Schlagwort-Archive: Peschmerga

Syrien/Irak: Die Schlagkraft des Islamischen Staats ist ungebrochen

(Bildquelle: Symbolbild/AFP)

Trotz 3200 alliierter Luftangriffe konnte der Islamische Staat sein rasch erobertes syrisch-irakisches Kernterritorium behalten. In Kobane und Tikrit erlebte die Terrormilz erste schwere Niederlagen, die Macht des „Islamischen Kalifat“ ist aber ungebrochen.

Kairo – Die Verteidiger kämpften bis zum letzten Schuss. Fünf Tage lang flehten sie um Verstärkung. Als dem irakischen Bataillon am frühen Morgen die Munition ausging, war ihr Schicksal besiegelt. Die Dschihadisten des „Islamischen Staates“ hatten leichtes Spiel, eroberten das Tharthar-Militärcamp 70 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Ramadi und nahmen brutale Rache. Der Kommandeur, ein Dutzend Offiziere sowie 120 Soldaten wurden nach Berichten irakischer Medien am Wochenende hingerichtet, das größte Massaker des IS an irakischen Streitkräften seit der Massenerschießung von 1700 Rekruten im letzten Juni nach der Eroberung von Tikrit. Seit zwei Wochen toben die heftigen Gefechte in der westirakischen Provinz Anbar, wieder sind über 100.000 Menschen auf der Flucht. Ein Video zeigt Kämpfer der Terrormiliz auf dem Staudamm des Tharthar-Sees, mit dem der Wasserfluss des Tigris durch Bagdad reguliert wird. Auf dem Funkturm der Schleusenverwaltung wehte ihre schwarze Flagge.

Die Macht des „Islamischen Kalifates“ ist keineswegs gebrochen, auch wenn die Terrormiliz nach ihrer raschen Expansion im Sommer 2014 in Kobane und Tikrit erste schwere Niederlagen einstecken musste. Insgesamt hat sie ihr syrisch-irakisches Kernterritorium, auf dem acht bis zehn Millionen Menschen leben, trotz 3200 alliierter Luftangriffe weitgehend halten können. Und wenn es gelingt, die Extremisten zurückzuschlagen oder zu vertreiben, versinken die umkämpften Städte in Schutt und Asche. Kobane ist nach fünf Monaten Krieg so zerstört, dass jetzt ein Teil als Ruinenmuseum abgesteckt und an anderer Stelle neu aufgebaut werden soll. In Tikrit sind die Verwüstungen genauso gewaltig wie der politische Flurschaden durch die Racheaktionen der schiitischen Milizen an den sunnitischen Bewohnern. Die Zwei-Millionen-Stadt Mosul haben die IS-Extremisten jetzt fast ein Jahr lang fest im Griff. Mit ihrer Rückeroberung soll angeblich noch in diesem Jahr begonnen werden.

1200 tote Peschmerga

Doch die Hürden sind gewaltig. Die irakische Armee verfügt nach Einschätzung von US-Militärexperten lediglich über 50.000 voll einsatzfähige Soldaten. Der Rest der nominell 280.000 Truppen existiert nur auf dem Papier oder ist praktisch ohne Gefechtsausbildung. Die kurdischen Peschmerga im Nordirak haben momentan 120.000 Mann unter Waffen, die nur über wenige alte Panzer und Geschütze verfügen und keine Großoffensive gegen den IS führen können. Nach eigenen Angaben haben die kurdischen Kämpfer seit vergangenen Dezember rund 20.000 Quadratkilometer zurückerobert, ohne jedoch bisher die Ninive-Ebene oder das gesamte Sindschar-Tal befreien zu können. Ihre Verluste sind hoch, 1200 Peschmerga starben und 5900 wurden bisher verwundet.

Zudem ist die ideologische Anziehungskraft des „Islamischen Staates“ nach wie vor ungebrochen, der sich parallel zu seinem Kalifats-Territorium in Syrien und Irak auch zu einem transnationalen Terrorimperium entwickelt. 6000 Europäer kämpfen nach Schätzungen von Brüssel in den Reihen der Jihadisten. Aus den arabischen Staaten stammen 15.000 Kämpfer, die größten Kontingente aus Tunesien, Saudi-Arabien und Marokko. Geworben werden die Gotteskrieger vor allem im Cyberspace und in radikalen Moscheen. Nach einer Studie der Brookings Institution verfügt der IS über 46.000 bis 70.000 Twitterkonten, die jeweils im Durchschnitt eintausend Follower haben.

Erste IS-Ableger in Afrika und Asien

Mehr als ein Dutzend Terrorbrigaden haben dem selbsternannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi mittlerweile die Treue geschworen, darunter radikale Gruppen in Libyen, Algerien und Tunesien, in Ägypten und Jordanien sowie jüngst auch im Jemen. Auch in Afrika und Asien beginnen sich erste IS-Ableger zu etablieren – Boko Haram in Nigeria, das „Emirat Kaukasus“, Abu Sayyaf auf den Philippinen sowie das „Emirat Khurasan“, wie Teile von Afghanistan, Pakistan und Zentralasien historisch genannt wurden. Selbst die gefürchteten Shebab-Milizen in Somalia debattieren jetzt ihren Wechsel von Al Qaida zu IS. „Alle Muslime müssen sich gegen den Feind zusammenschließen“, erklärte einer ihrer Kommandeure.

Weiterlesen…

kölnerstadtanzeigerbanner

Kurden drängen IS-Extremisten bei Kirkuk im Irak weiter zurück

(Bildquelle: Reuters/Ako Rasheed)

Erbil – Die kurdische Peschmerga-Miliz hat bei einer weiteren Offensive im Norden Iraks die Extremisten des Islamischen Staates (IS) weiter zurückgedrängt.

Sie hätten ein Gebiet von 84 Quadratkilometern erobert und damit die Pufferzone um Kirkuk ausgedehnt, teilten die kurdischen Behörden in der Region mit. Unterstützt wurden sie den Angaben zufolge durch Luftangriffe der US-Streitkräfte auf IS-Stellungen. Die Offensive habe südlich von Kirkuk am Samstag an zwei Fronten begonnen. Mindestens 35 IS-Kämpfer seien getötet worden.

Im vergangenen Sommer hatten IS-Extremisten große Teile des Nordiraks erobert. Die irakischen Soldaten flohen, die dort stationierten Einheiten der Armee lösten sich praktisch auf. Die kurdische Peschmerga-Miliz übernahm die Verteidigung des Kurdengebietes im Irak und die volle Kontrolle über Kirkuk. Seitdem haben die Peschmerga-Kämpfer mit Unterstützung der US-geführten Anti-IS-Allianz die Extremisten aus großen Teilen des Landes wieder vertrieben.

Weiterlesen…

reubanner

Auf der Suche nach einer deutschen Nahostpolitik

(Bildquelle: picture-alliance/AA/M. Hamoud)

Im Nahen Osten nehmen gewalttätige Auseinandersetzungen zu. Die Bundesregierung setzt auf Ägypten, unterstützt Saudi-Arabien und liefert Waffen an die Peschmerga. Kritik an dieser Politik kommt aus der Opposition.

Seit fast einem Jahr ist der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi im Amt. Nun soll er bald die Bundesrepublik Deutschland besuchen. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte ihm im März eine Einladung der Bundeskanzlerin überbracht. Damit war die Regierung von ihrer früheren Position abgewichen, dass Parlamentswahlen in Ägypten eine Voraussetzung für einen offiziellen Besuch des Präsidenten seien. Das Parlament war im Jahr 2012 vom Verfassungsgericht aufgelöst worden. Wann Wahlen stattfinden werden ist völlig unklar. In Berlin fragt man sich, ob dieser Sinneswandel einen Schwenk in der deutschen Ägyptenpolitik bedeutet. Dies scheint der Besuch des CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder in Kairo vor Ostern zu bestätigen. Kauder traf sich in der ägyptischen Hauptstadt mit Präsident Al-Sisi. Im Interview mit der Deutschen Welle begründete er seinen Besuch unter anderem mit wirtschaftlichen Erwägungen. „Die ägyptische Regierung will in nächster Zeit mehr deutsche Investoren ins Land locken“, sagte Kauder. Diese Bemühungen sollte man von Seiten der Politik unterstützen.

Kritik an Kauders Nahostreise

Kauders Nahostreise stieß in Berlin auf Kritik. Die Partei Die Linke nannte seinen und Gabriels Besuch in Ägypten geschmacklos. Der Bundesregierung seien Geschäftsbeziehungen wohl wichtiger als die Menschenrechte, sagte die Abgeordnete Christine Buchholz.

Der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour verlangt eine Erklärung für den Sinneswandel der Kanzlerin. Wenn sie von ihrer Forderung nach Parlamentswahlen als Vorbedingung für einen Besuch Al-Sisis in Deutschland abrücke, sei dies kein Anreiz für den ägyptischen Präsidenten, demokratische Wahlen abzuhalten. Gleichwohl habe er nichts gegen direkte Gespräche mit Al-Sisi. Es komme aber darauf an, was man ihm sage, so Nouripour im Gespräch mit der Deutschen Welle. Die Bundesregierung sollte ihre Kooperationsangebote an Kairo an Bedingungen knüpfen: „Diese Bedingungen können nur sein, dass die Parteienlandschaft gedeihen kann, dass die Medien nicht mehr unterdrückt werden, dass die Zensur endlich aufhört und dass vor allem die politischen Gefangenen endlich freigelassen werden.“

Ähnlich differenziert äußerte sich auch der SPD-Nahostexperte Rolf Mützenich. Er habe durchaus Verständnis für Kauders Reise an den Nil, sagte er der DW. Der Fraktionschef der Union sorge sich seit langem um die Lage der Christen im Lande, eine Sorge, die er teile. Trotzdem hätte er es für richtig gehalten, Al-Sisi erst nach der Durchführung von demokratischen Wahlen zu einem offiziellen Besuch an die Spree einzuladen.

„Ich glaube, wir tun gut daran, nicht den alten Fehler zu wiederholen, dass wir in der Region nur nach Stabilitätsankern schauen. Das hat uns in der Vergangenheit viel Glaubwürdigkeit gekostet“, so Mützenich. Von Al-Sisi müsse man die Einhaltung der Menschenrechte einfordern. Ein positives Zeichen wäre es, wenn der ägyptische Staatschef die zu Unrecht verurteilten Demonstranten begnadigen würde.

Unruhen im Jemen

Deutliche Kritik an der Nahostpolitik der Bundesregierung übte Grünen-Politiker Nouripour auch im Zusammenhang mit der eskalierenden Lage im Jemen. Dass sich Deutschland in diesem Konflikt auf die Seite von Saudi-Arabien stelle, sei absurd. Der Jemen sei ein vielschichtiges Land mit vielfältigen Problemen, die man nicht durch eine Militärintervention von außen lösen könne. Mit der einseitigen Parteinahme für Saudi-Arabien verspiele Deutschland eine mögliche Vermittlerrolle in diesem Konflikt. Eine Rolle, die Berlin aufgrund seiner langjährigen engen Entwicklungszusammenarbeit mit Sanaa gut angestanden hätte.

Das Auswärtige Amt hatte die saudischen Luftangriffe auf Stellungen der Houthi-Milizen im Jemen als legitim bezeichnet. Die Regierung des Jemen habe sich in einer „außerordentlich bedrohlichen Situation“ an die Staatengemeinschaft gewandt, erklärte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer. „Das ist nach den Regeln des Völkerrechtes legitim, wenn auf die Bitte eines demokratisch gewählten Staatsoberhaupts hin Nothilfe gewährt wird.“

Demgegenüber verweist der SPD-Außenexperte Mützenich, immerhin ein Politiker des Regierungslagers, darauf, dass Saudi-Arabien selbst zu dem Chaos im Nachbarland Jemen beigetragen habe. Es sehe in den schiitischen Houthis Agenten des Iran, die es bekämpfen müsse, um den iranischen Hegemonialanspruch zurückzuweisen. Im Jemen gehe es aber nicht in erster Linie um einen Stellvertreterkrieg zwischen Riad und Teheran, sondern eher um eine aus den innerjemenitischen Konflikten erwachsene bürgerkriegsähnliche Situation. „Der Jemen ist ein sehr kompliziertes Gebilde mit einer sehr langen Geschichte“, unterstreicht Mützenich.

Ratlos in Bezug auf den Irak

Kompliziert ist auch die Lage im Irak. Auch dort, so Nouripour, habe die Bundesregierung nicht zur Stabilisierung beigetragen. Sie habe Waffen an die Peschmerga geliefert, um die kurdischen Kämpfer gegen den Vormarsch des „Islamischen Staates“ (IS) zu unterstützen. Nun aber würden diese Waffen von den Peschmerga eingesetzt, um die Sunniten aus Kirkuk zu vertreiben. „Die Botschaft an die Sunniten ist: wir wollen euch nicht. Das ist fürchterlich und fatal.“ Nur wenn die Sunniten in die schiitisch dominierten Machtstrukturen des Irak integriert würden, könne das Land stabilisiert werden und mit der Bedrohung durch den „Islamischen Staat“ fertig werden.

Der Kölner SPD-Abgeordnete Mützenich ist ratlos, wie man im Irak verfahren sollte, um die Terroristen zu stoppen und den Bürgerkrieg zu beenden. Er persönlich habe die Waffenlieferungen an die Peschmerga mit Skepsis verfolgt, erklärt er. Zumal die bedrohten Jesiden selbst nicht von den Peschmerga, sondern von den Kämpfern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und der mit ihr verbundenen syrischen PYD gerettet worden seien.

Weiterlesen…

DW Banner

Irak: IS veröffentlicht neues Enthauptungsvideo

(Bildquelle: Getty Images/AFP)

Die im Internet veröffentlichte Filmsequenz zeigt die Hinrichtung von vier Männern – angeblich in der nordirakischen Provinz Ninive. Die IS-Dschihadistenmiliz wirft ihnen Raub und Mord vor.

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) hat ein neues Video im Internet veröffentlicht. Es ist undatiert und liegt der französischen Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) vor. Danach werden die Getöteten des bewaffneten Raubes und Mordes beschuldigt.

Laut AFP zeigen die Aufnahmen einen maskierten Islamisten, der vor einer Menschenmenge über Lautsprecher verliest, was den vier Männern vom sogenannten Islamischen Gerichtshof im Staat Ninive zur Last gelegt wird. Anschließend ist ein ebenfalls maskierter Henker zu sehen, der den Männern mit einem Schwert den Kopf abschlägt und ihre Leichen an Kreuze hängt, die auf einem Kleintransporter montiert sind. Zu Beginn des Videos wird angeblich gestohlenes Geld den Besitzern ausgehändigt, die sich daraufhin per Daumenabdruck in einen Quittungsblock eintragen.

Kinder unter den Zuschauern

Bereits im März hatten IS-Terroristen mehrere Enthauptungsvideos veröffentlicht, die ebenfalls aus Ninive stammen sollen. So wurden vor laufender Kamera auch drei kurdische Peschmerga-Kämpfer ermordet. Unter den Zuschauern waren kleine Kinder zu sehen. Ein IS-Kämpfer drohte Kurdenpräsident Massud Barsani.

Die radikalsunnitische IS-Miliz kontrolliert seit dem vergangenen Sommer weite Landesteile im Irak und im benachbarten Syrien, wo sie einen sogenannten Gottesstaat ausgerufen hat. Sie verübt immer wieder Gräueltaten an der Zivilbevölkerung – so gibt es öffentliche Hinrichtungen, Versklavungen und Vergewaltigungen.

IS-Kämpfer verlieren an Boden

Im Irak kämpfen Regierungssoldaten und kurdische Peschmerga gegen die Islamisten. In Syrien werden sie sowohl von Regierungstruppen als auch von Rebellen bekämpft. Zudem fliegt eine US-geführte internationale Militärkoalition in beiden Ländern Luftangriffe auf IS-Stellungen, durch die die Dschihadisten zuletzt an Boden verloren.

Ende März verkündeten irakische Regierungstruppen die Rückeroberung der strategisch bedeutenden Stadt Tikrit aus den Händen der Terrormiliz.

Weiterlesen…

DW Banner

Verschleppte Kurden in Syrien offenbar wieder frei

(Bildquelle: AFP)

Die etwa 300 im Norden Syriens verschleppten Kurden sind nach Angaben eines Sprechers einer kurdischen Partei wieder auf freiem Fuß. Anhänger eines Al-Kaida-Ablegers hatten die Männer und Kinder zuvor an Kontrollposten verschleppt.

Istanbul – 300 im Norden Syriens verschleppte kurdische Männer sind offenbar wieder frei. Die „islamistischen Gruppen, die die Männer festhielten“ hätten sie wieder auf freien Fuß gesetzt, sagte ein Sprecher der kurdischen Partei PYD der Nachrichtenagentur Reuters in einem Telefonat am Montag.

Beobachterstelle bestätigt Freilassung

Nach Angaben eines Vertreters des Bezirks Kobani hatte der Al-Kaida-Ableger Nusra-Front die 300 Kurden am Sonntagabend entführt. Es habe sich um „Männer und junge Leute“ gehandelt. Frauen und Kinder hätten die Extremisten zurückgelassen. Auch die der Opposition nahestehende Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte teilte mit, die Kurden seien freigelassen worden.

Allerdings sprach die Organisation, die ihren Sitz in Großbritannien hat, von rund 200 Entführten, die an mehreren Kontrollposten im Laufe der vergangenen zwei Tage verschleppt worden seien.

Nusra-Front stellt Gebietsansprüche

Die Nusra-Front ist der Al-Kaida-Flügel in Syrien und kämpft in dem Bürgerkriegsland gegen die Führung von Präsident Baschar al-Assad. Zudem kämpfen Nusra-Front und Kurden um Gebiete, die sie beide beanspruchen. Im Norden und anderen Teilen Syriens sowie im Nachbarland Irak ist zugleich die radikal-islamische IS-Miliz aktiv.

Sie hat große Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht.

Weiterlesen…

kölnerstadtanzeigerbanner

Kanada plant Lufteinsätze in Syrien

(Bildquelle: picture-alliance/AP Photo)

Als zweiter NATO-Staat nach den USA will auch Kanada Stützpunkte des Islamischen Staats von der Luft aus angreifen. Der Einsatz gegen die Terrormiliz in Syrien ist völkerrechtlich umstritten.

Im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) will Kanada seine Kampfflugzeuge künftig auch nach Syrien schicken. Das erklärte Premierminister Stephen Harper am Dienstag. Damit ist Kanada nach den USA der zweite NATO-Staat, der Ziele in dem Bürgerkriegsland angreift. An dem Einsatz sind außerdem Einheiten aus Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten vertreten.

Harper kündigte außerdem an, dass die sechsmonatige Militärmission gegen den IS um ein Jahr bis März 2016 verlängert werden soll. Kanada hat sechs CF-18-Kampfjets (Artikelbild) bereitgestellt, die an dem US-geführten Einsatz im Irak teilnehmen. Daneben sind ein Tankflugzeug, zwei Überwachungsflieger und eine Transportmaschine aus Kanada im Einsatz. Rund 600 Luftwaffensoldaten operieren von Kuwait aus.

Zudem hat Kanada rund 70 Spezialkräfte in den Nordirak entsandt, die dort Kämpfer der kurdischen Peschmerga-Miliz ausbilden. Die Soldaten unterstützen die Peschmerga auch dabei, Luftschläge vom Boden aus zu dirigieren. Dies gilt als gefährlich, da es Einsätze nahe der Front erfordert. Anfang März starb ein kanadischer Soldat durch versehentlichen Beschuss durch Peschmerga.

Harte Linie gegen den IS

Harper, dessen konservative Partei sich im Oktober einer Wahl stellen muss, vertritt gegenüber dem IS eine harte Linie. Die Bewegung stelle eine fundamentale Bedrohung Kanadas dar, so Harper. Er will seine Pläne im Unterhaus des Parlaments zur Abstimmung stellen. „Um den IS weiter zu schwächen, ist es nötig, seinen operativen Betrieb und seine Infrastruktur dort zu bombardieren, wo diese sich befinden, Syrien eingeschlossen“, heißt es in dem Antrag, der der Nachrichtenagentur AP vorlag. Die Zustimmung gilt als sicher, da die Konservativen über eine Mehrheit verfügen.

Die Ausweitung des Einsatzes ist politisch umstritten. Kritiker meinen, dass dies ohne Zustimmung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gegen das Völkerrecht verstoße. Die sozialdemokratische NDP hat angekündigt, gegen die Ausweitung der Mission zu stimmen. Die Position der Liberalen ist noch unklar. Für eine Verlängerung des Einsatzes braucht Harper keine Zustimmung des Parlaments. Die Abstimmung soll lediglich Einigkeit demonstrieren.

Weiterlesen…

DW Banner

Kanada plant Bombardierungen in Syrien

(Bildquelle: Reuters/Cpl Pierre Habib/Canadian Armed Forces/handout via Reuters)

Als zweiter NATO-Staat nach den USA will Kanada künftig offenbar auch Ziele in Syrien angreifen. Der Einsatz gegen den IS in dem Bürgerkriegsland ist völkerrechtlich umstritten.

Im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) will Kanada seine Kampfflugzeuge künftig auch nach Syrien schicken. Dies sagten zwei gut informierte Quellen der Nachrichtenagentur Reuters. Damit würde Kanada nach den USA der zweite NATO-Staat, der Ziele in dem Bürgerkriegsland angreift. Premierminister Stephen Harper will die Pläne den Quellen zufolge heute offiziell verkünden. Er werde darüber hinaus erklären, dass Kanada seine sechsmonatige Militärmission um ein Jahr bis März 2016 verlängert.

Kanada hat sechs CF-18-Kampfjets (Artikelbild) bereitgestellt, die an dem US-geführten Einsatz gegen den IS im Irak teilnehmen. Daneben sind ein Tankflugzeug, zwei Überwachungsflieger und eine Transportmaschine aus Kanada im Einsatz. Rund 600 Luftwaffensoldaten operieren von Kuwait aus.

Zudem hat Kanada rund 70 Spezialkräfte in den Nordirak entsandt, die dort Kämpfer der kurdischen Peschmerga-Miliz ausbilden. Die Soldaten unterstützen die Peschmerga auch dabei, Luftschläge vom Boden aus zu dirigieren. Dies gilt als gefährlich, da es Einsätze nahe der Front erfordert. Anfang März starb ein kanadischer Soldat durch versehentlichen Beschuss durch Peschmerga.

Harte Linie

Harper, dessen konservative Partei sich im Oktober einer Wahl stellen muss, vertritt gegenüber dem IS eine harte Linie. Die Bewegung stelle eine fundamentale Bedrohung Kanadas dar, so Harper. Er will seine Pläne im Unterhaus des Parlaments zur Abstimmung stellen. „Um den IS weiter zu schwächen, ist es nötig, seinen operativen Betrieb und seine Infrastruktur dort zu bombardieren, wo diese sich befinden, Syrien eingeschlossen“, heißt es in dem Antrag, der der Nachrichtenagentur AP vorlag. Die Zustimmung gilt als sicher, da die Konservativen über eine Mehrheit verfügen.

Die Ausweitung des Einsatzes ist politisch umstritten. Kritiker meinen, dass dies ohne Zustimmung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gegen das Völkerrecht verstoße. Die sozialdemokratische NDP hat angekündigt, gegen die Ausweitung der Mission zu stimmen. Die Position der Liberalen ist noch unklar. Für eine Verlängerung des Einsatzes braucht Harper keine Zustimmung des Parlaments, die Abstimmung soll lediglich Einigkeit demonstrieren.

Weiterlesen…

DW Banner

Irak: „Deutsche Waffen erhöhen die Schlagkraft der Peschmerga“

(Bildquelle: dpa)

Essen/Erbil – Jochen Schneider führt die deutsche Ausbildungsmission mit aktuell 29 Soldaten im Nordirak. Im Interview erzählt er, wie stark die Terrormiliz IS ist.

Oberst Jochen Schneider war der letzte deutsche Kommandeur des Feldlagers Kundus in Afghanistan. Jetzt führt er die deutsche Ausbildungsmission mit aktuell 29 Bundeswehrsoldaten im Nordirak. Im Interview erzählt er, was die Bundeswehr genau in der Kurdenhauptstadt Erbil macht, wie stark die Terrormiliz IS ist – und dass er Anschläge auf deutsche Soldaten für möglich hält.

Die Bundeswehr bildet seit Februar kurdische Peschmerga für den Kampf gegen die Terrormiliz IS aus. Wie läuft die Mission?

Oberst Jochen Schneider: Die Bundeswehr ist Teil einer Koalition aus etwa 60 Staaten, die die irakischen Sicherheitskräfte unterstützt und ausbildet. Das Kurdistan Training Coordination Center ist seit dem 8. Februar arbeitsbereit, am 15. haben wir bereits mit der Ausbildung von acht Infanteriezügen begonnen. Niederländische, italienische, britische und deutsche sowie norwegische und amerikanische Soldaten koordinieren nun die gesamte militärische Ausbildung für die Sicherheitskräfte in der Region Kurdistan-Irak im Kampf gegen die globale Bedrohung durch den Terror von ISIS.

Welche Fähigkeiten werden den kurdischen Peschmerga vermittelt?

Schneider: Das zuständige Ministerium der Peschmerga macht uns inhaltliche und zeitliche Vorgaben. Daraufhin planen wir die Ausbildung nach deren Wünschen aus. Im Wesentlichen sollen Waffen und Munition gezielter eingesetzt werden können. Die Peschmerga lernen, sich taktisch im Gelände auf der Ebene eines Zuges, also etwa 30 Soldaten, richtig zu verhalten. Auch Kenntnisse in Erster-Hilfe, beim Erkennen von Sprengfallen sowie Verhalten nach dem Kriegsvölkerrecht werden ausgebildet.

Wie lange dauern die Ausbildungseinheiten?

Schneider: Der infanteristische Kurs dauert vier Wochen. Wir bilden aber zusätzlich noch Spezialisten an Panzerabwehrwaffen, in der Beseitigung von selbstgebauten Sprengfallen, erweiterter medizinischer Hilfe oder in Materialerhaltung aus. Außerdem werden Ausbilder in all diesen und anderen Themen geschult. Teilweise geschieht das – zum Beispiel die Schulung an der MILAN – auch in Deutschland. Diese Kurse dauern etwa zwei Wochen.

Wie viele Peschmerga sind bislang ausgebildet worden?

Schneider: Das Kurdistan Training Coordination Center hat seit Anfang Februar über 420 Peschmerga ausgebildet. Dabei sind nicht nur individuelle Fähigkeiten verbessert worden. Vor allem das Verständnis für gemeinsame, geplante Aktionen auf Zugebene haben wir geschult. Die Peschmerga haben erkannt: Nur wer die Initiative hat, kann etwas gewinnen. Im nächsten Kurs soll jetzt ein ganzes Bataillon mit insgesamt zwölf Zügen und das Führungspersonal ausgebildet werden. Dies schließt die Kompanie- und Bataillonsführung ein, um die Koordination der Kräfte auf allen Ebenen zu verbessern.

Die Peschmerga kämpfen an vielen Fronten. Wie schlagen sie sich?

Schneider: Die Peschmerga sind hoch motiviert und sehr engagiert. Sie sind offen für Neues und wollen lernen. Viele sind nach den langen Jahren kriegserfahren. Jedoch führen einfache Fehler im Verhalten häufig zu vermeidbaren Verlusten. Wir zeigen ihnen hier Möglichkeiten zur Verteidigung aus besseren Stellungen und den cleveren Einsatz der eigenen Kräfte und Mittel im Gefecht.

Sind die Peschmerga ausreichend ausgerüstet oder fehlt es noch an Material?

Schneider: Die Waffen und Ausrüstungsgegenstände insbesondere aus Deutschland verbessern deutlich die Schlagkraft der Peshmerga. Zum Beispiel kann die Panzerabwehrwaffe MILAN fahrende Sprengsätze, also mit Sprengstoff gefüllte Fahrzeuge, auf zwei Kilometer Entfernung mit einer Treffsicherheit von 100 Prozent zerstören. Das hat maßgeblich zum Erfolg der Peschmerga beigetragen. Früher fuhren solche Selbstmordattentäter in die Peschmerga-Stellungen, heute können die Peschmerga sie selbst stoppen. Das ist auch psychologisch wichtig. Munition für alle Waffen ist natürlich in diesem Kampf entscheidend.

Sind die deutschen Ausbilder gefährdet?

Schneider: Momentan ist an der Front sehr viel los. Die ISIS Kämpfer an der Frontlinie sind etwa 35 Kilometer von Erbil entfernt. In Tikrit toben Gefechte, ISIS kämpft und verteidigt mit allen Mittel, startet auch Gegenangriffe. Es hat im November 2014 einen versuchten Anschlag mit einem Sprengstoff-Auto in Erbil gegeben. Mit solchen Attacken von Einzeltätern oder kleinen Gruppen müssen wir hier immer rechnen. Ich glaube, dass die asymmetrische Bedrohung noch steigen wird, wenn sich jetzt die Ausbildung der Peschmerga vorne auswirkt. Wir haben entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen.

Über welche Ressorcen und Fähigkeiten verfügt der Gegner?

Schneider: ISIS ist sehr flexibel, gut ausgebildet und ausgerüstet. Sie in der Lage, in kleinem oder größeren Rahmen Aktionen zu starten, sie verfügen über unterschiedliche konventionelle Waffen. Sie nutzen sehr effizient die Medien auch für die Werbung neuer Kämpfer. Das Neue ist, dass sich die Zahl der Kämpfer, die sich von ISIS abwendet, erhöht.

Sie waren kürzlich in Afghanistan. Was unterscheidet Afghanistan vom Irak?

Schneider: Ich war der letzte deutsche Kommandeur in Kunduz und habe das deutsche Lager an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben dürfen. Ich habe alle meine Soldaten nahezu unversehrt aus Kunduz zurück nach Deutschland gebracht. Darüber bin ich froh und auch stolz. Ich freue mich nun über die neue Aufgabe. Nach dem Rückbau in Kunduz geht es nun um den Aufbau in Erbil. Ich habe hier ein tolles internationales Team und sehe großartige Fortschritte, die wir hier täglich erreichen.

Weiterlesen…

wazbanner

Kurden im Irak werfen IS Einsatz von Chemiewaffen vor

(Bildquelle: Reuters/Asmaa Waguih)

Die Kurdenregierung im Irak hat der radikal-islamischen IS-Miliz den Einsatz chemischer Waffen vorgeworfen.

In Proben aus dem Boden und von Kleidungsstücken sei Chlorgas nachgewiesen worden, erklärte der Sicherheitsrat der halbautonomen Region am Wochenende. Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) erklärte, sie könne dies zunächst nicht bestätigen. Die USA äußerten sich ähnlich und werteten die kurdischen Angaben als besorgniserregend. Der Vormarsch der irakischen Regierungstruppen auf Tikrit, das vom sogenannten Islamischen Staat gehalten wird, kam am Wochenende nicht voran. Die Soldaten warteten noch immer auf Verstärkung, hieß es in Militärkreisen.

Die Proben, die den Einsatz von C-Waffen belegen sollen, wurden nach kurdischen Angaben im Januar genommen. Damals hatte es einen Selbstmordanschlag auf kurdische Peschmerga-Kämpfer auf der Straße zwischen der nordirakischen Metropole Mossul und der syrischen Grenze gegeben. Die Untersuchung nahm demnach ein von der EU anerkanntes Labor vor. Aus dem kurdischen Sicherheitsrat verlautete zudem, die Peschmerga-Kämpfer hätten auf das Auto des Selbstmordattentäters eine Rakete abgefeuert, bevor er sein Ziel erreicht habe.

Das US-Verteidigungsministerium erklärte, ein Einsatz von Chlorgas wäre ein Zeichen für „wachsende Verzweiflung“ des IS angesichts des Drucks durch die Luftangriffe der Allianz und der irakischen Bodentruppen.

Chlorgas wurde erstmals im Ersten Weltkrieg als Waffe eingesetzt. Auch Saddam ließ seine Luftwaffe 1988 die kurdische Stadt Halabidscha mit Chlorgas angreifen, mindestens 5000 Menschen starben daran. Inzwischen ist das durch die Chemiewaffenkonvention von 1997 verboten. Allerdings wurde Chlorgas nach Erkenntnissen der OPCW im Nachbarland Syrien in dem seit vier Jahren dauernden Bürgerkrieg mehrfach eingesetzt.

Der IS hatte im vergangenen Jahr weite Teile des Nordiraks erobert und kontrolliert auch große Gebiete Syriens. Die Peschmerga im Irak versuchen, die Islamisten zurückzuschlagen. Die irakischen Regierungstruppen werden in ihrer Offensive bei Tikrit von schiitischen Milizen unterstützt. Für den weiteren Vormarsch seien 1000 oder 2000 zusätzliche Kräfte nötig, hieß es in Militärkreisen. Am Freitag war der Angriff auf die Geburtsstadt des früheren Machthabers Saddam Hussein ins Stocken geraten. IS-Kämpfer haben in vielen verlassenen Gebäuden Sprengfallen versteckt, Scharfschützen feuern auf die Soldaten. Die Armee richtet sich deswegen auf Straßenkämpfe ein.

In Syrien griff die Armee von Präsident Baschar al-Assad die mit der Al-Kaida verbündete Nusra-Front im Süden an. Dutzende Extremisten seien getötet worden, darunter drei Anführer, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana.

Weiterlesen…

reubanner

Schlachtfeld Irak: Kurden haben Kirkuk im Visier

(Bildquelle: AMEPRES/euronews-screen/mag)

Im Nordwesten des Irak toben im Raum Kirkuk schwere Gefechte zwischen Kämpfern der kurdischen Peschmerga-Einheiten und der Miliz Islamischer Staat.

Die Kurden hatten am Montag eine Offensive in der ölreichen Region gestartet. Unterstützung erhalten sie von der internationalen Koalition unter Führung der Vereinigten Staaten, die Luftangriffe auf Stellungen der Islamisten fliegt.

Kirkuk liegt rund 120 Kilometer nordöstlich von Tikrit, wo die irakische Armee gegen die IS-Miliz kämpft und eigenen Angaben zufolge jüngst die Kontrolle über den Vorort al-Alam erlangt hat.

Auch die Schlacht um Falludscha spitzt sich zu. Die Stadt wurde im Januar 2014 von den IS-Kämpfern eingenommen – seitdem versuchen die irakischen Streitkräfte vergeblich, Falludscha zurückzuerobern. Zumindest in Garma hat die Armee nun einen Sieg errungen.

“Die elfte Kompanie hat die Gegend um Garma befreit, die von der IS-Miliz kontrolliert wurde. Wir haben die Gegend komplett befreit”, sagte ein irakischer Soldat. Ein Armeegeneral bestätigte die Einnahme Garmas.

Weiterlesen…

euronewsbanner