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Ein Brief aus dem Jemen: „Wir haben gelebt wie Du in Deutschland“

„Es steht noch eine halbe Wand, dort, wo unsere Küche war. Wir hatten dort 20 Jahre gelebt, waren zufrieden. Hatten alles: Kinder, Arbeit, ein Auto…“

Abdul Nafi‘ steht ganz hinten in der Schlange. Sein Blick ist auf den Boden gerichtet. Der hagere Mann wirkt abwesend und unendlich verletzlich. Seine linke Hand umklammert einen riesigen gelben Kanister. Er steht wie all die anderen an, um an diesem Wochenende Wasser zu haben. Und er wird hier noch drei Stunden stehen – mindestens. Das ist Sanaa im April 2017. Das ist der #Jemen heute: Gescheitert und vergessen.

Ich habe Abdul Nafi‘ im Februar 2014 kennengelernt, als mein AMEPRES-Team über die AQAP, den jemenitischen Arm der al-Kaida berichtete und dafür zwei Wochen lang durch den Jemen fuhr (das Roadbook der Recherchereise).

Auch wenn das Land schon damals ein geschundenes war, so gab es doch noch Hoffnung. 10 000 Menschen protestierten in der Hauptstadt Sanaa gegen Saudi Arabien und seine Verbündeten. „Ihr werden es niemals schaffen uns in die Knie zu zwingen“, konnte man auf den Plakaten lesen.

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Scharfe Kritik aus der UNO: Angriffe im Jemen verstossen gegen das Völkerrecht

(Bildquelle: Yahya Arhab/epa/keystone)

Die Luftangriffe der von Saudi-Arabien geführten Militärallianz im Jemen, verstossen nach Einschätzung des zuständigen Koordinators der Vereinten Nationen gegen internationales Recht.

«Die wahllosen Angriffe auf besiedelte Gebiete mit wie auch ohne vorherige Warnungen stellen einen Verstoss gegen das internationale humanitäre Völkerrecht dar», teilte der UNO-Koordinator für humanitäre Angelegenheiten im Jemen, Johannes van der Klaauw, am Samstag mit.

Viele Zivilisten seien in der Gegend wegen Treibstoffmangels quasi gefangen, sagte van der Klaauw weiter. Unzählige Zivilisten seien bedroht, wenn die Allianz die gesamte Region zum militärischen Ziel erkläre.

Residenz des Ex-Präsidenten bombardiert

Die internationale Militärkoalition unter Führung Saudi-Arabiens bombardierte derweil nach Angaben von Augenzeugen die Residenz des früheren jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh. Zwei Luftangriffe hätten am Sonntagmorgen Salehs Haus im Zentrum von Sanaa getroffen. Berichten zufolge soll sich der frühere Präsident nicht in der Hauptstadt aufhalten.

Saleh war im Februar 2012 nach monatelangen blutigen Protesten nach drei Jahrzehnten an der Macht zurückgetreten. Ihm wird vorgeworfen, im derzeitigen Konflikt zwischen schiitischen Huthi-Rebellen und der Regierung des gewählten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi die Huthis zu unterstützen.

Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition fliegt seit sechs Wochen Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Militäreinheiten von Saleh. Die Intervention soll den weiteren Vormarsch der Huthis stoppen und dem nach Saudi-Arabien geflohenen Präsidenten Hadi ermöglichen, an die Macht zurückzukehren.

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Bomben statt Hilfsflüge im Jemen

(Bildquelle: Getty Images/AFP/M. Huwais)

Die Menschen im Jemen warten auf Hilfslieferungen. Dafür sollte der zerbombte Hauptstadtflughafen in Sanaa repariert werden. Doch der wurde nun wieder von Kampfflugzeugen unter saudischem Kommando beschossen.

Nach Angaben von Augenzeugen wurde die Start- und Landebahn von zwei Raketen getroffen. Es war die dritte Nacht in Folge, in der die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition aus mehreren sunnitischen Golf-Staaten Stellungen der schiitischen Huthi-Kämpfer angriff. Diese sprachen von mehr als 100 Angriffen im Norden des Jemen allein in der Nacht zu Samstag. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es bislang noch nicht.

Banges Hoffen auf eine Waffenruhe

Am Freitag hatte die jemenitische Luftfahrtbehörde angekündigt, dass die von etlichen Luftangriffen zerstörte Landebahn repariert werden soll, um Hilfsflüge zur Versorgung der notleidenden Bevölkerung zu ermöglichen.

Der Flughafen in Sanaa ist seit Ende April lahmgelegt. Die arabische Militärkoalition hatte ihn bombardiert, um die Landung eines Flugzeugs aus dem schiitischen Iran zu verhindern, in dem sie Waffen für die Huthi-Rebellen vermutete. Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition fliegt seit sechs Wochen Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Kämpfer des früheren jemenitischen Präsidenten Ali Abdallah Saleh.

Saudi-Arabien schafft Fakten vor der Feuerpause

Erst am Freitag hatte Saudi-Arabien eine vorübergehende Einstellung seiner Luftangriffe im Jemen angekündigt, um einen ungehinderten Transport von Hilfslieferungen für die notleidende Bevölkerung zu ermöglichen. Der Außenminister des Königreichs, Adel al-Dschubair, stellte eine fünftägige Feuerpause ab dem kommenden Dienstag in Aussicht. Diese werde aber nur dann umgesetzt werden, wenn sich auch die Huthis an die Waffenruhe hielten, sagte Al-Dschubair bei einem Treffen mit US-Außenminister John Kerry in Parus. „Wir hoffen, dass die Huthis zu Verstand kommen und der Waffenruhe zustimmen.“

Allerdings hatte Saudi-Arabien auch angekündigt, bis zu einem möglichen Beginn einer Waffenruhe im Huthi-Kernland noch einmal hart zuschlagen. Die Allianz bombardiert seit dem 26. März Stellungen und Waffenlager der Huthis.

Im Jemen droht eine humanitäre Katastrophe

Die saudischen Luftangriffe sollen den weiteren Vormarsch der Huthis stoppen und dem nach Saudi-Arabien geflohenen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi ermöglichen, an die Macht zurückzukehren. Bisher aber konnten die Bombardements die Huthis nicht überall zurückdrängen. Allerdings wurde ihr Vormarsch auf die südliche Hafenstadt Aden aufgehalten. Dort hatte Hadi bis zu seiner Flucht aus dem Jemen seinen Regierungssitz installiert, nachdem ihn die Huthis aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben hatten.

Bei den Luftschlägen wurden viele Zivilisten getroffen. Die Bombardierung von Flughäfen und die Blockade der jemenitischen Häfen schnitten die Bewohner des ärmsten arabischen Landes zudem von der Versorgung mit Lebensmitteln und Treibstoff ab. Internationale Hilfsorganisationen sprechen von einer nahenden humanitären Katastrophe.

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UN bereiten Luftbrücke in den Jemen vor

(Bildquelle: dpa)

Vom ostafrikanischen Dschibuti wollen die Vereinten Nationen eine Luftbrücke in den Jemen einrichten und der Bevölkerung Hilfsgüter zukommen lassen. Dazu müsste Saudi-Arabien jedoch aufhören, den Flughafen in Sanaa zu bombardieren.

Genf – Die Vereinten Nationen wollen über eine Luftbrücke vom ostafrikanischen Dschibuti aus Entwicklungshelfer und Hilfsgüter in den Jemen bringen. Dazu müssten Saudi-Arabien und seine Verbündeten aber die Bombardierung des Internationalen Flughafens der Hauptstadt Sanaa einstellen, forderte der zuständige UN-Koordinator Johannes Van Der Klaauw am Montag in Genf. Die Militärkoalition habe im Laufe der vergangenen Woche die Start- und Landebahnen ins Visier genommen. Sie könnten nun nicht mehr genutzt werden. „So lange die Rollfelder repariert werden, kann kein Flug abheben oder landen.“

Die Zivilbevölkerung leidet zunehmend unter dem Konflikt zwischen Huthi-Rebellen und Anhängern des ins saudiarabische Exil geflohenen Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi. Die Huthi-Miliz kontrolliert große Teile des Landes, darunter auch Sanaa.

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Einsatz ausländischer Bodentruppen im Jemen dementiert

(Bildquelle: Reuters/Stringer)

Aden – Verwirrung um eine angebliche Intervention saudiarabischer Bodentruppen im jemenitischen Bürgerkrieg: Nachdem der Anführer einer regierungstreuen Miliz zunächst erklärt hatte, seit Sonntag kämpften 40 bis 50 arabische Spezialkräfte mit seinen Einheiten gegen die schiitischen Huthi-Rebellen am Flughafen von Aden, widerrief er dies wenige Stunden später.

Bei den Kämpfern handele es sich um Jemeniten und nicht um Ausländer. Ein Sprecher der von Saudi-Arabien geführten Koalition hatte zuvor erklärt, die Allianz habe keine größere Bodenoffensive begonnen. Vor Ort befänden keine ausländischen Einheiten. Zu einer Entsendung von Spezialkräfte wollte er sich nicht dezidiert äußern.

Bislang hat die Koalition sunnitischer Golf-Staaten die vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen nur aus der Luft angegriffen. Nach Darstellung von Menschenrechtlern setzte sie dabei möglicherweise auch Streubomben ein.

Die Entsendung von Bodentruppen wäre eine weitere Eskalation des Konflikts, der als Stellvertreterkrieg zwischen dem Iran und Saudi-Arabien gilt. Der Jemen hat Saudi-Arabien immer wieder zum Einsatz von Bodentruppen gegen die Huthi aufgefordert, die weite Teile des Landes und auch die Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle gebracht haben. Die Koalition aus acht arabischen Staaten kämpft für die Wiedereinsetzung der Regierung des nach Saudi-Arabien geflüchteten Präsidenten Abd-Rabbu Mansur.

Zum Einsatz von Spezialkräften in Aden sagte der Sprecher der Koalition: „Wenn so etwas passiert, können wir darüber nicht in den Medien sprechen.“

Saudi-Arabien schweigt zu Streubomben-Vorwurf

Die Menschenrechtsgruppe „Human Rights Watch“ (HRW) erklärte, es gebe „glaubhafte Belege“ für den Einsatz von Streubomben. Möglicherweise seien sie von den USA geliefert worden. Hinweise auf Opfer der möglichen Streubomben-Angriffe habe sie nicht. Aus Saudi-Arabien war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. HRW berief sich unter anderem auf ein Video, das die Huthis am 17. April auf die Internet-Plattform YouTube hochgeladen hatten. Darauf seien von Flugzeugen abgeworfene Objekte an Fallschirmen zu sehen, die mitten in der Luft explodierten. Streubomben bestehen aus einer Anzahl kleinerer Bomben. Sie sind in 116 Ländern verboten.

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Konfrontation im Jemen kommt den USA ungelegen

(Bildquelle: Reuters/Mohamed al-Sayaghi)

Unter Druck aus Washington erklärt Saudi-Arabien seine Angriffe offiziell für beendet. Tatsächlich geht aber das Bombardement vorerst weiter.

Mit Ratlosigkeit und Vorsicht reagierten jemenitische Aktivisten im Netz auf die Ankündigung, dass das saudischen Militär die Luftschläge gegen die Huthi-Rebellen beendet. „So abrupt die Operation begann, so abrupt wird sie beendet. Aber warten wir ab“, hieß es da. Oder: „Von einer Waffenruhe war mit keinem Wort die Rede. Und es sind immer noch Bombeneinschläge zu hören.“ Die Skepsis ist berechtigt: Die Kampfjets setzten die Bombardierung von Huthi-Stellungen in Aden, Sanaa, Tais und anderen Städten bis Freitag fort.

Die Operation „Sturm der Entschlossenheit“, erklärte das saudische Militär am Dienstag, werde beendet, weil der Vormarsch der Rebellen gestoppt und ihre Stellungen und Waffenarsenale vernichtet seien. Die jüngsten Luftangriffe zeigen, dass dies keineswegs zutrifft, Die Saudis, vermutet die New York Times, hätten sich lediglich dem wachsenden Druck aus Washington gebeugt und zumindest verbal die Aktion beendet.

Ärmstes Land der Welt

Die Bombardierung durch eine arabische Militärkoalition hatte vor vier Wochen begonnen, als die Huthis aus dem Norden die Hauptstadt Sanaa eroberten und gen Aden losmarschierten. Anfangs wurde die saudische Aktion von der US-Regierung unterstützt, zuletzt jedoch nahm die Kritik massiv zu: Die Angriffe forderten zu viele zivile Opfer; internationale Hilfsorganisationen protestierten gegen die Zerstörung von Vorratslagern und die Vernichtung der Infrastruktur im mittlerweile ärmsten Land der Welt; Al-Kaida-Gruppen nutzten das Chaos und besetzten die Stadt Mukallah.

Vor allem aber forcierte der Konflikt im Jemen die Gefahr einer militärischen Konfrontation zwischen den USA und dem Iran – der angeblich die schiitischen Huthi-Rebellen unterstützt. Das aber kommt der Obama-Regierung in der Endphase der Atomverhandlungen höchst ungelegen. Deshalb habe Washington den Saudis dringlich empfohlen, die Luftschläge zu beenden und ihre Strategie zu ändern, heißt es.

Welchen Kurs man in Riad aber künftig verfolgen wird, ist noch offen – zumal es bei diesem Konflikt weniger um die Huthi-Rebellen geht als um innen- und außenpolitische Ziele Saudi-Arabiens. Im Inneren will das Herrscherhaus militärische Stärke gegenüber der schiitische Minderheit im eigenen Land demonstrieren, die sich ebenfalls sozial und politisch benachteiligt fühlt. Riad fürchtet nämlich, dass sie sich die Huthis zum Vorbild nehmen könnte – was auch deshalb fatal wäre, weil die Siedlungsgebiete der saudischen Schiiten in den ölreichsten Gegenden des Königreichs liegen.

Nach außen richtet sich die Aktion gegen den Iran, der mit Saudi-Arabien um die Rolle der führenden Regionalmacht konkurriert. Über die schiitischen Huthis versuche Teheran, seinen Einfluss in der Golfregion zu erweitern, behauptet Riad seit Jahren. Diese Darstellung wird von Beobachtern stark angezweifelt: Die Huthis sind zwar Schiiten, gehören aber einer Richtung an, die in Religionsauslegung und -praxis den Sunniten wesentlich näher steht.

Anbahnung von Gesprächen

Außerdem haben sie ihre eigene Agenda: Über Jahrzehnte hatten sie in Sanaa vergeblich mehr Mitsprache und Geld für die Entwicklung ihrer Region eingefordert, als Terroristen und Al-Kaida-Ableger wurden sie denunziert. Den Abgang des Langzeit-Präsidenten Abdallah Salih und den Führungswechsel in Sanaa nutzten sie, um ihren Anliegen mit Gewalt Gehör zu verschaffen.

Eine Lösung für das politische Chaos und die sozialen Probleme im Jemen führt nur über eine Verständigung zwischen Riad und Teheran. Die Indizien mehren sich, dass es den USA gelungen ist, erste Kontakte zu vermitteln. Das zeigte sich, als die offizielle Einstellung der Luftangriffe von iranischen Offiziellen schon begrüßt wurde, bevor sie in Riad auch nur verkündet worden war. Dazu zählt auch, dass ein iranischer Schiffskonvoi vor der Küste des Jemen am Freitag seinen Kurs geändert hat.

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92 Menschen sterben bei Kämpfen im Jemen

(Bildquelle: dpa)

Kein Ende der Gewalt im Jemen: Bei saudi-arabischen Luftangriffen gegen die Rebellen in Jemen sind 92 Menschen getötet worden. Auch das Regierungsviertel in Aden wurde bombardiert.

Im Jemen liefern sich schiitische Huthi-Rebellen weiter heftige Kämpfe mit den Truppen und Milizen von Präsident al-Hadi. Bei Luftangriffen und Kämpfen im Süden des Jemen sind seit Freitag mindestens 92 Menschen getötet worden. Allein in der Hafenstadt Aden und in der angrenzenden Provinz Lahdsch seien 46 Rebellen bei nächtlichen Luftangriffen der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition sowie bei Kämpfen mit Anhängern von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi getötet worden, hieß es am Samstag aus Rebellenkreisen.

Saudi-Arabien und seine Verbündeten haben Bewohnern zufolge mindestens fünf Angriffe auf Stellungen der Huthi-Rebellen in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa geflogen. Das Ziel der Luftangriffe sei der Präsidentenpalast gewesen.

Erster Einsatz von Panzern und Raketen

Es waren die ersten Luftanschläge auf die jemenitische Hauptstadt Sanaa, nachdem die Militärallianz mitteilte, ihre Angriffe auf die Huthis zu verringern. Die vom Iran unterstützten Rebellen kontrollieren die Hauptstadt und haben starke Verbündete in der von internen Streitigkeiten zerrütteten Armee. In der Stadt selbst kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Huthis und Soldaten. Erstmals wurden dabei auch Panzer und Katjuscha-Raketen eingesetzt.

Die arabische Koalition flog seit dem 26. März nach eigenen Angaben mehr als 2000 Angriffe auf die Huthi-Rebellen und ihre Verbündeten in der Armee. Diese liefern sich seit Wochen heftige Kämpfe mit Hadis Truppen. Der Präsident war im Februar aus der Hauptstadt Sanaa in die südliche Hafenstadt Aden geflohen.

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Jemen: Saudi-Arabien verkündet neue Phase der Militärintervention

(Bildquelle: Yahya Arhab/dpa)

Bahnt sich im Jemen ein Bodeneinsatz saudischer Truppen an? Riad hat eine neue Phase im Kampf gegen Huthi-Rebellen eingeläutet. Washington dementiert eine mögliche Konfrontation mit dem Iran.

Knapp vier Wochen nach Beginn der Luftangriffe hat Saudi-Arabien eine neue Phase des Einsatzes im Nachbarland Jemen angekündigt. Die Operation „Sturm der Entschlossenheit“ sei beendet, weil ihre militärischen Ziele erreicht worden seien, teilte das Verteidigungsministerium in Riad am Dienstagabend mit. Es folge nun eine Operation „Wiederherstellung der Hoffnung“, hieß es weiter. Wie zudem in der saudischen Hauptstadt Riad verlautete, ordnete König Salman die Mobilisierung der Nationalgarde für mögliche Bodeneinsätze an.

Ein von Saudi-Arabien geführtes Militärbündnis greift seit dem 26. März aus der Luft Stellungen und Waffenlager der schiitischen Huthi-Rebellen an. Die Aufständischen kämpfen gegen sunnitische Milizen und Sicherheitskräfte, die loyal zu dem ins Ausland geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi stehen. Die Huthis wiederum stehen dem Iran nah, der mit Saudi-Arabien um die Vorherrschaft in der Region wetteifert.

„Wiederherstellung der Hoffnung“

Wie das saudische Verteidigungsministerium weiter mitteilte, geht es bei der Operation „Wiederherstellung der Hoffnung“ darum, Evakuierungen abzusichern, weitere Huthi-Vorstöße zu verhindern und Zivilisten zu schützen. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Die Mobilisierung der Nationalgarde nährt aber Erwartungen, dass Riad zu einer Bodenoffensive übergehen könnte. Die Luftangriffe brachten bislang kaum Veränderungen am Boden. Sie forderten zudem viele Opfer unter der Zivilbevölkerung. Am Montag hatten die Bombardierungen in der Hauptstadt Sanaa 40 Menschen getötet.

Saudische Truppen könnten aber auch eingesetzt werden, um die südliche Metropole Aden und ihre Hafenanlagen zu sichern. Zuletzt war es den örtlichen Pro-Hadi-Milizen gelungen, die vorrückenden Huthis aus Aden zurückzudrängen.

USA entsenden Flugzeugträger

Die US-Regierung dementierte derweil Medienberichte, wonach die US-Flotte vor der Küste des südarabischen Landes aus Sorge vor iranischen Waffenlieferungen an die Huthi-Rebellen verstärkt wird. Der Einsatz habe zum Ziel, den „freien Handelsfluss im Golf von Aden und im Roten Meer“ zu sichern, sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Josh Earnest. Die „New York Times“ und andere Medien hatten zuvor unter Berufung auf Regierungsbeamte berichtet, aus Sorge vor möglichen Waffenlieferungen seien der Flugzeugträger „Theodore Roosevelt“ sowie ein Lenkwaffenkreuzer zum Golf von Aden geschickt worden.

Bislang hielten sich zehn US-Kriegsschiffe in den Gewässern vor dem Jemen auf. Ihre Aufgabe sei es, die Schifffahrtswege durch den Golf von Aden offen zu halten und iranische Schiffe zu beobachten, die möglicherweise Waffen in den Jemen bringen könnten, hieß es in der „New York Times“. Der Iran bestreitet, die Huthi-Rebellen mit Waffen auszurüsten.

Earnest erklärte, die USA seien generell über Teherans Unterstützung der Huthis besorgt. Mögliche Waffenlieferungen der Islamischen Republik würden gegen eine Resolution des UN-Sicherheitsrates verstoßen.

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Dutzende Tote nach Angriff auf Rebellen-Lager im Jemen

(Bildquelle: AMEPRES/euronews-screen/mag)

In Jemens Hauptstadt Sanaa haben Streitkräfte der saudisch geführten Koalition ein Waffenlager bombardiert, das offenbar unter der Kontrolle der Huthi-Rebellen steht. Die Druckwelle der Explosion riss umliegende Häuser mit, Behörden berichten von mindestens 30 Toten und 300 Verletzten.

“Wir haben bis zu 98 Prozent der Huthi-Luftabwehr zerstört”, sagte ein Sprecher der saudisch-arabisch geführten Koalition. Ein paar Raketen mit kurzer Reichweite gebe es noch, aber die würden die Mission nicht weiter behindern.

Ein Huthi-Rebellenführer beschuldigte die USA, der Saudi-Koalition die Ziele für die Bombardierungen vorzugeben und für den Tod von Zivilisten verantwortlich zu sein. Die Saudis seien nur Diener der Amerikaner. Tatsächlich unterstützen die USA die Koalition aus elf Staaten logistisch, offiziell gehören sie ihr jedoch nicht an.

Millionen Zivilisten sollen laut den Vereinten Nationen im Jemen auf humanitäre Hilfe angewiesen sein. Doch auch internationale humanitäre Organisationen sind von den Bombardements betroffen. So soll bei dem heutigen Angriff auch ein Lager der Hilfsorganisation OXFAM zerstört worden sein.

Auch unter den saudi-arabischen Streitkräften gibt es Opfer. So soll am Sonntagabend ein saudischer Grenzsoldat in heftigem Mörser- und Gewehrfeuer gestorben sein.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier fordert jetzt eine internationale Konferenz zum Jemen-Konflikt. “Wir brauchen einen Weg hin zu politischen Gesprächen”, sagte Steinmeier in Brüssel.

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Jemen: Stadion und Militärakademie unter Beschuss aus der Luft

(Bildquelle: AMEPRES/euronews-screen/mag)

Das saudi-arabische Militär hat neue Aufnahmen von Luftschlägen gegen mutmaßliche Stellungen der Huthi-Rebellen im Jemen veröffentlicht.

Ziele sollen unter anderem ein Stadion in der Hauptstadt Sanaa und eine Militärakademie gewesen sein.

Laut Medienberichten kamen dabei zahlreiche Zivilisten ums Leben.

Ein von Saudi-Arabien geführtes arabisches Militärbündnis fliegt seit mehr als zwei Wochen Luftangriffe gegen die Huthis.

Die mutmaßlich vom Iran unterstützten schiitischen Rebellen kämpfen gegen sunnitische Anhänger des ins Ausland geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi.

Nach Angaben regionaler Stämme starteten die Huthis jetzt auch östlich von Sanaa und der strategisch wichtigen Hafenstadt Aden militärische Operationen, um weiter in den Osten des Landes vorzudringen.

Im umkämpften Aden leidet die Zivilbevölkerung massiv unter Versorgungsengpässen und explodierenden Preisen für Lebensmittel und Treibstoffe:

“Brot ist viel zu teuer und alles wird immer schlimmer. Es gibt weder Sicherheit noch Stabilität. Nichts.”

Ein anderer Einwohner von Aden sagte:

“Wir müssen für Brot und Benzin Schlange stehen. Der Strom ist weg, die Menschen haben kein Wasser. Sie haben nichts. Die Regierung muss dringend eine Lösung finden.”

Laut Medienberichten sollen die Huthi-Rebellen inzwischen Teile von Aden kontrollieren.

Saudi-Arabien beschuldigt die Milizen ihre Stellungen und Waffenlager absichtlich in Wohngebieten anzulegen.

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