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Kampf gegen IS in Syrien: USA fühlen sich von arabischen Alliierten im Stich gelassen

(Bildquelle: Yahya Arhab / EPA / keystone)

US-Militärs beklagen ein zurückgehendes Engagement der arabischen Verbündeten im Kampf gegen den IS in Syrien. Stattdessen sind die Partnernationen verstärkt im Jemen aktiv.

Vor einem Jahr entsandten arabische Verbündete der USA ihre Luftstreitkräfte nach Syrien, um den «Islamischen Staat» (IS) zu bekämpfen. Seite an Seite wollten US-Militärs und die Partnernationen durchgreifen. Wochenlang hatten sich der US-Präsident Barack Obama und sein Aussenminister John Kerry bemüht, eine internationale Koalition gegen die Dschihadisten zu schmieden. Doch inzwischen hat der Elan der Alliierten offenbar bedenklich nachgelassen.

«Sie sind alle mit anderen Dingen beschäftigt», sagte Generalleutnant Charles Q. Brown Jr. jetzt der «New York Times». Brown leitet den Luftkrieg von einer 60 Millionen Dollar teuren Militärbasis in Qatar aus.

Der Zeitung zufolge stehen die Vereinigten Staaten mit ihrem Aufgebot von zwei Dutzend Kampffliegern für die Türkei und dem Versuch, mit Spezialtruppen die Rebellen in Syrien zu unterstützen, derzeit vorwiegend allein da. In der Obama-Administration herrsche Resignation, weil die arabischen Partner Schritt für Schritt den US-Amerikanern den Luftkrieg überlassen hätten.

Fokus verschiebt sich auf Jemen

Der Grund? Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hätten die meisten ihrer Flugzeuge in den Jemen verlegt, wo sie gegen die vom Iran unterstützen schiitischen Huthi-Rebellen kämpfen. Auch Jordanien hätte sein Engagement in der Region verstärkt.

Das Königreich Bahrain hatte im Februar zuletzt einen Angriff in Syrien geflogen, Qatar betreibt ohnehin nur Luftraumbeobachtung. Die Vereinigten Arabischen Emirate flogen laut «New York Times» zuletzt im März Lufteinsätze, Jordanien im August und Saudi-Arabien im September.

«Jordanien steht fest zu seinen Verpflichtungen in diesem Kampf», sagte eine Sprecherin der jordanischen Botschaft in New York. «Wir bleiben aktive Partner und Mitwirkende der internationalen Koalition und werden auch weiterhin Luftschläge gegen IS-Ziele ausführen.»

Brown fordert Entgegenkommen

Das Engagement westlicher und arabischer Alliierter im Irak scheint um einiges höher zu sein als in Syrien. Laut «New York Times» entfallen nur fünf Prozent der insgesamt etwa 2700 Luftschläge in Syrien auf die Alliierten, aber 30 Prozent der 5100 Einsätze im Irak, wo die Nato-Partner den Islamischen Staat bekämpfen.

Brown regte an, den Stillstand zu beheben, indem man den Verbündeten auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik stationierte Flugzeuge zur Verfügung stellt. Von dort aus sind es nur 15 Flugminuten bis zur syrischen Grenze. Generell sei die Entsendung von mehr Aufklärungs- und Überwachungsflugzeugen nach Incirlik geboten.

Die Zahl der militärischen Ziele – Ölförderanlagen, Waffenfabriken, und andere Einrichtungen, die den IS unterstützen – steigt offenbar beständig: Im vergangenen Monat bombardierten die US-Streitkräfte demnach bei 67 Prozent der Einsätze diese Ziele.

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Jemen: Huthi-Rebellen bereit zu Verhandlungen

(Bildquelle: picture-alliance/AA/M. Hamoud)

Die UN haben die Kriegsparteien des Jemen zu Friedensgesprächen nach Genf eingeladen. Die schiitischen Huthi-Rebellen erklären sich dazu bereit, von der Exil-Regierung kommen widersprüchliche Signale.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon will endlich eine Wende schaffen. Nach der erneuten Eskalation des Bürgerkriegs im Jemen sollen nächste Woche Friedensgespräche beginnen. Ban lud die Konfliktparteien zum 28. Mai nach Genf ein. Das Echo auf seine Initiative gab trotz erster Konfusion Anlass zu vorsichtiger Hoffnung.

Die schiitischen Huthi-Rebellen zeigten sich offen für Verhandlungen über eine politische Lösung. Alle revolutionären Kräfte des Landes seien bereit zu einem Dialog unter UN-Schirmherrschaft in einem neutralen Staat, verkündete Rebellenchef Abdelmalik al-Huthi in einer Fernsehansprache. Er warf zugleich Saudi-Arabien vor, keine politische Lösung des Konflikts anzustreben.

Unannehmbare Bedingungen?

Die jemenitische Exil-Regierung in Saudi-Arabien stellte in einer ersten Antwort Bedingungen für ihre Teilnahme an den Gesprächen. Unter anderem müssten sich die aufständischen Huthi erst einmal aus den umkämpften Städten zurückziehen, verlangte etwa Außenminister Rejad Jassin in einer Stellungnahme aus Riad. Jassin gehört der entmachteten, aber international anerkannten Regierung des südarabischen Landes an. Der Vertreter Jemens bei den Vereinten Nationen, Khaled Alyemany, erklärte hingegen später, das Kabinett von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi werde in Genf auf jeden Fall hochrangig vertreten sein, eventuell durch den Vizepräsidenten.

Eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition bombardiert seit Ende März Stellungen und Waffenlager der Huthis. Eine fünftägige Waffenruhe war nur aus humanitären Gründen vereinbart worden, um Hilfsgüter ins Land zu bringen und Kranke zu versorgen. Eine diplomatische Initiative war damit nicht verbunden.

Über Diplomatie zu neuer Stabilität

Mit den Genfer Gesprächen solle der „Impuls für einen jemenitisch-geführten politischen Wandel wiederhergestellt“ werden, hieß es bei den UN in New York. „Der Generalsekretär drängt alle Parteien, sich in diesen UN-Beratungen in gutem Glauben und ohne Bedingungen zu engagieren. Die einzige dauerhafte Lösung der Krise im Jemen ist eine umfassende, politische Einigung“, so die Erklärung.

Schon einmal habe das Land auf den Weg zu mehr Stabilität gebracht werden können.

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Nach Waffenruhe wieder Luftangriffe im Jemen

(Bildquelle: AFP/Getty Images/F. Nureldine)

Nach dem Ende der fünftägigen Waffenruhe im Jemen hat die von Saudi-Arabien geführte Militärallianz ihre Luftangriffe auf Huthi-Rebellen fortgesetzt. Die Forderung nach einer Verlängerung der Feuerpause blieb ungehört.

Ziele der Luftschläge auf Stellungen in der Stadt Aden waren der von den schiitischen Rebellen besetzte Präsidentensitz und ein Stützpunkt von mit den Huthis verbündeten Einheiten, wie Militärvertreter und Augenzeugen berichteten. Die Feuerpause war um 22.00 Uhr MESZ zu Ende gegangen.

Der UN-Sondergesandte Ismail Ould Cheikh Ahmed hatte zuvor bei einem Jemen-Krisentreffen in Riad dazu aufgerufen, die Feuerpause um mindestens fünf weitere Tage zu verlängern. „Wir verlangen die Einstellung aller Kampfhandlungen und ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe“, erklärte der mauretanische Diplomat in der saudischen Hauptstadt.

Die Militärallianz unter Führung Saudi-Arabiens hatte die Feuerpause angesichts der katastrophalen humanitären Lage im Jemen ausgerufen. Sie galt von Dienstagabend bis Sonntagabend.

Hilfslieferungen nicht überall angekommen

Die Luftangriffe waren für diese Zeit ausgesetzt worden, am Boden wurde jedoch auch am Wochenende vereinzelt gekämpft. Dabei wurden etliche Menschen getötet. So kamen bei einem Angriff der Huthi-Rebellen nahe der drittgrößten Stadt Taes nach Behördenangaben in der Nacht zum Sonntag 14 Zivilisten ums Leben. In in der Nacht zuvor waren laut Armee und Einwohnern bereits 26 Rebellen und 14 Soldaten getötet worden.

Während in einigen Teilen Jemens bereits Hilfslieferung eintrafen, warteten die Menschen in Taes weiter auf Nahrung, Treibstoff und medizinische Ausrüstung. „Die humanitäre Hilfe hat Taes noch nicht erreicht“, sagte ein Regierungsvertreter. Auch andere Landesteile blieben vorerst von ausreichenden Hilfslieferungen abgeschnitten.

Ein vom Iran entsandtes Schiff mit Hilfslieferungen erreichte unterdessen trotz Warnungen der USA den Golf von Aden und soll laut iranischen Medienberichten am Donnerstag im Hafen einlaufen. Washington hatte die Besatzung aufgefordert, stattdessen ein UN-Versorgungslager im nahegelegenen Dschibuti anzusteuern. Saudi-Arabien wirft dem Iran vor, die Huthis mit Waffen zu unterstützen. Teheran bestreitet dies.

Huthis boykottieren Krisentreffen

Jemens Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi hatte vor dem Krisenttreffen in Riad erklärt, dieses stehe allen Parteien offen. Während die Huthi-Rebellen die Gespräche boykottierten, hatten Anhänger des 2011 gestürzten Präsidenten Ali Abdullah Saleh ihre Teilnahme zugesagt. Militäreinheiten Salehs zählen zu den Verbündeten der Huthis. Direkte Gespräche mit Saleh wurden aber bereits im Vorfeld ausgeschlossen.

Die sunnitisch-arabische Militärallianz unter Führung Saudi-Arabiens hatte am 26. März Luftangriffe gestartet, um den Vormarsch der schiitischen Huthis zu stoppen und dem nach Riad geflohenen Präsidenten Hadi zurück an die Macht zu verhelfen.

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Fünf Tage Feuerpause im Jemen beginnt – Hoffnung auf Hilfe

(Bildquelle: dpa)

Sanaa – Fünf Tage lang sollen im südarabischen Land Jemen die Waffen schweigen. Die Not der Bevölkerung soll gelindert werden. Die Hilfsorganisationen stehen in den Startlöchern, verlangen aber eine dauerhafte Einstellung der Kämpfe.

Im Jemen ist am späten Dienstagabend (22.00 Uhr MESZ) eine fünftägige humanitäre Feuerpause in Kraft getreten. Nach berichten aus dem Land schienen sich die Konfliktparteien zunächst daran zu halten. Die vorübergehende Einstellung der Kampfhandlungen war von Saudi-Arabien Ende letzter Woche angekündigt worden. Die schiitischen Huthi-Rebellen hatten sich zur Einhaltung der Waffenruhe bereit erklärt.

In dem südarabischen Land kämpfen Huthi-Rebellen gegen Anhänger des nach Riad geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition bombardiert seit Ende März Stellungen und Waffenlager der Huthis. Nach UN-Angaben kamen seitdem 1500 Menschen ums Leben, unter ihnen mindestens 646 Zivilisten. Die Feuerpause soll vor allem dazu dienen, um Hilfslieferungen für die unter Krieg und Bombardierungen leidende Bevölkerung auf den Weg zu bringen.

Luftwaffen-Angriffe bis kurz vor der Waffenruhe

Am Dienstag flog die saudische Luftwaffe praktisch bis zur letzten Minute vor der Waffenruhe schwere Angriffe auf Ziele in Sanaa, Tais und Ibb. Beim Bombardement eines Waffenlagers in der Hauptstadt Sanaa wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 19 Menschen getötet und 209 weitere verletzt. Die Huthi-kontrollierte Nachrichtenagentur Saba hatte von 90 Todesopfern gesprochen.

Gleichfalls am Dienstag traf der neue UN-Sondergesandte für den Jemen, Ismail Ould Cheikh Ahmed, in Sanaa ein. Der mauretanische Diplomat wolle mit Vertretern verschiedener Seiten, darunter mit jenen der Huthis, über eine Friedenslösung sprechen, erklärte ein UN-Sprecher in New York. Ahmed war im Vormonat ernannt worden, nachdem sein Vorgänger, der Marokkaner Jamal Benomar, zurückgetreten war.

Fünf Tage Waffenruhe laut Hilfsorganisationen zu kurz

Internationale Hilfsorganisationen erwarten sich von der Waffenruhe, dass sie endlich die notleidende Bevölkerung erreichen können. Zugleich betonen sie, dass fünf Tage nicht ausreichen würden und verlangen die permanente Einstellung aller Kampfhandlungen und der von der saudischen Allianz verhängten Seeblockade.

Mehr als 80 Prozent der im Jemen benötigten Lebensmittel müssen importiert werden, erklärte die britische Hilfsorganisation Oxfam.

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Doch keine Feuerpause in Jemen?

(Bildquelle: AMEPRES/euronews-screen/mag)

Die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen und die saudischen Streitkräfte haben sich entlang der gemeinsamen Grenze mit Raketen beschossen.

In der saudischen Grenzstadt Nadschran starb ein pakistanischer Gastarbeiter im Artilleriefeuer der Huthis. Panzer wurden zur Verstärkung an die Grenze zum Jemen verlegt.

Nach saudi-arabischen Luftangriffen auf die jemenitische Hauptstadt Sanaa kam es in den Bergen über Sanaa zu einer heftigen Explosion. Offenbar trafen die Saudis ein Raketendepot.

Saudische Kampfflugzeuge bombardierten darüber hinaus Huthi-Stellungen in der Stadt Tais und in der Provinz Marib. Die Rebellen schossen nach eigener Darstellung ein marokkanisches Kampfflugzeug ab.

In der südjeminmitischen Hafenstadt Aden rückten die Aufständischen trotz der saudischen Luftangriffe weiter vor. Die Bewohnerdes Stadtteils Dar Saad machen sich nach den Gefechten ans aufräumen. Vor allem Benzin und andere Treibstoffe sind äußerst knapp.

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Artillerieduelle an der Grenze vom Jemen zu Saudi-Arabien

(Bildquelle: Reuters/Stringer)

Kairo/Rabat – Einen Tag vor der geplanten Feuerpause im Jemen haben sich saudiarabische Truppen und Huthi-Rebellen am Montag über die Grenze hinweg heftige Artillerieduelle geliefert.

Die Huthis feuerten nach eigenen Angaben Raketen und Granaten auf die Städte Dschisan and Nadschran. Zuvor habe Saudi-Arabien mehr als 150 Raketen auf die jemenitischen Provinzen Saada und Hadschdschah geschossen. Außerdem hätten saudiarabische Kampfflugzeuge Stellungen der Huthis in der Stadt Tais und in der Ölprovinz Marib östlich von Sanaa angegriffen. Informationen über Opfer gab es nicht. Medienberichten zufolge verlegte Saudi-Arabien Panzer an die Grenze zum Jemen. Der Sender Al Arabija Hadath TV zeigte eine Kolonne von Militärtransportern mit Panzern.

Seit mehr als sechs Wochen versuchen Saudi-Arabien und mehrere mit ihm verbündete Staaten, die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen mit Luftangriffen zurückzudrängen. Erfolgreich sind sie damit bislang kaum. Die schiitischen Huthis kontrollieren nach wie vor einen großen Teil des Jemen.

Am Sonntag ging bei den Luftangriffen der Kontakt zu einem marokkanischen Kampfflugzeug verloren. Die F-16, die die von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz unterstützt habe, werde vermisst, teilte das marokkanische Militär mit. Marokko ist an dem Einsatz seit dessen Beginn am 26. März beteiligt. Seine Kampfflugzeuge sind in den Vereinigten Arabischen Emiraten stationiert. Die Huthis zeigten am Montag ein Video, das den Kampfjet zeigen soll. Das Flugzeug sei in der Provinz Saada abgeschossen worden, hieß es im den Rebellen nahestehenden TV-Sender Al-Masira.

Am Sonntag hatten die Huthi-Rebellen einer fünftägigen Feuerpause zugestimmt, damit Hilfsgüter in das Land gebracht werden können.

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Scharfe Kritik aus der UNO: Angriffe im Jemen verstossen gegen das Völkerrecht

(Bildquelle: Yahya Arhab/epa/keystone)

Die Luftangriffe der von Saudi-Arabien geführten Militärallianz im Jemen, verstossen nach Einschätzung des zuständigen Koordinators der Vereinten Nationen gegen internationales Recht.

«Die wahllosen Angriffe auf besiedelte Gebiete mit wie auch ohne vorherige Warnungen stellen einen Verstoss gegen das internationale humanitäre Völkerrecht dar», teilte der UNO-Koordinator für humanitäre Angelegenheiten im Jemen, Johannes van der Klaauw, am Samstag mit.

Viele Zivilisten seien in der Gegend wegen Treibstoffmangels quasi gefangen, sagte van der Klaauw weiter. Unzählige Zivilisten seien bedroht, wenn die Allianz die gesamte Region zum militärischen Ziel erkläre.

Residenz des Ex-Präsidenten bombardiert

Die internationale Militärkoalition unter Führung Saudi-Arabiens bombardierte derweil nach Angaben von Augenzeugen die Residenz des früheren jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh. Zwei Luftangriffe hätten am Sonntagmorgen Salehs Haus im Zentrum von Sanaa getroffen. Berichten zufolge soll sich der frühere Präsident nicht in der Hauptstadt aufhalten.

Saleh war im Februar 2012 nach monatelangen blutigen Protesten nach drei Jahrzehnten an der Macht zurückgetreten. Ihm wird vorgeworfen, im derzeitigen Konflikt zwischen schiitischen Huthi-Rebellen und der Regierung des gewählten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi die Huthis zu unterstützen.

Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition fliegt seit sechs Wochen Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Militäreinheiten von Saleh. Die Intervention soll den weiteren Vormarsch der Huthis stoppen und dem nach Saudi-Arabien geflohenen Präsidenten Hadi ermöglichen, an die Macht zurückzukehren.

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Bomben statt Hilfsflüge im Jemen

(Bildquelle: Getty Images/AFP/M. Huwais)

Die Menschen im Jemen warten auf Hilfslieferungen. Dafür sollte der zerbombte Hauptstadtflughafen in Sanaa repariert werden. Doch der wurde nun wieder von Kampfflugzeugen unter saudischem Kommando beschossen.

Nach Angaben von Augenzeugen wurde die Start- und Landebahn von zwei Raketen getroffen. Es war die dritte Nacht in Folge, in der die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition aus mehreren sunnitischen Golf-Staaten Stellungen der schiitischen Huthi-Kämpfer angriff. Diese sprachen von mehr als 100 Angriffen im Norden des Jemen allein in der Nacht zu Samstag. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es bislang noch nicht.

Banges Hoffen auf eine Waffenruhe

Am Freitag hatte die jemenitische Luftfahrtbehörde angekündigt, dass die von etlichen Luftangriffen zerstörte Landebahn repariert werden soll, um Hilfsflüge zur Versorgung der notleidenden Bevölkerung zu ermöglichen.

Der Flughafen in Sanaa ist seit Ende April lahmgelegt. Die arabische Militärkoalition hatte ihn bombardiert, um die Landung eines Flugzeugs aus dem schiitischen Iran zu verhindern, in dem sie Waffen für die Huthi-Rebellen vermutete. Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition fliegt seit sechs Wochen Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Kämpfer des früheren jemenitischen Präsidenten Ali Abdallah Saleh.

Saudi-Arabien schafft Fakten vor der Feuerpause

Erst am Freitag hatte Saudi-Arabien eine vorübergehende Einstellung seiner Luftangriffe im Jemen angekündigt, um einen ungehinderten Transport von Hilfslieferungen für die notleidende Bevölkerung zu ermöglichen. Der Außenminister des Königreichs, Adel al-Dschubair, stellte eine fünftägige Feuerpause ab dem kommenden Dienstag in Aussicht. Diese werde aber nur dann umgesetzt werden, wenn sich auch die Huthis an die Waffenruhe hielten, sagte Al-Dschubair bei einem Treffen mit US-Außenminister John Kerry in Parus. „Wir hoffen, dass die Huthis zu Verstand kommen und der Waffenruhe zustimmen.“

Allerdings hatte Saudi-Arabien auch angekündigt, bis zu einem möglichen Beginn einer Waffenruhe im Huthi-Kernland noch einmal hart zuschlagen. Die Allianz bombardiert seit dem 26. März Stellungen und Waffenlager der Huthis.

Im Jemen droht eine humanitäre Katastrophe

Die saudischen Luftangriffe sollen den weiteren Vormarsch der Huthis stoppen und dem nach Saudi-Arabien geflohenen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi ermöglichen, an die Macht zurückzukehren. Bisher aber konnten die Bombardements die Huthis nicht überall zurückdrängen. Allerdings wurde ihr Vormarsch auf die südliche Hafenstadt Aden aufgehalten. Dort hatte Hadi bis zu seiner Flucht aus dem Jemen seinen Regierungssitz installiert, nachdem ihn die Huthis aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben hatten.

Bei den Luftschlägen wurden viele Zivilisten getroffen. Die Bombardierung von Flughäfen und die Blockade der jemenitischen Häfen schnitten die Bewohner des ärmsten arabischen Landes zudem von der Versorgung mit Lebensmitteln und Treibstoff ab. Internationale Hilfsorganisationen sprechen von einer nahenden humanitären Katastrophe.

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Trotz andauernder Kämpfe stehen die Zeichen auf Waffenruhe im Jemen

(Bildquelle: Reuters/M. al-Sayaghi)

Im Jemen zeichnet sich nach wochenlangen Kämpfen eine Waffenruhe ab. Von Seiten der Huthi-Rebellen und ihrer Verbündeten gibt es vorsichtige Zustimmung für eine von Saudi-Arabien vorgeschlagene befristete Feuerpause.

Die von den Huthi-Rebellen kontrollierte Nachrichtenagentur Saba zitierte einen Sprecher des mit den schiitischen Aufständischen verbündeten Flügels des jemenitischen Militärs mit den Worten, er akzeptiere die von Saudi-Arabien vorgeschlagene fünftägige Feuerpause. Die abtrünnigen Soldaten, die den 2012 gestürzten Machthaber Ali Abdullah Saleh unterstützen, seien mit einem humanitären Waffenstillstand einverstanden, sagte ihr Sprecher Scharaf Lukman. Die Waffenruhe werde die „tyrannische“ Seeblockade gegen das Land beenden und Hilfslieferungen ermöglichen.

Ein Sprecher der Huthi-Rebellen signalisierte ebenfalls vorsichtige Zustimmung für eine Feuerpause, allerdings ohne konkret auf den saudi-arabischen Vorstoß Bezug zu nehmen. Die Gruppe begrüße jede Waffenruhe, die den Zugang von Hilfslieferungen für die Bevölkerung ermögliche, sagte der Sprecher.

Militär-Allianz greift Residenz von Ex-Präsident an

Eine von den USA logistisch unterstützte Militärallianz sunnitisch-arabischer Staaten unter Führung Saudi-Arabiens greift seit dem 26. März die vom Iran gestützten schiitischen Huthi-Rebellen und die mit ihnen verbündeten Militäreinheiten von Ex-Präsident Saleh aus der Luft an.

Die Intervention soll den weiteren Vormarsch der Huthis stoppen und dem offiziell amtierenden, aber nach Saudi-Arabien geflohenen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi ermöglichen, an die Macht zurückzukehren. Die Angriffe haben große Zerstörungen angerichtet und zu einer humanitären Krise geführt, die Huthi-Rebellen und ihre Verbündeten aber kaum zurückdrängen können.

Zuletzt hatte angesichts des zunehmenden Leids der jemenitischen Zivilbevölkerung die internationale Kritik an dem Militäreinsatz zugenommen. Am Freitag schlug Saudi-Arabien dann eine fünftägige Waffenruhe ab Dienstag vor.

Die Kämpfe gingen aber laut Augenzeugen vorerst weiter, so auch am Sonntag, als die Militärallianz im Morgengrauen Luftangriffe auf die Residenz des ehemaligen Präsidenten Saleh in Sanaa flog. Drei laute Explosionen seien zu hören gewesen, berichteten Anwohner. Rauchwolken seien über dem Gebäudekomplex aufgestiegen. Nach Angaben der jemenitischen Nachrichtenagentur Chabar blieben der Ex-Staatschef und seine Familie unverletzt. Saleh hatte in dem Land 33 Jahre lang geherrscht, bevor er im Zuge des sogenannten Arabischen Frühlings 2012 den Präsidentenposten räumen musste.

UN kritisieren Luftangriffe

Die Luftangriffe der von Saudi-Arabien geführten Militärallianz im Jemen verstoßen nach Einschätzung des zuständigen Koordinators der Vereinten Nationen gegen internationales Recht. „Die wahllosen Angriffe auf besiedelte Gebiete mit wie auch ohne vorherige Warnungen stellen einen Verstoß gegen das internationale humanitäre Völkerrecht dar“, kritisierte der UN-Koordinator für humanitäre Angelegenheiten im Jemen, Johannes van der Klaauw. Ausdrücklich prangerte Klaauw die jüngsten Luftangriffe auf die Huthi-Hochburg Saada im Norden Jemens an. Viele Zivilisten seien in der Gegend wegen Treibstoffmangels quasi gefangen.

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Jemen: Saudi-Arabien bietet fünftägige Waffenruhe an

(Bildquelle: Yahya Arhab/dpa)

Saudi-Arabien möchte den Huthi-Rebellen eine fünftägige Waffenruhe anbieten. Allerdings nicht ohne Bedingungen. Die Kampfpause ist bitter nötig, um die leidende Zivilbevölkerung zu versorgen.

Sechs Wochen nach Beginn der Luftangriffe gegen die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen hat Saudi-Arabien eine fünftägige humanitäre Waffenruhe angeboten.

Die Umsetzung der Offerte hänge aber davon ab, dass sich auch „die Huthis in vollem Umfang daran halten“, sagte der saudische Außenminister Adel al-Dschubair bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem amerikanischen Amtskollegen John Kerry in Riad. Die Feuerpause soll den Transport von Hilfslieferungen für die notleidende Bevölkerung ermöglichen.

„Die Waffenruhe wird bald in Kraft treten, aber die Einzelheiten müssen noch besprochen werden“, sagte Kerry, ohne ein Datum zu nennen. Er forderte die Huthis und ihre Unterstützer auf, sich der Initiative anzuschließen. „Sie sollten diese Gelegenheit, den Bedürfnissen der Bevölkerung Rechnung zu tragen, nicht verstreichen lassen“, fügte er hinzu. Reaktionen der Aufständischen lagen zunächst nicht vor.

Leidtragende sind am Ende die Zivilisten

Im Jemen kämpfen vom Iran unterstützte Huthi-Rebellen gegen Anhänger des nach Riad geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz bombardiert seit dem 26. März Stellungen und Waffenlager der Huthis. Bei Kämpfen und Luftangriffen wurden seitdem nach UN-Angaben 646 Zivilisten getötet und 1364 weitere verletzt.

Kerry war am Mittwoch in Riad eingetroffen und hatte sich unter anderem mit König Salman und dem jemenitischen Präsidenten Hadi getroffen. Von saudischer Seite hieß es, der US-Außenminister habe dem Monarchen den „humanitären Waffenstillstand“ vorgeschlagen. Saudi-Arabien wolle zudem alle jemenitischen Konfliktparteien zu einer Konferenz einladen, sagte Kerry vor der Presse.

Die saudischen Luftangriffe vermochten den Vormarsch der Huthis auf die südliche Hafenmetropole Aden einigermaßen zu stoppen. Doch wurden auch viele Zivilisten getroffen. Die Bombardierung von Flughäfen und die Blockade der jemenitischen Häfen schnitten die Bewohner des ärmsten arabischen Landes zudem von der Versorgung mit Lebensmitteln und Treibstoff ab. Internationale Hilfsorganisationen sprechen von einer nahenden humanitären Katastrophe.

UN-Botschafter erbittet Hilfe

Zuletzt drohte der Bürgerkrieg zu eskalieren. Am Mittwoch stießen die Huthis auf das Hafenviertel von Aden vor und schossen mit Granaten auf Boote, die Flüchtlinge an Bord hatten. Dutzende Menschen seien gestorben, berichteten Augenzeugen. Der Hadi-treue jemenitische UN-Botschafter wandte sich am selben Tag an den UN-Sicherheitsrat in New York und forderte das Gremium auf, Bodentruppen zu entsenden. Es gehe darum, „den Jemen, vor allem Aden und die südliche Stadt Tais, zu retten“, schrieb er.

Eine gefährliche Zuspitzung erfuhr der Konflikt auch im nördlichen Grenzgebiet zu Saudi-Arabien, dem Kernland der Huthis. Die Aufständischen beschossen die saudische Grenzstadt Nadschran mit Raketen und Granaten. Bei den Angriffen der vergangenen zwei Tage wurden dort neun Saudis getötet. Riad beantwortete die Attacken mit Luftangriffen auf die Huthi-Hochburg Saada.

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