Archiv der Kategorie: Pressespiegel Afrika

Afrika-Cup: Fußball um jeden Preis

16 Teams spielen ab Samstag in Gabun um den Afrika-Cup. Dabei war die Suche nach einem Gastgeber schwierig. Doch jetzt wollen Aubameyang und Co. den Titel in ihr Land holen.

„Die Menschen in Gabun haben gerade andere Sorgen“, sagte Afrika-Korrespondentin Linda Staude jüngst im Deutschlandfunk. Dennoch will das 1,7-Millionen-Einwohner-Land am Äquator den Africa Cup of Nations, die Afrikameisterschaft im Fußball, schultern. Trotz großer Sicherheitsbedenken, trotz einer hohen Arbeitslosigkeit, trotz wirtschaftlicher Probleme, trotz politischer Spannungen unter einem autokratischen Präsidenten Ali-Ben Bongo Ondimba.
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Internationale Zusammenarbeit: Chinas Geld, Chinas Blauhelme für Afrika

China hat es in Afrika nicht mehr nur auf Bodenschätze abgesehen. Auch die Sicherheit wird zum großen Thema. Dass Peking seinen Einfluss auf dem Kontinent ausweitet, birgt für Europa Risiken – aber auch Chancen.

Wieder Hände schütteln und posieren für die Pressefotos: Chinas Außenminister Wang Yi tourt in diesen Tagen durch Afrika. Der Neujahrsbesuch auf dem Kontinent hat längst Tradition. Madagaskar, Tansania, Sambia, Kongo und Nigeria stehen dieses Mal auf dem Reiseprogramm.

Sambia zum Beispiel will zu einem Verkehrs- und Logistikzentrum im Süden Afrikas werden – dabei hat Wang jetzt Hilfe versprochen. China sei „der wichtigste und verlässlichste Partner Sambias auf dem Weg zu einer selbständigen und nachhaltigen Entwicklung“, zitierte ihn die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua nach einem Treffen mit seinem sambischen Kollegen Harry Kalaba in Lusaka.
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Afrika zunehmend unter Strom

(Bildquelle: Maghrebia/Flickr)

Ganz Afrika könnte laut Präsident des Panafrikanischen Parlaments in weniger als zehn Jahren vollständig an das Stromnetz angeschlossen sein. Das Projekt benötigt jedoch noch weitere 50 Milliarden US-Dollar.

Roger Nkodo Dang, Präsent des Panafrikanischen Parlaments, stellte dem französischen Parlament am 3. November seine Vision zur Elektrifizierung Afrikas vor. „75 Prozent der Afrikaner haben keinen Zugang zu Licht und Strom“, erklärte Nkodo Dang. Dabei könne man die derzeit 600 Millionen Afrikaner ohne Elektrizität schon recht bald ans Stromnetz anschließen.

„Wir haben das Instrument geschaffen. Jetzt brauchen wir nur noch das nötige Kaptal“, so Nkodo Dang. Am 15. Juni dieses Jahres einigten sich die 54 Staats- und Regierungschefs der Afrikanischen Union einstimmig auf die Schaffung einer afrikanischen Stromversorgungsbehörde. Diese soll in Afrika Projekte für den Ausbau des Stromnetzes finanzieren und koordinieren.

Am 7. Oktober stimmte dann auch das Panafrikanische Parlament, eine beratende Versammlung bestehend aus 53 afrikanischen Vertretern, für die Entscheidung der Staats- und Regierungschefs.

„So könnte Afrika in weniger als zehn Jahren den Anteil der Haushalte mit Stromzugang von derzeit 25 Prozent auf 100 Prozent steigern“, unterstreicht Nkodo Dang. „Wir wären damit der erste offiziell nachhaltige Kontinent weltweit. Das Abkommen ist zum Greifen nah.“

Der Jean-Louis Borloo Fund unterstützt den Elektrifizierungsplan im Rahmen seiner Energies for Africa Initiative. Auch für französische Firmen biete er wirtschaftliche Wachstumsperspektiven. Die Stiftung steht unter der Leitung des französischen Umweltministers und finanziert sich über eine lange Liste französischer Großunternehmen – darunter zum Beispiel Total, Bouygues, Bolloré und Engie.

Es fehlt an staatlichen Mitteln

Damit der Elektrifizierungsplan fruchtet, muss Afrika zunächst die nötigen Gelder aufbringen. „Wir brauchen über die nächsten zehn Jahre hinweg fünf Milliarden US-Dollar jährlich. Das ist nur eine Kleinigkeit angesichts dessen, was auf dem Spiel steht. Die Summe muss allerdings als gesichertes Darlehen vorliegen“, betont Nkodo Dang.

Allen Erwartungen nach werden die historisch für den Klimawandel verantwortlichen Länder, darunter auch die EU, die notwendigen Finanzen in Form von Zuschüssen bereitstellen. So wolle man die diesjährige Finanzspritze von fünf Milliarden US-Dollar nutzen, um 250 Milliarden Dollar Privatinvestitionen für die vollständige Elektrifizierung Afrikas zu mobilisieren.

Die meisten französischen Abgeordneten befürworten die Aussagen des Präsidenten des Panafrikanischen Parlaments. Deren Kollegen im Senat hatten der Initiative bereits im Oktober zugestimmt. In einem Beschluss forderten sie die Regierung auf, den gewählten Ansatz zu unterstützen.

„Der weitreichende Anschluss ans Stromnetz bietet Europa die Möglichkeit, die afrikanische Energiewende zu begleiten“, meint Senator Jean-Marie Bockel, Autor des Beschlusses. „Gleichzeitig fördern wir so erneuerbare Energien und kämpfen gegen die Entwaldung. Diese Entwicklung würde sich mit dem zukünftigen Bevölkerungsboom noch weiter beschleunigen.“

Konkrete Unterstützung

Trotz parlamentarischer Unterstützung muss Frankreich seinen Worten nun Taten folgen lassen und finanzielle Hilfe bereitstellen. „Frankreich fördert erneuerbare Energien in Afrika im Rahmen seiner Entwicklungspolitik“, äußerte sich der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron während einer Debatte. „Unser Engagement muss der Herausforderung gerecht werden. Afrika braucht keine weiteren Versprechungen, sondern konkrete Zusagen. Wir dürfen dabei jedoch nicht die einzigen sein.“

Mit dieser Aufforderung wandte sich Macron direkt an die weltweit größten CO2-Produzenten. Diese müssten nun tief in die Taschen greifen, um Afrikas Plan zu finanzieren. In den Entwicklungsländern hofft man weitgehend darauf, dass die Pariser Klimakonferenz (COP21) im Dezember eine erste Welle an Finanzierungszusagen lostritt.

„Wenn die COP21 nicht in einem internationalen Abkommen diesbezüglich endet, können wir gleich einpacken“, warnte Philippe Visier, Vorsitzender der gemäßigten UDI-Fraktion im französischen Parlament.

Zahlreiche Initiativen

Afrika steht vor einer großen energiepolitischen Herausforderung. Die Anzahl privater und öffentlicher Initiativen hat sich in den letzten Jahren vervielfacht. Dies schaffte einen gewissen Wettbewerb zwischen bilateralen und multilateralen Programmen.

2013 verkündeten die USA den Start des Power Africa Plans. Ziel dessen ist es, die Verfügbarkeit von Elektrizität in Afrika bis 2018 zu verdoppeln. Hierfür sollen sieben Milliarden Dollar an öffentlichen Geldern und 14 Milliarden Dollar aus privaten Investitionen bereitgestellt werden.

Schneider Electric, französischer Spezialist für elektrische Anlagen, rief am 22. Juni dieses Jahres den Energy Access Ventures Fonds (EAV) ins Leben. Er umfasst 54,5 Millionen Euro an öffentlichen und privaten Mitteln. Mit ihm hofft das Unternehmen, Millionen von Haushalten in Sub-Sahara Afrika bis 2025 ans Stromnetz anzuschließen.

Der Grüne Klimafonds der UN erhielt bereits Zusagen in Höhe von etwa zehn Milliarden Dollar. Auch dieser Fonds zielt darauf ab, nachhaltige Energieprojekte in Entwicklungsländern zu fördern. Frankreich versprach bereits, der Initiative in den nächsten zwei Jahren eine Milliarde Dollar beizusteuern.

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Ein Nicht-Thema: Migration in afrikanischen Medien

(Bildquelle: picture-alliance / dpa / M. Schmidt)

Krisenbedingt werden in Afrika von Jahr zu Jahr Millionen Menschen zu Flüchtlingen. Doch die Migrationsdebatte, wie sie in Europa stattfindet, bleibt in den afrikanischen Medien weitgehend unbeachtet.

Seit Monaten dominiert die Flüchtlingskrise in Europa die internationalen Medien. Dass viele afrikanische Ländern seit Jahren und Jahrzehnten Flüchtlingskrisen zu bewältigen haben, gelangt selten in die Schlagzeiten – auch nicht in den Ländern selbst. „Wir leben mit diesem Migrationsproblem, doch in den Medien wird es nicht als solches behandelt“, beklagt Mathewos Tadesse, Professor an der Fakultät für Journalistik der Universität von Addis Abeba in Äthiopien.

Sein Land nimmt afrikaweit die meisten Flüchtlinge auf: 660.000 Menschen waren es laut UN-Flüchtlingshilfe im Jahr 2014. Sie kommen aus den Nachbarländern Somalia, Eritrea oder noch Jemen. Zugleich kehren zahlreiche junge Äthiopier ihrem Land den Rücken zu. Doch das werde nur Thema, wenn ein großerer Skandal öffentlich würde: „Vor vier oder fünf Monaten wurde eine Gruppe von äthiopischen Migranten in Libyen ermordet. Während der Zeit haben die Medien eine wichtige Rolle gespielt,“ so der Professor. Sie hätten versucht aufzuzeigen, was für grausame Konsequenzen illegale Migration haben kann.

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Hoffen auf eine Unterkunft: Somalische Flüchtlinge vor einem Transitlager in Äthiopien. (Bildquelle: picture-alliance/dpa)

Nicht der Wille fehlt, sondern die Mittel

Doch schnell verschwindet das Thema wieder aus den Schlagzeilen. Ein Phänomen, was in vielen afrikanischen Ländern in den Medien zu beobachten ist, so Eric Chinje. Der aus Kamerun stammende Journalist leitet die African Media Initiative, eine NGO mit Hauptsitz in Nairobi in Kenia. Er war ebenfalls Gast einer Diskussionsrunde zum Thema an der Technischen Universität Dortmund. „Wenn der Afrikaner erfährt, dass es bei der Überfahrt des Mittelmeers tausend Tote gegeben hat, dann ist das nicht das Problem, dass er sich anguckt. Er fragt sich, warum sie das machen,“ sagt Chinje.

Der Afrikaner verbinde das mit einem Problem der Staatsführung. Trotzdem gebe es keine Berichte oder Analysen von afrikanischen Journalisten, die sich mit der Suche nach Lösungen beschäftigten. „Es ist ein Problem der Unwissenheit und des fehlenden Austauschs. Man muss den Journalisten helfen, an diese Informationen heran zu kommen.“

Den afrikanischen Medien fehlt also nicht der Wille, die Ursachen der Flüchtlingskrise zu hinterfragen. Es mangelt an Mitteln, Struktur, Pressefreiheit oder auch dem qualifizierten Personal.

Europa braucht Afrikas Hilfe

Und einem eigenen Blickpunkt, so Tim Quashiga, Leiter des Journalistik-Instituts von Accra in Ghana. Ein Problem, das sich nicht nur auf das Thema Migration oder die Flüchtlingskrise´beschränke. Quashiga nennt ein Beispiel: „Bei einem ghanaischen Radio habe ich einen Stück gehört, das von der BBC übernommen wurde. Der BBC-Reporter hatte Nigeria als ein ‚westafrikanisches Land‘ bezeichnet. Der ghanaische Journalist hatte das genauso wiederholt. Dabei liegt Nigeria in direkter Nähe von Ghana. Was ich sehen will, sind Geschichten, die so erzählt sind, wie sie die Afrikaner selber sehen!“

Davon würden auch die europäischen Medien profitieren können, die sich mit der Analyse der Ursachen der Migrationsbewegungen aus Afrika so schwer tun. Ohne richtige Debatte um diese Ursachen wird Europa dieses globale Problem nicht lösen können, so Eric Chinje.

Um die Zuwanderung aus wirtschaftlichen Gründen zu begrenzen, müsse man sich fragen, woher die Armut komme. „Warum sind die Kongolesen arm? Kongo ist reich! Im Kongo werden jeden Tag Diamanten und Gold abgebaut, Erdöl gefördert.“ Europa, das nun die Auswirkungen der Krise zu spüren bekomme, sollte sich mit diesen Problemen befassen.

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Indien hofiert Afrika

(Bildquelle: Reuters / A. Abidi)

Die Versorgung Indiens mit afrikanischem Öl und Gas sind Premierminister Modi ebenso wichtig wie die Unterstützung der afrikanischen Staaten bei der indischen Kampagne für einen festen Sitz im UN-Sicherheitsrat.

Es war ein Gipfeltreffen der Superlative: Rund 1000 Delegierte, die größte Konferenz in Indien seit 1983. Noch nie sind außerhalb Afrikas so viele Spitzenpolitiker und Entscheider des Kontinents zusammengekommen wie beim Indien-Afrika-Gipfel in Neu Delhi. Und künftig will Indiens Premier Narendra Modi noch stärker auf den Schwester-Kontinent setzen – vor allem, um sich Afrikas Rohstoffe und Exportmärkte zu sichern.

Den großen Worten folgen allerdings vergleichsweise kleine Zahlen: Modi kündigte indische Investitionen von gerade einmal umgerechnet 550 Millionen Euro in afrikanischen Ländern an – nach dem großen Schaulaufen von 41 Staats- und Regierungschefs aus 54 afrikanischen Staaten auf dem „India-Africa Forum Summit 2015“. Dazu stellt Modi zinsgünstige Darlehen in Höhe von neun Milliarden Euro in Aussicht – verteilt auf einen Zeitraum von fünf Jahren. „Indien fühlt sich geehrt, Afrikas Entwicklungspartner zu sein“, schmeichelte Gastgeber Modi seinen Gästen und beschwor eine Partnerschaft ohne strategische und ökonomische Hintergedanken.

Für Arndt Michael von der Universität Freiburg, der sich seit Jahren mit den Beziehungen Indiens zu Afrika beschäftigt, ist das „typisch indische Rhetorik“. Den Zweck des Gipfels bringt er so auf den Punkt: „Es gibt viele symbolische Fotos, aber wenig Handfestes.“

Auch die Beschwörung gemeinsamer Interessen und Absichtserklärungen, enger zu kooperieren, müsse man mit Vorsicht genießen, meint er: „Wir haben den Papiertiger Afrikanische Union (AU) auf der einen Seite und ein Land mit wahrscheinlich sieben Prozent Wirtschaftswachstum, aber mit einer unglaublich großen Zahl von Problemen auf der anderen – also eine in sich zerstrittene Organisation und ein Mitglied der BRICS-Staaten, das über eine mäßige Wirtschaftskraft verfügt und sehr viel innere Probleme hat. Da darf man nicht zu viel erwarten.“

Afrikas Rohstoffe im Blick

Indien will, wenn es nach Regierungschef Modi geht, in Afrika das neue China werden – vor allem im Rohstoffbereich. Schon jetzt muss das südasiatische Schwellenland rund 70 Prozent seines Gas- und Ölbedarfs importieren. Und bereits in 15 Jahren werden es 90 Prozent sein, gibt Arndt Michael zu bedenken. Indien habe gar keine andere Wahl, als sich seine Rohstoffversorgung in Afrika zu sichern. Denn der Mittlere Osten sei politisch zu instabil, um sich auf die Öl- und Gasproduzenten dort verlassen zu können. Demokratie und Menschenrechte spielten beim Griff nach Afrikas Rohstoffen im indischen Kalkül nur eine untergeordnete Rolle – wenn überhaupt. Sogar dem mit internationalem Haftbefehl gesuchten sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Baschir wurde in Neu Delhi der rote Teppich ausgerollt. Dass er wegen mutmaßlichen Völkermords vom Internationalen Strafgerichtshof (ICC) gesucht wird, betreffe Indien nicht, ließ die Regierung verlauten. Schließlich sei Indien beim ICC außen vor und müsse Baschir deshalb auch nicht ausliefern.

Handfeste Interessen

Beim großen Indien-Afrika-Gipfel in Neu Delhi ging es aber auch um einen engeren Schulterschluss zwischen Indien und dem afrikanischen Kontinent, um sich in der internationalen Politik gegenseitig den Rücken zu stärken – nicht zuletzt zur Unterstützung der indischen Kampagne für einen festen Sitz im UN-Sicherheitsrat.

Die von Modi angekündigte Ausweitung der Entwicklungshilfe in Afrika sieht Experte Michael äußerst kritisch: Genau wie China gehe es der Regierung in Neu Delhi vor allem um die Sicherung der Rohstoffversorgung – da spielten Demokratie und Menschenrechte nur eine untergeordnete Rolle. Der Sudan sei dafür ein ganz zentrales Beispiel: Zwar schiebe die Regierung in Neu Delhi dort und anderswo auch Entwicklungsprojekte an. Doch dabei stehe immer das eigene wirtschaftliche Interesse im Vordergrund. Indien sei ein typischer ‚Emerging Donor‘, „ein Entwicklungshilfe-Geberland, das gleichzeitig ein Entwicklungshilfe-Empfängerland ist, aber seine Entwicklungshilfe nicht von irgendwelchen demokratischen Strukturen abhängig macht.“

Das „neue China“?

Was ist also von der Ankündigung Indiens zu halten, das Land werde auf dem afrikanischen Kontinent in die Fußstapfen Chinas treten? Während Indien seit 2008 knapp sieben Milliarden Euro auf dem Kontinent investiert hat, pumpte China allein 2013 nach eigenen Angaben Direktinvestitionen in Höhe von 23 Milliarden Euro nach Afrika. Straßenbau und Infrastruktur im Tausch gegen den Zugang zu Märkten und Rohstoffen – so funktioniert im Kern das chinesische Konzept.

Auch Indien will vor allem Rohstoffe – darüber sind sich die Experten einig. Daneben wolle das südasiatische Schwellenland aber auch seine jetzt schon starke Stellung im Telekommunikationsbereich weiter ausbauen und als Anbieter von IT-Leistungen in Afrika punkten.

Doch bis Indien China auf dem Kontinent den Rang ablaufen kann, wie Modi es propagiert, werde noch viel Zeit verstreichen, ist Arndt Michael überzeugt: „China hat einen so großen Vorsprung, dass solche Aussagen verfrüht sind. Die Chancen stehen gut, etwa bei IT-Dienstleistungen das Afrika-Geschäft kräftig zu steigern.

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Ölpreisverfall setzt Afrika unter Druck

(Bildquelle: Martin Bureau / AFP / Getty Images)

Die sinkenden Ölpreise sorgen in vielen afrikanischen Ländern für leere Staatskassen. Die Volkswirtschaften müssen sich daher breiter aufstellen, mahnen Experten auf der 22. Afrika-Ölwoche in Kapstadt.

Es schien nur eine Richtung zu geben: aufwärts. In den vergangenen 50 Jahren hat Afrika stark von den steigenden Rohstoffpreisen profitiert. Selbst als sich in jüngster Zeit die Wirtschaft in Europa und den USA stark abkühlte, schrieben viele afrikanische Staaten zweistellige Wachstumszahlen. Nachrichtenmagazine wie der „Economist“ oder die „Times“, die Afrika zuvor stets als den „schwarzen“ und „vergessenen“ Kontinent bezeichneten, titelten „Aufstrebendes Afrika“. Befeuert hat dieses Wachstum der Rohstoffreichtum des Kontinents: Unter seiner Erdkruste schlummern nicht nur gewaltige Mengen an Platin, Gold und Kupfer, sondern auch rund ein Zehntel der weltweiten Ölreserven.

Aber jetzt, da die Ölpreise um mehr als 50 Prozent gefallen sind, stecken viele afrikanische Volkswirtschaften in großen Schwierigkeiten. „Die Ölindustrie steht unter einem globalen Schock“, sagt der renommierte Erdölfachmann Duncan Clarke. Er ist einer der Redner auf der 22. Afrika-Ölwoche im südafrikanischen Kapstadt. Vom 26. bis zum 30. Oktober kommen hier Ölfirmen und Regierungen zusammen, um über die anhaltenden Turbulenzen in der Branche zu beraten. „Alle ölproduzierenden Staaten und auch Staaten, die selbst kein Öl fördern, werden weniger Einnahmen haben“, sagt Clarke.

Wachstum hängt am Öl-Tropf

Angola gehört zu den größten Erdölproduzenten Afrikas – entsprechend hart trifft der Preisverfall die Wirtschaft des südwestafrikanischen Landes. Im Durchschnitt hatte das Wachstum seit dem Ende des Bürgerkriegs im Jahr 2002 bislang bei rund elf Prozent gelegen, jetzt ist es dramatisch eingebrochen. Angola musste seine ambitionierten Pläne, die vom Krieg völlig zerstörte Infrastruktur wieder aufzubauen, auf Eis legen. Benzinsubventionen wurden gekürzt, viele Menschen verloren ihre Jobs.

Nigeria, der größte Ölproduzent Afrikas, scheint in einer noch schwierigeren Lage zu stecken. Das Land fördert rund zwei Millionen Barrel am Tag. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds kommen 90 Prozent der Exporterträge aus dem Ölgeschäft. Kurz nachdem Muhammadu Buhari die Präsidentschaftswahlen im April dieses Jahres gewonnen hatte, kam die Wirtschaft des Landes zum Erliegen. Die Staatseinnahmen werden um voraussichtlich 40 Prozent fallen.
Einige Analysten sagen voraus, dass sinkende Ölpreise durchaus positive Effekte für ein Land haben könnten. „Es gibt weniger Korruption , weil das Geld, das den Anreiz dazu bietet, fehlt“, sagt Ese Avanoma, Leiter der nigerianischen Beratungsfirma Brade Consulting.

Angst vor unkalkulierbaren Risiken

Viele afrikanische Staaten hoffen dennoch, Investoren für die Förderung von Öl und Gas anlocken zu können. Neben den „alten Hasen“ wie Nigeria oder Angola werben auf der 22. Ölwoche auch Länder wie Malawi oder Simbabwe, die neu im Geschäft sind, um Kunden. Ölstratege Duncan Clarke, der selbst aus Simbabwe stammt, glaubt jedoch nicht, dass sein Heimatland viel Interesse bei potenziellen Investoren weckt: Seit die Regierung im Jahr 2000 begann, weiße Siedler zu enteignen, machen ausländische Investoren oft einen Bogen um das Land.
Fast 90 Prozent aller afrikanischen Staaten fördern Öl, Gas oder Kohle. Investoren seien jedoch kaum bereit, inmitten von weltweiten Turbulenzen große Risiken einzugehen, glaubt Clarke. Der Slogan vom aufstrebenden Afrika sei eine Werbestrategie gewesen, habe aber nicht immer der Realität entsprochen. „Die Prognosen, die in der Vergangenheit getroffen wurden, wurden zu teuer verkauft“, sagt Clarke. Aber: „Es gibt immer noch Wachstum und es gibt immer noch Möglichkeiten.“ Die Länder, die sich am schnellsten anpassten, würden am erfolgreichsten sein: „Die Märkte haben sich über Nacht an die Ölpreise angepasst. Die Firmen haben ein bisschen länger gebraucht, aber auch sie haben alle ihr Portfolio angepasst, sie haben Mitarbeiter entlassen. Jetzt sind die Regierungen an der Reihe.“

Sich anpassen oder untergehen

Viele afrikanische Volkswirtschaften stellen sich bereits breiter auf, auch Rekordexporteure wie Nigeria. Dienstleistungen machen inzwischen 60 Prozent des nigerianischen Bruttoinlandsprodukts aus. Mobilfunk, Bau und Banken sind nur einige Branchen, in denen das Geschäft brummt.

„Die Ölindustrie kennt seit sechs Jahren nur eine Richtung: abwärts“, sagt der nigerianische Berater Ese Avanoma. „Es ist Zeit für eine Neujustierung. Es ist an der Zeit, sich die Projekte anzusehen und zu sehen, was wachstumsfähig ist. Es ist an der Zeit, sich Zukunftsstrategien zu überlegen. Es ist also ein guter Zeitpunkt, um sich zu treffen.“

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Afrika im Zweiten Weltkrieg: Vergessene Opfer, fehlende Anerkennung

(Bildquelle: public domain)

Mehr als eine Million afrikanische Soldaten mussten im Zweiten Weltkrieg kämpfen – und wurden kaum dafür entschädigt. Veteranen fordern bis heute ihre Rechte ein.

Vor 70 Jahren, am 8. Mai 1945, kapitulierte die deutsche Wehrmacht. Der Zweite Weltkrieg war vorbei – zumindest in Europa: Wenn die Medien in Europa diesen August über den siebzigsten Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima schreiben werden, sagt Journalist Karl Rössel, werde ihnen nicht auffallen, dass sie den Krieg schon drei Monate zuvor für beendet erklärt haben.

Das zeigt, wie relativ doch die Perspektive ist. Man könnte es als Zeichen dafür sehen, dass es in Deutschland immer noch an Bewusstsein für das Ausmaß des Zweiten Weltkrieges außerhalb Europas mangelt. Davon zeugen nicht nur die hunderttausenden Toten von Hiroshima: Auch die damaligen afrikanischen Kolonien wurden in einen Krieg hineingezogen, der nicht ihrer war. Hunderttausende westafrikanische Soldaten wurden ab 1939 zum Kampfeinsatz an die Front nach Europa geschickt, zahllose Männer aus den britischen Kolonien mussten als Hilfsarbeiter und Träger ihre Pflicht tun. In Frankreich, Deutschland oder Italien, in Indien, Myanmar oder auf den Pazifischen Inseln ließen afrikanische Soldaten ihr Leben für die europäischen Kolonialherren.

Zwangsrekrutierung unter dem Deckmantel der Freiwilligkeit

Zwar sprach man in den Wochenschauen in Europa von Freiwilligen. Vor Ort sah es jedoch anders aus: Der kongolesische Kriegsveteran Albert Kuniuku ist 93 Jahre alt und Vorsitzender der Veteranenunion in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. Bis 1960 war das Land belgische Kolonie. Kuniuku spricht von klaren Zwangsrekrutierungen: „Ich habe in einer Textilfirma gearbeitet, als sie uns geholt haben. Dann sind sie zu anderen Firmen gegangen. Alle jungen Arbeiter wurden rekrutiert, keiner war älter als 30 Jahre.“ Auch der im Senegal geborene Veteran Yoro Ba erinnert sich noch genau an den Tag, an dem die Franzosen in sein Dorf kamen: „Wären wir Männer zu Hause geblieben, wären wir vor Gericht gekommen und womöglich erschossen worden.“

Wofür sie genau kämpfen sollten, wurde ihnen nicht erklärt, erzählt Baby Sy, ein Veteran aus Burkina Faso: „Bei uns wussten die Leute damals nicht, um was es ging, wenn von Faschismus die Rede war.

Uns erzählten sie lediglich, dass uns die Deutschen angegriffen hätten und uns Afrikaner für Affen hielten. Als Soldaten könnten wir ihnen beweisen, dass wir Menschen wären. Das war’s. Mehr politische Erläuterungen gab es zu der Zeit nicht.“

Im Krieg sind alle gleich

Ob in Kriegsgefangenschaft oder an der Front – die afrikanischen Soldaten kamen zwangsläufig mit europäischen Soldaten und mit der Lebensrealität in Europa in Kontakt. Das wirkte sich auf ihre Bewusstseinsbildung und damit auch auf ihr politisches Handeln im Heimatland aus.

Der senegalesische Schriftsteller und Filmemacher Ousmane Sembène, selbst ehemaliger Kolonialsoldat, hat gesagt: „Im Krieg haben wir die Weißen nackt gesehen und dieses Bild haben wir nicht vergessen.“

Das hatte weitreichende Konsequenzen. Die afrikanischen Soldaten hätten die sogenannten ‚Herrenmenschen‘ aus Europa im Schlamm und Dreck, leidend und sterbend erlebt, sagt Rössel, der 10 Jahre lang unter anderem in Westafrika zum Thema recherchiert hat. „Dadurch realisierten sie, dass es keine Unterschiede zwischen den Menschen gibt.“ Das habe wiederum dazu geführt, dass sich viele ehemalige Soldaten nach ihrer Heimkehr den Unabhängigkeitsbewegungen in ihren Ländern anschlossen.

Afrikanische Soldaten kämpfen in der libyschen Wüste gegen die deutsche Wehrmacht (Bildquelle: Imago/United Archives)
Afrikanische Soldaten kämpfen in der libyschen Wüste gegen die deutsche Wehrmacht (Bildquelle: Imago/United Archives)

Stolz und zugleich verbittert

Doch nicht alle Veteranen hätten Zugang und Akzeptanz bei den Unabhängigkeitsbewegungen gefunden, sagt der Historiker Raffael Scheck von der Universität Waterville in den USA. Viele Befreiungskämpfer kritisierten, dass die Veteranen mit den Kolonialmächten und Unterdrückern gemeinsame Sache gemacht hätten.

Heute bleiben viele Veteranen verbittert zurück. Obwohl sie den Sieg über den Faschismus mit erkämpft haben, bekommen sie dafür wenig Anerkennung. „Ich bekomme nur 5000 kongolesische Francs [rund fünf Euro, Anm.d.Red.] Kriegsrente im Monat. Das ist nicht würdig für jemanden, der die Interessen Belgiens vertreten hat“, klagt der Veteran Albert Kuniuku.

Scheu vor den Konsequenzen für die Gegenwart

Dass dieses Kapitel in europäischen und vor allem in deutschen Geschichtsbüchern nur eine Randnotiz bleibt, liegt laut Rössel auch daran, dass sich die Länder in Europa davor scheuten, Konsequenzen für die Gegenwart zu ziehen.

„Wenn man es mit der Aufarbeitung ernst meint, dann müsste man mit den Nachfahren unserer Befreier anders umgehen, als es heute in der Flüchtlingspolitik der Fall ist“, so Rössel. „Man müsste rund um den Globus für die Folgen des Krieges Entschädigungen zahlen. Aber fast nirgendwo ist nachher wieder aufgeräumt oder aufgebaut worden.“

1946 kehrte der kongolesische Soldat Albert Kuniuku in seine Heimat zurück. Zwei Jahre lang hatte er in Südasien auf Seiten der Alliierten gegen die Japaner gekämpft. Bei der Frage, ob er stolz auf seinen Kriegsdienst sei, hält er inne. Tränen fließen ihm über die Wangen. Nein, antwortet er, er sei nicht stolz. Die Trauer um seine gefallenen Kameraden sitzt tief.

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Gefährlicher Machterhalt in Burundi

(Bildquelle: AFP)

Der burundische Präsident Pierre Nkurunziza tut alles, um an der Macht zu bleiben. Jetzt sind vor allem die afrikanischen Nachbarn gefragt, um Schlimmeres zu verhindern.

Pierre Nkurunziza soll ein begnadeter Fußballspieler und ein wiedergeborener Christ sein. Das hindert den burundischen Präsidenten jedoch nicht daran, ein machtgieriger und mörderischer Dummkopf zu sein. Was den ehemaligen Rebellenchef von der Notwendigkeit überzeugt hat, nach seinen zehn Regierungsjahren noch eine weitere Amtszeit anzustreben, wissen wir nicht: womöglich eine innere göttliche Stimme, die ihm Irrsinniges zuflüstert. Was wir indessen wissen: Mit seinem fatalen Kurs setzt Nkurunziza unzählige Menschenleben aufs Spiel. Landeskenner beschwören bereits die Gefahr eines neuen Völkermords herauf, die in den labilen Schwesterstaaten Ruanda und Burundi große Verheerungen angerichtet haben.

Was ist zu tun? Da nicht davon auszugehen ist, dass Nkurunzizas innere Stimme noch rechtzeitig eine neue Parole ausgibt, sind äußere Stimmen nötig – und zwar in erster Linie afrikanische, da westliche nur wieder als neokolonialistische Einmischung in innere afrikanische Angelegenheiten verurteilt würden. Also muss die Afrikanische Union eine Sondersitzung einberufen, um ihrem Mitglied unmissverständlich klarzumachen, dass Machtmissbrauch auch in Afrika nicht mehr toleriert wird. Doch was geschieht im AU-Hauptquartier zu Addis Abeba? Nichts!

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Westafrika: Gambias Jugend sieht keine Perspektiven

(Bildquelle: Str/AFP/Getty Images)

Über tausend Gambier haben in den ersten drei Monaten dieses Jahres versucht, Europa zu erreichen. Präsident Yahya Jammeh regiert seit über 20 Jahren mit harter Hand – und auch wirtschaftlich gibt es keine Zukunft.

Banka Manneh, Chef der Vereinigungen der gambischen Zivilgesellschaft (CSAG), ist wütend, wenn er an den jungen Mann denkt, der sich nun irgendwo zwischen Senegal und Mali befindet. 21, vielleicht 22 Jahre alt sei er, und hochqualifiziert. Ein Tüftler, ein Bastler, der sich aus ausrangierten Elektronikresten riesige Modellflugzeuge baute. Und der jetzt auf dem Weg nach Libyen sei, um dort mit anderen ein Boot nach Europa zu besteigen.

„Als ich junge Menschen fragte: Wisst ihr denn nicht, wie schlimm das ist, wie leicht ihr dort sterben könnt? Da sagten sie mir: ‚Ja, das wissen wir. Aber was für eine Wahl haben wir denn? Entweder geben wir hier auf oder sterben unter dem jetzigen Führer [Jammeh]. Unsere einzige Option ist: rausgehen und es versuchen. Wenn wir es schaffen, werden wir ein besseres Leben haben.'“

Manneh sagt, die Jungen im Land hätten keine Chancen im autoritären Gambia unter Langzeitpräsident Yahya Jammeh. Der hat sich vor über 20 Jahren an die Macht geputscht und führt seitdem das Land mit eiserner Hand. „Es verschwinden mehr Menschen, es werden mehr Menschen umgebracht“, so Manneh, der inzwischen in den USA lebt. Manneh und die CSAG stehen in regelmäßigem Kontakt mit den Menschen in Gambia. Wirtschaftlich gehe es mit dem Land weiter bergab – kein Wunder, so Manneh, denn alle großen Wirtschaftsbetriebe gehörten einer Person – nämlich Jammeh.

„Jammeh ist das Gesetz“

„Es gibt keine Regeln in diesem Land. Es ist eine Diktatur und Jammeh macht, was er will. Jammeh ist das Gesetz“, sagt auch Sidi Sanneh, ehemaliger Außenminister unter Jammeh. 2006 ist er über den Senegal in die USA geflohen. „Es gibt viele Menschen, die im Gefängnis gelandet sind, obwohl sie nichts getan haben.“

Das jüngste Beispiel: Ein 14-Jähriger, dessen Vater an dem gescheiterten Putschversuch Ende Dezember 2014 beteiligt gewesen sein soll. „Er sollte mit seinen 14 Jahren in der Schule sein, aber er wurde verhaftet und keiner weiß, wo er ist.“ Der gescheiterte Putschversuch habe die Situation im Land noch verschärft. Jammeh sei jetzt sehr nervös, so Ex-Außenminister Sanneh.

Besorgniserregende Menschenrechtslage

„Es wird jeden Tag schlimmer“, so Sannah. „Es gibt so viele Gambier, die im Gefängnis dahinsiechen. Und so viele Gambier, die bis heute vermisst sind.“

Nach dem Umsturzversuch habe es eine erneute „Welle der Unterdrückung“ gegeben, sagt auch Marta Colomer von Amnesty International. „Es gibt zunehmend willkürliche Verhaftungen und Festnahmen von Leuten, von denen angenommen wird, dass sie gegen das Regime sind.“

Ende August habe Jammeh dazu noch die Straftat der „schweren Homosexualität“ eingeführt, berichtet Amnesty International. „Viele der LGBT-Gemeinde (LGBT = Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender) haben seitdem unter Unterdrückung zu leiden. Sie wurden festgenommen und gefoltert“, so Colomer. Jammeh kreiere ein Gefühl der Angst im Land.

Wer kann, verlässt das Land. Die meisten von denen, die versuchten, das Mittelmeer zu überqueren, seien jung, sagt Sanneh. „Früher waren es meist junge Männer, aber nun sehen wir auch immer mehr Mädchen – einige von ihnen haben dabei ihr Leben verloren. Frauen sind immer mehr Teil des Exodus der Jungen.“

Und es seien meist die Hochqualifizierten, die sich auf den Weg machten, sagen sowohl Sanneh als auch Manneh. „Man sieht auch junge Leute mit Universitätsabschluss auf den Booten“, so Sanneh.

Mehr und mehr Gambier drängen nach Europa

Nach Angaben der europäischen Grenzschutzagentur Frontex haben sich in den ersten drei Monaten von 2015 bereits über 1400 Gambier auf den Weg nach Europa gemacht – auf der zentralen Mittelmeer-Route über Libyen. Damit führt das nur 1,9 Millionen Einwohner zählende Land Gambia die Liste der Staaten auf dieser Route an. Und Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR zeigen, dass sich die Asylanträge von Gambiern in den Industriestaaten während der letzten drei Jahre verfünffacht haben: Waren es im zweiten Quartal 2012 noch 540 Anträge, so waren es im zweiten Quartal 2014 fast 2800.

„Es ist nicht so, dass sie die Geschichten ihrer Freunde nicht kennen würden“, sagt Manneh über die Flüchtlinge, die sich aufs Mittelmeer wagen. „Die es nach Italien schaffen, rufen ihre Freunde an und erzählen: ‚Oh mein Gott, fünf meiner Kollegen sind auf der Überfahrt gestorben, oder zehn oder hundert.‘ Sie werden gefragt: ‚Wo ist denn der andere Typ, mit dem du aufgebrochen bist?‘ ‚Oh, er ist auf dem Weg verunglückt.‘ Also: Sie wissen Bescheid.“

Sowohl Manneh, Chef der Vereinigungen der gambischen Zivilgesellschaft, als auch der ehemalige Außenminister Sanneh betonen, dass es wichtig sei, der Bevölkerung in Gambia zu helfen – allerdings sollte dafür kein Geld an Yahya Jammehs Regime fließen. Das würde nur in den Taschen korrupter Beamter verschwinden.

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