Ein Brief aus dem Jemen: „Wir haben gelebt wie Du in Deutschland“

Ein Brief aus dem Jemen: „Wir haben gelebt wie Du in Deutschland“

„Es steht noch eine halbe Wand, dort, wo unsere Küche war. Wir hatten dort 20 Jahre gelebt, waren zufrieden. Hatten alles: Kinder, Arbeit, ein Auto…“

Abdul Nafi‘ steht ganz hinten in der Schlange. Sein Blick ist auf den Boden gerichtet. Der hagere Mann wirkt abwesend und unendlich verletzlich. Seine linke Hand umklammert einen riesigen gelben Kanister. Er steht wie all die anderen an, um an diesem Wochenende Wasser zu haben. Und er wird hier noch drei Stunden stehen – mindestens. Das ist Sanaa im April 2017. Das ist der #Jemen heute: Gescheitert und vergessen.

Ich habe Abdul Nafi‘ im Februar 2014 kennengelernt, als mein AMEPRES-Team über die AQAP, den jemenitischen Arm der al-Kaida berichtete und dafür zwei Wochen lang durch den Jemen fuhr (das Roadbook der Recherchereise).

Auch wenn das Land schon damals ein geschundenes war, so gab es doch noch Hoffnung. 10 000 Menschen protestierten in der Hauptstadt Sanaa gegen Saudi Arabien und seine Verbündeten. „Ihr werden es niemals schaffen uns in die Knie zu zwingen“, konnte man auf den Plakaten lesen.

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