Alle Beiträge von Sieglinde Schilling

Afrika-Cup: Fußball um jeden Preis

16 Teams spielen ab Samstag in Gabun um den Afrika-Cup. Dabei war die Suche nach einem Gastgeber schwierig. Doch jetzt wollen Aubameyang und Co. den Titel in ihr Land holen.

„Die Menschen in Gabun haben gerade andere Sorgen“, sagte Afrika-Korrespondentin Linda Staude jüngst im Deutschlandfunk. Dennoch will das 1,7-Millionen-Einwohner-Land am Äquator den Africa Cup of Nations, die Afrikameisterschaft im Fußball, schultern. Trotz großer Sicherheitsbedenken, trotz einer hohen Arbeitslosigkeit, trotz wirtschaftlicher Probleme, trotz politischer Spannungen unter einem autokratischen Präsidenten Ali-Ben Bongo Ondimba.
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Istanbul – die verwundete Stadt – Ein Jahr nach dem Anschlag auf Sultanahmet

Ein Selbstmordattentäter tötete vor einem Jahr zwölf Deutsche in der Istanbuler Altstadt. Es ist der erste schwere Terroranschlag in der Millionenmetropole, für den die Terrormiliz IS verantwortlich gemacht wird. Eine Zäsur für Stadt und Einwohner.

Im Istanbuler Viertel Sultanahmet wirbelt der Schnee um den ägyptischen Obelisken neben der berühmten Blauen Moschee. Weiß und unschuldig sieht der Ort aus, an dem vor einem Jahr bei einem Selbstmordattentat zwölf deutsche Touristen getötet und zahlreiche verletzt wurden. Als wollte der Schnee die schmerzhafte Erinnerung etwas abdämpfen.

Ein Selbstmordattentäter hatte sich am Morgen des 12. Januar 2016 neben dem Obelisken in die Luft gesprengt. Er steuerte direkt in eine deutsche Reisegruppe hinein. Die türkischen Behörden identifizierten den Attentäter später als den aus Syrien stammenden Nabil Fadli. Er soll im Auftrag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gehandelt haben. Die Terrorgruppe bekannte sich jedoch nicht dazu.
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Internationale Zusammenarbeit: Chinas Geld, Chinas Blauhelme für Afrika

China hat es in Afrika nicht mehr nur auf Bodenschätze abgesehen. Auch die Sicherheit wird zum großen Thema. Dass Peking seinen Einfluss auf dem Kontinent ausweitet, birgt für Europa Risiken – aber auch Chancen.

Wieder Hände schütteln und posieren für die Pressefotos: Chinas Außenminister Wang Yi tourt in diesen Tagen durch Afrika. Der Neujahrsbesuch auf dem Kontinent hat längst Tradition. Madagaskar, Tansania, Sambia, Kongo und Nigeria stehen dieses Mal auf dem Reiseprogramm.

Sambia zum Beispiel will zu einem Verkehrs- und Logistikzentrum im Süden Afrikas werden – dabei hat Wang jetzt Hilfe versprochen. China sei „der wichtigste und verlässlichste Partner Sambias auf dem Weg zu einer selbständigen und nachhaltigen Entwicklung“, zitierte ihn die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua nach einem Treffen mit seinem sambischen Kollegen Harry Kalaba in Lusaka.
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Frontex startet Einheit zur schnelleren Abschiebung

Die EU-Grenzschutzbehörde Frontex hat ihre neue Einheit zur beschleunigten Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern gestartet. Ein „Interventionsteam“ zur Rückführung mit mittelfristig bis zu 690 Spezialisten habe nun seine Arbeit aufgenommen, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Frontex könne die Experten zur Unterstützung von EU-Mitgliedstaaten entsenden, „um Rückführungseinsätze zu organisieren und zu koordinieren“. Falls nötig, könnten sie auch in Drittstaaten tätig werden.

Die EU hatte den Ausbau von Frontex im vergangenen Jahr beschlossen, um die Außengrenzen besser zu schützen. Im Oktober nahm die neue Behörde ihre Arbeit auf, seit Dezember gibt es eine Reserve von bis zu 1500 Grenzschützern, die in Krisensituationen binnen Tagen an die EU-Außengrenze verlegt werden können.
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Nach dem Massaker in Nigeria: Die Trauer der Schiiten

Die nigerianische Armee tötete vor gut einem Jahr viele Angehörige der schiitischen Minderheit. Sie hatte Angst vor einer islamistischen Rebellion.

Muhammad Abdulhamid hat eine Tour geplant. „Das Wohnhaus müssen wir unbedingt ansehen, die Schule und den Friedhof“, sagt der 23-Jährige, um sich schnell zu korrigieren, „oder das, was übrig geblieben ist“. Dann schweigt er abrupt. Der Soziologiestudent will zeigen, was Nigerias Armee in seiner Heimatstadt Zaria innerhalb eines Jahres zerstört hat und was einst zur „Islamischen Bewegung in Nigeria“ (IMN) gehörte.

Diese schiitische Gruppierung ist seit 2014 stark ins Visier der Sicherheitsorgane gerückt. In Nigeria sind die meisten Muslime Sunniten. Im Bundesstaat Kaduna gibt es drei kleine schiitische Bewegungen, entstanden nach der Islamischen Revolution im Iran 1979 mit der Forderung, auch in Nigeria einen islamischen Staat zu errichten.

Breite Unterstützung findet das nicht. Als Gefahr wird es eigentlich auch nicht angesehen, da die Anhängerschaft zahlenmäßig viel zu klein ist. Aber dennoch sind die schiitischen Gruppierungen vielen suspekt.

Nasir Ahmad El-Rufai, Gouverneur des Bundesstaates Kaduna, hat die IMN als erste der drei Gruppen verboten. Nicht aus religiösen Gründen, betont er. Sie habe sich geweigert, sich vom Staat registrieren zu lassen.

Traditionelle schiitische Prozession niedergeschossen

Muhammad Abdulhamid zuckt dazu mit den Schultern. „Das ist kein Grund, so gegen uns vorzugehen“, klagt der junge Mann, dessen ganze Familie der schiitischen Bewegung angehört. Er hält am ersten Ort, den er zeigen möchte. In der Nachmittagssonne spielen ein paar Jungen Fußball. „Hier hat das Haus von Scheich Zakzakys Mutter gestanden.“ Heute sind nicht einmal mehr die Grundmauern zu sehen. Er ärgert sich über die „Zerstörungswut“. „Was hat das Haus einer alten Frau damit zu tun?“, klagt er.

Scheich Ibraheem Zakzaky ist der Gründer der IMN und sitzt seit mehr als einem Jahr im Gefängnis. Mit ihm dürften mehrere hundert Anhänger verhaftet worden sein. Eine genaue Zahl nennt niemand. Im November nannte Nigerias Oberster Gerichtshof die Untersuchungshaft zwar unverhältnismäßig und forderte, Zakzaky auf freien Fuß zu setzen. Doch auch Wochen später ist das nicht passiert.

Die Verhaftungen geschahen während und nach einem großen Massaker im Dezember 2015. Menschenrechtsorganisationen gehen von 349 Toten aus: 348 Schiiten und ein Soldat. Eskaliert war die Situation während einer traditionellen Prozession. Die IMN ist häufig dafür kritisiert worden, dass sie für ihre Aufmärsche unerlaubt ganze Straßen blockiert. Kurz nach dem Massaker hieß es von Seiten der Armee allerdings, dass es Pläne gab, hochrangige Militärs zu ermorden. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) schrieb in einem Bericht, dass die Schiiten Steine und Stöcke in den Händen hielten; die Soldaten hätten überzogen reagiert.

Mit Boko Haram auf eine Stufe gestellt

Muhammad Abdulhamids nächster Halt liegt außerhalb Zarias Richtung Norden. Abdulhamid fährt zu dem Friedhof, auf dem Mitglieder der Bewegung bestattet werden. Bei einigen Gräbern sind die Steine aus den Verankerungen gerissen.

Eine große Grabstätte sticht hervor: Sie ist zentimetergenau eingefasst, die Steinplatten sind sauber und gepflegt. Hier wurden im Juli 2014 drei Söhne Zakzakys beerdigt – erschossen von der Armee, so die IMN. Verschiedenen Quellen zufolge starben bei diesem Vorfall zwischen 12 und 35 Menschen. Auch hier hat es keine Aufarbeitung gegeben. Der zweite Schreck kam nach dem Massaker 2015, als die Soldaten versuchten, Teile des Friedhofs zu zerstören. Muhammad Abdulhamid kann nur mit dem Kopf schütteln. Er hat das Gefühl, der Staat wolle eine ganze Bewegung vernichten.

Sein Vater Abdulhamid Bello, der zu den führenden Mitgliedern gehört, sieht es ähnlich. Damit verbunden ist die Anschuldigung, die IMN könne sich zu einer Terrormiliz wie Boko Haram entwickeln. Diese gründete sich zwar 600 Kilometer entfernt in der Stadt Maiduguri im Nordosten Nigerias und hat mit Schiiten nichts zu tun. Heute wird nigerianischen Politikern jedoch vorgeworfen, dass Boko Haram über viele Jahre unbeobachtet und ungestraft predigen konnte.

„Es gibt keine gemeinsame Geschichte“

So weit geht auch Gouverneur El-Rufai nicht. „Es wäre falsch, Parallelen zwischen Boko Haram und der IMN zu ziehen. Es gibt keine gemeinsame Geschichte“, erklärt er. Als Bedrohung schätzt er die schiitische Gruppe dennoch ein. Es gebe einen militanten Flügel, der bewaffnet sei und Ausbildung von Kämpfern betreiben würde. El-Rufai plädiert dafür, solche Ansätze „im Keim zu ersticken“. In Zaria pochen Abdulhamid Bello und sein Sohn Muhammad demgegenüber auf die Friedfertigkeit der Gruppe. „Wir haben nie Vergeltung verübt“, sagt der Vater.

Muhammad Abdulhamid will unbedingt noch einen wichtigen Ort zeigen: das Fudiyya Centre, seine ehemalige Grundschule. Hier rollten im November 2016 die Bulldozer an. Es soll keine Baugenehmigung gegeben haben. Bisher hat sich niemand die Mühe gemacht, den Schutthaufen abzutragen. „Warum mussten sie ausgerechnet einen Ort des Lernens vernichten?“ Muhammad Abdulhamid blickt sich um.

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(Bildquelle Titelbild: AMEPRES-Screen/krj)

Waffenruhe in Syrien: Die syrische Armee greift wieder an

Das Militär hat einen Einsatz gegen die Rebellen bei Damaskus gestartet. Bei zwei Anschlägen starben starben 12 Menschen, 15 wurden verletzt.

Die syrische Armee hat trotz der geltenden Waffenruhe einen Militäreinsatz in der Nähe von Damaskus gestartet, um die von Rebellen kontrollierten Wasserquellen der syrischen Hauptstadt zurückzuerobern. Die Operation habe am Sonntagmorgen begonnen, hieß es aus syrischen Militärkreisen. Die Wasserversorgung der syrischen Hauptstadt ist seit kurz vor Weihnachten unterbrochen. Rebellen und Regierung machen sich gegenseitig dafür verantwortlich.
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Dürre in Ostafrika: Es wird noch schlimmer

Hungernde Menschen, sterbende Tiere, aber kein Regen: Die Dürre in Ostafrika wird immer schlimmer. 2017 soll sie ihren Höhepunkt erreichen.

Burhan Semakula sieht die Not jeden Tag: „Die Pflanzen sind vertrocknet. Es ist sehr schwer, an Nahrung zu kommen. Auch die Tiere sind betroffen. Wir mussten sie umsiedeln, um sie vor der Dürre zu bewahren.“ Er ist Lehrer im Distrikt Luwero im Süden Ugandas. 85 Prozent der Einwohner leben von der Landwirtschaft. Doch ohne Regen geht das nicht mehr. „Unser Essen reicht nicht aus, es ernährt uns nicht mehr“, klagt Semakula.
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Afghanistan: Winter setzt Flüchtlingen zu

Der Kälteeinbruch bedroht das Leben vieler Flüchtlinge in Afghanistan. Innerhalb des Landes sind Millionen Menschen auf der Flucht. Eine humanitäre Krise, die durch den Winter noch verschärft wird.

Der erste Schnee ist in der afghanischen Hauptstadt Kabul gefallen. Was für viele Bewohner ein freudiges Ereignis ist, ist für andere ein weiteres Übel. Die Zeltstädte und Slums mit den notdürftigen Behausungen der Flüchtlinge sind nicht geeignet, um Kälte und Feuchtigkeit abzuwehren. Auch fehlt es an passender Winterkleidung oder an wetterfesten Schuhen. Das erhöht die Gefahr von Infektionen. Viele Kinder tragen nur Schlappen an den sonst nackten Füßen.
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„Es ist unser Land“ – israelische Siedler wollen Räumung verhindern

Hunderte israelische Polizisten haben bereits für den Einsatz geübt: Im Westjordanland soll ein illegaler Außenposten aufgelöst werden. Tania Krämer war vor Ort.

Bis spät in den Abend diskutierten die Bewohner der illegalen Siedlung Amona am Mittwoch ein Kompromissangebot der Regierung – und lehnten es schließlich ab. Die Tage ihres Außenpostens hoch oben auf einem Hügel im besetzten Westjordanland sind gezählt. Bis zum 25. Dezember müssen die rund 50 mobilen Wohncontainer geräumt sein. Doch der Vorschlag der Regierung, die Siedler auf nahegelegene Grundstücke umzusiedeln, war für sie nicht akzeptabel. Aus Sicht der Siedler hätte es nicht für alle Familien adäquate Lösungen gegeben.
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Schwieriger Neubeginn für Aleppo-Rückkehrer

In Aleppo ist die Evakuierung der letzten verbliebenen Rebellengebiete im Ostteil der Stadt fortgesetzt worden. Mehrere Busse sowie Fahrzeuge des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz hielten sich westlich von Aleppo bereit.

Seit Beginn der Evakuierung am vergangenen Donnerstag haben nach Angaben des Roten Kreuzes rund 25.000 Menschen Ost-Aleppo in Richtung von Nachbarprovinzen verlassen. Alleine seit Sonntag seien 15.000 Menschen in das Umland gebracht worden.


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