Archiv der Kategorie: Zentralafrikanische Rep.

„Verstümmelte Körper gefunden“ – MSF erlebt unvorstellbare Gewaltexzesse

Die Zentralafrikanischen Republik ist eine der grausamsten humanitären Krisenregionen dieser Welt. Medial scheint sie vergessen zu sein

Die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung erreicht in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) ein unvorstellbares Niveau. „Die Gewalt im Land eskaliert und ist so schlimm wie zuletzt auf dem Höhepunkt des Konflikts im Jahr 2014.“, sagte Emmanuel Lampaert, Leiter von Ärzte ohne Grenzen (MSF) in der Zentralafrikanischen Republik.

René Colgo, stellvertretender Landeskoordinator der Organisation erzählt von grausamsten Gewaltexzessen: „Unsere Teams haben verstümmelte Leichen gefunden, die gut sichtbar zurückgelassen wurden, offenbar um die Bevölkerung zu terrorisieren. Die Zivilisten sind traumatisiert. Viele sind aus ihren Dörfern in die Umgebung geflohen. Dort versuchen sie irgendwie zu überleben.“

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Zentralafrikanische Republik: UN bestätigt Missbrauchsfälle durch Blauhelme

UN-Blauhelmsoldaten sollen für Frieden in Zentralafrika sorgen. Laut einem UN-Papier scheint genau das Gegenteil der Fall zu sein.

Die Vereinten Nationen haben Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs von Frauen und Mädchen durch Soldaten der internationalen Friedenstruppe in der Zentralafrikanischen Republik bestätigt. Nach Gesprächen mit 139 möglichen Opfer seien 41 mutmaßliche Täter identifiziert worden, wie UN-Sprecher Stéphane Dujarric zu einem neuen Untersuchungsbericht am Montag sagte.
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Zentralafrika: UNO-Soldaten sollen Frauen vergewaltigt und geschwängert haben

(Bildquelle: AMEPRES/Archiv/cro)

Die UNO-Friedensmission Minusca in Zentralafrika wird von neuen Missbrauchsvorwürfen erschüttert. Kongolesische Blauhelmsoldaten stehen im Verdacht, mehrere Frauen vergewaltigt zu haben, wie ein Vertreter der UNO am Mittwoch erklärte.
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Zentralafrikanische Republik: Waffen für den Frieden

(Bildquelle: picture-alliance / AP Photo)

Das Waffenembargo für die zentralafrikanische Armee muss fallen – das fordern Politiker und Bürger in der Hauptstadt Bangui. Ob dies zu mehr Sicherheit im Land führen kann, bleibt fraglich.

Die Demonstranten trugen schwarz als Zeichen der Trauer und marschierten kilometerweit bis ins Herz der Hauptstadt, wo sie ihre Forderung an ausländische Diplomaten übergaben. Einige Parlamentarier der Übergangsregierung waren auch dabei, unter ihnen Alexandre-Ferdinand Nguendet, der die Forderung der Protestierer laut machte: „Die Regierung und die internationale Gemeinschaft müssen die Bewaffnung des Militärs erlauben“, sagte der Vorsitzende des Interimsparlaments. „Wir brauchen unsere Streitkräfte, damit das Land sicherer wird.“

Unterstützt wird er in der Forderung vom Leiter der UN-Friedensmission, Parfait Onaga-Anyanga. In einem Brief bat Onaga-Anyanga das UN-Sanktions-Komitee, das Waffenembargo zu lockern, nur so könne wieder mehr Stabilität und Ruhe im Land einziehen.

Im Dezember 2013 verhängte der UN-Sicherheitsrat ein Waffenembargo gegenüber der zentralafrikanischen Regierung. Es verbietet dem Land, Waffen ohne vorherige Erlaubnis des UN-Sanktions-Komitees zu kaufen: Eine Reaktion auf die unkontrollierbaren Lager in der Armee, der mitunter vorgeworfen wird, Angriffe der Anti-Balaka-Miliz unterstützt zu haben. Das Embargo soll noch bis Ende Januar gelten.

Kaum Chancen das ganze Land zu sichern

Dass die Zentralafrikaner mehr Schutz von der eigenen Armee einfordern sei verständlich, meint die niederländische Konfliktforscherin Lotje de Vries vom Institut für Internationales Konfliktmanagement (CICAM). Sie war im Februar selbst im Land. „Es war deutlich spürbar: Die Menschen wollten, dass die Armee wieder mehr Verantwortung bekommt.“ Zwar habe das Land noch nie eine starke Armee gehabt, aber eine Armee ohne Waffen sei noch weniger effektiv.

Dennoch bringe eine Wiederbewaffnung des Militärs wenig, meint de Vries. „Die Armee ist keinesfalls in der Lage für Stabilität zu sorgen – und das würden bestimmt einige Parlamentarier im Land auch so sehen“. Denn selbst wenn das Militär Waffen bekäme, hätte es keine Chance eine Fläche fast doppelt so groß wie Deutschland zu kontrollieren.

Sandy Cyrus, ein Mitglied des zentralafrikanischen Übergangsparlaments, sieht die Bewaffnung ebenfalls kritisch. „Mit welchen Soldaten will man denn heute die Armee rehabilitieren?“, fragt er. Und fügt hinzu, dass sich viele Soldaten nach dem Putsch von Präsident François Bozizé der muslimischen Séléka-Bewegung angeschlossen hätten, weil „sie marginalisiert und schlecht behandelt worden sind“. Viele andere seien zur mehrheitlich christlichen Anti-Balaka-Miliz übergelaufen.

Starkes Militär – Gefahr für die Mächtigen

„Ein starkes Militär kann ein guter Schutz für die Regierung sein, aber – wie in vielen anderen afrikanischen Ländern – auch ein große Bedrohung“, sagt Sicherheitsexpertin de Vries. Wenn die Machthaber nicht alle hochrangigen Offiziere kontrollieren könnten, gebe es immer das Risiko eines Handstreichs. Auch deshalb werde das Militär in der Zentralafrikanischen Republik absichtlich kurz gehalten. „Wenn man die Armee rehabilitiert und dann bewaffnet, dann könnte sie einen Putsch organisieren „, sagt der Parlamentarier Sandy Cyrus.

Und was tun derweil die internationalen Friedenstruppen? Laut Lotje de Vries sei es eine sehr schwierige Aufgabe für die UN-Friedensmission MINUSCA gewesen, in nur einem Jahr für Recht und Ordnung im ganzen Land zu sorgen. „Aber wenn man es als UN-Friedensmission nicht einmal schafft, die Gewalt in der Hauptstadt einzudämmen, müsste man schon überlegen, was falsch läuft oder ob man früher hätte eingreifen müssen.“ Die UN-Truppen kamen jedenfalls nicht nur Monate zu spät, sondern Jahre, so de Vries.

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Zentralafrikanische Republik: Gewaltwelle gefährdet Wahlen

(Bildquelle: picture-alliance / AA / H. C. Serefio)

Papst Franziskus mahnt die Zentralafrikaner zur Barmherzigkeit. Derweil brennen in der Hauptstadt Bangui Häuser. Die internationalen Friedenstruppen werden der Lage nicht Herr – an Wahlen ist vorerst nicht zu denken.

Rache und Vergeltung sind derzeit an der Tagesordnung in der Hauptstadt Bangui. Von mehr als einhundert brennenden Häusern, drei Toten und mindestens 22 Verletzten berichtet DW-Korrespondent Jeff Murphy Barès. Dazu kommen tausende Menschen, die in den vergangenen Tagen aus ihren Wohnungen flohen. Der Grund war wieder ein Vergeltungsschlag – diesmal von Muslimen. Ein paar Tage zuvor hatten Christen im größtenteils muslimischen Viertel PK-5 auf offener Straße zwei junge Muslime ermordet. Zwei Passanten, die zu Hilfe eilen wollten, wurden ebenfalls getötet. Was genau hinter den Übergriffen steckt, wissen viele Menschen vor Ort nicht. „Keiner kann uns erklären, warum die Leute sterben müssen“, sagt die Bewohnerin Melanie Andjokra in Bangui. „Der eine sagt, es sind die Franzosen, andere sagen, die Zentralafrikaner selbst wollen, dass die Gewalt weitergeht.“

Papstbesuch auf der Kippe

Die Übergangspräsidentin Catherine Samba-Panza sprach vor der Presse am Montag von einem „Zyklus von Vergeltungsschlägen“. Erklärtes Ziel sei, die Übergangsregierung zu schwächen „mit der traurigen Absicht, die Reise von Papst Franziskus zu sabotieren sowie dem Wahlprozess ein Ende zu setzen“. Tatsächlich gilt der für Ende November geplante Papstbesuch nicht mehr als gesichert.

Die Zentralafrikanische Republik sollte ursprünglich die letzte Station einer sechstägigen Afrika-Reise von Papst Franziskus sein. Bei seinem sonntäglichen Angelusgebet in Rom äußerte sich der Papst zuletzt besorgt über die blutigen Auseinandersetzungen. Er forderte alle beteiligten Parteien auf, den „Zirkel der Gewalt zu durchbrechen“.

Unterdessen wurde auch der Erzbischof von Bangui, Dieudonne Nzapalainga, zur Zielscheibe von Andersgläubigen. Er war vergangene Woche dabei, die Reise von Papst Franziskus in die Zentralafrikanische Republik vorzubereiten, als junge Leute in die Kathedrale von Bangui kamen und ihn bedrohten. Dabei wollte der Papst am 29. November selbst die heilige Tür der Kathedrale öffnen und das ‚Heilige Jahr der Barmherzigkeit‘ vorzeitig ausrufen. Laut nicht benannten Vatikan-Quellen könne der Papstbesuch kippen, sollte die Lage weiter eskalieren.

Neue Episode im alten Konflikt

Von Barmherzigkeit fehlt in Bangui bislang jede Spur. Der neue Gewaltausbruch ist nur eine Episode in einer ganzen Serie. Erst einen Monat zuvor starben mindestens 42 Menschen in einer Straßenschlacht in Bangui. Hunderte wurden verletzt und weitere hunderte Bewohner christlicher Bezirke haben in Auffanglagern im Süden der Stadt Zuflucht gesucht. Die Gewalt war nach der Ermordung eines Motorrad-Taxifahrers im PK-5-Viertel eskaliert. Daraufhin zogen aufgebrachte Demonstranten durch die Hauptstadt und forderten den Rücktritt von Übergangspräsidentin Catherine Samba-Panza sowie den Abzug des internationalen Militärs. Ein Mob wollte zudem den Präsidentenpalast stürmen, was aber die UN-Mission MINUSCA verhindern konnte. Die Übergangspräsidentin Samba-Panza vermutet einen Putschversuch.

Das Viertel PK-5 stand bereits vor zwei Jahren im Mittelpunkt der Massaker zwischen Christen und Muslimen. Nach einem Putsch der von Muslimen angeführten Séléka-Bewegung und dem Sturz von Präsident François Bozizé im März 2013 gründete sich die christliche Anti-Balaka-Miliz. Überall im Land kam es zu Zusammenstößen und Ausschreitungen zwischen Christen und Muslimen. Tausende Menschen kamen seitdem ums Leben. Die UN geht von knapp 400.000 Menschen aus, die seitdem Zuflucht in Flüchtlingsunterkünften in den Nachbarländern gesucht haben. Ein Viertel aller Zentralafrikaner sind im Land selbst auf der Flucht.

Bildquelle: Reuters
Jeder vierte Zentralafrikaner ist auf der Flucht. (Bildquelle: Reuters)

Ein Wahlkampf undenkbar

Angesichts der angespannten Stimmung ist an Wahlen nicht zu denken . Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen sollten ursprünglich am 18. Oktober stattfinden, wurden aber vorerst auf Dezember verschoben. Laut Hervé Ladsous, dem Leiter der UN-Friedensmission im Land lassen die andauernde Gewalt, die Vernichtung von Wahlunterlagen und die knappen Staatskassen eine Wahl nicht zu.

Das sieht Kag Sanoussi vom Internationalen Institut für Konfliktmanagment (IICG) ähnlich. „Aktuell sehe ich nicht welcher Kandidat in der Lage ist irgendwohin zu fahren, um Wahlkampf zu betreiben,“ sagte er im Gespräch mit der DW. Die Unsicherheit im Land sei ein massives Problem für die Wahl. Sanoussi setzt große Hoffnung in die internationale Gemeinschaft. Ihm zufolge solle sie Druck auf alle bewaffneten Gruppen ausüben, damit die Wahlen überhaupt stattfinden könnten.

Jetzt ist es erst einmal wichtig, im PK-5-Viertel in Bangui für Sicherheit zu sorgen – und außerdem die Hauptverkehrsachse des Landes zwischen Bangui und Kamerun abzusichern, meint Thierry Vircoulon von der International Crisis Group (ICG). Die Straße sei mittlerweile nicht mehr vor Attacken der christlichen Anti-Balaka-Miliz sicher. „Die internationalen Truppen sind momentan weder in der Lage die Hauptstadt und den PK-5-Bezirk zu kontrollieren, noch die Vorgänge in den Provinzen“, sagt er der DW. Frankreich startete im Dezember 2013 einen Militäreinsatz in der Zentralafrikanischen Republik, um die Gewalt zu beenden und die Zivilbevölkerung zu schützen. Seit September 2014 hat eine UN-Mission die Franzosen abgelöst. Solange die Truppen die Lage nicht kontrollieren könne, bestünden kaum Möglichkeiten eine Wahl zu organisieren, so Vircoulon.

Selbst wenn Recht und Ordnung wieder hergestellt werden kann, hat Vircoulon nicht allzu viele Hoffnungen an die geplanten Präsidentschaft- und Parlamentswahlen. „Die nächste Regierung wird vielleicht schwächer sein als die Übergangsregierung“, so seine Prognose.

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Zentralafrikanische Republik: Hunderte fliehen aus Bangui

(Bildquelle: AMEPRES/Euronews-Screen/krj)

In der Zentralafrikanischen Republik will die Gewalt zwischen Muslimen und Christen nicht aufhören. Hunderte Menschen flohen aus der Hauptstadt Bangui, nachdem am Wochenende muslimische Kämpfer fast ein Dutzend Menschen in christlichen Vierteln verletzten und einem Mann die Kehle durchschnitten.

Eugene Gazalima ist Vorstand im Viertel Fatima der Hauptstadt Bangui. Auch sein Viertel war von der Gewalt betroffen. Er sagt: “Hier haben alle Waffen. Die Muslime haben alle Waffen. Sie gehen in ein Viertel und töten. Und es wird hier nicht einmal im Radio darüber berichtet.”

Nach bisheriger Planung wird Papst Franziskus Ende November bei seinem Afrika-Besuch auch in die Zentralafrikanische Republik reisen. Als Zeichen der besonderen Nähe der ganzen Kirche zu dieser gequälten Nation beabsichtige er, am 29. November die Heilige Tür der Kathedrale von Bangui zu öffnen, sagte Franziskus.

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Papst stellt Reise in Zentralafrikanische Republik in Frage

(Bildquelle: Reuters / t. Gentile)

Bei seiner ersten Afrikareise seit seinem Amtsantritt wollte Papst Franziskus auch die Zentralafrikanische Republik besuchen. Diese Station scheint aus Sicherheitsgründen nun aber auf der Kippe zu stehen.

Zum Abschluss seines traditionellen Angelusgebets auf dem Petersplatz im Vatikan äußerte sich Papst Franziskus besorgt über die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen in der Zentralafrikanischen Republik. „Ich appelliere an die beteiligten Seiten, damit dem Zyklus der Gewalt ein Ende gesetzt wird“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Als Zeichen der besonderen Nähe der ganzen Kirche zu dieser „gequälten Nation“ beabsichtige er, am 29. November die Heilige Tür der Kathedrale von Bangui zu öffnen, sagte der Papst. Dann aber schränkte er überraschend ein, er hoffe, diese „Apostolische Reise“ durchführen zu können. Nach bisheriger Planung wollte er vom 25. bis 30. November nach Kenia, Uganda und als letzte Station in die Zentralafrikanische Republik reisen. Dort wollte er das von ihm ausgerufene „Heilige Jahr der Barmherzigkeit“ vorzeitig eröffnen. Offiziell beginnt das heilige Jahr erst am 8. Dezember.

Blutige Zusammenstöße zwischen Christen und Muslimen

Am Donnerstag waren in der Hauptstadt des zentralafrikanischen Landes Bangui zwei junge Muslime von Christen auf offener Straße getötet worden; zwei Christen, die ihnen zur Hilfe eilten, wurden ebenfalls umgebracht. Zahlreiche Bewohner christlicher Quartiere flohen daraufhin aus ihren Häusern.

Auch der Erzbischof der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui, Dieudonne Nzapalainga, wurde Opfer der Gewalt in dem Land: Bei den Vorbereitungen des Papstbesuchs ist er in der Zentralmoschee angegriffen worden. Er selbst bewertete den Vorfall als geringfügig. Es habe sich lediglich um „verbale Drohungen“ einiger junger Leute gehandelt.

Krieg und Armut

Seit 2013 bekriegen sich christliche und muslimische Milizen in der Zentralafrikanischen Republik. Die Regierung und ihre Institutionen haben jenseits der Hauptstadt nur wenig Einfluss.

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Freilassung tausender Kindersoldaten in Zentralafrika

(Bildquelle: AMEPRES/youtube/euronews-screen/mag)

In der ZentralafrikanischenRepublik haben mehrere Rebellengruppen die Freilassung tausender Kindersoldaten zugesagt.

n der ZentralafrikanischenRepublik haben mehrere Rebellengruppen die Freilassung tausender Kindersoldaten zugesagt. Eine entsprechende Vereinbarung wurde in Bangui laut dem Bericht eines AFP-Korrespondenten von den Chefs von insgesamt acht bewaffneten Gruppen unterzeichnet.

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Zentralafrika: Offenbar sexuelle Übergriffe durch französische Militärs

(Bildquelle: AMEPRES/youtube/euronews-screen/mag)

Mehr als neun Monate nach einem geheimen UN-Bericht über Missbrauchsvorwürfe gegen französische Soldaten hat die Pariser Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt eröffnet.

Es geht um den Verdacht der Vergewaltigung von Kindern in der Zentralafrikanischen Republik und Beihilfe, wie die Behörde am Donnerstag mitteilte. Damit sollen nun französische Ermittlungsrichter klären, ob die Vorwürfe zutreffen.

Sechs Jungen im Alter von 9 bis 13 Jahren hatten laut dem vertraulichen Bericht der Vereinten Nationen ausgesagt, Opfer und Zeugen sexueller Übergriffe durch französische Militärs zu sein. Frankreich hatte Ende 2013 Soldaten zum Schutz der Zivilbevölkerung in das krisengeschüttelte Land geschickt. Wie vergangene Woche bekanntgeworden war, hatte das Verteidigungsministerium in Paris das Papier schon im Juli 2014 an die Justiz weitergegeben.

Seitdem liefen Vorermittlungen: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft verweigerten die UN zunächst eine Aussage der Autorin des Berichts und verwiesen auf ihre diplomatische Immunität. Vor kurzem äußerte die Frau sich schließlich schriftlich zu Fragen der Ermittler. Daraufhin sei jetzt das Verfahren eingeleitet worden, heißt es in der Mitteilung weiter.

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Zentralafrika auf der Suche nach Versöhnung

(Bildquelle: Reuters)

Nach Monaten der Gewalt mit tausenden Toten treffen sich in der Zentralafrikanischen Republik jetzt Vertreter aus Politik und Zivilgesellschaft zu einem Versöhnungsforum. Aber die Gräben bleiben tief.

Gerechtigkeit und Versöhnung, Frieden und Sicherheit, gute Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit, Entwicklung und Wiederaufbau – lang ist die Liste der Themen, die bei dem nationalen Versöhnungsforum behandelt werden sollen. Seit Montag (04.05.2015) diskutieren in der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui knapp 700 Vertreter aus Politik und Zivilgesellschaft. Die einwöchige Konferenz gilt als Meilenstein auf dem Weg zu nationalen Wahlen, die im August stattfinden und das Land aus der Krise führen sollen. Auch der Entwurf für eine neue Verfassung steht auf der Agenda.

„Es geht darum, die schlechte Regierungsführung, die blutigen Verbrechen, die Plünderungen und die Demütigung zu vergeben – und die Bedingungen dafür auszuhandeln“, fasst Antoinette Montaigne, Beraterin und Sprecherin der Übergangspräsidentin Catherine Samba-Panza, das Ziel des Treffens zusammen.

Boykottiert die Séléka das Treffen?

Im März 2013 war in der Zentralafrikanischen Republik ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Nach einem Putsch der muslimischen Séléka-Bewegung hatten sich christlich-animistische Bürgerwehren gegründet, die Anti-Balaka. In einer regelrechten Gewaltorgie töteten beide Rebellengruppen im ganzen Land Angehörige der jeweils anderen Glaubensgruppe, darunter tausende Zivilisten. Beide Seiten werfen sich vor, Kriegsverbrechen begangen zu haben.

„Wir möchten an dem Forum teilnehmen, um unsere Rechte einzufordern“, sagt Hadja Aïssatou Saada Moukadas, die Frau des Imams der Atik-Moschee in Bangui. 13 Plätze bei dem Forum sind für zivile Vertreter der Muslime reserviert. Zu wenig, klagen diese.

Die Rebellengruppe Séléka sagte laut einem Kommuniqué, das im Internet kursiert, ihre Teilnahme an dem Forum offenbar ab. Sie moniert Unregelmäßigkeiten bei der Vorbereitung des Forums und die Festnahme eines hochrangigen Séléka-Führers.

Kaum humanitäre Hilfe

Das Versöhnungsforum beginnt zu einer Zeit, in der angespannte Ruhe im Land herrscht. Immerhin: Die Präsenz der internationalen Truppen hat dazu geführt, dass es zumindest in Bangui inzwischen weitgehend friedlich ist. 8500 Blauhelmsoldaten sind in der Zentralafrikanischen Republik im Einsatz, unterstützt durch die französische Sangaris-Mission. Diese ist allerdings erst vor wenigen Tagen in die Schlagzeilen geraten, weil französische Soldaten zentralafrikanische Kinder vergewaltigt haben sollen.

Doch von einem stabilen Frieden ist das Land noch weit entfernt: Immer wieder kommt es zu Ausschreitungen und Gewalt gegen Zivilisten. Rund 460.000 Menschen sind UN-Berichten zufolge in die Nachbarländer der Zentralafrikanischen Republik geflohen. Innerhalb des Landes befinden sich knapp 440.000 Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht. Rund 195.000 Kinder drohen laut UN in diesem Jahr zu verhungern. Vor wenigen Tagen appellierten die Vereinten Nationen an die Weltgemeinschaft, den Millionen notleidenden Menschen in der Zentralafrikanischen Republik zu helfen. Die Geberländer hätten bislang erst 76 Millionen Euro der insgesamt benötigten 550 Millionen Euro für humanitäre Hilfe bereitgestellt.

Konkrete Handlungen gefordert

David Smith glaubt, dass das Versöhnungsforum an der prekären Situation im Land wenig ändern wird. Er leitet Okapi Consulting, ein südafrikanisches Forschungs- und Beratungsunternehmen. Als Analyst und Kenner des Landes berät Smith internationale Organisationen zur Zentralafrikanischen Republik. „Zum Ende des Forums wird man wohl viele gute Absichten bekanntgeben. Die internationale Gemeinschaft wird sagen, dass das Land auf dem richtigen Weg ist.“ Gespräche über Frieden und Stabilität seien zwar immer gut, so Smith. „Das Problem ist aber, dass nie konkrete Handlungen folgen.“

Deswegen sei es wichtig, so schnell wie möglich Wahlen im Land durchzuführen – selbst, wenn nicht garantiert werden könne, dass sie vollständig frei und fair abliefen. „Momentan haben wir eine Übergangsregierung. Und eine Übergangsregierung ist immer schwach und kann keine langfristigen Projekte auf den Weg bringen, weil sie nicht lange an der Macht ist“, so Smith. Zudem brauche das Land einen konkreten Plan, wie Armee, Polizei, das Gesundheits- und das Bildungssystem aufgebaut werden könnten: „Institutionen, die jeder normal funktionierende Staat hat.“

Ohne Gerechtigkeit keine Versöhnung

Andernfalls drohe sich die Geschichte zu wiederholen, so Smith. Seit seiner Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1960 befindet sich das Land in einer steten Abfolge von Staatsstreichen, internationalen Friedensmissionen und Versöhnungsforen. Ein Leben in einem Rechtsstaat, der Frieden und Stabilität garantiert – diesen Zustand haben die meisten Zentralafrikaner noch nie erlebt.

Einen ersten konkreten Schritt hin zu Versöhnung und Gerechtigkeit ist das Land immerhin schon vor dem offiziellen Beginn des Forums gegangen: Der Nationale Übergangsrat hat vor wenigen Tagen ein Gesetz verabschiedet, das den Aufbau eines speziellen Strafgerichtshofs regelt. An ihm sollen zentralafrikanische und internationale Richter gemeinsam über Fälle von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit urteilen. Das Problem: Der aktuelle Verfassungsentwurf könnte amtierende und ehemalige Präsidenten von der Strafverfolgung ausnehmen. Das kritisiert die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI): Die neue Verfassung dürfe keinen Raum für Straffreiheit lassen, so AI.

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