den Klimawandel verantwortlichen Länder, darunter auch die EU, die notwendigen Finanzen in Form von Zuschüssen bereitstellen. So wolle man die diesjährige Finanzspritze von fünf Milliarden US-Dollar nutzen, um 250 Milliarden Dollar Privatinvestitionen für die vollständige Elektrifizierung Afrikas zu mobilisieren.

Die meisten französischen Abgeordneten befürworten die Aussagen des Präsidenten des Panafrikanischen Parlaments. Deren Kollegen im Senat hatten der Initiative bereits im Oktober zugestimmt. In einem Beschluss forderten sie die Regierung auf, den gewählten Ansatz zu unterstützen.

„Der weitreichende Anschluss ans Stromnetz bietet Europa die Möglichkeit, die afrikanische Energiewende zu begleiten“, meint Senator Jean-Marie Bockel, Autor des Beschlusses. „Gleichzeitig fördern wir so erneuerbare Energien und kämpfen gegen die Entwaldung. Diese Entwicklung würde sich mit dem zukünftigen Bevölkerungsboom noch weiter beschleunigen.“

Konkrete Unterstützung

Trotz parlamentarischer Unterstützung muss Frankreich seinen Worten nun Taten folgen lassen und finanzielle Hilfe bereitstellen. „Frankreich fördert erneuerbare Energien in Afrika im Rahmen seiner Entwicklungspolitik“, äußerte sich der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron während einer Debatte. „Unser Engagement muss der Herausforderung gerecht werden. Afrika braucht keine weiteren Versprechungen, sondern konkrete Zusagen. Wir dürfen dabei jedoch nicht die einzigen sein.“

Mit dieser Aufforderung wandte sich Macron direkt an die weltweit größten CO2-Produzenten. Diese müssten nun tief in die Taschen greifen, um Afrikas Plan zu finanzieren. In den Entwicklungsländern hofft man weitgehend darauf, dass die Pariser Klimakonferenz (COP21) im Dezember eine erste Welle an Finanzierungszusagen lostritt.

„Wenn die COP21 nicht in einem internationalen Abkommen diesbezüglich endet, können wir gleich einpacken“, warnte Philippe Visier, Vorsitzender der gemäßigten UDI-Fraktion im französischen Parlament.

Zahlreiche Initiativen

Afrika steht vor einer großen energiepolitischen Herausforderung. Die Anzahl privater und öffentlicher Initiativen hat sich in den letzten Jahren vervielfacht. Dies schaffte einen gewissen Wettbewerb zwischen bilateralen und multilateralen Programmen.

2013 verkündeten die USA den Start des Power Africa Plans. Ziel dessen ist es, die Verfügbarkeit von Elektrizität in Afrika bis 2018 zu verdoppeln. Hierfür sollen sieben Milliarden Dollar an öffentlichen Geldern und 14 Milliarden Dollar aus privaten Investitionen bereitgestellt werden.

Schneider Electric, französischer Spezialist für elektrische Anlagen, rief am 22. Juni dieses Jahres den Energy Access Ventures Fonds (EAV) ins Leben. Er umfasst 54,5 Millionen Euro an öffentlichen und privaten Mitteln. Mit ihm hofft das Unternehmen, Millionen von Haushalten in Sub-Sahara Afrika bis 2025 ans Stromnetz anzuschließen.

Der Grüne Klimafonds der UN erhielt bereits Zusagen in Höhe von etwa zehn Milliarden Dollar. Auch dieser Fonds zielt darauf ab, nachhaltige Energieprojekte in Entwicklungsländern zu fördern. Frankreich versprach bereits, der Initiative in den nächsten zwei Jahren eine Milliarde Dollar beizusteuern.

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