Schlagwort-Archive: Kurden

Anschlag fordert 44 Menschenleben – prokurdische Politiker festgenommen

Nach dem Doppelanschlag in der Türkei sind mehr als hundert Vertreter der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP) festgenommen worden. Bei den landesweiten Einsätzen seien unter anderem die HDP-Chefs in Istanbul und Ankara in Gewahrsam genommen worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Die insgesamt 118 Verdächtigen sollen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gehabt haben.
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Türkei: PKK kündigt ihren Angriffsverzicht auf

(Bildquelle: AMEPRES/Euronews-Screen/krj)

Die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK hat ihren seit einem Monat geltenden einseitigen Angriffsverzicht auf den türkischen Staat aufgekündigt. Grund seien die Kriegspolitik der AKP und die anhaltenden türkischen Militäreinsätze gegen die PKK, hieß es in einer Erklärung.

Am Mittwoch hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan signalisiert, die türkische Führung strebe vorerst keinen neuen Friedensprozess an werde entschlossen gegen die PKK vorgehen. Nun sei die Zeit für Ergebnisse, sagte Erdogan.

Der Konflikt war nach dem Wahlen im Juni wieder ausgebrochen.

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Türkei: PKK-Ziele bombardiert und Journalisten angeklagt

(Bildquelle: AFP / Ozan Kose)

Nach dem Triumph seiner Partei bei der Parlamentswahl setzt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Kampf gegen die PKK und gegen kritische Medien unvermindert fort. Die Luftwaffe bombardierte zahlreiche Ziele der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), wie der Generalstab am Dienstag bekanntgab.

Drei Kurden wurden bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften getötet. Zwei Journalisten wurden wegen „Putsch-Versuchs“ angeklagt, nachdem sie den AKP-Wahlsieg kritisiert hatten.

Die islamisch-konservative Partei hatte bei der Wahl am Sonntag eine eigene Regierungsmehrheit zurückerobert. Erdogan kam dadurch seinem Ziel näher, sich per Verfassungsänderung mehr Macht zu verschaffen. Hoffnungen, der überraschend deutliche AKP-Sieg werde Erdogan bewegen, die Spannungen abzubauen, bewahrheiteten sich nicht.

Schon am Tag nach der Wahl seien „Verstecke und Waffenlager“ der PKK in der Provinz Hakkari und im Norden Iraks bombardiert und „vernichtet“ worden, teilte der Generalstab am Dienstag mit. Die Streitkräfte hatte im Juli eine Offensive gegen die PKK gestartet, die wiederum mit tödlichen Anschlägen auf die Sicherheitskräfte reagierte. Im Strudel der Gewalt hatte sich Erdogan als Garant für die Einheit der Türkei präsentiert, die AKP erhielt dafür am Wahltag viele Stimmen.

Vize-Ministerpräsident Yalçin Akdogan bekräftigte am Dienstag den harten Kurs gegen die kurdische Rebellion für mehr Autonomie: „So lange es Terror gibt, so lange wird die Regierung den Terror bekämpfen.“ Der AKP-Sieg habe schließlich gezeigt, „was die Bürger von der ‚Organisation‘ halten“, sagte er mit Blick auf die PKK dem türkischen Nachrichtensender NTV. Friedensverhandlungen seien erst dann möglich, wenn die Kurden „ihre Waffen begraben“.

Die PKK ihrerseits stufte den AKP-Sieg am Dienstag in einer über die kurdische Nachrichtenagentur Firatnews verbreiteten Meldung als „politischen Staatsstreich“ ein.

Unter dem Vorwurf eines „Putschversuchs“ wurden am Dienstag der Chefredakteur und der leitende Redakteur des liberalen Nachrichtenmagazins „Nokta“, Cevheri Guven und Murat Capan, angeklagt, wie das Magazin auf Twitter mitteilte. Die Polizei hatte am Montag die „Nokta“-Büros in Istanbul gestürmt und die beiden Journalisten festgenommen. Sie hatten den AKP-Sieg auf der Titelseite des Magazins als „Anfang des Bürgerkriegs in der Türkei“ bezeichnet. Die Ausgabe des Blattes musste auf richterliche Anordnung aus dem Handel genommen werden, da die Öffentlichkeit darin zu einem Verbrechen angestachelt würde.

Während des Wahlkampfes in der Türkei waren die Behörden immer wieder massiv gegen Medien vorgegangen, die sich kritisch über Erdogan und seine Partei äußerten. Vor laufender Kamera wurde etwa der Sitz des Medienkonzerns Koza-Ipek gestürmt und die Kontrolle über zwei Fernsehsender übernommen. Die USA und die OSZE hatten dies erst am Montag scharf kritisiert.
Brüssel rief Ankara am Dienstag auf, sich nach der Wahl nun gemeinsam mit der EU um die Eindämmung der Flüchtlingskrise zu kümmern. „Ich hoffe auf ein starkes und sichtbares Signal von Ihrer Seite, dass die Türkei bereit ist sich zu engagieren“, schrieb EU-Ratspräsident Donald Tusk an den türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu.

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Deutschland prüft weitere Waffenlieferungen an Kurden im Nordirak

(Bildquelle: dtj-online)

20 000 Gewehre und 1000 Panzerabwehrraketen hat die Bundeswehr den Kurden im Nordirak schon geliefert. Von der Leyen schließt bei einem Besuch in der nordirakischen Metropole Arbil weitere Hilfe nicht aus.

Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen prüft weitere Waffenlieferungen an die Kurden im Nordirak für ihren Kampf gegen die Terrororganisation IS. „Wir haben einen gemeinsamen Feind, und deswegen ist es so wichtig, dass wir geschlossen mit aller Kraft gegen diesen gemeinsamen Feind vorgehen“, sagte die CDU-Politikerin am Dienstag nach einem Gespräch mit Kurden-Präsident Massud Barzani in Arbil. Die Wünsche der kurdischen Peschmerga-Armee werde sie mit nach Berlin nehmen und mit ihren Kabinettskollegen besprechen.

Die Bundeswehr hat bereits 1800 Tonnen Waffen und Ausrüstung an die Kurden geliefert, darunter 20 000 Gewehre und 1000 Panzerabwehrraketen. In den nächsten Tagen sollen 3000 Schutzanzüge für atomare, biologische und chemische Waffen, 2000 Schutzmasken, Funkgeräte und Sanitätsmaterial hinzukommen. Darüber hinaus wünschen sich die Peschmerga aber auch weitere Waffen. Barzani äußerte sich öffentlich aber nicht dazu.

Vor allem die Panzerabwehrraketen vom Typ „Milan“ sind für die Kurden wichtig, weil damit rollende Bomben – mit Sprengstoff beladene Lastwagen – zerstört werden können. Aber auch die Sturmgewehre G36 und G3 sind gefragt. Viele der 150 000 Peschmerga-Kämpfer sind noch mit Kalaschnikow-Gewehren aus Sowjetzeiten ausgerüstet.

Von der Leyen besuchte in Arbil auch das Ausbildungscamp, in dem 95 deutsche Soldaten zusammen mit Verbündeten aus sieben Ländern kurdische Kämpfer ausbilden. 4700 Kämpfer haben das Training bereits durchlaufen.

Die CDU-Politikerin hatte bereits am Montag politische Gespräche in der irakischen Hauptstadt Bagdad geführt. Dabei ging es unter anderem um mögliche russische Luftangriffe gegen den IS auch im Irak. Die irakische Regierung hat sich jüngst offen dafür gezeigt. Im September wurde in Bagdad ein Informationszentrum gegründet, an dem neben Russland auch der Iran und Syrien beteiligt sind.

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Der Syrienkrieg in Schaubildern: Wer kämpft gegen wen? Wer flüchtet wie?

(Grafikquelle: stern Infografik / Philipp Möller)

Die Auswirkungen des Bürgerkriegs in Syrien sind selbst in Europa zu spüren. Es ist ein Krieg, den kaum noch jemand versteht. Was passiert da eigentlich? Die Erklärung in fünf Schaubildern. (Von Philipp Möller und Patrick Rösing (Grafik) und Niels Kruse (Text))

Anfang 2011 schöpften die Menschen im Nahen Osten Hoffnung: Tunesien, Ägypten, Libyen – überall erhob sich das Volk gegen die Diktatoren. Der Arabische Frühling erfasste die gesamte Region, doch nicht alle Machthaber ließen sich vertreiben. Baschar al Assad etwa, Herrscher über Syrien, dachte nie daran, seinen Platz zu räumen. Unerbittlich bekämpft er seit vier Jahren Rebellen, den Islamischen Staat und Kurden – mit verheerenden Folgen: Große Teile des Landes liegen in Trümmern, Hunderttausende von Syrern sind ums Leben gekommen, Millionen irren als Vertriebene durch das Land, durch die Region.

Flüchtlingsdrama: Die Situation in Syrien erklärt in fünf Grafiken

(Grafik: © stern Infografik/Philipp Möller)
Jeder gegen jeden: Der syrische Bürgerkrieg ist extrem unübersichtlich. Grundsätzlich gibt es drei große Blöcke, die sich bekämpfen. Daneben und dazwischen agieren noch zahlreiche weitere Gruppen, wie etwa die al-Kaida-nahe al-Nusra-Front. Zudem gibt es die indirekte und kurzzeitige Beteiligung anderer Staaten wie Nordkorea und Weißrussland.
(Grafik: © stern Infografik/Philipp Möller)
Grafik: © stern Infografik/Philipp Möller
Wer herrscht wo in Syrien? Das Land, ethnisch und religiös schon immer ein Flickenteppich, ist mit dem Bürgerkrieg komplett zerrissen worden. So herrscht der offizielle Präsident Baschar al Assad gerade noch über ein Drittel Syriens.
(Grafik: © stern Infografik/Philipp Möller)
Grafik: © stern Infografik/Philipp Möller
Auf welchem Weg flüchten Syrer nach Europa? Rund elf Millionen Menschen hat der Bürgerkrieg vertrieben. Knapp drei Millionen von ihnen versuchen, sich nach Europa durchzuschlagen. Die Hauptroute führt von der Türkei aus über den Balkan nach Deutschland
(Grafik: © stern Infografik/Philipp Möller)
Grafik: © stern Infografik / Philipp Möller
Wohin es die syrischen Flüchtlinge zieht: 116.685 Schutzsuchende aus Syrien haben allein in Deutschland in diesem Jahr (bis September) Asyl beantragt. Zweitbeliebtestes Land: Schweden mit 81.520 Anträgen
(Grafik: © stern Infografik / Philipp Möller)

Auch Europa bekommt die Auswirkungen des Bürgerkriegs unmittelbar zu spüren…

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Parlamentswahlen in der Türkei: Die Rolle der Kurden

(Bildquelle: AMEPRES/Euronews-Screen)

Sechs Millionen türkische Wähler gaben bei den Parlamentswahlen im Juni der HDP, der Demokratischen Partei der Völker, ihre Stimme. Die HDP versteht sich unter anderem als politischer Vertreter der Kurden in der Türkei und hofft bei den Neuwahlen am 1. November, erneut die Zehn-Prozent-Hürde zu überwinden.

Bora Bayraktar hat in Istanbul eine kurdische Familie besucht, die sich als Unterstützer der HDP versteht. Welche Erwartungen haben sie? Sie wolle einfach nur Frieden und Ruhe, so Husna Kaplan. Und Onur Kaplan meint: “Wenn Sie im Südosten leben, müssen Sie sich mit den Polizeiaktionen auseinandersetzen. Kurden im Westen der Türkei sind anders. Man kann nicht sagen, dass wir angepasst sind, obwohl wir weit weg vom Südosten leben. Wir sind nicht dieser Psychologie ausgesetzt. Es könnte Unterschiede im Wahlverhalten geben. Wir sind anders als die Kurden im Südosten.”

Der kurdische Autor Ümit Firat betrachtet die HDP als kurdische Partei, die HDP wiederum versteht sich als Bündnis auch für andere Volksgruppen. “Die Zeiten sind ganz andere als bei den Wahlen am 7. Juni”, sagt er. “Es gibt viel Gewalt und Kampfhandlungen. Es ist wie im Krieg. In solch einer Situation kann man nicht von einem echten Wahlkampf sprechen. Es gibt keine politische Diskussion in der Gegend. Deshalb finden die Wahlen unter viel größeren Spannungen als zur Zeit des schlimmsten Auseinandersetzungen in den neunziger Jahren statt”, so Firat.

Wie schätzt er die Verbindungen zwischen der HDP und der PKK ein? “Die PKK hat ihre Grenzen in der Region ausgeweitet. Sie hat Organisationen im Irak und in Syrien. Die HDP ist der legale Ableger der PKK in der Türkei und ist auf die Türkei begrenzt. Sie ist nur in der Türkei aktiv. Auf diese Weise sollten wir die HDP betrachten. Es ist eine kurdische Partei in der Türkei, es ist die kurdische Partei der Türkei”, erläutert Firat.

Gibt es eine Chance auf eine Wiederaufnahme des Friedensprozesses zwischen der PKK und der türkischen Regierung? Sicherheitsexperte Atilla Sandıklı sagt: “Das hängt unmittelbar vom Ergebnis der Wahlen ab. Wenn die AKP die absolute Mehrheit erreicht, wird sie die Militäroperationen fortführen. Sollte die PKK zur Randerscheinung werden oder ihre bewaffneten Gruppen aus der Türkei abziehen, kann man erwarten, dass der auf Eis liegende Friedensprozess für mehr Demokratie, Freiheit und wirtschaftliche Entwicklung wieder zum Vorschein kommt. Sollte die AKP die Regierung mit der Partei der nationalistischen Bewegung MHP bilden, dann kann man weitere Operationen gegen die PKK erwarten”, so Sandıklı.

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Türkei: Zeitgleiche Explosionen vor Büros der türkischen Kurdenpartei

(Bildquelle: AFP)

Gab es einen Anschlag auf die türkische Kurdenpartei HDP? In zwei Büros der Partei, in Mersin und Adana, soll es zeitgleich Explosionen gegeben haben. Die Hintergründe sind noch unklar.

Istanbul – Vor zwei Büros der türkischen Kurdenpartei HDP im Süden der Türkei haben sich am Montag zeitgleich Explosionen ereignet.

Wie die Online-Ausgabe der Zeitung „Hürriyet“ meldete, wurden bei den Vorfällen in Mersin und in Adana mehrere Menschen verletzt. Ob es sich um Unfälle oder Anschläge handelte, war zunächst nicht bekannt. In Mersin war für den Nachmittag ein Wahlkampfauftritt von HDP-Chef Selahattin Demirtas vor der Parlamentswahl am 7. Juni geplant.

Nicht der erste Angriff?

Die HDP hatte in den vergangenen Wochen mehrmals über Angriffe auf Wahlbüros und Mitarbeiter geklagt. Bei der Wahl am 7. Juni spielt die HDP, die laut Umfragen um die zehn Prozent der Wählerstimmen liegt, eine Schlüsselrolle.

Wenn die Partei den Sprung über die Zehnprozent-Hürde ins Parlament von Ankara schafft, sinken die Chancen für die islamisch-konservative Regierungspartei AKP, in der neuen Volksvertretung eine Mehrheit für Verfassungsänderungen zu erreichen.

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Türkei: Erdogans Angst vor Stimmenverlust

(Bildquelle: picture-alliance/AP Photo)

Am 7. Juni wählt die Türkei ein neues Parlament. Der Regierungspartei AKP drohen Verluste. Staatspräsident Erdogan rührt daher kräftig die Werbetrommel für die AKP – und ignoriert damit die Verfassung.

Bisher ging es für die im Jahr 2001 gegründete AKP bei Parlamentswahlen immer nur nach oben. Nachdem ihr im Jahr 2002 rund 34 Prozent der Stimmen zur absoluten Mehrheit der Mandate im Parlament und damit zur Regierungsübernahme genügten, legte sie 2007 auf 46 Prozent und 2011 sogar auf fast 50 Prozent zu. Diesmal könnte es anders sein. Die Umfragen sehen die islamisch-konservative Partei zwar wieder einmal weit vor der Konkurrenz, die meisten Befragungen siedeln sie aber lediglich zwischen 40 und 45 Prozent an.

Auf den ersten Blick ist das für eine Partei, die seit mehr als zwölf Jahren an der Macht ist, ein stolzes Ergebnis. Doch in der AKP herrscht keinerlei Feierlaune. Denn ein Sieg allein reicht Erdogan nicht. Der 61-Jährige, der auch nach dem Wechsel ins höchste Staatsamt der entscheidende Mann in Partei und Regierung geblieben ist, will im neuen Parlament eine Mehrheit von mindestens 330 der 550 Abgeordneten zusammenbekommen. Anschließend will er per Verfassungsänderungen ein Präsidialsystem einführen – mit ihm selbst an der Spitze, versteht sich. Doch davon ist die AKP derzeit weit entfernt. Selbst mit ihrem Traumergebnis von 2011 erhielt sie nur 326 Mandate.

Erdogan stürzt sich wieder ins Getümmel

Zu dem in den Umfragen prognostizierten klaren Abwärtstrend der AKP kommt ein weiteres Problem für die Partei hinzu: Sollte die Kurdenpartei HDP den Sprung über die Zehn-Prozent-Hürde für den Parlamentseinzug schaffen, wäre möglicherweise sogar die absolute Mehrheit der AKP im Parlament in Gefahr. All das hat den Präsidenten dazu bewogen, sich wieder ins Getümmel des Wahlkampfs zu stürzen. Mehr als 30 Veranstaltungen will Erdogan bis zum Wahltag absolvieren. An diesem Sonntag wirbt er bei einem Besuch in Karlsruhe zudem um die Stimmen der türkischen Wähler in Deutschland.

Die Opposition sieht in Erdogans Verhalten einen klaren Verstoß gegen die von der Verfassung vorgegebenen Regeln für das Amt des Staatspräsidenten. Er soll sich aus der Tagespolitik heraushalten und darf auch kein Mitglied einer politischen Partei sein.

„Ich werde nicht außen vor bleiben“

Erdogan setzt sich jedoch über das Neutralitätsgebot hinweg. Der Präsident ist ein brillanter Wahlkämpfer und schiebt den AKP-Vorsitzenden und Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu mit seiner Präsenz zur Seite. Angesichts der Bedeutung der Juni-Wahl erwarte wohl niemand, „dass ich außen vor bleibe“, sagte Erdogan am Freitag.

Damit breche Erdogan ganz offen die Verfassung, sagt der Journalist Yavuz Baydar im Gespräch mit der DW. Baydar erkennt bei Erdogan und der AKP seit Wochen „offensichtliche Zeichen der Panik“. Die Regierungspartei verliere Wähler und habe bisher kein Gegenrezept gefunden. Dabei spiele unter anderem die Wirtschaftslage eine Rolle. In den vergangenen Monaten schwächte sich das Wachstum ab und die Arbeitslosigkeit stieg an.

Unbehagen über Erdogans Verhalten

Ob Erdogan den Trend stoppen kann, ist ungewiss. Selbst im Lager der AKP-Anhänger gebe es ein gewisses Unbehagen über Erdogans Missachtung der Regeln für das Präsidentenamt, sagt der Kolumnist Semih Idiz im Gespräch mit der DW. „Sie fragen sich, ob das ein Vorgeschmack auf das Präsidialsystem ist, wenn Erdogan machen kann, was er will.“ Möglicherweise wanderten konservative AKP-Wähler deshalb zur nationalistischen MHP („Partei der Nationalistischen Bewegung“) oder zu kleineren islamischen oder rechtsnationalen Parteien ab.

Nach einigen Wahlprognosen könnte sich die AKP nach der Wahl zu einer Koalition oder einer punktuellen Zusammenarbeit mit anderen Parteien im Parlament gezwungen sehen. Dies gilt vor allem für den Fall, dass die HDP in die Volksvertretung einzieht.

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Syrien: Kobane – ein vergessenes Symbol

(Bildquelle: Reuters/O. Orsal)

Monatelang hat die Welt den Kampf zwischen dem „Islamischen Staat“ und den Kurden um Kobane verfolgt. Nach dem Ende der Gefechte und der fast vollständigen Zerstörung der Stadt gelingt der Wiederaufbau nur schleppend.

Idriss Nassan Alirahim ist zum Gespräch ins Zentrum von Berlin gekommen. Nur wenige Schritte entfernt von den feinen Boutiquen der Hauptstadt und den mächtigen Glasfronten des Bundestages berichtet er mit leisen Worten über Tod und Zerstörung in seiner Heimat. Sein Haus sei fast vollständig von Extremisten des „Islamischen Staates“ zerstört worden. „Nur einen Raum haben sie nicht angerührt.“ Idriss Nassan Alirahim zuckt mit den Achseln: „Vielleicht haben sie ihn als Unterschlupf genutzt.“

Das Haus des Syrers in der überwiegend kurdischen Stadt Kobane wurde von den Extremisten belagert, als sie versucht haben, die autonome kurdische Enklave zu erobern. Gut fünf Monate lang verfolgten die Medien die Kämpfe zwischen Angreifern und Verteidigern der Stadt von der nur wenige hundert Meter entfernten türkischen Grenze. Tausende Einwohner flohen. Kobane wurde in den Medien zu einem mächtigen Symbol für den Widerstand gegen die Dschihadisten, die große Teile Syriens und des Iraks zuvor erobert hatten.

Im Januar konnten die Bürger Kobanes aufatmen. Mit Hilfe kurdischer Kämpfer aus dem Nordirak und US-geführter Luftangriffe gelang es den Verteidigern der Stadt, die Milizen des „Islamischen Staates“ in die Flucht zu schlagen und der Terrororganisation eine schwere Niederlage beizubringen.

Über zwei Drittel der Stadt zerstört

Die abziehenden Kämpfer des IS hinterließen eine Stadt in Trümmern. „Zwischen 70 und 80 Prozent von Kobane sind zerstört und die Infrastruktur ist beschädigt“, berichtet Idriss Nassan Alirahim, der als Vize-Außenbeauftragter der Stadt politisch aktiv ist. Während viele Geschäfte wieder geöffnet haben, die zentrale Bäckerei ihren Betrieb wieder aufgenommen hat und auch einige Gesundheitszentren wieder arbeiten (eines davon in Regie der „Ärzte ohne Grenzen“), gibt es für die nach Kobane zurückkehrenden Flüchtlinge weder fließendes Wasser noch Strom. „Wir pumpen Wasser aus lokalen Brunnen, aber das ist nicht genug“, bemerkt er achselzuckend. Ein weiteres Problem, ergänzt der Politiker, ist der Mangel an Treibstoff: „Wir haben nur sehr geringe Mengen.“

Deutlich schwerer wiegt allerdings, dass bis heute nur wenig humanitäre Hilfe oder Baustoffe in die Stadt gelangen, so Idriss Nassan Alirahim. Die türkischen Behörden, sagte er, seien nicht bereit, die Grenzen zur Enklave zu öffnen, da diese von kurdischen Kämpfern der Volksverteidigungseinheiten (YPG), einem syrischen Ableger der PKK, kontrolliert werde. Die linke Arbeiterpartei Kurdistans hat bis vor kurzem einen Guerillakrieg gegen den türkische Staat geführt.

Moustafa aus Kobane, der nicht mit seinem vollen Namen genannt werden will, berichtet im Telefoninterview mit der DW, dass die türkischen Grenzposten den Menschen nur die Ausreise nach Kobane erlaubten, aber nicht die Wiedereinreise in die Türkei. „Menschen, die zurück in die Türkei gelangen wollen, müssen Schlepper dafür bezahlen – das kostet manchmal bis zu 100 Dollar.“

IS bleibt eine Bedrohung

Auch Idriss Nassan Alirahim ist nach eigenen Angaben nur mit Hilfe von Schleusern aus Syrien heraus gelangt. Zusammen mit anderen kurdischen Politikern möchte er den internationalen Druck auf die Türkei erhöhen. „Die internationale Gemeinschaft sollte einen humanitären Korridor öffnen“, fordert der Politiker.

Die kurdischen Kämpfer, ergänzt er, brauchten zudem militärische Ausrüstung. Auch wenn sie Waffen der geflohenen Dschihadisten in ihren Besitz bringen konnten, fehlten vor allem Panzerabwehrwaffen und Mörser. Tatsächlich wird Kobane immer wieder vom IS ins Visier genommen. Vor wenigen Tagen erst starteten IS-Kämpfer nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London einen Überraschungsangriff am südlichen Stadtrand von Kobane. Aber Idriss Nassan Alirahim ist überzeugt: Kobane sei sicherer geworden, „viel sicherer“.

Hilfe aus dem Ausland

Allerdings, so räumte er ein, müsse die Stadt gegen alle möglichen Widerstände kämpfen, um zu überleben. „Wir brauchen Hilfe von allen Seiten, um Menschenleben zu retten und die Bewohner mit dem Nötigsten zu versorgen.“ Anwohner Moustafa macht das im DW-Gespräch an einem einfachen Beispiel deutlich: Die Preise für Grundnahrungsmittel hätten sich in Kobane verdoppelt.

In der deutschen Hauptstadt beklagt Idriss Nassan Alirahim die Untätigkeit der internationalen Gemeinschaft. Er habe Angst, dass Kobane, das vor wenigen Monaten noch ein wichtiges Symbol für den Kampf gegen den IS war, zunehmend vergessen werde. Nachdem der militärische Kampf nun vorbei ist, „sei die humanitäre Seite offenbar nicht mehr so wichtig für das Ausland“. Aber, fügt er nach einer Pause hinzu, er sei voller Hoffnung, dass Hilfe Kobane erreichen und die Stadt wieder aufgebaut werden könne. Bis dahin würde er weiterhin mit seiner Familie in dem einzig verbliebenen Zimmer seines zerstörten Hauses leben.

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Kurden drängen IS-Extremisten bei Kirkuk im Irak weiter zurück

(Bildquelle: Reuters/Ako Rasheed)

Erbil – Die kurdische Peschmerga-Miliz hat bei einer weiteren Offensive im Norden Iraks die Extremisten des Islamischen Staates (IS) weiter zurückgedrängt.

Sie hätten ein Gebiet von 84 Quadratkilometern erobert und damit die Pufferzone um Kirkuk ausgedehnt, teilten die kurdischen Behörden in der Region mit. Unterstützt wurden sie den Angaben zufolge durch Luftangriffe der US-Streitkräfte auf IS-Stellungen. Die Offensive habe südlich von Kirkuk am Samstag an zwei Fronten begonnen. Mindestens 35 IS-Kämpfer seien getötet worden.

Im vergangenen Sommer hatten IS-Extremisten große Teile des Nordiraks erobert. Die irakischen Soldaten flohen, die dort stationierten Einheiten der Armee lösten sich praktisch auf. Die kurdische Peschmerga-Miliz übernahm die Verteidigung des Kurdengebietes im Irak und die volle Kontrolle über Kirkuk. Seitdem haben die Peschmerga-Kämpfer mit Unterstützung der US-geführten Anti-IS-Allianz die Extremisten aus großen Teilen des Landes wieder vertrieben.

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