Schlagwort-Archive: Nordirak

Irak: IS-Miliz tötet zahlreiche Jesiden

(Bildquelle: Reuters)

Bagdad – Jesiden sind „Ungläubige“, die zu töten sind. Das ist die Ansicht der Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat. Im Nordirak haben IS-Kämpfer erneut zahlreiche Jesiden getötet. Die genaue Zahl der Opfer ist unklar.

Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben Berichten zufolge im Nordirak zahlreiche Jesiden getötet. Die jesidische Fortschrittspartei gab die Zahl der Opfer am Samstag mit mehr als 300 an, die nicht-staatliche Menschenrechtskommission im Irak mit rund 70. Zu den Ermordungen der Mitglieder der uralten religiösen Minderheit kam es demnach am Freitag in der Stadt Tal Afar, die nahe der vom IS kontrollierten Millionenmetropole Mossul liegt. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Die Jesiden sind Kurden und lebten bisher vor allem in der Gegend um Mossul und im nahe gelegenen Sindschar-Gebirge. Beim IS-Vormarsch in die Region waren vergangenen Sommer nach Angaben der Jesiden rund 500 000 Menschen geflohen. Einem Mitglied der Menschenrechtskommission zufolge werden noch mindestens 3000 Jesiden von den Radikalsunniten gefangen gehalten. Entkommene Frauen hatten der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch von systematischen Vergewaltigungen, Misshandlungen, Zwangsehen und Zwangsübertritten zum Islam berichtet.

Mehrere Massengräber gefunden

Im Dezember hatten kurdische Peschmergakämpfer die IS-Miliz aus der Stadt Sindschar vertrieben. Seither wurden in der Gegend mehrere Massengräber mit Überresten von Jesiden gefunden. Viele Muslime betrachten die Jesiden als „Teufelsanbeter“, weil sie auch den „Engel Pfau“ als zentrale Figur ihres Glaubens verehren. Der IS bezeichnet die Jesiden als „Ungläubige“, die zu töten sind.

Irakische Offizielle machen die Terrormilz derweil für eine Reihe von Anschlägen in Bagdad in den vergangenen Tagen verantwortlich. Erst am Samstagabend starben in der Hauptstadt bei einem Autobombenanschlag mindestens 13 Menschen, wie der Nachrichtenkanal Al-Dschasira berichtete. Weitere 36 Menschen seien bei der Explosion im Zentrum der Stadt verletzt worden. Am Vortag hatte es 23 Tote bei drei ähnlichen Anschlägen in Bagdad gegeben.

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Kanada plant Lufteinsätze in Syrien

(Bildquelle: picture-alliance/AP Photo)

Als zweiter NATO-Staat nach den USA will auch Kanada Stützpunkte des Islamischen Staats von der Luft aus angreifen. Der Einsatz gegen die Terrormiliz in Syrien ist völkerrechtlich umstritten.

Im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) will Kanada seine Kampfflugzeuge künftig auch nach Syrien schicken. Das erklärte Premierminister Stephen Harper am Dienstag. Damit ist Kanada nach den USA der zweite NATO-Staat, der Ziele in dem Bürgerkriegsland angreift. An dem Einsatz sind außerdem Einheiten aus Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten vertreten.

Harper kündigte außerdem an, dass die sechsmonatige Militärmission gegen den IS um ein Jahr bis März 2016 verlängert werden soll. Kanada hat sechs CF-18-Kampfjets (Artikelbild) bereitgestellt, die an dem US-geführten Einsatz im Irak teilnehmen. Daneben sind ein Tankflugzeug, zwei Überwachungsflieger und eine Transportmaschine aus Kanada im Einsatz. Rund 600 Luftwaffensoldaten operieren von Kuwait aus.

Zudem hat Kanada rund 70 Spezialkräfte in den Nordirak entsandt, die dort Kämpfer der kurdischen Peschmerga-Miliz ausbilden. Die Soldaten unterstützen die Peschmerga auch dabei, Luftschläge vom Boden aus zu dirigieren. Dies gilt als gefährlich, da es Einsätze nahe der Front erfordert. Anfang März starb ein kanadischer Soldat durch versehentlichen Beschuss durch Peschmerga.

Harte Linie gegen den IS

Harper, dessen konservative Partei sich im Oktober einer Wahl stellen muss, vertritt gegenüber dem IS eine harte Linie. Die Bewegung stelle eine fundamentale Bedrohung Kanadas dar, so Harper. Er will seine Pläne im Unterhaus des Parlaments zur Abstimmung stellen. „Um den IS weiter zu schwächen, ist es nötig, seinen operativen Betrieb und seine Infrastruktur dort zu bombardieren, wo diese sich befinden, Syrien eingeschlossen“, heißt es in dem Antrag, der der Nachrichtenagentur AP vorlag. Die Zustimmung gilt als sicher, da die Konservativen über eine Mehrheit verfügen.

Die Ausweitung des Einsatzes ist politisch umstritten. Kritiker meinen, dass dies ohne Zustimmung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gegen das Völkerrecht verstoße. Die sozialdemokratische NDP hat angekündigt, gegen die Ausweitung der Mission zu stimmen. Die Position der Liberalen ist noch unklar. Für eine Verlängerung des Einsatzes braucht Harper keine Zustimmung des Parlaments. Die Abstimmung soll lediglich Einigkeit demonstrieren.

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Bilder von Aleppo ähneln zerstörtem Deutschland nach dem Krieg

(Bildquelle: imago/Rüdiger Wölk)

Kleidung, Decken, Matratzen und Schulunterricht – die Welthungerhilfe müht sich, das Leid der Syrien-Flüchtlinge zumindest ein wenig zu mildern. Im Interview erklärt Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Hilfsorganisation, warum das so schwierig ist.

Frau Dieckmann, der Bürgerkrieg in Syrien dauert nun seit vier Jahren an. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Das besonders dramatische an der Situation in Syrien ist zum einen, dass 12 Millionen Menschen – bei einer Landesbevölkerung von rund 22 Millionen – auf der Flucht sind. Zum anderen ist die Lage deshalb so verzweifelt, weil es keinen Ansatz einer Lösung gibt. Was mich aber am meisten schockiert an den Berichten unserer Mitarbeiter in der Region ist die völlige Hoffnungslosigkeit der Syrer. Viele von ihnen haben vor Ausbruch des Bürgerkrieges ein normales Leben geführt, es gab ein funktionierendes Gesundheits- und Bildungswesen, sie litten keinen Hunger.

US-Außenminister Kerry hat erwogen, wieder Gespräche mit dem syrischen Präsidenten Assad zu führen, was sofort dementiert wurde. Auch Außenminister Steinmeier schließt solche Kontakte nicht mehr aus. Wäre das ein Ansatz?

Wir sind als Hilfsorganisation zurückhaltend mit politischen Kommentaren, aber es ist ganz offensichtlich so, dass dieser Konflikt militärisch nicht lösbar ist. Mein Appell an die internationale Gemeinschaft ist es, Kontakte zu allen Parteien in Syrien aufzunehmen und mit allen zu reden – im Interesse der Menschen in den Flüchtlingslagern und der noch im Land lebenden Syrer. Unerlässlich dabei wäre auch eine enge Absprache mit den Nachbarländern, die alle von dieser Krise betroffen und zum Teil auch darin involviert sind. Denn es handelt sich um einen geopolitischen Konflikt mit vielen Beteiligten, die auch ihre eigenen Interessen verfolgen, denen es nicht um Syrien und die Syrer geht.

Welche Informationen haben sie über die Situation der Flüchtlinge inner- und außerhalb des Landes?

Wir arbeiten in der Nähe von Aleppo und die Bilder aus dieser Stadt und anderen Orten in Syrien ähneln denen der zerstörten Städte in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. Die Menschen dort haben aber nicht nur ihre Häuser verloren, sondern auch ihre Arbeit und ihre Einkommensgrundlage. Bisher konnte die größte Not dadurch abgewandt werden, dass sich Familien und Nachbarn halfen. Aber es sind weder Aussaat noch Ernte möglich und wenn es keine Nothilfe gäbe, dann gäbe es eine Hungersnot, gerade jetzt zum Ende des Winters. Die Grundversorgung in den Flüchtlingslagern ist halbwegs gesichert, ob in der Türkei, im Libanon, in Jordanien. Aber die Menschen leben in Zelten oder Verschlägen, zum Teil auch in Bauruinen unter schwierigsten Bedingungen.

Erreichen Hilfsorganisationen die Flüchtlinge im Innern des Landes?

Das wird immer schwieriger. Die Welthungerhilfe arbeitet in Syrien nur in Regionen, die von den lokalen Hilfsorganisationen, mit denen wir kooperieren, über relativ sichere Transportwege zu erreichen sind. Aber die Lage kann sich auch dort plötzlich verschlechtern. Aus den Gebieten, die vom IS beherrscht werden, erhalten wir nur indirekt Nachricht. Angeblich soll der IS dort zumindest die Grundversorgung sichern.

Was tut die Welthungerhilfe in den Lagern?

Wir unterstützen vor allem die Flüchtlinge, die keinen Platz in den Lagern gefunden haben, und in der Türkei etwa ist dies die überwiegende Mehrheit. Wir lieferten warme Kleidung, Decken und Matratzen als Winterhilfe. Vor allem aber konzentrieren wir uns auf die Bildung. Wir finanzieren Schulen, unter den Flüchtlingen gibt es viele gut ausgebildete Lehrer. Die Kinder sind so einige Stunden am Tag beschäftigt, sie erhalten Mahlzeiten und sie lernen für ihre Zukunft, so düster die jetzt auch noch scheint. Im Nordirak nutzen wir Gebäude, die nicht fertiggestellt wurden, um dort Notunterkünfte einzurichten.

Die Spendenbereitschaft der Deutschen für Syrien war nie besonders groß. Wie ist das jetzt?

Im Falle von Naturkatastrophen, zum Beispiel nach dem Erdbeben auf Haiti, der Flut in Pakistan, dem Tsunami in Sri Lanka, wird sehr viel gespendet. Inzwischen spenden die Menschen auch für Syrien. Allein bei der von Bundestagsvizepräsidentin Roth initiierten Hilfe sind über 400 000 Euro gespendet worden.

Die Spender bei Naturkatastrophen wissen, dass das Geld zur Verbesserung der Situation eingesetzt wird und langfristig auch Erfolge zu sehen sind. In Syrien aber herrscht Krieg, dessen Ende nicht abzusehen ist. Da fehlen Spendern einfach die langfristigen Perspektiven. Eine solche Situation haben wir in Afghanistan nicht gehabt, auch nicht in Pakistan. Es war immer die Hoffnung da, dass man die Situation verbessern kann.

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Irak: „Deutsche Waffen erhöhen die Schlagkraft der Peschmerga“

(Bildquelle: dpa)

Essen/Erbil – Jochen Schneider führt die deutsche Ausbildungsmission mit aktuell 29 Soldaten im Nordirak. Im Interview erzählt er, wie stark die Terrormiliz IS ist.

Oberst Jochen Schneider war der letzte deutsche Kommandeur des Feldlagers Kundus in Afghanistan. Jetzt führt er die deutsche Ausbildungsmission mit aktuell 29 Bundeswehrsoldaten im Nordirak. Im Interview erzählt er, was die Bundeswehr genau in der Kurdenhauptstadt Erbil macht, wie stark die Terrormiliz IS ist – und dass er Anschläge auf deutsche Soldaten für möglich hält.

Die Bundeswehr bildet seit Februar kurdische Peschmerga für den Kampf gegen die Terrormiliz IS aus. Wie läuft die Mission?

Oberst Jochen Schneider: Die Bundeswehr ist Teil einer Koalition aus etwa 60 Staaten, die die irakischen Sicherheitskräfte unterstützt und ausbildet. Das Kurdistan Training Coordination Center ist seit dem 8. Februar arbeitsbereit, am 15. haben wir bereits mit der Ausbildung von acht Infanteriezügen begonnen. Niederländische, italienische, britische und deutsche sowie norwegische und amerikanische Soldaten koordinieren nun die gesamte militärische Ausbildung für die Sicherheitskräfte in der Region Kurdistan-Irak im Kampf gegen die globale Bedrohung durch den Terror von ISIS.

Welche Fähigkeiten werden den kurdischen Peschmerga vermittelt?

Schneider: Das zuständige Ministerium der Peschmerga macht uns inhaltliche und zeitliche Vorgaben. Daraufhin planen wir die Ausbildung nach deren Wünschen aus. Im Wesentlichen sollen Waffen und Munition gezielter eingesetzt werden können. Die Peschmerga lernen, sich taktisch im Gelände auf der Ebene eines Zuges, also etwa 30 Soldaten, richtig zu verhalten. Auch Kenntnisse in Erster-Hilfe, beim Erkennen von Sprengfallen sowie Verhalten nach dem Kriegsvölkerrecht werden ausgebildet.

Wie lange dauern die Ausbildungseinheiten?

Schneider: Der infanteristische Kurs dauert vier Wochen. Wir bilden aber zusätzlich noch Spezialisten an Panzerabwehrwaffen, in der Beseitigung von selbstgebauten Sprengfallen, erweiterter medizinischer Hilfe oder in Materialerhaltung aus. Außerdem werden Ausbilder in all diesen und anderen Themen geschult. Teilweise geschieht das – zum Beispiel die Schulung an der MILAN – auch in Deutschland. Diese Kurse dauern etwa zwei Wochen.

Wie viele Peschmerga sind bislang ausgebildet worden?

Schneider: Das Kurdistan Training Coordination Center hat seit Anfang Februar über 420 Peschmerga ausgebildet. Dabei sind nicht nur individuelle Fähigkeiten verbessert worden. Vor allem das Verständnis für gemeinsame, geplante Aktionen auf Zugebene haben wir geschult. Die Peschmerga haben erkannt: Nur wer die Initiative hat, kann etwas gewinnen. Im nächsten Kurs soll jetzt ein ganzes Bataillon mit insgesamt zwölf Zügen und das Führungspersonal ausgebildet werden. Dies schließt die Kompanie- und Bataillonsführung ein, um die Koordination der Kräfte auf allen Ebenen zu verbessern.

Die Peschmerga kämpfen an vielen Fronten. Wie schlagen sie sich?

Schneider: Die Peschmerga sind hoch motiviert und sehr engagiert. Sie sind offen für Neues und wollen lernen. Viele sind nach den langen Jahren kriegserfahren. Jedoch führen einfache Fehler im Verhalten häufig zu vermeidbaren Verlusten. Wir zeigen ihnen hier Möglichkeiten zur Verteidigung aus besseren Stellungen und den cleveren Einsatz der eigenen Kräfte und Mittel im Gefecht.

Sind die Peschmerga ausreichend ausgerüstet oder fehlt es noch an Material?

Schneider: Die Waffen und Ausrüstungsgegenstände insbesondere aus Deutschland verbessern deutlich die Schlagkraft der Peshmerga. Zum Beispiel kann die Panzerabwehrwaffe MILAN fahrende Sprengsätze, also mit Sprengstoff gefüllte Fahrzeuge, auf zwei Kilometer Entfernung mit einer Treffsicherheit von 100 Prozent zerstören. Das hat maßgeblich zum Erfolg der Peschmerga beigetragen. Früher fuhren solche Selbstmordattentäter in die Peschmerga-Stellungen, heute können die Peschmerga sie selbst stoppen. Das ist auch psychologisch wichtig. Munition für alle Waffen ist natürlich in diesem Kampf entscheidend.

Sind die deutschen Ausbilder gefährdet?

Schneider: Momentan ist an der Front sehr viel los. Die ISIS Kämpfer an der Frontlinie sind etwa 35 Kilometer von Erbil entfernt. In Tikrit toben Gefechte, ISIS kämpft und verteidigt mit allen Mittel, startet auch Gegenangriffe. Es hat im November 2014 einen versuchten Anschlag mit einem Sprengstoff-Auto in Erbil gegeben. Mit solchen Attacken von Einzeltätern oder kleinen Gruppen müssen wir hier immer rechnen. Ich glaube, dass die asymmetrische Bedrohung noch steigen wird, wenn sich jetzt die Ausbildung der Peschmerga vorne auswirkt. Wir haben entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen.

Über welche Ressorcen und Fähigkeiten verfügt der Gegner?

Schneider: ISIS ist sehr flexibel, gut ausgebildet und ausgerüstet. Sie in der Lage, in kleinem oder größeren Rahmen Aktionen zu starten, sie verfügen über unterschiedliche konventionelle Waffen. Sie nutzen sehr effizient die Medien auch für die Werbung neuer Kämpfer. Das Neue ist, dass sich die Zahl der Kämpfer, die sich von ISIS abwendet, erhöht.

Sie waren kürzlich in Afghanistan. Was unterscheidet Afghanistan vom Irak?

Schneider: Ich war der letzte deutsche Kommandeur in Kunduz und habe das deutsche Lager an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben dürfen. Ich habe alle meine Soldaten nahezu unversehrt aus Kunduz zurück nach Deutschland gebracht. Darüber bin ich froh und auch stolz. Ich freue mich nun über die neue Aufgabe. Nach dem Rückbau in Kunduz geht es nun um den Aufbau in Erbil. Ich habe hier ein tolles internationales Team und sehe großartige Fortschritte, die wir hier täglich erreichen.

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CDU-Bundestagsabgeordneter Wittke reiste in den Nordirak

(Bildquelle: WAZ / Oliver Wittke)

Der Bundestagsabgeordnete Oliver Wittke überzeugte sich vor Ort davon, dass 16 Tonnen Hilfsgüter, die nach einem Aufruf der Ruhrgebiets-CDU gesammelt wurden, dorthin kamen, wo sie gebraucht wurden – auch wenn es derzeit im Nordirak an sehr vielen Ecken zu helfen gilt.

Im nordirakischen Erbil ist der Gelsenkirchener Bundestagsabgeordnete Oliver Wittke (CDU) auf irakische Wirklichkeit getroffen. Wittke ist verzweifelten Flüchtlingen begegnet, deren einziger Wunsch ist, in ein befriedeten Region zu leben. Er hat die große Diskrepanz zwischen reichen Irakis aus Europa und dem Elend der Menschen in den Camps im Nordirak, aber auch deren große Gastfreundschaft erlebt. Zurück in Deutschland sagt er: „Ich muss erst einmal mein Koordinatensystem deutscher Probleme zurechtrücken.“

Menschen leben in Rohbauten

Am Montagabend ist Wittke aus dem Nordirak zurückgekehrt. Der Bundestagsabgeordnete überzeugte sich vor Ort davon, dass 16 Tonnen Hilfsgüter, die nach einem Aufruf der Ruhrgebiets-CDU gesammelt wurden, dorthin kamen, wo sie gebraucht wurden – auch wenn es derzeit im Nordirak an sehr vielen Ecken zu helfen gilt. Jesiden und andere Christen, Schiiten und Syrer – sie alle sind auf der Flucht vor dem Terror der IS-Milizen. Insgesamt sind 2,7 Millionen Flüchtlinge im Irak unterwegs, suchen Schutz im kurdischen Autonomiegebiet. Die Menschen leben in Rohbauten, in Zelten, in Containern. Wittke berichtet von einer Shopping-Mall, noch im Rohbau, die inzwischen Wohnraum für 6000 Menschen ist.

„Von Kämpfen haben wir nichts mitbekommen“, beschreibt Wittke den Aufenthalt in Erbil, Sitz der Regierung der Autonomen Region Kurdistan. Das Hotel habe einem Hochsicherheitstrakt geglichen. Sich außerhalb der Hotelmauern frei zu bewegen, sei unmöglich gewesen und auch nicht erlaubt.

Matratzen, Kleidung, Decken, Schuhe und Spielsachen gehörten zu dem Hilfstransport, der nach knapp 14 Tagen Erbil erreichte. „Die Solidarität ist unglaublich“, hat Oliver Wittke dort erfahren. Auch wenn die Not überall groß ist, werden die Spenden dorthin geleitet, wo sie am nötigsten gebraucht werden. Deshalb geht die Hälfte des Spendentransports an ein Flüchtlingslager, in dem Jesiden leben. „Sie haben die wenigste Hilfe zu erwarten“, so der Abgeordnete.

Wittke und die Bundestagsabgeordnete Cemile Giousouf, Integrationsbeauftragte der CDU/CSU, aus Hagen, sind mit mehreren Hilfsorganisationen aus Deutschland ins Gespräch gekommen. „Das Ansehen der Deutschen ist sehr hoch. Sie geben nicht nur Hilfsgelder, sondern machen auch eine soziale Nachbetreuung.“ Ein Beispiel seien die Grünhelme, die Häuser und Schulen errichten.

Es geht nicht nur um humanitäre Hilfe. „Inzwischen weiß dort jeder, was Milan bedeutet.“

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Irak: IS gräbt Verteidigungsgraben um Mossul

(Bildquelle: Reuters)

Die Terrormiliz Islamischer Staat verliert zumindest im Irak offenbar zunehmend an Boden und gräbt sich in ihrer wichtigsten Basis, Mossul, im wahrsten Sinne des Wortes ein. Derweil haben kurdische Peschmerga-Kämpfer eine wichtige Versorgungsroute des IS zwischen dem Nordirak und Syrien abgeschnitten.

Die Arbeiten zur Befestigung der nordirakischen Millionenstadt seien in vollem Gange, meldete die Nachrichtenseite „Shafaaq News“ unter Berufung auf Augenzeugen. So seien die Extremisten dabei, rund um die zweitgrößte Stadt des Irak einen Verteidigungsgraben zu ziehen. Zudem hätten sie alle Zementmauern, die bisher Gebäude schützten, an die Einfahrtsstraßen gebracht.

Die Extremisten hatten Mossul im vergangenen Juni überrannt. Die Stadt rund 400 Kilometer nördlich von Bagdad ist die wichtigste IS-Hochburg im Irak. Wegen ihrer Ölraffinerien ist sie von großer strategischer Bedeutung, sie ist zudem Verkehrsknotenpunkt und natürlich auch symbolisch wichtig. Laut „Shafaaq News“ gibt es zudem Hinweise darauf, dass sich IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi in Mossul aufhält.

Eine Schlacht um Mossul hätte also entscheidenden Charakter. Die irakische Armee bereitet sich derzeit auf eine Offensive vor, mit der sie die Stadt befreien will. Sollte der IS die Stadt verlieren, wäre das ein herber Rückschlag für die Extremisten. Das US-amerikanische Zentralkommando hatte vor einigen Tagen erklärt, die Angriffe sollten im April oder Mai beginnen. Die irakische Regierung reagierte verärgert auf die Nennung dieses genauen Datums.

Noch mehr Christen verschleppt

Eine Nachschubroute für Mossul aus Syrien haben kurdische Kämpfer bereits erobert und abgeschnitten. Das erklärte ein kurdischer Befehlshaber. Die USA und ihre Verbündeten hätten die Kurden mit Luftangriffen unterstützt. Kurdische Einheiten eroberten dem Befehlshaber zufolge auch zwei Grenzposten nordwestlich von Mossul zurück.

Je mehr der IS im Irak an Boden verliert, desto brutaler geht er im Nachbarland Syrien vor, von dem er ebenfalls ein großes Gebiet unter Kontrolle hat. Im Nordosten wurden laut Aktivisten noch mehr assyrische Christen verschleppt als bislang bekannt. Die Extremisten hätten in mehreren Dörfern fast 270 Menschen gefangen genommen, erklärte der Vorsitzende des Assyrischen Rates in der Region, George Mirza.

Christliche Dörfer angegriffen

Die Sprecherin der in Brüssel ansässigen European Syriac Union, Rima Tüzüm, erklärte, es gebe Informationen aus der Region, dass der IS sogar mehr als 350 Menschen als Geiseln genommen haben könnte. Frauen und Kinder seien von den Männern getrennt und in unterschiedliche Gebiete gebracht worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte bisher von 90 entführen Christen berichtet. Über das weitere Schicksal der Entführten gab es zunächst keine gesicherten Angaben.

Die IS-Extremisten hatten am Montagmorgen nordwestlich von Al-Hassaka mehrere christliche Dörfer entlang des Flusses Chabur angegriffen und unter Kontrolle gebracht. Die IS-Angriffe lösten zugleich eine Flucht von Hunderten Menschen in benachbarte Städte aus.

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Irak: IS kontrolliert mehr als 300 kurdische Dörfer rund um Kobane

(Bildquelle: @Feeney4Batman – twitter)

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat seit ihrem Vormarsch auf die Kurdenenklave Kobane über 300 Dörfer im Umland unter ihre Kontrolle gebracht.

Insgesamt seien 325 Ortschaften innerhalb der letzten beiden Wochen von der Miliz eingenommen worden, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstagabend. Zu Beginn der Angriffe auf die nordsyrische Region um Kobane war die oppositionsnahe Beobachtergruppe zunächst von rund 60 Dörfern ausgegangen.

Die IS-Miliz steht mittlerweile im Osten, Süden und Westen vor der Stadt Kobane (Arabisch: Ain al-Arab). Im Norden grenzt die Enklave, die bislang von kurdischen Volksschutzeinheiten kontrolliert wird, an die Türkei. Die USA und ihre arabischen Verbündeten bombardierten IS-Stellungen in der Nähe der eingekreisten Stadt. Zwei Dörfer westlich und östlich von Kobane seien am Dienstag angegriffen worden, teilte die syrische Beobachtungsstelle mit. Die Extremisten selbst beschießen Kobane seit dem Wochenende wiederholt mit Artillerie.

Briten fliegen erste Angriffe im Irak

Britische Kampfflugzeuge haben erstmals Stellungen der Terrormiliz im Irak angegriffen. Wie das Verteidigungsministerium in London am Dienstag mitteilte, unterstützten die Tornado-Maschinen dabei kurdische Kämpfer, die sich im Nordwesten Gefechte mit IS-Einheiten lieferten. Kurdische Einheiten vertrieben die IS-Miliz zudem aus mehreren Orten im Nordirak. Die Kurden setzten dabei auch schwere Waffen ein, die ihnen vom Westen geliefert worden waren, wie die irakische Nachrichtenseite Al-Mada berichtete. Die US-Luftwaffe unterstützte die Kurden.

US-Präsident Barack Obama traf sich am Dienstag (Ortszeit) mit dem Nationalen Sicherheitsrat, um über Fortschritte im Krieg gegen IS zu sprechen. Obama wurde dabei auch über die Erfolge der US-Angriffe in Syrien und dem Kampf gegen die Chorasan-Gruppe informiert, hieß es aus dem Weißen Haus.

Die Kämpfer können sich bei Kobane bereits sehen

Im Norden Syriens konnten die Extremisten dagegen ihren Vormarsch trotz der Luftangriffe der internationalen Koalition fortsetzen. Dort rückten sie bis auf zwei Kilometer an die Stadt Kobane heran. Zwischen den Stellungen der IS und der Kurden liege nur noch ein freies Feld, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. „Die Kämpfer können sich sehen“, sagte deren Leiter Rami Abdel Rahman.

Im Nordirak hätten die Kurden zwölf Dörfer unter Kontrolle gebracht, die meisten in der Nähe des Ortes Rabia an der Grenze zu Syrien, hieß es aus den kurdischen Einheiten. Auch den Grenzort selbst nahmen sie laut der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw ein. Er gilt als strategisch wichtig, weil er die irakischen Kurden direkt mit den syrischen Kurden verbindet, die beide gegen die Terrormiliz kämpfen.

Peschmerga-Offensive hat begonnen

Die irakischen Peschmerga hatten ihre Offensive gegen den IS im Morgengrauen begonnen. Sie griffen nach eigenen Angaben an drei Fronten an. Auch südlich der Stadt Kirkuk konnten sie zwei Orte einnehmen. US-Jets bombardierten ebenfalls IS-Stellungen im Nordirak. Die IS-Kämpfer seien Richtung Syrien abgezogen, berichtete Rudaw.

Bei den britischen Luftangriffen seien eine mit schweren Waffen bestückte Stellung sowie ein Fahrzeug der Extremisten beschossen worden, wurde in London erklärt. Die Luftangriffe wurden als erfolgreich bezeichnet. Das Unterhaus in London hatte Ende vergangener Woche den Weg dafür frei gemacht.

Lage an der Grenze zur Türkei

Im benachbarten Syrien bombardierten die USA und ihre arabischen Verbündeten IS-Stellungen in der Nähe von Kobane. Das von den USA geführte Bündnis habe zwei Dörfer westlich und östlich von Kobane angegriffen, teilte die syrische Beobachtungsstelle mit. In kurdischen Medien hieß es, die heftigen Kämpfe um die Stadt gingen weiter.

Die IS-Terrormiliz versucht seit Tagen, Kobane einzunehmen. Sie kontrolliert bereits Dutzende Dörfer im Umland. Die Orte liegen an der türkischen Grenze in einer Enklave, die bislang von kurdischen Volksschutzeinheiten kontrolliert wurde. Einwohner von Kobane hatten kritisiert, die Zahl der Luftangriffe gegen die Extremisten sei zu gering.

Türkei fährt 35 Panzer in der Region auf

Die Türkei zog angesichts des IS-Vormarschs auf Kobane Truppen an der Grenze zusammen. Die Streitkräfte hätten 35 Panzer in der Region aufgefahren, berichtete die regierungsnahe Zeitung „Sabah“. Die Panzer hätten 400 Meter von der Grenze entfernt Stellung bezogen.

Die Regierung in Ankara legte am späten Dienstag dem Parlament eine Resolution für ein militärisches Eingreifen im Irak und in Syrien vor. An der Landgrenze im Süden der Türkei gebe es einen ernsthaften Zuwachs von Risiken und Bedrohungen, die die nationale Sicherheit wegen der jüngsten Entwicklungen in der Region bedrohten, heiße es in der Begründung des Antrags, die von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu unterzeichnet worden sei, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu in der Nacht zum Mittwoch. Die Zeitung „Hürriyet“ schrieb ergänzend, das Mandat umfasse auch die Öffnung türkischer Militärbasen für ausländische Truppen. Über die Resolution soll am Donnerstag abgestimmt werden.

Rund 30 Kilometer südlich von Kobane umstellten IS-Kämpfer ein von 36 türkischen Soldaten bewachtes Mausoleum. Es liegt innerhalb Syriens auf einem Stück Land, das zur Türkei gehört. Der IS hatte bereits im März den Abzug der türkischen Soldaten gefordert.

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Nordirak: Kampf um Kobane steht unmittelbar bevor – „Die Kämpfer können sich sehen“

(Bildquelle: AMEPRES/sgs)

Kobane/Mossul – Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) rückt im Norden Syriens immer näher an die kurdische Stadt Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) heran. Die Extremisten seien nur noch zwei Kilometer von Kobane entfernt, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Zwischen den Stellungen der beiden Seiten liege nur noch ein freies Feld. «Die Kämpfer können sich sehen», sagte der Leiter der Menschenrechtsbeobachter, Rami Abdel Rahman.

Die IS-Extremisten versuchen seit Tagen, Kobane einzunehmen. Sie kontrollieren bereits Dutzende Dörfer im Umland der Stadt. Die Orte liegen an der türkischen Grenze in einer Enklave, die bislang von kurdischen Volksschutzeinheiten kontrolliert wird.

Im Norden des Iraks eroberten kurdische Einheiten zehn Dörfer vom IS zurück. Die Orte liegen an der Grenze zu Syrien nordwestlich der IS-Hochburg Mossul, wie es aus den Reihen der kurdischen Peschmerga hieß.

Nach Angaben der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw nahmen die Peschmerga auch den Grenzort Rabia ein. Die IS-Kämpfer seien Richtung Syrien abgezogen.

Unterstützt von US-Luftangriffen hatten die kurdischen Einheiten am Dienstagmorgen in mehreren nordirakischen Gebieten Angriffe auf die Extremisten begonnen. Dabei setzen sie schwere Waffen ein, die ihnen aus dem Ausland geliefert worden waren.

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Kurden erobern im Nordirak zehn Dörfer vom IS zurück

(Bildquelle: Antonio Pampliega / dpa)

Bei einer neuen Offensive gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben kurdische Einheiten zehn Dörfer im Norden des Iraks zurückerobert.

Die Orte liegen an der Grenze zu Syrien nordwestlich der IS-Hochburg Mossul, wie es aus den Reihen der kurdischen Peschmerga hieß.

Nach Angaben der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw nahmen die Peschmerga auch den Grenzort Rabia ein. Die IS-Kämpfer seien Richtung Syrien abgezogen.

Unterstützt von US-Luftangriffen hatten die kurdischen Einheiten am Dienstagmorgen in mehreren nordirakischen Gebieten Angriffe auf die Extremisten begonnen. Dabei setzen sie schwere Waffen ein, die ihnen aus dem Ausland geliefert worden waren.

Auch südlich der Stadt Kirkuk konnten die Kurden nach eigenen Angaben zwei Dörfer einnehmen.

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Nordirak: Kurden starten Offensive gegen IS an drei Fronten

(Bildquelle: AMEPRES/krj/Archiv)

Mit der Unterstützung von Artillerie und Kampfflugzeugen haben kurdische Truppen eine Offensive gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) im Nordirak gestartet.

Am Dienstag rückten Kämpfer im Morgengrauen an drei Fronten vor, wie mehrere Vertreter der Peschmerga-Miliz der Nachrichtenagentur AFP bestätigten. Ins Visier genommen wurden demnach IS-Stellungen nördlich der Islamistenhochburg Mossul, in einer Stadt an der Grenze zu Syrien sowie südlich der für das Ölgeschäft strategisch wichtigen Stadt Kirkuk.

Einem ranghohen Peschmerga-Vertreter zufolge eroberten die Truppen zunächst zwei Dörfer nahe Syrien und rückten dann in den Grenzort Rabia ein, der 100 Kilometer nordwestlich von Mossul liegt. Im Stadtzentrum lieferten sich die Kämpfer demnach Gefechte mit der Gegenseite.

Auch Sumar, das 60 Kilometer nordwestlich von Mossul liegt, wurde von den Peschmerga angegriffen. Weiter südlich eroberten die Kurdenkämpfer laut einem General mehrere Dörfer um die vom IS gehaltene Ortschaft Dakuk zurück. In beiden Fällen bekamen die Kämpfer den Angaben zufolge Unterstützung aus der Luft und von Artillerie-Einheiten, wobei unklar blieb, welche Luftwaffe an dem Militäreinsatz beteiligt war.

Neben den USA hat bislang auch Frankreich Luftangriffe im Irak geflogen, britische Kampfjets sind ebenfalls im irakischen Luftraum aktiv. Die Regierungstruppen Bagdads verfügen ebenfalls über eine eigene Luftwaffe, die täglich Einsätze im ganzen Land fliegt.

Die Kurdenkämpfer werden zudem von mehreren westlichen Staaten mit militärischer Ausrüstung und Waffen unterstützt, darunter auch von Deutschland. Die irakischen Streitkräfte bekommen im Kampf gegen den IS ebenfalls Hilfe vom Westen.
Seit Anfang August fliegen die US-Streitkräfte zudem Luftangriffe auf Stellungen der Dschihadisten im Irak, vorige Woche wurde dieser Militäreinsatz mithilfe von Verbündeten auf Syrien ausgeweitet. Washington kann bei den Luftangriffen auf Unterstützung von arabischen und europäischen Partnern zählen. (mk/bt)

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