Schlagwort-Archive: Al-Kaida

„Islamischer Staat“: Der Aufstieg der selbsternannten Gotteskrieger (Teil1-5/6)

(Bildquelle: AMEPRES/Screenarchiv/krj)

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Dezember 2011: Abzug der letzten US-Einheiten aus dem Irak. (Bildquelle: AMEPRES/Screenarchiv/krj)

Nach acht langen Kriegsjahren verließen Ende 2011 die letzten amerikanischen Truppen den Irak. Der Krieg schien beendet zu sein. Die irakische Führung, so glaubte man auch in Washington, sei bereit, den weiteren Weg alleine zu gehen.
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Syrien: UNESCO-Weltkulturerbe schwer beschädigt

(Bildquelle: picture-alliance / Prisma Archive)

Die systematische Zerstörung antiker Kulturstätten in Syrien durch IS-Terroristen hört nicht auf. Jetzt hat es eine antike Ruinenstadt im Nordwesten des Landes hart getroffen.

Für die Kulturlandschaft Syriens ist diese Ruinenstadt aus frühbyzantinischer Zeit einzigartig. Die kostbaren Bauwerke sind zwar als UNESCO-Kulturerbe geschützt, wurden jetzt aber durch den Bürgerkrieg schwer beschädigt. Zahlreiche Steinsärge (Artikelbild: vor der Zerstörung) in einem Pyramidengrab nahe dem Ort Al-Bara seien weitgehend zerstört worden, erklärte die oberste syrische Antikenbehörde in einer aktuellen Pressemitteilung. Beweisfotos zeigten deutlich Spuren von militärischen Kämpfen. Alte Gebäude würden mutwillig mit schwerem Gerät und Sprengstoff zerstört, um Steine als Baumaterial für neue Bauten zu gewinnen.

Das Ende des vierten Jahrhunderts besiedelte Al-Bara gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und steht zusammen mit rund 40 anderen Ruinenorten der Region auf der Liste der gefährdeten Stätten . Nach Auskunft der Vereinten Nationen nutzen viele Syrer die historischen Gebäude, um vor der Gewalt des Bürgerkrieges und den Angriffen der Terroristen Zuflucht zu suchen. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana machten „Terroristen“ für die neuen Zerstörungen verantwortlich. Diese Region im Nordwesten Syriens wird von mehreren islamistischen Gruppen kontrolliert, zu denen auch der syrische Al-Kaida-Ableger gehört.

Ende Oktober sei es in der Region auch zu russischen Luftangriffen gekommen, die Zerstörungen angerichtet hätten, vermeldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Nach eigenen Angaben hat die russische Luftwaffe die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat auch in der weltberühmten UNESCO-Welterbestätte Palmyra bombardiert. Sprecher bereuerten allerdings, dass bei dem Bombardement keine historischen Stätten zu Schaden gekommen seien. Die IS-Extremisten hatten die Ruinenstadt Palmyra am 21. Mai erobert und seitdem zahlreiche Tempelanlagen in Schutt und Asche gelegt und zahlreiche Anwohner getötet.

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Al-Kaida-Führer im Jemen getötet

(Bildquelle: Reuters/YouTube)

Ein Anführer von Al-Kaida im Jemen soll getötet worden sein. Unterdessen ist Saudi-Arabien gegenüber den Huthi-Rebellen nach versöhnlicheren Tönen wieder zum Drohen übergegangen.

Bei einem US-Luftangriff im Jemen ist im April ein Anführer von Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) getötet worden. Nasser Ben Ali al-Ansi hatte im Januar in einem Internetvideo die Verantwortung für den tödlichen Anschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ übernommen. Wie das auf die Überwachung islamistischer Webseiten spezialisierte US-Unternehmen Site weiter mitteilte, wurden zusammen mit Al-Ansi auch sein ältester Sohn und andere islamistische Kämpfer in der Hafenstadt Mukalla getötet.

Site berief sich auf ein von AQAP im Kurzbotschaftendienst Twitter eingestelltes Video, in dem Al-Ansis Tod vermeldet wurde. Der tödliche Luftangriff erfolgte offenbar in der Nacht zum 22. April. Zeugen berichteten, eine US-Drohne habe ein in Mukalla geparktes Fahrzeug getroffen und sechs mutmaßliche Al-Kaida-Kämpfer getötet.

In dem Video vom 14. Januar sagte Al-Ansi, Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri habe den Angriff auf den Sitz von „Charlie Hebdo“ angeordnet, um die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen zu rächen. Al-Ansi trat auch in Videos zur Geiselnahme und Tötung des US-Fotojournalisten Luke Somers im Dezember 2014 in Erscheinung. Somers und eine weitere Al-Kaida-Geisel waren bei einer missglückten US-Kommandoaktion im Jemen getötet worden.

Site zufolge kämpfte der in der jemenitischen Stadt Taes geborene Al-Ansi im Jahr 1995 im Bosnienkrieg. Später reiste er demnach über den Jemen und Kaschmir nach Afghanistan, wo er sich in Al-Kaida-Camps militärisch ausbilden ließ. Im Jahr 2011 habe er sich dann dem jemenitischen Ableger von Al-Kaida angeschlossen. Ansis Tod würde bedeuten, dass der amerikanische Drohnenkrieg gegen AQAP weitergeht, obwohl die USA ihre Militärberater wegen des sich verschärfenden Bürgerkrieges im Jemen abgezogen hatten.

„Rote Linie überschritten“

Unterdessen drohte die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition den Huthi-Rebellen mit Vergeltung für mehrere Angriffe auf saudisches Territorium mit acht Todesopfern. Die Miliz werde für die Attacke einen „hohen Preis“ bezahlen müssen, sagte der Sprecher der Koalition, Brigadegeneral Ahmed al-Assiri. Die Sicherheit Saudi-Arabiens habe „für die Koalition oberste Priorität“. „Sie haben eine rote Linie überschritten“, sagte al-Assiri.

Zuvor hatte Saudi-Arabien den Rebellen nach wochenlangen Luftangriffen eine fünftägige Feuerpause angeboten. Voraussetzung sei jedoch, dass sich auch die Huthi-Miliz daran halte, sagte Außenminister Adel al-Dschubeir bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem US-Kollegen John Kerry. Der genaue Termin der Waffenruhe werde in Kürze mitgeteilt, sagte der saudische Außenminister. Dieser begrüßte den saudiarabischen Vorschlag. Immer mehr Menschen werden Opfer der Luftangriffe und der Kämpfe zwischen den Huthis und Anhängern des ins saudische Exil geflohenen Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi. Große Teile der Infrastruktur des Landes sind zerstört, es fehlt an Lebensmitteln und Medikamenten.

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Syrien: Rückschlag für Assad-Regime im Nordwesten

(Bildquelle: AFP/Getty Images/F. al-Halabi)

Kämpfer der Al-Nusra-Front und andere islamistische Rebellen haben dem syrischen Regime im Nordwesten des Landes erneut einen empfindlichen Schlag versetzt. Bei Idlib eroberten sie ein wichtiges Militärlager.

Gemeinsam mit ihren Verbündeten hätten sie das Militärlager Al-Karmid überrannt, berichteten Aktivisten der radikalen Al-Nusra-Front, des syrischen Ablegers von Al-Kaida. Per Skype teilte ein Rebellenführer mit, ein Selbstmordattentäter habe einen mit zwei Tonnen Sprengstoff beladenen Wagen an einem Eingang der Militärbasis zur Explosion gebracht und damit den Kämpfern Zugang verschafft.

In den syrischen Staatsmedien war von heftigen Kämpfen mit Luftangriffen auf die Rebellen in der Region die Rede, allerdings nicht vom Fall des Stützpunktes. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, sie wisse von mehreren Angriffen der Luftwaffe auf Al-Karmid. Zuvor habe es heftige Kämpfe um das Lager gegeben, dabei seien mindestens 15 Menschen getötet worden. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle stützt sich auf ein dichtes Netz von Informanten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite jedoch kaum überprüft werden.

Bereits Ende März hatten islamistische Rebellen die Provinzhauptstadt Idlib eingenommen. Am vergangenen Wochenende eroberten sie zudem die südwestlich davon gelegene strategisch wichtige Stadt Dschisr al-Schogur. Die Rebellen rückten damit näher an die Küstenebene heran. Dort leben besonders viele Mitglieder der religiösen Minderheit der Alawiten, zu der auch der syrische Machthaber Baschar al-Assad gehört.

Schwedische Geiseln frei

Rund anderthalb Jahre nach ihrer Entführung in Syrien sind zwei Schweden in ihre Heimat zurückgekehrt. Wie das Außenministerium in Stockholm mitteilte, kamen die beiden Männer im Alter von 50 und 33 Jahren mit Hilfe der Palästinenserregierung und Jordaniens frei.

Abbas persönlich involviert

Laut Außenministerin Margot Wallström war auch die schwedische Polizei an den Verhandlungen über die Freilassung beteiligt. Ein Vertreter des palästinensischen Geheimdienstes sagte, der Einsatz für die Geiseln habe nach einem Besuch von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Stockholm begonnen, dem die Anerkennung des Palästinenserstaates durch Schweden vorangegangen war. In Abstimmung mit dem jordanischen Geheimdienst sei ein Einsatz zur Befreiung der beiden Männer am Donnerstag vergangener Woche beschlossen worden.

Den Angaben zufolge reisten palästinensische Spezialkräfte aus Jordanien nach Syrien; sie hätten dort die Entführer der islamistischen Al-Nusra-Front überzeugt, die Geiseln freizulassen. Nach palästinensischen Angaben wurden die beiden Männer nahe der jordanischen Grenze festgehalten.

Ein Sprecher des schwedischen Außenministeriums versicherte, dass kein Lösegeld gezahlt worden sei.

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Rebellen erobern strategisch wichtige Stadt in Syrien – Bewohner auf der Flucht

(Bildquelle: Ammar Abdullah/Reuters)

Erfolg für die Al-Nusra-Front im syrischen Bürgerkrieg: Nach erbitterten Kämpfen gegen die Regierungstruppen nahmen sie die Stadt Dschisr al-Schughur ein.

Bei den Kämpfen in Syrien haben die Al-Nusra-Front und verbündete islamistische Rebellengruppen im Nordwesten des Landes die strategisch wichtige Stadt Dschisr al-Schughur fast vollständig erobert. Nach Tagen mit heftigen Gefechten hätten die Rebellen die 50’000-Einwohner-Stadt gestürmt, berichteten Aktivisten sowie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag.

Die Regierungstruppen seien geflohen. Tausende Rebellenkämpfer seien in der Stadt. Noch werde aber in einigen Vierteln gekämpft, aus denen die Soldaten auszubrechen versuchten.

Al-Nusra-Front erobert Stadt in Syrien

Die Al-Nusra-Front vermeldete im Kurzmitteilungsdienst Twitter die «Befreiung» der Stadt. Der syrische Ableger des Terrornetzwerks Al-Quaida hatte am Donnerstag mit seinen Verbündeten die Offensive auf die Stadt in der Provinz Idlib begonnen. Dschisr al-Schughur liegt an der Strasse, die Latakia an der Küste mit Syriens zweitgrösster Stadt Aleppo verbindet. Das syrische Staatsfernsehen berichtete von erbitterten Kämpfen.

Assads Armee ist auf dem Rückzug in der Provinz Idlib

Am Freitag eroberte die Al-Nusra-Front laut der Beobachtungsstelle trotz dutzender Luftangriffe durch die syrische Luftwaffe mehrere Strassensperren am Zugang zur Stadt. Bei den Kämpfen wurden Dutzende Rebellen und Soldaten getötet. Bekannt ist Dschisr al-Schughur für eine Rebellion 1980 gegen die Herrschaft von Präsident Hafez al-Assad, den Vater von Syriens heutigem Staatsoberhaupt Baschar al-Assad. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen.

Die Dschihadisten hatten kürzlich bereits die Provinzhauptstadt Idlib eingenommen, woraufhin sich die Regierungstruppen nach Dschisr al-Schughur zurückzogen. Sonst kontrolliert die Armee in der Provinz praktisch nur noch die kleine Stadt Ariha und die Militärbasis Al-Mastumah.

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Blutige Kämpfe mit Islamisten in Tunesien

(Bildquelle: Getty Images/AFP/Fadel Senna)

Zwei tunesische Soldaten und zehn Islamisten sind bei Kämpfen im Grenzgebiet zu Algerien getötet worden. Die unwegsame Gebirgsregion ist ein Rückzugsgebiet für Militante.

Bei zweitägigen Gefechten zwischen der tunesischen Armee und Islamisten sind nach Regierungsangaben mindestens zehn Extremisten und zwei Soldaten getötet worden. Die Kämpfe hätten in der Region Kasserine an der Grenze zu Algerien stattgefunden, sagte ein Regierungsvertreter. Seit dem Überfall von Extremisten auf das Bardo-Museum in der Hauptstadt Tunis im März geht die Armee verstärkt gegen bewaffnete Islamisten vor. Kämpfe zwischen Sicherheitskräften (Artikelbild) und Extremisten hatte es jedoch auch schon davor gegeben.

Bei dem Anschlag auf das Museum in Tunis waren 20 ausländische Touristen und ein Polizist getötet worden. Eine weitere Touristin erlag später ihren Verletzungen. Der für Tunesien wichtige Tourismus leidet seitdem unter rückläufigen Buchungszahlen. Die Miliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu dem Angriff auf das Museum, doch es gibt auch Hinweise auf einen tunesischen Al-Kaida-Ableger.

Immer wieder Gefechte in Kasserine

In der Unruheprovinz Kasserine liefern sich Militante und Soldaten seit 2012 immer wieder Feuergefechte. Vor zweieinhalb Wochen waren bereits vier Soldaten bei einem Hinterhalt getötet worden. Weitere sechs Soldaten waren damals nach Angaben des Innenministeriums verletzt worden. Die höchsten Verluste hatte die Armee dort im Juli 2014 erlitten, als Dschihadisten 15 Soldaten bei einem Angriff töteten. Das Gebirgsland an der Grenze ist ein Rückzugsgebiet für militante Gruppen.

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Afghanistan: Zwei westliche Geiseln sterben bei US-Anti-Terror-Einsatz

(Bildquelle: Mandel Ngan/AFP)

Tödliches Versehen: Bei einem Drohnen-Einsatz der USA an der afghanisch-pakistanischen Grenze sind laut Weißem Haus unabsichtlich zwei Geiseln getötet worden – ein US-Amerikaner und ein Italiener.

Bei einem amerikanischen Anti-Terror-Einsatz an der afghanisch-pakistanischen Grenze sind nach Angaben des Weißen Hauses im Januar versehentlich zwei westliche Geiseln getötet worden. Dabei habe es sich um einen US-Bürger und einen Italiener gehandelt, teilte der Regierungssprecher Josh Earnest am Donnerstag in Washington mit. Die beiden Männer seien in der Gewalt des Terrornetzwerkes al Kaida gewesen. Der US-Geheimdienst habe von ihrer Präsenz dort nichts gewusst. Laut dem „Wall Street Journal“ handelte es sich um einen Raketenangriff mit einer Drohne in Pakistan.

US-Präsident Barack Obama übernehme die volle Verantwortung für die Operation. Er wollte noch im Laufe des Tages vor der Presse Stellung beziehen. „Keine Worte können unser Bedauern über diese schreckliche Tragödie ausdrücken“, so Earnest in der Mitteilung.

Bei dem Angriff sei noch ein zweiter US-Staatsbürger getötet worden, der der al-Kaida-Führung angehört habe. Er sei allerdings nicht Ziel des Einsatzes gewesen. Bei einem separaten Einsatz sei zudem noch ein weiterer Amerikaner getötet worden, der für das Terrornetzwerk tätig gewesen sei. Auch er sei eigentlich nicht speziell ins Visier genommen worden.

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Wenn sich im Jemen zwei streiten, freut sich der Dritte – leider al-Kaida

(Bildquelle: keystone)

Bürger-/Stellvertreterkrieg im Jemen: Houthi-Rebellen gegen Regierungstruppen, Ex-Präsident Saleh gegen amtierenden Präsident Hadi, Schiiten gegen Sunniten, Iran gegen Saudi-Arabien.

Doch soll keiner sagen, bewaffnete Konflikte brächten nur Verlierer hervor. Während das Land im Chaos versinkt, floriert die dort ansässige al-Kaida-Zelle (al-Qaida on the Arabian Peninsula, AQAP).

Bereits im April eroberten AQAP-Kämpfer die Hafenstadt Mukalla, plünderten die dortige Zweigstelle der jemenitischen Zentralbank, befreiten Kameraden aus dem Gefängnis und nahmen einen nahegelgenen Flughafen, Erdöl-Terminal sowie einen Militärstützpunkt inklusive Waffendepot ein.

Frontverlauf im Jemen

Grün: unter der Kontrolle der schiitischen Houthi-Rebellen sowie Verbündeten von Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh; Rot: unter Kontrolle von Abed Rabbo Mansour Hadi, dem gewählten Präsidenten Jemens; Grau: unter Kontrolle von al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) (Bildquelle: watson/Karte: wikipedia/banak)
Grün: unter der Kontrolle der schiitischen Houthi-Rebellen sowie Verbündeten von Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh; Rot: unter Kontrolle von Abed Rabbo Mansour Hadi, dem gewählten Präsidenten Jemens; Grau: unter Kontrolle von al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) (Bildquelle: watson/Karte: wikipedia/banak)

Bevor der Bürgerkrieg im Jemen Anfang Jahr eskalierte, wurde AQAP von zwei Seiten in Schach gehalten: den verfeindeten schiitischen Huthi-Rebellen und amerikanischen Spezialeinheiten. Erstere sind momentan mit der Abwehr saudischer Luftangriffe beschäftigt und letztere mussten bereits im April den Luftwaffenstützpunkt al-Annad evakuieren, was ihre Möglichkeiten im Jemen einzugreifen deutlich einschränkt.

Die USA unterstützen ihre saudischen Verbündeten im Kampf gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen, gleichzeitig bereitet ihnen das Erstarken al-Kaidas in der Region Kopfzerbrechen: «Sie machen genau das, was wir erwartet hatten, nämlich das Chaos ausnutzen», sagte ein ungenannter US-Regierungsvertreter laut der Los Angeles Times. «Sobald die Käfigtür aufgeht, geraten sie ausser Kontrolle.»

Den Westen im Fokus

AQAP gilt als gefährlichste al-Kaida-Zelle weltweit und soll hinter zahlreichen Anschlägen auf westliche Ziele stehen, darunter das Blutbad in der Redaktion der französischen Satirezeitschrift «Charlie Hebdo». Es wird vermutet, dass die Attentäter Chérif und Said Kouachi in einem al-Kaida-Terrorcamp im Jemen ausgebildet wurden.

Dschochar und Tamerlan Zarnajew, die beiden Attentäter des Boston-Marathons, bauten ihre Bomben gemäss einer Anleitung aus dem Dschihadisten-Magazin «Inspire», das von AQAP produziert und verbreitet wird.

Aus ihren Reihen stammt auch der gefürchtete Bombenexperte Ibrahim Hassan Asiri. Dieser baute die «Unterhosen-Bombe», welche der Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab 2009 beim Landeanflug auf Detroit erfolglos zu zünden versuchte. Ein Jahr später startete Asiri einen neuen Versuch, diesmal mit Sprengstoff in Druckerpatronen, um ein Frachtflugzeug über den USA zum Absturz zu bringen. Auch dieser Anschlag konnte zum Glück vereitelt werden.

Wird Jemen zu einem zweiten Syrien?

Ob die neuen Freiräume der AQAP für den Westen zur Gefahr werden, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wie lange Saudi-Arabien seinen Luftkrieg weiterführt. Sollte das Bürgerkriegschaos im Jemen zur einzigen Konstante werden, könnten die Terroristen in den eroberten Gebieten dauerhaft neue Rückzugsgebiete einrichten.

Unmittelbare Gefahr droht ihnen derzeit nur von ihren Terror-Rivalen des Islamischen Staats (IS). Der Vormarsch schiitischer Rebellen, welche der IS als Ungläubige betrachtet, macht Jemen in ihrer Optik zu einem idealen Kriegsschauplatz. Die Terrormiliz bekannte sich im März zu einem blutigen Doppelanschlag auf zwei Moscheen in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. AQAP hingegen distanzierte sich ausdrücklich von dem Anschlag, bei dem über 140 Menschen getötet wurden.

Al-Kaida als kleineres Übel im Vergleich zum IS? Wem das bekannt vorkommt, denkt wahrscheinlich an Syrien. Auch dort eskalierte der Bürgerkrieg einstmals entlang sunnitisch-schiitischen Konfessionslinien und auch dort gilt der al-Kaida-Ableger, die al-Nusra-Front, im Vergleich zu den IS-Barbaren als gemässigt. Dass Jemen zu einem zweiten Syrien wird, daran kann ausser dem IS niemand ein Interesse haben.

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Al-Kaida profitiert von Kämpfen im Jemen

(Bildquelle: Reuters/Str)

Während im Jemen weiter eine arabische Militärallianz gegen schiitische Huthi-Rebellen kämpft, tut sich ein weiterer Konfliktakteur als heimlicher Gewinner der Krise hervor: Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel.

Medienberichten zufolge hat der Al-Kaida Ableger AQAP einen Ölhafen und mehrere militärische Stützpunkte in der südöstlichen Provinz Hadramaut im Jemen unter seine Kontrolle gebracht. Inzwischen kontrollierten die Extremisten Kasernen mehrerer Luftabwehr- und Armeeeinheiten. sowie den Militärflughafen der Hafenstadt Al-Mukalla. „Die Militäreinheit, die verantwortlich für die Sicherheit der Einrichtung war, zog sich ohne Widerstand zurück“, teilte ein Flughafenmitarbeiter mit. Damit hat AQAP nun fast die komplette 200.000-Einwohnerstadt in ihrer Gewalt.

Im Jemen kämpfen die offenbar vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen gegen Anhänger des aus dem Land geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Seit eine von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz an der Seite Hadis in den Jemen-Konflikt eingegriffen hat, ist das Land weiter im Chaos versunken. Im gesetzlosen Südosten profitieren die Al-Kaida-Islamisten von dem Machtvakuum und gewinnen stetig an Einfluss. Sie bekämpfen im Jemen sowohl die Huthis als auch die jemenitischen Regierungstruppen. Mit ihren Anschlägen gegen die schiitische Huthi-Miliz ernten die AQAP-Kämpfer insbesondere bei ärmeren sunnitischen Stämmen Zustimmung.

Weitere Kämpfe

Bei den Kämpfen zwischen saudischer Militärkoalition und Huthi-Miliz ist kein Ende in Sicht. Die arabischen Streitkräfte meldeten zuletzt Luftangriffe auf Stützpunkte der Rebellen in Aden, bei denen mindestens neun Huthis getötet wurden. Im Südwesten des Landes berichteten Augenzeugen von Gefechten in der Nähe der Stadt Tais. Hier hätten Huthi-Rebellen gegen Stammesmitglieder gekämpft.

Das eingenommene Ölterminal ist einer der Hauptknotenpunkte in der Region Hadramaut. Bis zu 140.000 Fässer Rohöl werden von hier aus täglich ins Ausland exportiert. Die Nachricht über die Einnahme durch Al-Kaida-Kämpfer habe auch die Ölpreise leicht steigen lassen, gab die Price Futures Group in Chicago bekannt. Der Konflikt schwächt die Wirtschaft im Jemen empfindlich. Eine Raffinerie in Jemen stellte bereits den Betrieb ein, weil sie wegen der Kämpfe keine Lieferungen entgegen nehmen konnte. Deswegen haben vier Öl- und Erdgastanker abgedreht.

Jemenitische Bevölkerung „versorgungsgefährdet“

Auch die humanitäre Situation verschlimmert sich weiter. Nach Angaben der Vereinten Nationen ist die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln in Gefahr. Das Welternährungsprogramm erklärte, zwölf Millionen Menschen seien als „versorgungsgefährdet“ eingestuft – fast die Hälfte der Bevölkerung.

Etwa 600 Menschen wurden nach Angaben der UN seit dem Einmarsch der Huthis in die Hauptstadt Sanaa im September bereits getötet. Friedensbemühungen sind bislang gescheitert. Am Mittwoch trat der bisherige UN-Gesandte für den Jemen, Dschamal Benomar, zurück. Im fehle der Rückhalt aus den arabischen Staaten, begründete der Marokkaner seinen Schritt.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon betonte, dass die Suche nach einer politischen Lösung trotzdem weitergehen müsse, und hat die Konfliktparteien aufgerufen, ihre Kämpfe umgehend einzustellen. Schon vor der jüngsten Eskalation seien zwei Drittel der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen gewesen, sagte Ban in Washington. Die letzten Kämpfe hätten das Leid noch verschlimmert. „Die Saudis haben mir versichert, dass sie verstehen, dass es einen politischen Prozess geben muss“, erklärte er.

Verhärtete Fronten

Die weltgrößte islamische Vereinigung, die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC), rief derweil Indonesien zur Vermittlung auf. Dazu solle die asiatisch-afrikanische Konferenz kommende Woche in Jakarta genutzt werden, erklärte die indonesische Regierung. Der jemenitische Vize-Präsident Chaled Bahah knüpfte Friedensgespräche an die Bedingungen, dass Präsident Hadi in die südliche Stadt Aden zurückkehren darf und die Gefechte beendet werden. Ein Mitglied des Huthi-Büros forderte indess, dass die arabischen Luftangriffe „sofort und bedingungslos beendet werden“.

Inzwischen wird verstärkt Kritik an der arabischen Intervention laut. Der irakische Ministerpräsident al-Abadi hat ein „rasches Ende“ der Kämpfe im Jemen gefordert. „Der einzige Weg dazu ist eine friedliche Lösung durch die Jemeniten selbst“, sagte er in Washington.

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Der Jemen, das Chaos und Al-Kaida

(Bildquelle: Yahya Arhab/picture-alliance/dpa)

Die Kämpfe im Jemen schwächen die Institutionen des Staates. Von dessen Zerfall profitiert vor allem die Terrorgruppe Al-Kaida. Die baut ihr Herrschaftsgebiet systematisch aus – und ist längst international aktiv.

Ein Ölhafen, militärische Stützpunkte und nun der Flughafen von Riyan: Die Serie militärischer Triumphe der Terrororganisation Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) reißt nicht ab. Konsequent macht sich die Gruppe das Chaos im ärmsten Land der arabischen Welt zunutze, um ihren Einflussbereich auszuweiten. Anfang April stürmten Al-Kaida-Kämpfer das Gefängnis der im Südosten des Landes gelegenen Stadt Mukalla und befreiten 300 Gesinnungsgenossen. Mukalla ist die Hauptstadt der Provinz Hadramawt, die den Schwerpunkt der AQAP-Aktivitäten im Jemen bildet.

Von dort aus verfolgt AQAP ihre eigene Agenda. Aus dem Krieg zwischen den überwiegend schiitischen Huthis und der von Saudi-Arabien angeführten internationalen Koalition hält sich die Gruppe heraus. Den Schiiten ist sie ebenso wenig verbunden wie der Regierung Saudi-Arabiens, die den Al-Kaida-Kämpfern ohnehin als illegitim erscheint. Stattdessen nutzt sie die Kämpfe für ihre eigenen Zwecke – und zwar durchaus erfolgreich. „AQAP ist bislang der Gewinner im Jemen“, beschreibt das internationale Internetmagazin Al-Monitor den jüngsten Triumph der Gruppe. „Je länger der Krieg im Jemen andauert, desto mehr wird Al-Kaida profitieren.“

Dschihadisten führen den Staat vor

Seit 1998 nutzt AQAP den Jemen als Rückzugs- und Rekrutierungsgebiet. Der schwache, chronisch unterfinanzierte Staat hat den Terroristen bislang nicht beikommen können. Im Gegenteil, die Dschihadisten führten ihm immer wieder die eigene Ohnmacht vor. So entführten Kämpfer der Al-Kaida verwandten Nusra-Front im August des vergangenen Jahres 14 jemenitische Soldaten und töteten sie umgehend. Die Gruppe begründete das Massaker mit den Anti-Terror-Aktionen, die das US-amerikanische Militär mit Duldung der jemenitischen Regierung in der Region durchführt.

Die jüngsten Erfolge sind für AQAP nicht zuletzt aus propagandistischer Sicht wichtig. Die Gruppe ist auf strategische Coups wie die Eroberung des Ölhafens dringend angewiesen. Denn nur so kann sie der spektakulären Triumphserie ihres größten Konkurrenten, der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS), etwas entgegensetzen. Seit der IS 2014 in Teilen Syriens und des Irak ein Kalifat ausrief, hat er Al-Kaida nicht nur aus dem Zentrum der globalen Aufmerksamkeit verdrängt. Er zieht auch immer mehr Rekruten an, die Al-Kaida dann fehlen.

Fruchtbarer Nährboden für Terrorismus

Umso wichtiger ist für Al-Kaida der Jemen. Das über weite Teile kaum entwickelte Land ist ein ideales Rekrutierungsgebiet. Es steht vor zahlreichen unbewältigten Problemen, die den Terroristen junge Männer ohne Perspektive in die Arme treiben. In den kommenden Jahren, schreibt die Politologin und Jemen-Expertin Helen Lackner von der Universität Oxford, gehe der Jemen zahlreichen Herausforderungen entgegen: „einer wachsenden Zahl junger, meist schlecht ausgebildeter Menschen, denen vergleichsweise wenige Arbeitsmöglichkeiten gegenüberstehen; einer hohen Armutsrate; Wasserknappheit; industrieller Unterentwicklung; separatistischen Tendenzen im Süden, radikalem Konfessionalismus im Norden sowie über das ganze Land verteilten Klassen- und Stammeskonflikten.“ Es sind diese Spannungen, die sich AQAP zunutze macht.

Längst ist die Gruppe auch international aktiv. Mitglieder von AQAP geben die dschihadistische Internetzeitschrift „Inspire“ heraus. Das grafisch hochmodern anmutende Magazin wirbt weltweit für die Anliegen der Gruppe. Auf AQAP gehen auch Anstöße zum Attentat gegen das französische Satiremagazin Charlie Hebdo im Januar dieses Jahres zurück. Das Magazin hatte bereits im März 2013 einen amerikanischen Fahndungslisten nachempfundenen Steckbrief herausgegeben, auf dem sich auch der Name von Stéphane Charbonnier, einem der getöteten Zeichner von Charlie Hebdo, befand. Ihm und den anderen „Gesuchten“ legen die AQAP-Terroristen ein krudes Vergehen zur Last: „Verbrechen gegen den Islam“.

Politische Lösung unverzichtbar

Das Magazin, das auch Anleitungen zum Bombenbau veröffentlichte, geht vermutlich auf den radikalen Prediger Anwar Al-Awlaki zurück. Dieser war US-amerikanischer Staatsbürger jemenitischer Herkunft. Im Jahr 2004 zog der im US-Bundesstaat New Mexiko geborene Al-Awlaki mit seiner Familie in den Jemen. Im März 2010 rief er zum „Heiligen Krieg“ gegen die USA auf. Im September 2011 wurde er durch eine amerikanische Drohne getötet.

Die derzeitigen Kämpfe zwischen der von Saudi-Arabien angeführten internationalen Koalition und den dem Regime in Teheran verbundenen Huthis schwächen die Kraft des jemenitischen Staates weiter. Umso dringlicher fordern die Vereinten Nationen nun eine politische Lösung der Krise. Denn die setzt derzeit immer mehr Menschen zu.

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