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Waffenruhe in Syrien: Die syrische Armee greift wieder an

Das Militär hat einen Einsatz gegen die Rebellen bei Damaskus gestartet. Bei zwei Anschlägen starben starben 12 Menschen, 15 wurden verletzt.

Die syrische Armee hat trotz der geltenden Waffenruhe einen Militäreinsatz in der Nähe von Damaskus gestartet, um die von Rebellen kontrollierten Wasserquellen der syrischen Hauptstadt zurückzuerobern. Die Operation habe am Sonntagmorgen begonnen, hieß es aus syrischen Militärkreisen. Die Wasserversorgung der syrischen Hauptstadt ist seit kurz vor Weihnachten unterbrochen. Rebellen und Regierung machen sich gegenseitig dafür verantwortlich.
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Terroristen oder Zivilisten – Informationskrieg in Syrien

(Bildquelle: picture-alliance / AP Photo / A. Kots)

Seit fünf Wochen greifen russische Kampfjets Ziele in Syrien an. Wen sie dabei treffen, IS-Kämpfer, andere Regimegegner oder Unbewaffnete, ist umstritten. Unabhängige Quellen sind rar.

Vor knapp zwei Wochen sollen russische Luft-Boden-Raketen das Krankenhaus in Sarmin in der syrischen Provinz Idlib zweimal getroffen haben. Zwölf Zivilsten starben dabei, darunter zwei Mediziner, so berichtete die US-Stiftung SAMS, die die Klinik eingerichtet hat. Ein Radiosender zeigte dazu im Netz ein Bild eines völlig zerstörten Gebäudes. Russland dementierte. Das Verteidigungsministerium in Moskau präsentierte Luftaufnahmen, die belegen sollen, dass die Klinik Ende Oktober – elf Tage nach dem Angriff – noch völlig intakt gewesen sei. Während Russland weiter darauf beharrt, mit Präzisionsbomben nur „Terroristen“ zu treffen, melden syrische und westliche Quellen immer mehr Tote in der Zivilbevölkerung.

Von Ende September bis Ende Oktober stiegen russische Kampfjets knapp 1400 Mal auf und zerstörten dabei nach Moskauer Angaben 1623 „Terror-Objekte“. Doch diese Darstellung wirft in zweifacher Hinsicht Fragen auf: Zum einen ist unklar, wen genau die Russen mit „Terroristen“ meinen. Zum anderen tauchen zivile Opfer in den Berichten nicht auf. Warum sollten bei russischen Angriffen keine Unbewaffneten sterben, während bei US-Angriffen in Irak, Afghanistan und auch Syrien immer wieder Zivilisten ums Leben kommen?

FSA statt IS unter Beschuss

Russland betont, an der Seite von Syriens Präsident Baschar al-Assad gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) und den syrischen Al-Kaida-Ableger Nusra-Front vorzugehen. Beides sind auch aus westlicher Sicht Terrorgruppen. Doch Moskau und Damaskus bezeichnen oft alle Regimegegner pauschal als Terroristen. Im Westen gelten viele Rebellengruppen hingegen als gemäßigt. Einige dieser Gruppen, wie die Freie Syrische Armee (FSA), werden vom Westen und von arabischen Staaten unterstützt. Genau diese Gruppen sind offenbar die primären Ziele von Suchoi-Kampfjets.

Der in der umkämpften Stadt Aleppo ansässige Journalist Mohammed Al-Khatieb wirft den Russen im Internetportal Al-Monitor vor, vorrangig die FSA und deren Verbündete zu beschießen. Dem Washingtoner „Institute for the Study of War“ zufolge greift die russische Luftwaffe zwar auch Regionen an, die vom IS oder der Nusra-Front kontrolliert werden. Ein Großteil der Bombardements treffe jedoch Gebiete, in denen andere Rebellen aktiv sind.

Darüber treffen die russischen Jets neben militärischen Stellungen offenbar immer wieder Krankenhäuser, Moscheen und Wohngebiete. Safouh Labanieh, Geschäftsführer des Deutsch-Syrischen Vereins zur Förderung der Freiheiten und Menschenrechte mit Sitz in Darmstadt, erhebt einen schweren Vorwurf: „Leider treffen die russischen Angriffe nur Zivilisten und die gemäßigte Opposition.“ Labanieh kehrte erst vor zwei Tagen aus dem Kriegsgebiet zurück. Niemand wisse von Attacken auf IS-Stellungen, sagte er der Deutschen Welle.

Viele Zivilisten getötet

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft Russland vor, bei zwei Angriffen in Ghantou und Ter Maaleh Mitte Oktober 59 Zivilsten getötet zu haben, darunter 33 Kinder. Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte errechnete, dass im ersten Monat der russischen Luftangriffe insgesamt knapp 600 Menschen getötet worden seien, davon ein Drittel Zivilisten.

Andrej Kartapolow vom russischen Generalstab weist solche Berichte zurück. Die Luftwaffe habe gar nicht so viele Angriffe geflogen, wie angeblich zivile Objekte zerstört wurden.

Im Krieg der Informationen setzen alle Seiten auf Satellitenfotos und Videos. Wann diese aufgenommen wurden und ob sie retuschiert wurden, ist häufig unklar. Der Rechercheverbund Bellingcat versuchte am Mittwoch, den Angriff in Sarmin aufzuklären, warf aber selbst einige Fragen auf. Nach Auswertung von Luftaufnahmen und im Netz zugänglichen Informationen teilte Bellingcat mit, dass russische Streitkräfte das Krankenhaus wohl nicht direkt getroffen hätten. Ein im Internet verbreitetes Foto zeige nicht die Klinik. Allerdings habe Russland Bilder falsch datiert, um das Ausmaß anderer Zerstörungen in dem Ort zu verschleiern. Es bestehe kein Zweifel, so Bellincat, dass das Krankenhaus beschädigt wurde – wann und wie genau, dazu machte der Rechercheverbund keine Angaben.

Kaum verlässliche Informationen

Nur noch wenige unabhängige Journalisten wagen sich ins Kriegsgebiet. Einer von ihnen war der Schweizer Kurt Pelda, der selbst russische Bombardements miterlebte. Pelda berichtet, wie bei einem Angriff auf eine Artillerie-Stellung der Nusra-Front eine Streubombe eingesetzt worden sei. Ein Teil dieser Bombe sei als Blindgänger in einem nahe gelegenen Dorf eingeschlagen. Weil die Russen meist Flächenwaffen anstelle von Präzisionswaffen einsetzten, würde immer wieder Unbeteiligte getroffen. „Es ist nicht so, dass die Russen Zivilisten töten wollen, aber es gibt einfach diese Kollateralschäden“, kommentiert der Journalist.

Problematisch ist auch, dass die russische und die syrische Armee teilweise dieselben Flugzeugtypen einsetzen. „Wenn die Syrer sagen, das waren russische Luftangriffe, dann ist das nicht in jedem Fall so klar“, erläutert Pelda.

Klar sind hingegen die Folgen für die Zivilbevölkerung. Ermutigt von der Luftunterstützung des großen Verbündeten gehen die Truppen des Assad-Regimes vielerorts in die Offensive. Immer mehr Menschen fliehen aus den umkämpften Gebieten Richtung türkische Grenze. Nach UN-Angaben flüchteten allein im Oktober mindestens 124.000 Syrer aus ihren Häusern in den Provinzen Aleppo, Hama und Idlib. Das beobachtete auch Kurt Pelda. „Die Leute warten nicht erst, bis die russischen Kampfflugzeuge kommen“, berichtet er.

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Syrische Armee erobert wichtige Verbindungsroute zurück

(Bildquelle: picture-alliance / dpa / M. Alaeddin)

In Syrien haben Regierungstruppen bei Kämpfen mit der Terrormiliz IS einen wichtigen strategischen Erfolg errungen. UN-Unterhändler de Mistura bemüht sich unterdessen darum, rasch neue Verhandlungen zu organisieren.

Nach heftigen Gefechten haben syrische Regimetruppen im Norden des Landes eine strategisch wichtige Versorgungsroute von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zurückerobert. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte einen entsprechenden Bericht des staatlichen Fernsehens.
Bei der Straße handele es sich um die einzige Verbindung zwischen den vom Regime kontrollierten westlichen Teil der Stadt Aleppo und Zentralsyrien, erklärte die Beobachtungsstelle. Die Straße führt von Aleppo durch die Städte Chanaser und Ithrija und weiter in den Süden nach Hama und Homs. Der IS hatte vor fast zwei Wochen mehrere Kilometer der Route unter seine Kontrolle gebracht. Damit war der von der Regierung gehaltene Teil Aleppos faktisch unter IS-Belagerung gekommen.

Beobachtungsstelle: Russische Luftangriffe töten viele Zivilisten

Bei den Kämpfen um die Straße sollen mehrere IS-Kämpfer getötet worden sein. Nach Angaben der Beobachtungsstelle versuche die Armee nun, den Geländegewinn nahe dem Ort Hanasir abzusichern. Russische Luftangriffe unterstützten den Menschenrechtlern zufolge die Regimetruppen. Das Gebiet um Aleppo ist seit Wochen Schauplatz einer Offensive der Regierungstruppen, die zudem Hilfe von libanesischen Hisbollah-Kämpfern und iranischen Soldaten erhalten.
Die Beobachtungsstelle teilte zudem mit, dass bei einem mutmaßlich von der russischen Armee geflogenen Luftangriff auf die Stadt Al-Karjatain in der westlichen Provinz Homs 23 Zivilisten getötet worden seien. Al-Karjatain war im August vom IS eingenommen worden.

UN-Gesandter zu Gesprächen in Moskau

Unterdessen rief der UN-Gesandte für Syrien, Staffan de Mistura, Regierung und Opposition zu raschen Verhandlungen auf. Die Vereinten Nationen seien bereit, diese Gespräche in Genf zu organisieren, sagte er bei einem Besuch in Moskau. Er werde in den kommenden Tagen in die USA reisen, um dort weitere Gespräche über eine Lösung der Syrien-Krise zu führen, kündigte de Mistura der Agentur Interfax zufolge an.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow forderte nach dem Treffen mit dem UN-Gesandten, dass vor einer geplanten neuen Syrien-Konferenz mit den USA in Wien dringend Klarheit über die unterschiedlichen Akteure in dem Bürgerkriegsland geschaffen werden müsse. Konkret solle eine Liste mit Terrorgruppen aufgestellt werden, für die eine mögliche Waffenruhe nicht gelten soll, erklärte Lawrow. Eine zweite Liste solle Oppositionsverbände enthalten, die zu Verhandlungen mit der Führung des umstrittenen Präsidenten Baschar al-Assad bereit sind.

Weitere Weltkulturerbestätte zerstört

In Syrien geht derweil die Zerstörung von einzigartigen historischen Kulturstätten weiter. Wie die oberste Antikbehörde berichtet, sollen Teile der aus frühbyzantinischer Zeit stammenden und zum Weltkulturerbe zählenden Ruinenstadt Al-Bara absichtlich zerstört worden sein. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana machte dafür „Terroristen“ verantwortlich. So nennt das Regime alle Rebellen im Land. Ende Oktober gab es nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte jedoch auch russische Luftangriffe in Al-Bara.

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Syrien: IS-Miliz rückt vor, Russland bombardiert – Kämpfe in Aleppo nehmen zu

(Bildquelle: AMEPRES/krj)

Im syrischen Aleppo gibt es offenbar die schwersten Kämpfe seit Jahren. Laut Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind seit Samstag mindestens 64 Menschen bei Kämpfen der syrischen Armee und russischen Luftangriffen getötet worden, darunter 28 Kinder.

Die Angaben der Beobachtungsstelle mit Sitz in London lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Das russische Militär führte laut Nachrichtenagentur Interfax am Wochenende mehr als 130 Luftangriffe aus. Dabei sei ein Ausbildungslager der IS-Miliz nahe Aleppo getroffen worden.

Der Westen und die USA werfen Moskau vor, neben der IS-Miliz auch Stellungen der gemäßigten Rebellen zu bombardieren.

Die zweitgrößte Stadt Syriens ist seit drei Jahren geteilt zwischen Rebellengruppen im Westen und regimetreuen Milizen im Osten. Die Lage in der ehemaligen Wirtschaftsmetropole hat sich dramatisch zugespitzt. Laut UNO liegen 80 Prozent der Altstadt in Trümmern, 50 Prozent der Einwohner sind geflohen. Auch die IS-Miliz rückt immer weiter auf die Metropole vor. Von Norden her erobert sie Gebiete, die bisher von syrischen Rebellen kontrolliert wurden und die als wichtige Nachschubrouten. Die Rebellen in Aleppo und der sie umgebenden gleichnamigen Provinz sind keine homogene Gruppe. Es gibt darunter Radikalislamisten, Islamisten, Moderate sowie kurdische Milizen.

Die syrischen Regierungstruppen werden am Boden von iranischen Soldaten und der libanesischen Hisbollah-Miliz unterstützt. Begleitet von russischen Luftangriffen führen sie eine Offensive im Norden Syriens aus. Aus Hama bewegen sie sich auf Aleppo zu. Die Syrische Beobachtungsstelle berichtete von schweren Gefechten im Nordwesten des Landes.

Bei der internationalen Syrien-Konferenz in Wien einigten sich die Teilnehmerstaaten, dass Syrien nicht zersplittert werden dürfe und die territoriale Einheit erhalten werden müsse – wie eine Kooperation der Weltmächte aussehen könnte, darüber will man in zwei Wochen beraten.

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Doch keine Feuerpause in Jemen?

(Bildquelle: AMEPRES/euronews-screen/mag)

Die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen und die saudischen Streitkräfte haben sich entlang der gemeinsamen Grenze mit Raketen beschossen.

In der saudischen Grenzstadt Nadschran starb ein pakistanischer Gastarbeiter im Artilleriefeuer der Huthis. Panzer wurden zur Verstärkung an die Grenze zum Jemen verlegt.

Nach saudi-arabischen Luftangriffen auf die jemenitische Hauptstadt Sanaa kam es in den Bergen über Sanaa zu einer heftigen Explosion. Offenbar trafen die Saudis ein Raketendepot.

Saudische Kampfflugzeuge bombardierten darüber hinaus Huthi-Stellungen in der Stadt Tais und in der Provinz Marib. Die Rebellen schossen nach eigener Darstellung ein marokkanisches Kampfflugzeug ab.

In der südjeminmitischen Hafenstadt Aden rückten die Aufständischen trotz der saudischen Luftangriffe weiter vor. Die Bewohnerdes Stadtteils Dar Saad machen sich nach den Gefechten ans aufräumen. Vor allem Benzin und andere Treibstoffe sind äußerst knapp.

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Artillerieduelle an der Grenze vom Jemen zu Saudi-Arabien

(Bildquelle: Reuters/Stringer)

Kairo/Rabat – Einen Tag vor der geplanten Feuerpause im Jemen haben sich saudiarabische Truppen und Huthi-Rebellen am Montag über die Grenze hinweg heftige Artillerieduelle geliefert.

Die Huthis feuerten nach eigenen Angaben Raketen und Granaten auf die Städte Dschisan and Nadschran. Zuvor habe Saudi-Arabien mehr als 150 Raketen auf die jemenitischen Provinzen Saada und Hadschdschah geschossen. Außerdem hätten saudiarabische Kampfflugzeuge Stellungen der Huthis in der Stadt Tais und in der Ölprovinz Marib östlich von Sanaa angegriffen. Informationen über Opfer gab es nicht. Medienberichten zufolge verlegte Saudi-Arabien Panzer an die Grenze zum Jemen. Der Sender Al Arabija Hadath TV zeigte eine Kolonne von Militärtransportern mit Panzern.

Seit mehr als sechs Wochen versuchen Saudi-Arabien und mehrere mit ihm verbündete Staaten, die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen mit Luftangriffen zurückzudrängen. Erfolgreich sind sie damit bislang kaum. Die schiitischen Huthis kontrollieren nach wie vor einen großen Teil des Jemen.

Am Sonntag ging bei den Luftangriffen der Kontakt zu einem marokkanischen Kampfflugzeug verloren. Die F-16, die die von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz unterstützt habe, werde vermisst, teilte das marokkanische Militär mit. Marokko ist an dem Einsatz seit dessen Beginn am 26. März beteiligt. Seine Kampfflugzeuge sind in den Vereinigten Arabischen Emiraten stationiert. Die Huthis zeigten am Montag ein Video, das den Kampfjet zeigen soll. Das Flugzeug sei in der Provinz Saada abgeschossen worden, hieß es im den Rebellen nahestehenden TV-Sender Al-Masira.

Am Sonntag hatten die Huthi-Rebellen einer fünftägigen Feuerpause zugestimmt, damit Hilfsgüter in das Land gebracht werden können.

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Scharfe Kritik aus der UNO: Angriffe im Jemen verstossen gegen das Völkerrecht

(Bildquelle: Yahya Arhab/epa/keystone)

Die Luftangriffe der von Saudi-Arabien geführten Militärallianz im Jemen, verstossen nach Einschätzung des zuständigen Koordinators der Vereinten Nationen gegen internationales Recht.

«Die wahllosen Angriffe auf besiedelte Gebiete mit wie auch ohne vorherige Warnungen stellen einen Verstoss gegen das internationale humanitäre Völkerrecht dar», teilte der UNO-Koordinator für humanitäre Angelegenheiten im Jemen, Johannes van der Klaauw, am Samstag mit.

Viele Zivilisten seien in der Gegend wegen Treibstoffmangels quasi gefangen, sagte van der Klaauw weiter. Unzählige Zivilisten seien bedroht, wenn die Allianz die gesamte Region zum militärischen Ziel erkläre.

Residenz des Ex-Präsidenten bombardiert

Die internationale Militärkoalition unter Führung Saudi-Arabiens bombardierte derweil nach Angaben von Augenzeugen die Residenz des früheren jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh. Zwei Luftangriffe hätten am Sonntagmorgen Salehs Haus im Zentrum von Sanaa getroffen. Berichten zufolge soll sich der frühere Präsident nicht in der Hauptstadt aufhalten.

Saleh war im Februar 2012 nach monatelangen blutigen Protesten nach drei Jahrzehnten an der Macht zurückgetreten. Ihm wird vorgeworfen, im derzeitigen Konflikt zwischen schiitischen Huthi-Rebellen und der Regierung des gewählten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi die Huthis zu unterstützen.

Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition fliegt seit sechs Wochen Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Militäreinheiten von Saleh. Die Intervention soll den weiteren Vormarsch der Huthis stoppen und dem nach Saudi-Arabien geflohenen Präsidenten Hadi ermöglichen, an die Macht zurückzukehren.

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Bomben statt Hilfsflüge im Jemen

(Bildquelle: Getty Images/AFP/M. Huwais)

Die Menschen im Jemen warten auf Hilfslieferungen. Dafür sollte der zerbombte Hauptstadtflughafen in Sanaa repariert werden. Doch der wurde nun wieder von Kampfflugzeugen unter saudischem Kommando beschossen.

Nach Angaben von Augenzeugen wurde die Start- und Landebahn von zwei Raketen getroffen. Es war die dritte Nacht in Folge, in der die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition aus mehreren sunnitischen Golf-Staaten Stellungen der schiitischen Huthi-Kämpfer angriff. Diese sprachen von mehr als 100 Angriffen im Norden des Jemen allein in der Nacht zu Samstag. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es bislang noch nicht.

Banges Hoffen auf eine Waffenruhe

Am Freitag hatte die jemenitische Luftfahrtbehörde angekündigt, dass die von etlichen Luftangriffen zerstörte Landebahn repariert werden soll, um Hilfsflüge zur Versorgung der notleidenden Bevölkerung zu ermöglichen.

Der Flughafen in Sanaa ist seit Ende April lahmgelegt. Die arabische Militärkoalition hatte ihn bombardiert, um die Landung eines Flugzeugs aus dem schiitischen Iran zu verhindern, in dem sie Waffen für die Huthi-Rebellen vermutete. Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition fliegt seit sechs Wochen Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Kämpfer des früheren jemenitischen Präsidenten Ali Abdallah Saleh.

Saudi-Arabien schafft Fakten vor der Feuerpause

Erst am Freitag hatte Saudi-Arabien eine vorübergehende Einstellung seiner Luftangriffe im Jemen angekündigt, um einen ungehinderten Transport von Hilfslieferungen für die notleidende Bevölkerung zu ermöglichen. Der Außenminister des Königreichs, Adel al-Dschubair, stellte eine fünftägige Feuerpause ab dem kommenden Dienstag in Aussicht. Diese werde aber nur dann umgesetzt werden, wenn sich auch die Huthis an die Waffenruhe hielten, sagte Al-Dschubair bei einem Treffen mit US-Außenminister John Kerry in Parus. „Wir hoffen, dass die Huthis zu Verstand kommen und der Waffenruhe zustimmen.“

Allerdings hatte Saudi-Arabien auch angekündigt, bis zu einem möglichen Beginn einer Waffenruhe im Huthi-Kernland noch einmal hart zuschlagen. Die Allianz bombardiert seit dem 26. März Stellungen und Waffenlager der Huthis.

Im Jemen droht eine humanitäre Katastrophe

Die saudischen Luftangriffe sollen den weiteren Vormarsch der Huthis stoppen und dem nach Saudi-Arabien geflohenen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi ermöglichen, an die Macht zurückzukehren. Bisher aber konnten die Bombardements die Huthis nicht überall zurückdrängen. Allerdings wurde ihr Vormarsch auf die südliche Hafenstadt Aden aufgehalten. Dort hatte Hadi bis zu seiner Flucht aus dem Jemen seinen Regierungssitz installiert, nachdem ihn die Huthis aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben hatten.

Bei den Luftschlägen wurden viele Zivilisten getroffen. Die Bombardierung von Flughäfen und die Blockade der jemenitischen Häfen schnitten die Bewohner des ärmsten arabischen Landes zudem von der Versorgung mit Lebensmitteln und Treibstoff ab. Internationale Hilfsorganisationen sprechen von einer nahenden humanitären Katastrophe.

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Trotz andauernder Kämpfe stehen die Zeichen auf Waffenruhe im Jemen

(Bildquelle: Reuters/M. al-Sayaghi)

Im Jemen zeichnet sich nach wochenlangen Kämpfen eine Waffenruhe ab. Von Seiten der Huthi-Rebellen und ihrer Verbündeten gibt es vorsichtige Zustimmung für eine von Saudi-Arabien vorgeschlagene befristete Feuerpause.

Die von den Huthi-Rebellen kontrollierte Nachrichtenagentur Saba zitierte einen Sprecher des mit den schiitischen Aufständischen verbündeten Flügels des jemenitischen Militärs mit den Worten, er akzeptiere die von Saudi-Arabien vorgeschlagene fünftägige Feuerpause. Die abtrünnigen Soldaten, die den 2012 gestürzten Machthaber Ali Abdullah Saleh unterstützen, seien mit einem humanitären Waffenstillstand einverstanden, sagte ihr Sprecher Scharaf Lukman. Die Waffenruhe werde die „tyrannische“ Seeblockade gegen das Land beenden und Hilfslieferungen ermöglichen.

Ein Sprecher der Huthi-Rebellen signalisierte ebenfalls vorsichtige Zustimmung für eine Feuerpause, allerdings ohne konkret auf den saudi-arabischen Vorstoß Bezug zu nehmen. Die Gruppe begrüße jede Waffenruhe, die den Zugang von Hilfslieferungen für die Bevölkerung ermögliche, sagte der Sprecher.

Militär-Allianz greift Residenz von Ex-Präsident an

Eine von den USA logistisch unterstützte Militärallianz sunnitisch-arabischer Staaten unter Führung Saudi-Arabiens greift seit dem 26. März die vom Iran gestützten schiitischen Huthi-Rebellen und die mit ihnen verbündeten Militäreinheiten von Ex-Präsident Saleh aus der Luft an.

Die Intervention soll den weiteren Vormarsch der Huthis stoppen und dem offiziell amtierenden, aber nach Saudi-Arabien geflohenen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi ermöglichen, an die Macht zurückzukehren. Die Angriffe haben große Zerstörungen angerichtet und zu einer humanitären Krise geführt, die Huthi-Rebellen und ihre Verbündeten aber kaum zurückdrängen können.

Zuletzt hatte angesichts des zunehmenden Leids der jemenitischen Zivilbevölkerung die internationale Kritik an dem Militäreinsatz zugenommen. Am Freitag schlug Saudi-Arabien dann eine fünftägige Waffenruhe ab Dienstag vor.

Die Kämpfe gingen aber laut Augenzeugen vorerst weiter, so auch am Sonntag, als die Militärallianz im Morgengrauen Luftangriffe auf die Residenz des ehemaligen Präsidenten Saleh in Sanaa flog. Drei laute Explosionen seien zu hören gewesen, berichteten Anwohner. Rauchwolken seien über dem Gebäudekomplex aufgestiegen. Nach Angaben der jemenitischen Nachrichtenagentur Chabar blieben der Ex-Staatschef und seine Familie unverletzt. Saleh hatte in dem Land 33 Jahre lang geherrscht, bevor er im Zuge des sogenannten Arabischen Frühlings 2012 den Präsidentenposten räumen musste.

UN kritisieren Luftangriffe

Die Luftangriffe der von Saudi-Arabien geführten Militärallianz im Jemen verstoßen nach Einschätzung des zuständigen Koordinators der Vereinten Nationen gegen internationales Recht. „Die wahllosen Angriffe auf besiedelte Gebiete mit wie auch ohne vorherige Warnungen stellen einen Verstoß gegen das internationale humanitäre Völkerrecht dar“, kritisierte der UN-Koordinator für humanitäre Angelegenheiten im Jemen, Johannes van der Klaauw. Ausdrücklich prangerte Klaauw die jüngsten Luftangriffe auf die Huthi-Hochburg Saada im Norden Jemens an. Viele Zivilisten seien in der Gegend wegen Treibstoffmangels quasi gefangen.

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Die USA greifen seit zwei Tagen 24 IS-Ziele an und treffen auch Unschuldige

(Bildquelle: AMEPRES/youtube/euronews-screen/mag)

Die USA haben in den vergangenen beiden Tagen nach eigenen Angaben 24 Luftangriffe auf Stellungen der Islamisten-Miliz IS in Syrien und im Irak geflogen.

Am Freitag und Samstag habe es 17 Angriffe in Syrien und sieben im Irak gegeben, teilte die US-Armee am Samstag mit.

Ziele seien Stellungen von IS-Einheiten, Fahrzeuge und Gebäude gewesen. Berichte über 52 bei einem Luftangriff in Syrien getötete Zivilisten würden geprüft, erklärte die Armee weiter.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte berichtet, die Flugzeuge hätten am Freitag irrtümlich ein Dorf in der Provinz Aleppo getroffen. Bei den Opfern handle es sich um Angehörige von mindestens sechs Familien.

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