Schlagwort-Archive: Sicherheit

Istanbul – die verwundete Stadt – Ein Jahr nach dem Anschlag auf Sultanahmet

Ein Selbstmordattentäter tötete vor einem Jahr zwölf Deutsche in der Istanbuler Altstadt. Es ist der erste schwere Terroranschlag in der Millionenmetropole, für den die Terrormiliz IS verantwortlich gemacht wird. Eine Zäsur für Stadt und Einwohner.

Im Istanbuler Viertel Sultanahmet wirbelt der Schnee um den ägyptischen Obelisken neben der berühmten Blauen Moschee. Weiß und unschuldig sieht der Ort aus, an dem vor einem Jahr bei einem Selbstmordattentat zwölf deutsche Touristen getötet und zahlreiche verletzt wurden. Als wollte der Schnee die schmerzhafte Erinnerung etwas abdämpfen.

Ein Selbstmordattentäter hatte sich am Morgen des 12. Januar 2016 neben dem Obelisken in die Luft gesprengt. Er steuerte direkt in eine deutsche Reisegruppe hinein. Die türkischen Behörden identifizierten den Attentäter später als den aus Syrien stammenden Nabil Fadli. Er soll im Auftrag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gehandelt haben. Die Terrorgruppe bekannte sich jedoch nicht dazu.
Istanbul – die verwundete Stadt – Ein Jahr nach dem Anschlag auf Sultanahmet weiterlesen

Ex-Sicherheitschef in Tel Aviv: „Es ist sehr einfach, eine Bombe an Bord zu schmuggeln“

(Bildquelle: Khaled Elfiqi / EPA / keystone)

Russland und Ägypten bestreiten es nach wie vor, doch langsam gilt als gesichert, dass eine Bombe zum Absturz von Metrojet 9268 im Sinai führte. Doch wie könnte eine solche an Bord gelangt sein? Sehr einfach, sagt Rafi Sela, ehemaliger Sicherheitschef des Flughafens Ben Gurion, im Interview.
Ex-Sicherheitschef in Tel Aviv: „Es ist sehr einfach, eine Bombe an Bord zu schmuggeln“ weiterlesen

Tunesien vor schwierigen Zeiten

(Bildquelle: Reuters / H. Hanschke)

Der tunesische Premier Habib Essid ist Gast in Berlin. Mit Bundeskanzlerin Merkel sprach er über die Herausforderungen seines Landes. Essid kann zwar auf Hilfe rechnen, aber die EU erwartet auch von Tunesien einiges.

Es ist eine innenpolitisch bewegte Zeit, in der der tunesische Premier Habib Essid nach Berlin kommt. Denn zu Hause in Tunis tobt eine heftige Diskussion um die Regierungspartei Nidaa Tounes und die Pläne von Staatspräsident Beji Caid Essebsi. Der will nämlich ausgerechnet den eigenen Sohn zum Nidaa-Tounes-Vorsitzenden machen.

Premierminister Habib Essid versichert seine Neutralität in diesem Streit. „Ich bin Regierungschef und als solcher unparteiisch“, so Essid im DW-Interview. „Darum kann ich nur hoffen, dass wir dieses Problem bald lösen und zu einer angemessenen Einigung finden.“
Vor allem aber hat sich Essid mit den großen Problemen seines Landes auseinanderzusetzen. Der Glanz des Friedensnobelpreises für das „Quartett für den nationalen Dialog“ liegt weiterhin über Tunesien – und die hohe Auszeichnung ermutigt all jene, die sich für den demokratischen und rechtsstaatlichen Prozess stark machen.

Aber letztlich sei das Land nun dringend auf konkrete Fortschritte angewiesen, meint Wided Bouchamaoui, Präsidentin des tunesischen Arbeitgeberverbandes: „Wir brauchen mehr Investitionen, mehr Projekte, mehr wirtschaftliche und soziale Stabilität“, fordert Bouchamaoui.
Seine Regierung befasse sich seit Längerem mit diesem Problem, es zu lösen brauche allerdings Zeit, entgegnet Premier Essid. „Um Arbeitsplätze zu schaffen, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Wir brauchen Sicherheit und wir brauchen soziale Stabilität.“ Daran arbeite die Regierung. „Und wir beabsichtigen, die Arbeitslosigkeit innerhalb der nächsten fünf Jahre auf zehn bis zwölf Prozent zu reduzieren.“

Angeschlagener Tourismussektor

Ein ehrgeiziges Ziel, denn noch sind rund 30 Prozent der Tunesier arbeitslos, und das Land verharrt in wirtschaftlicher Depression. Zwei Terroranschläge haben es wirtschaftlich schwer getroffen. Im März erschossen islamistische Terroristen im Nationalmuseum in Tunis 22 Menschen. Drei Monate später tötete ein Dschihadist in einem Strandhotel nahe Sousse 38 ausländische Urlauber. Seitdem hat sich die Zahl der ins Land reisenden europäischen Touristen halbiert. Für Tunesien ist das ein schwerer Schlag: Rund 400.000 Bürger arbeiten in der Tourismusindustrie.

Chedly Ayari, Direktor der tunesischen Zentralbank, erwartet für das laufende Jahr einen Rückgang des Wachstums von 3 auf 0,5 Prozent. „2015 wird kein gutes Jahr für das Wachstum sein“, sagte er dem Wirtschaftsblatt „L’Economiste Maghrébin“. Nicht minder bedrückend sei, so Ayari, dass das Land noch kein Rezept gegen die Rezession gefunden habe: „Ökonomisch hangeln wir uns durch von Tag zu Tag.“

Neues Haushaltsgesetz

Ein neues Haushaltsgesetz soll die Wirtschaft nun wieder auf Trab bringen. Das Steuerwesen soll reformiert, der Zoll modernisiert werden. Insbesondere die vermögenden Bevölkerungsschichten sollen sich stärker als bislang an der Staatsfinanzierung beteiligen. Zudem will Finanzminister Slim Chaker 60.000 neue Arbeitsplätze schaffen und das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr auf drei Prozent hochtreiben. Auch gegen Steuerflucht, Schmuggel und die vielfältigen Formen der Schattenwirtschaft will er vorgehen.

Noch aber trägt die Reform keine Früchte, und so hofft Habib Essid in Berlin auf Hilfen aus Deutschland. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dem tunesischen Regierungschef Habib Essid bereits weitere Investitionen und Hilfe zugesagt. Die Belebung der tunesischen Wirtschaft sei für die Bundesregierung „zentral“, sagte Merkel am Donnerstag nach dem Treffen mit Essid in Berlin.

Sorgen um Sicherheitslage

Sorgen bereitet Deutschland wie der gesamten EU weiterhin die Sicherheitslage in der Region. Die EU sagte dem Land zu, den Ausbau der tunesischen Sicherheitsdienste mit 23 Millionen Euro zu unterstützen.

Nach Einschätzung des Premierministers kann Tunesien dieses Problem nur in Zusammenarbeit mit anderen Ländern bewältigen. „Wir sind natürlich bedroht. Aber wir sind nicht allein. Terrorismus ist ein internationales Phänomen. Wir müssen uns alle zusammentun, um das Problem zu lösen.“

EU fordert Öffnung des tunesischen Marktes

Zugleich will die EU auch die Handelsbeziehungen zu Tunesien intensivieren. Sie fordert das nordafrikanische Land auf, seine Märkte für europäische Produkte und Dienstleistungen zu öffnen. Das Ansinnen wird in Tunesien weitgehend kritisch gesehen.

„Dieser Ansatz ist völlig utopisch und illusorisch“, schreibt das tunesische Online-Magazin „nawaat.org“. „Denn als Dritte-Welt-Land verfügt Tunesien über keinerlei industrielle, landwirtschaftliche oder Dienstleistungssektoren, die sich gegenüber der europäischen Wirtschaft als wettbewerbsfähig erweisen könnten.“

Weiterlesen…

DWBanner

Tunesien: Pilgern unter Polizeiaufsicht

(Bildquelle: DW/S. Mersch)

Auf der tunesischen Insel Djerba findet die jährliche jüdische Pilgerfahrt statt – diesmal aber nur unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen. Die Gläubigen nehmen es gelassen. Sarah Mersch, Djerba.

Es ist heiß in den zwei kleinen Räumen der La Ghriba-Synagoge auf Djerba. Am späten Vormittag ist das Thermometer im Süden Tunesiens auf fast vierzig Grad Celsius geklettert, eine Ausnahme für diese Jahreszeit. „Und dann zünden wir auch noch Kerzen an“, lacht eine junge Frau. Jede Kerze steht für einen Wunsch – Gesundheit, Kinder, Erfolg im Studium. Viele Gläubige bringen Opfergaben mit und schreiben ihre Wünsche auf hartgekochte Eier, die sie in eine Grotte in der Ecke der Synagoge legen.

Rund 200 Pilger sind an diesem Morgen in die älteste Synagoge Afrikas gekommen, um an der jährlichen Pilgerfahrt teilzunehmen. „Das ist eine Reinigung von Körper und Geist, man konzentriert sich wieder auf sich selbst und auf Gott“, erklärt William Sultan. Der Anwalt lebt in Paris, wurde jedoch in einem Vorort der tunesischen Hauptstadt Tunis geboren. Fast jedes Jahr im Frühjahr kommt er nach Djerba.

Deutlich weniger Gäste

Die meisten Pilger kommen aus Europa, viele sind tunesischen Ursprungs. In dem Mittelmeerland lebten zur Kolonialzeit mehr als hundertausend Juden, doch die meisten haben Tunesien nach der Unabhängigkeit und dem Sechs-Tage-Krieg verlassen. Sie sind nach Frankreich oder Israel ausgewandert. Heute hat die Gemeinde auf Djerba noch rund 500 Mitglieder, in ganz Tunesien leben knapp 1500 Juden. Die Feierlichkeiten zum Lag Ba’Omer-Fest, die die ganze Woche andauern, sind für viele die Gelegenheit, Freunde und Bekannte zu treffen, die aus dem ganzen Mittelmeerraum anreisen. „Man kann eine kleine Auszeit nehmen. Das Wetter ist ja auch besser als in Europa“, lacht Jacob Chiche aus Frankreich. Doch diesmal sind deutlich weniger Menschen gekommen als früher. „Das ist schade, ich verstehe es nicht. Ich habe mich hier immer sicher gefühlt.“

Waren es früher mehrere Tausend Pilger, sind es dieses Jahr gerade einmal wenige Hundert. Selbst viele jüdische Tunesier haben ihre Teilnahme abgesagt. Seit dem politischen Umbruch 2011 fürchten viele um ihre Sicherheit. Der Anschlag auf das Bardo-Museum durch tunesische Djihadisten im März und eine Warnung des israelischen Premierministeriums wenige Tage vor der La Ghriba-Pilgerfahrt haben ihr Übriges dazu getan. Die tunesischen Behörden dementierten die Warnungen aus Israel, es gäbe konkrete Hinweise auf einen Anschlag. Man werde alles tun, um die Sicherheit der Gäste zu garantieren, betonte Tunesiens Innenminister Mohamed Najem Gharsalli. Die Sicherheitsvorkehrungen sind deutlich sichtbar. Straßensperren riegeln das Gelände um die Synagoge weiträumig ab, ein Hubschrauber und eine Drohne der Armee kreisen über dem Gelände und die Polizei filmt das Geschehen.

Chantal ist zum ersten Mal bei der Pilgerfahrt, mehr als 15 Jahre war sie nicht mehr in der Heimat ihrer Eltern. Angst habe sie keine, betont sie, auch wenn so mancher ihrer Freunde in Frankreich versucht habe, sie von der Reise zur La Ghriba abzubringen. „Wenn es mein Schicksal ist, dann werde ich eben an einem heiligen Ort sterben“, lacht die Mittfünfzigerin.

Nostalgische Feierstimmung

Am Nachmittag hallt laute Musik über das Gelände der Synagoge. Auf der Bühne steht eine tunesische Band mit einem israelischen Sänger, gemeinsam singen sie klassische tunesische Lieder. Die Stimmung ist freudig und gelöst. Eine Mischung aus Arabisch und Französisch dominiert die Diskussionen, nur um die Pilger zu segnen spricht der Rabbiner hebräisch. Jeder von ihnen bringt eine Flasche Boukha mit, tunesischen Feigenschnaps, aus der der Geistliche einen Schluck nehmen muss. Beim Mittagessen nebenan fließt das Bier in Strömen, dazu gibt es tunesische Spezialitäten. Chantal ist begeistert von der Stimmung, auch wenn sie es schade findet, dass nur wenige Menschen gekommen sind. „Meine Eltern, Tanten und Onkel haben mir erzählt, dass sie sogar auf dem Gelände übernachtet haben. Das waren drei Tage Feier ohne Pause,“ erzählt sie. Viele Gläubige erzählen voller Nostalgie von früher, als man sich noch keine Sorgen um Sicherheitsfragen gemacht hat.

Auch wenn das Zusammenleben von Juden und Muslimen in Tunesien im Alltag weitgehend problemlos verläuft, ist die Pilgerfahrt für die tunesischen Behörden trotzdem eine Nagelprobe. Dass alles glatt läuft, könne auch die Touristen beruhigen, die seit dem Anschlag auf das Bardo-Museum im März Angst haben, das Land zu besuchen, hofft man. Zur rituellen Prozession am frühen Abend, bei der eine große, üppig geschmückte Menora, ein jüdischer Leuchter, durch die Straßen gezogen wird, lassen sich daher auch mehrere Minister sehen. Früher ging die Prozession durchs ganze Dorf, seit einigen Jahren ist an der Polizeisperre am Ende der Straße Schluss. Chantal ist trotzdem begeistert. „Diese Tradition darf nicht eingehen, wir müssen sie wiederbeleben“, meint sie.

Weiterlesen…

DW Banner

Berlin will Annäherung an Ägypten

(Bildquelle: picture-alliance/EPA/K. Elfiqi)

Außenminister Steinmeier ist erstmals seit dem Putsch wieder zu Besuch in Ägypten. Das Land sei „einer der wichtigsten Partner“ in der arabischen Welt. Im kommenden Monat erwartet Berlin umstrittenen Besuch aus Kairo.

Deutschland will die Zusammenarbeit mit Ägypten trotz Unzufriedenheit mit der dortigen Militärherrschaft wieder ausbauen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete Ägypten in Kairo als einen der wichtigsten Partner in der Region. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass bis zu einem Berlin-Besuch von Präsident Abdel Fattah al-Sisi (Artikelbild links) eine Lösung für die Arbeit der deutschen politischen Stiftungen in Kairo gefunden wird. Al-Sisi kommt im nächsten Monat erstmals nach Deutschland.

Steinmeier sagte, Ägypten habe für die Stabilität und Sicherheit im gesamten Nahen und Mittleren Osten eine „zentrale Rolle“. Der SPD-Politiker verwies auf die zahlreichen Konflikte in der Nachbarschaft wie in Libyen, in Syrien oder im Irak. „Es gibt gar keine Alternative zu einem wirklichen politischen Dialog mit einem unserer wichtigsten Partner hier in der arabischen Welt.“ Deutschland und Ägypten hätten auch gemeinsame Interessen im Kampf gegen den Terrorismus.

Zugleich machte der Minister nach einem Treffen mit Al-Sisi deutlich, dass die Bundesregierung mit den gegenwärtigen Zuständen in Ägypten nicht zufrieden ist. Wichtig sei, dass „möglichst breite Teile der Gesellschaft“ mitgenommen würden. „Mit militärischen Mitteln allein ist Extremismus nicht zu begegnen.“ Steinmeier forderte auch mehr Anstrengungen für Rechtsstaatlichkeit, eine bessere Verwaltung und bei der Bekämpfung von Korruption.

Mit Blick auf die deutschen politischen Stiftungen sagte Steinmeier, Al-Sisi habe eine Lösung in Aussicht gestellt. Vor allem die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung, aber auch andere Stiftungen klagen seit Jahren über eine massive Behinderung ihrer Arbeit. Ägyptens Außenminister Samih Schukri sagte, die neuen Kontakte seien eine gute Gelegenheit, um die Beziehungen zwischen beiden Ländern wieder zu „konsolidieren“.

In Ägypten ist seit dem Putsch gegen den islamistischen Staatschef Mohammed Mursi im Juli 2013 eine Militärregierung an der Macht. Das Parlament ist schon seit drei Jahren aufgelöst, ohne dass es einen konkreten Termin für Wahlen gibt. Deshalb ist auch die Einladung an Al-Sisi nach Berlin umstritten.

Weiterlesen…

DW Banner

Kenias Luftwaffe fliegt Angriffe auf Al-Shabaab

(Bildquelle: picture-alliance/dpa/EPA/Dai Kurokawa)

Kenias Luftwaffe hat zwei Lager der radikal-islamischen Al-Shabaab-Miliz in Somalia bombardiert. Gleichzeitig wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Kenia verstärkt, vor allem für christliche Einrichtungen.

Die Luftschläge des kenianischen Militärs richteten sich gegen Stellungen der Islamisten in Gondodowe und Ismail an der Grenze zu Kenia.

Nach Angaben kenianischer Militärs soll die Terrormiliz dort Verstecke und zwei Ausbildungslager haben. Unklar ist, welche Wirkung die Luftangriffe hatten. Zum Zeitpunkt der Operation sei der Himmel bedeckt gewesen, hieß es aus der Hauptstadt Nairobi. Die Angriffe seien notwendig gewesen. Das Militär habe Informationen, dass Al-Shabaab von den beiden Lagern aus Ziele in Kenia angreifen wollte.

Erster Angriff seit dem Massaker von Garissa

Die Bombardierung war der erste größere Angriff auf die Extremisten, seit diese am Donnerstag an der Universität im kenianischen Garissa ein Massaker angerichtet hatten. Fast 150 Menschen wurden getötet, die meisten von ihnen waren christliche Studenten. Garissa liegt rund 200 Kilometer von der Grenze zu Somalia entfernt.

Die Al-Shabaab-Miliz hat wiederholt Ziele in Kenia attackiert. Nach eigener Darstellung will sie Vergeltung für den Einsatz kenianischer Soldaten im Nachbarland Somalia üben und Rache für die angeblich schlechte Behandlung von Muslimen in Kenia nehmen. Kenia versucht bereits seit 2011 auch mit Militäreinsätzen in Somalia das Einsickern von Extremisten über die durchlässige Grenze zu unterbinden. Seit April 2013 hat Al-Schabaab mehr als 400 Menschen in Kenia bei Anschlägen getötet.

Zu den Osterfeiertagen wurden in Kenia die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Vor allem in christlichen Einrichtungen war die Nervösität groß, denn die Terroristen hatten in der Universität Garissa gezielt Christen getötet.

Am Vorgehen der Sicherheitskräfte beim Blutbad in Garissa hatte es in den vergangenen Tagen massive Kritik gegeben. Die Polizei hatte mehrere Stunden gebraucht, um mit dem Flugzeug von Nairobi aus zum Einsatzort zu gelangen.

Weiterlesen…

DW Banner

Wegen Boko Haram: Mehr Sicherheitsvorkehrungen in Tschads Hauptstadt

(Bildquelle: AMEPRES/euronews-screen/mag)

Erhöhte Sicherheit in Tschad – jedenfalls in der Hauptstadt N’Djamena, die schon sehr nahe am Norden Nigerias liegt, wo die Dschihadistengruppe Boko Haram aktiv ist.

Auch in Nordkamerun hat Boko Haram bereits angegriffen: Dem Landstrich also,
der N’Djamena gleich gegenüber am anderen Ufer des Flusses Logone liegt.

Der Hauptgrund aber für die Sicherheitsbedenken: Einer der größten Feinde von Boko Haram ist Tschads Armee, die auch in Nigeria kämpft und dort nach eigenen Angaben gerade erst bei einem Einsatz hunderte Dhihadisten getötet hat.

Tausende Menschen und Fahrzeuge passieren die Ngueli-Brücke von N’Djamena in das gegenüberliegende Kousséri in Kamerun jeden Tag.

Alles mögliche wird an der Brücke gehandelt, dazu kommen zum Beispiel Schüler und Studenten, die von der kamerunischen Seite nach N’Djamena wollen.

Früh um sieben wird die Brücke geöffnet, abends dann wieder geschlossen; nachts kann sie keiner passieren.

Video ansehen…

Weiterlesen…

euronewsbanner

Nigeria: UN – Boko Haram muss gestoppt werden

(Bildquelle: Reuters/Emmanuel Braun)

Wie kann dem Morden von Boko Haram ein Ende bereitet werden? Darum geht es in einer Sondersitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf. Eröffnet wurde sie mit einem flammenden Appell.

Mehr als 14.000 Menschen hat die Terrorgruppe Boko Haram seit 2009 in Nigeria und den Nachbarländern ermordet. „Diese abscheulichen Massaker, die Entwicklung, Frieden und Sicherheit schwer gefährden, müssen gestoppt werden“, forderte Seid Ra’ad al-Hussein, UN-Hochkommissar für Menschenrechte, zu Beginn des Treffens. Er appellierte an die internationale Staatengemeinschaft, dem Wüten der Extremisten ein Ende zu bereiten und die Täter strafrechtlich zu verfolgen.

Fast zwei Millionen sind auf der Flucht

Derzeit seien mehr als 1,5 Millionen Menschen in Nigeria auf der Flucht vor der Gewalt der Boko Haram, mehr als 200.000 Männer, Frauen und Kinder habe der Terror bereits außer Landes getrieben. Unzählige Kinder, Frauen und Männer seien entführt und viele als Kämpfer zwangsrekrutiert worden. Als besonders verabscheuenswürdig bezeichnete Al-Hussein den Missbrauch von Kindern als „Kanonenfutter“. Die Terroristen würden sie zwingen, bei Kämpfen mit Regierungstruppen in der ersten Frontlinie zu stehen. Mehrfach seien Kinder als „menschliche Bomben“ eingesetzt worden.

Die Sondersitzung des UN-Gremiums war auf Antrag der afrikanischen Staatengruppe einberufen worden. In einer Resolution wird die internationale Gemeinschaft aufgerufen, Nigeria sowie Kamerun, Tschad und Niger aktive Hilfe beim Kampf gegen die Terroristen zu gewähren.

Religiöse Fanatiker oder nur brutale Verbrecher?

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram führt im Nordosten Nigerias einen blutigen Feldzug zur Errichtung eines sogenannten islamischen Gottesstaats. In diesem Kalifat soll dann einzig und allein eine radikale Auslegung der Scharia (islamische Rechtsprechung) gelten. Die sunnitischen Fundamentalisten werden für viele Attentate und Angriffe in dem westafrikanischen Staat verantwortlich gemacht.

Die selbst ernannten Gotteskrieger kontrollieren bereits Teile des Nordostens und versuchen auch, Gebiete in den Nachbarländern Kamerun und Niger zu erobern. Über Organisationsstrukturen und Mitgliederzahlen der Boko Haram liegen keine gesicherten Informationen vor. Die Gruppe hat vor kurzem der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Gefolgschaft geschworen, die im Irak und in Syrien große Gebiete beherrscht und Ableger in anderen muslimischen Staaten hat.

Weiterlesen…

DW Banner

Terror trifft Nigerias Wirtschaft

(Bildquelle: DW/J. P. Scholz)

Mit heimtückischen Anschlägen verbreitet Boko Haram im Norden Nigerias Angst und Schrecken. Die Islamisten haben die lokale Wirtschaft nahezu zum Erliegen gebracht, berichtet Jan-Philipp Scholz.

Die bunten, in durchsichtige Plastikfolie eingepackten Stoffe stapeln sich vor dem kleinen Laden von Nasiru Ata. Der Händler weiß nicht mehr wohin mit ihnen, sein Lagerraum ist bereits bis unter die Decke gefüllt. Früher, erzählt er, habe er eine ganze Containerladung in zwei, vielleicht drei Tagen verkaufen können. Heute dauere es manchmal mehr als einen Monat.

Mit dem Terror kam die Wirtschaftskrise

Früher, das war bevor die Terroristen von Boko Haram ihre ersten Anschläge in Kano, der wirtschaftlichen Metropole Nordnigerias, verübten. Am 20. Januar 2012 griffen die Dschihadisten zahlreiche Polizeistationen an und töteten dabei mehr als 190 Menschen. Seitdem kommt die Stadt nicht mehr zur Ruhe. Erst vor vier Monaten starben bei einem Anschlag auf eine Moschee im Zentrum Kanos rund 120 Menschen und mehr als 200 wurden verletzt.

Der Händler Nasiru Ata im Textilmarkt von Kano (Bildquelle: DW/J. P. Scholz)
Der Händler Nasiru Ata im Textilmarkt von Kano (Bildquelle: DW/J. P. Scholz)

Mit dem Einzug des Terrors begann der wirtschaftliche Niedergang Kanos. Immer mehr Händler blieben der Stadt fern und es wurde zunehmend riskant, Waren auf den unsicheren Straßen Nordnigerias zu transportieren. Die örtliche Handelskammer schätzt, dass die Wirtschaftsaktivitäten in Kano in den vergangenen drei Jahren um rund 80 Prozent eingebrochen sind. Stoffhändler Nasiru Ata denkt bereits ans Aufgeben. „Ich hatte sogar Kunden aus Kamerun und der Zentralafrikanischen Republik. Sie wussten, dass sie bei mir gute Qualität bekommen.“ Doch sie alle blieben inzwischen der Stadt fern, weil sie Angst hätten, auf dem Weg überfallen oder in Kano Opfer eines Anschlags zu werden, erklärt Ata. Und dann seien da auch noch die ungeliebten Straßensperren.

Straßensperren als Einnahmequelle

Die Kontrollpunkte von Polizei und Militär auf den Hauptverkehrsadern in und um Kano sind ein Thema, über das hier viele nicht gerne reden. Auch der Vertreter der nigerianisch-nigrischen Handelskammer, Ahmad Rabiu, drückt sich ein wenig umständlich aus, als das Thema zur Sprache kommt. Er spricht vom Fehlverhalten derer, „die eigentlich dafür zuständig sind, die Menschen zu beschützen“. Und dass das alles mit der generellen Misswirtschaft im Land und der schlechten Bezahlung der unteren Staatsbediensteten zu tun habe. Im Klartext: Die Sicherheitskontrollen, die eigentlich Anschläge von Boko Haram verhindern sollen, dienen Polizei und Militär vor allem dazu, Schmiergelder von vorbeikommenden Händlern zu erpressen.

Auf der Suche nach unkonventionellen Absatzmärkten

Die Schikanen durch Sicherheitskräfte sind so alltäglich, dass Ladidi Garko, die Informations-ministerin des Bundesstaates Kano, erst gar nicht versucht, die Missstände zu leugnen. „Ich kann nicht sagen, dass das nicht vorkommt. Ich weiß, dass diese Straßensperren ein Problem für Geschäftsleute sind“, so die Ministerin. Der Bundesstaat Kano habe aber bereits viel unternommen, um die Sicherheitslage zu verbessern. So habe man zum Beispiel die Straßenbeleuchtung ausgebaut und Motorradtaxis, die eine Zeit lang gerne von Boko Haram bei der Ausführung ihrer Attentate benutzt wurden, aus der Stadt verbannt.

Es sind Maßnahmen, über die die sechzig Arbeiter, die Fabrikbesitzer Alhaji Madugu allein in den vergangenen sechs Monaten entlassen musste, wohl nur müde lächeln können. Der Geschäftsmann hat den Industriebetrieb, der sich auf das Abpacken von Nahrungsmitteln wie Zucker und Tee spezialisiert hat, bereits von seinem Vater geerbt. Nichts Ungewöhnliches in Kano, denn die Stadt ist bereits seit vielen Generationen eines der wichtigsten Wirtschaftszentren der gesamten Sahelzone. Doch so schlecht wie heute ging es dem Traditionsbetrieb noch nie. „Wir schaffen kaum noch ein Drittel dessen, was wir in guten Zeiten produziert haben“, so Alhaji Madugu.

Die Probleme sind für den Industriellen die gleichen wie für den Textilhändler Nasiru Ata: Kunden und Investoren machen einen großen Bogen um den Ort, Straßen sind aufgrund der Sicherheitslage nicht befahrbar, wichtige Märkte brechen weg, weil ganze Regionen in Nordostnigeria von Boko Haram kontrolliert werden. Doch immerhin hat Alhaji Madugu eine Idee, wie er neue Absatzmärkte erschließen kann. Seit kurzem produziert er Fertiggerichte für Hilfsorganisationen. Die geben sie dann an Flüchtlinge aus, die wegen des Boko Haram-Terrors ihre Heimat verlassen mussten.

Weiterlesen…

DW Banner