Archiv der Kategorie: Middle East

Ein Brief aus dem Jemen: „Wir haben gelebt wie Du in Deutschland“

„Es steht noch eine halbe Wand, dort, wo unsere Küche war. Wir hatten dort 20 Jahre gelebt, waren zufrieden. Hatten alles: Kinder, Arbeit, ein Auto…“

Abdul Nafi‘ steht ganz hinten in der Schlange. Sein Blick ist auf den Boden gerichtet. Der hagere Mann wirkt abwesend und unendlich verletzlich. Seine linke Hand umklammert einen riesigen gelben Kanister. Er steht wie all die anderen an, um an diesem Wochenende Wasser zu haben. Und er wird hier noch drei Stunden stehen – mindestens. Das ist Sanaa im April 2017. Das ist der #Jemen heute: Gescheitert und vergessen.

Ich habe Abdul Nafi‘ im Februar 2014 kennengelernt, als mein AMEPRES-Team über die AQAP, den jemenitischen Arm der al-Kaida berichtete und dafür zwei Wochen lang durch den Jemen fuhr (das Roadbook der Recherchereise).

Auch wenn das Land schon damals ein geschundenes war, so gab es doch noch Hoffnung. 10 000 Menschen protestierten in der Hauptstadt Sanaa gegen Saudi Arabien und seine Verbündeten. „Ihr werden es niemals schaffen uns in die Knie zu zwingen“, konnte man auf den Plakaten lesen.

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Moskau und Ankara rücken in Syrien zusammen

Die Allianz wird enger: Obwohl Russland und die Türkei im syrischen Bürgerkrieg verschiedene Ziele verfolgen, betonen sie ihre Gemeinsamkeiten. Damaskus wird derweil von Explosionen erschüttert.

Die Streitkräfte Russlands und der Türkei wollen sich künftig bei Luftangriffen auf Dschihadistengruppen in Syrien abstimmen. Ein in Moskau unterzeichnetes Abkommen ziele darauf ab, „Zwischenfälle zu verhindern, wenn Flugzeuge und unbemannte Flugkörper im syrischen Luftraum sind“, erklärte das russische Außenministerium. In dem Papier gehe es um Luftangriffe auf „terroristische Ziele“. Es lege Mechanismen zur Koordinierung und Zusammenarbeit der Luftwaffen beider Länder fest.
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Istanbul – die verwundete Stadt – Ein Jahr nach dem Anschlag auf Sultanahmet

Ein Selbstmordattentäter tötete vor einem Jahr zwölf Deutsche in der Istanbuler Altstadt. Es ist der erste schwere Terroranschlag in der Millionenmetropole, für den die Terrormiliz IS verantwortlich gemacht wird. Eine Zäsur für Stadt und Einwohner.

Im Istanbuler Viertel Sultanahmet wirbelt der Schnee um den ägyptischen Obelisken neben der berühmten Blauen Moschee. Weiß und unschuldig sieht der Ort aus, an dem vor einem Jahr bei einem Selbstmordattentat zwölf deutsche Touristen getötet und zahlreiche verletzt wurden. Als wollte der Schnee die schmerzhafte Erinnerung etwas abdämpfen.

Ein Selbstmordattentäter hatte sich am Morgen des 12. Januar 2016 neben dem Obelisken in die Luft gesprengt. Er steuerte direkt in eine deutsche Reisegruppe hinein. Die türkischen Behörden identifizierten den Attentäter später als den aus Syrien stammenden Nabil Fadli. Er soll im Auftrag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gehandelt haben. Die Terrorgruppe bekannte sich jedoch nicht dazu.
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Waffenruhe in Syrien: Die syrische Armee greift wieder an

Das Militär hat einen Einsatz gegen die Rebellen bei Damaskus gestartet. Bei zwei Anschlägen starben starben 12 Menschen, 15 wurden verletzt.

Die syrische Armee hat trotz der geltenden Waffenruhe einen Militäreinsatz in der Nähe von Damaskus gestartet, um die von Rebellen kontrollierten Wasserquellen der syrischen Hauptstadt zurückzuerobern. Die Operation habe am Sonntagmorgen begonnen, hieß es aus syrischen Militärkreisen. Die Wasserversorgung der syrischen Hauptstadt ist seit kurz vor Weihnachten unterbrochen. Rebellen und Regierung machen sich gegenseitig dafür verantwortlich.
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Afghanistan: Winter setzt Flüchtlingen zu

Der Kälteeinbruch bedroht das Leben vieler Flüchtlinge in Afghanistan. Innerhalb des Landes sind Millionen Menschen auf der Flucht. Eine humanitäre Krise, die durch den Winter noch verschärft wird.

Der erste Schnee ist in der afghanischen Hauptstadt Kabul gefallen. Was für viele Bewohner ein freudiges Ereignis ist, ist für andere ein weiteres Übel. Die Zeltstädte und Slums mit den notdürftigen Behausungen der Flüchtlinge sind nicht geeignet, um Kälte und Feuchtigkeit abzuwehren. Auch fehlt es an passender Winterkleidung oder an wetterfesten Schuhen. Das erhöht die Gefahr von Infektionen. Viele Kinder tragen nur Schlappen an den sonst nackten Füßen.
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„Es ist unser Land“ – israelische Siedler wollen Räumung verhindern

Hunderte israelische Polizisten haben bereits für den Einsatz geübt: Im Westjordanland soll ein illegaler Außenposten aufgelöst werden. Tania Krämer war vor Ort.

Bis spät in den Abend diskutierten die Bewohner der illegalen Siedlung Amona am Mittwoch ein Kompromissangebot der Regierung – und lehnten es schließlich ab. Die Tage ihres Außenpostens hoch oben auf einem Hügel im besetzten Westjordanland sind gezählt. Bis zum 25. Dezember müssen die rund 50 mobilen Wohncontainer geräumt sein. Doch der Vorschlag der Regierung, die Siedler auf nahegelegene Grundstücke umzusiedeln, war für sie nicht akzeptabel. Aus Sicht der Siedler hätte es nicht für alle Familien adäquate Lösungen gegeben.
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Schwieriger Neubeginn für Aleppo-Rückkehrer

In Aleppo ist die Evakuierung der letzten verbliebenen Rebellengebiete im Ostteil der Stadt fortgesetzt worden. Mehrere Busse sowie Fahrzeuge des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz hielten sich westlich von Aleppo bereit.

Seit Beginn der Evakuierung am vergangenen Donnerstag haben nach Angaben des Roten Kreuzes rund 25.000 Menschen Ost-Aleppo in Richtung von Nachbarprovinzen verlassen. Alleine seit Sonntag seien 15.000 Menschen in das Umland gebracht worden.


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Dschihadismus: Karak – Angriff auf Jordanien

Die Attacke auf die Kreuzfahrerburg von Karak reiht sich in eine Reihe weiterer dschihadistischer Anschläge ein. Sie zeigen, wie gefährdet Jordanien trotz aller politischen und militärischen Antiterror-Maßnahmen ist.

Sprengstoffgürtel und weitere explosive Materialien, die jordanische Sicherheitskräfte in der Stadt Kerak westlich des Toten Meeres fanden, legen eine Vermutung nahe: Die Terroristen, die am Sonntag zunächst eine Polizeistation und dann Besucher der bei Touristen beliebten Kreuzritterburg der Stadt angegriffen hatten, planten offenbar einen weit größeren Anschlag. So erklärte es der jordanische Innenminister Salemeh Hammad auf einer Pressekonferenz am Montagnachmittag.
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Zentralsyrien: Zwischen Krieg und Normalität – auch Hama soll Assads Stadt werden

Der Bürgerkrieg in Syrien ist mit dem Fall Aleppos noch lange nicht beendet. Besonders umkämpft ist die Provinz Hama. Sie ist seit vielen Jahren Ziel unterschiedlichster Machtinteressen. (Von Birgit Svensson, Suleimanija)

Während sich die blutige Schlacht um Aleppo dem Ende zuneigt, wird in Syrien an vielen Fronten weiter gekämpft. Vor allem in der zentralsyrischen Provinz Hama gibt es fast täglich Tote und Verletzte. Die Hilfsorganisation Union of Medical Care and Relief Organizations (UOSSM)berichtete zuletzt von einem Giftgasangriff auf mehrere Orte der Provinz. Demnach hatten am Dienstag Kampfjets Bomben auf mehrere Dörfer abgeworfen, die sich in den Händen von Dschihadisten befinden. Mehr als 90 Zivilisten sollen getötet und rund 300 weitere verletzt worden sein.
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EU-Gipfel: Kein Verzicht auf Flüchtlingspakt mit Türkei

Trotz des massiven Vorgehens der türkischen Führung gegen ihre Kritiker hält die EU am Flüchtlingspakt mit Ankara fest.

Die EU-Staats- und Regierungschefs erklärten am Donnerstagabend, eine „vollständige“ Umsetzung „aller Aspekte“ der Vereinbarung vom März sei wichtig. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan warnte die Europäer erneut davor, die versprochene Visa-Liberalisierung für türkische Bürger doch nicht einzuführen.
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