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PRO ASYL: Afghanistan ist nicht sicher! – Tausende Tote und Verletzte

Die Fälle afghanischer Flüchtlinge, deren Anträge vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) abgelehnt wurden, häufen sich. Die Asylsuchenden schildern Repressionen und Bedrohungen – vor allem durch die Taliban. Sie berichten von Zwangsrekrutierungen, Entführungen, Todesdrohungen und der Ermordung von Familienmitgliedern. Die Angst vor Anschlägen ist allgegenwärtig.

Seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges 1979 ist Afghanistan immer wieder in Gewalt und Krieg versunken, vorangetrieben von wechselnden Akteuren auch aus dem Ausland. Unmittelbare Folge waren jeweils Massenfluchtsituationen. Mehr als 30 Jahre Krieg haben dazu geführt, dass 75% der afghanischen Bevölkerung zumindest einmal in ihrem leben vertrieben wurden, Millionen sind im laufe der Jahre ins Ausland geflohen.
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Afghanistan – Taliban: Wir greifen keine Helfer an

(Bildquelle: Parwiz/Reuters)

Die radikal-islamischen Kämpfer in Afghanistan wollen keine Menschen attackieren, die Erdbebenopfern helfen. Auch Mitarbeiter der Regierung sollen Schutz genießen. Die Lage in der Region wird derweil immer verzweifelter.

Nach dem schweren Erdbeben im Hindukusch mit rund 400 Toten haben die Taliban eine einseitige Waffenruhe für das Katastrophengebiet in Afghanistan erklärt. „Wir haben unsere Mudschaheddin angewiesen, niemanden anzugreifen, der versucht, den Opfern des Bebens zu helfen“, sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid. Das beinhalte ausdrücklich auch Mitarbeiter der Regierung. Mudschahid machte keine Angaben dazu, wie lange die einseitige Waffenruhe andauern und für welche Provinzen sie gelten solle. Der Chef der afghanischen Katastrophenschutzbehörde, Mohammad Aslam Sayyaf, sagte, er kenne die Ankündigung der Taliban nicht.

„Die Kinder werden die Kälte nicht überleben“

In der Erdbebenregion in Afghanistan und Pakistan warten frierende und hungrige Überlebende der Katastrophe zunehmend verzweifelt auf Hilfe. Die Vorräte würden knapp, sagte Mohammed Bahadur, ein örtlicher Behördenvertreter im nordpakistanischen Darosch. „Wir haben normalerweise eigene Vorräte, aber die haben wir bereits während der Überschwemmungen vor drei Monaten verbraucht.“ Etwa 2500 Häuser seien komplett zerstört worden. „Wie sollen wir den Bedarf decken mit nur 70 Zelten?“, fragte Bahadur.

Hunderte Kinder müssen die Nächte nach seinen Angaben nun unter freiem Himmel verbringen und sind Minusgraden schutzlos ausgeliefert. Angesichts des nahenden Winters sei dringend Hilfe nötig. „Der Winter kommt und bald wird hier überall Schnee liegen, die Kinder werden die Kälte nicht überleben“, sagte auch ein Anwohner des Dorfes Usiak, das wie Darosch in der besonders schwer von dem Erdbeben getroffenen Provinz Khyber Pakhtunkwa liegt.

Rund 400 Tote, mehr als 2000 Verletzte

Das Beben der Stärke 7,5 hatte am Montag im Nordosten Afghanistans und im Norden Pakistans schwere Zerstörungen angerichtet. Die pakistanischen Behörden meldeten 272 Tote und mehr als 1800 Verletzte. In Afghanistan kamen mindestens 115 Menschen ums Leben, hunderte wurden verletzt. In beiden Ländern wurden mehr als 18.000 Gebäude zerstört oder beschädigt.
Viele der betroffenen Gebiete liegen in den Bergen und sind schwer zugänglich, durch Erdrutsche und zerstörte Straßen wurden einige Dörfer komplett von der Außenwelt abgeschnitten.

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Wettlauf gegen die Zeit im Erdbebengebiet am Hindukusch

(Bildquelle: AFP / Ehsan Ullah)

In der Erdbebenregion am Hindukusch haben sich die Helfer einen Wettlauf gegen die Zeit geliefert. Sie versuchten, weiter in abgelegene Regionen vorzudringen, wo frierende und hungrige Überlebende der Katastrophe vom Montag zunehmend verzweifelt auf Hilfe warteten. Hilfsorganisationen befürchteten, dass es aufgrund der eisigen Temperaturen weitere Opfer geben würde. Trotz der Ankündigung der radikalislamischen Taliban, den Opfern zu helfen, war die Sicherheitslage zudem instabil.

In Pakistan kamen nach offiziellen Angaben mindestens 248 Menschen ums Leben, mehr als 1600 wurden verletzt. In Afghanistan wurden mindestens 115 Menschen getötet und hunderte weitere verletzt.

Das Beben hatte am Montagmorgen im Nordosten Afghanistans und im Norden Pakistans schwere Verwüstungen angerichtet. Das Zentrum des Bebens mit einer Stärke von 7,5 lag in großer Tiefe in der Hindukusch-Provinz Badachschan – sonst wäre die Zahl der Opfer möglicherweise noch deutlich höher ausgefallen.

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Afghanistan: Tote bei Anschlag auf EU-Polizei in Kabul

(Bildquelle: Reuters/Omar Sobhani)

Kabul – Bei einem Selbstmordanschlag auf ein Fahrzeug der EU-Polizei Eupol in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mehrere Menschen getötet worden.

Nach Angaben eines Polizeisprechers rammte der Attentäter mit seinem Wagen das Eupol-Fahrzeug auf der Straße zwischen dem größten Kabuler Flughafen und einem nahe gelegenen Nato-Stützpunkt und sprengte sich in die Luft.

Ein Soldat der afghanischen Luftwaffe erzählt, was er gesehen hat:

„Ich war auf dem Weg zur Arbeit, als es plötzlich eine Explosion gab.

Ich eilte zum Tatort und sah einige verletzte Kinder, die auf dem Boden lagen. Wir haben sie in ein Auto getragen und ins Krankenhaus gefahren.“

Der Anschlag ereignete sich nur rund 200 Meter vor der Hauptzufahrt des Flughafens. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu der Attentat.

Wie in den vergangenen Jahren verüben die Taliban nach Ende des Winters wieder verstärkt Anschläge.

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Afghanistan: Flüchtlingsdrama in Kundus

(Bildquelle: Majeed/AFP/Getty Images)

Etwa 15.000 Menschen sind derzeit in der Provinz Kundus vor den Kämpfen zwischen Taliban und Regierungstruppen auf der Flucht. Regierung und internationale Organisationen sind überfordert.

Zu Hunderten sind die Flüchtlinge in den vergangenen Tagen in die Stadt gewandert. Nur wenige konnten mehr als ihr nötigstes Hab und Gut mitnehmen. Jetzt stehen sie in der brennenden Sonne und warten darauf, dass die vor einer Woche ausgebrochenen Kämpfe zwischen Extremisten und Regierungstruppen aufhören und dass wieder Normalität einkehrt. Viele Kinder laufen lachend umher und spielen, trotz der Not.

Eine Frau hat sich ihr schwarzes Kopftuch fest um den Kopf gebunden. Ihre müden Augen blinzeln gegen das Licht. Es ist eine Woche her, dass Nazgul ihr Zuhause im Bezirk Gul Tepa verlassen musste. Mit ihrem körperlich behinderten Mann und den drei Kindern sucht sie in Kundus Sicherheit. „Wir sind und hungrig und obachlos“, sagt sie. „Wo wir herkommen, gab es nichts mehr zu essen und nichts zu trinken. Nur Gewehrfeuer und Asche und Staub, nachdem unsere Häuser zerstört wurden.“ Während Nazgul spricht, sind Explosionen zu vernehmen. Zwar ist die Stadt Kundus noch relativ sicher, aber die Kämpfe vor den Toren der Stadt sind auch hier nicht zu überhören.

Ruf nach Hilfe

Mehr als 3000 Familien in Kundus sind nach Angaben der afghanischen Stammesführer geflohen. Die Dorfbewohner in den umkämpften Bezirken wurden am Wochenende von den afghanischen Behörden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Die Zahl der Flüchtlinge wird auf 15.000 Menschen geschätzt. Die Sicherheitsbehörden bestätigen die Flüchtlingsströme. Über die genaue Situation und darüber, wie die Zukunft dieser Menschen aussehen soll, machen sie jedoch keine Aussagen. Die unsichere Lage und die Kämpfe zwischen Aufständischen und afghanischen Sicherheitskräften forderten ihren Preis, so Mohammad Yusuf Ayubi, Provinzratschef in Kundus. Der Provinzrat versuche, Hilfe von der Regierung in Kabul und von Hilfsorganisationen zu bekommen.

Bislang gibt es keine staatliche Unterstützung für die Flüchtlinge. Wer nicht bei Verwandten unterkommen kann, wird obdachlos oder lebt in Zelten. Es sei aber nicht nur schnelle finanzielle Hilfe gefragt, sagt Habibullah Muhtasham, Bezirkschef aus Qala-i-zal Muhtasham. „Die Verantwortlichen der internationalen Organisationen sollten den Binnenflüchtlingen Schutz bieten, ihnen aber auch längerfristige Perspektiven anbieten“, so Muhtasham. Nur so könne eine Flüchtlingskrise verhindert werden.

Jenseits von Kabul

Die Krise wird von der brachliegenden Landwirtschaft begünstigt. „Bald ist die Ernte fällig“, sagt Mohammad Amir. „Das Getreide vertrocknet. Wir können es uns nicht leisten, von den Feldern fern zu bleiben.“ Der 35-jährige musste ebenfalls flüchten, um seine Familie aus Gul Tepa rauszubringen. Er hofft, dass die Regierung die Taliban schnell in die Flucht schlägt.

„Die Verantwortlichen der afghanischen Regierung verlassen sich für gewöhnlich auf die internationalen Organisationen, was die Hilfe für Binnenflüchtlinge angeht“, sagt Udo Stolte, Leiter des deutschen Büros der Hilfsorganisation Shelter Now. Die Organisation führt Projekte in Kabul und Kandahar durch und organisiert in erster Linie die Verteilung von Nahrung. In Kundus ist Shelter Now jedoch nicht aktiv. Neben dem Abzug der deutschen Bundeswehr haben viele internationale Organisationen ihre Helfer aufgrund der instabilen Sicherheitslage aus Nordafghanistan abgezogen. „Es ist gut möglich, dass die Flüchtlingsströme weiter nach Kabul fließen“, so Stolte. „Da können wir schon einsteigen und sehen, was die Leute brauchen, dann können wir die nötigen Finanzen erwirtschaften und dann können wir entsprechend reagieren.“

Vergangenen Monat hatten die Taliban mit ihrer Frühjahrsoffensive begonnen und militärische Posten der afghanischen Armee in Kundus angegriffen, sie rückten bis an die Stadtgrenze von Kundus heran. Bevor die Extremisten die Stadt einnehmen konnten, entsandte die afghanische Regierung Verstärkungskräfte in die Provinz, die Amerikaner leisteten Luftunterstützung. Die Kämpfe dauern weiter an.

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Afghanistan: Taliban entführen Deutschen und umzingeln Kundus

(Bildquelle: Reuters)

Taliban-Kämpfer rücken auf die afghanische Stadt Kundus vor und liefern sich heftige Kämpfe mit Sicherheitskräften. Derweil berichten Medien, dass der entführte Deutsche offenbar aus Potsdam stammt.

Kabul/Berlin – In Afghanistan haben sich Sicherheitskräfte am Dienstag heftige Gefechte mit Taliban-Kämpfern geliefert, die auf die Stadt Kundus im Norden des Landes vorrücken. Nach Behördenangaben waren die Kämpfe im nördlichen Bezirk Imam Sahib nur sechs Kilometer von Kundus entfernt. Hunderte Aufständische standen vor der Provinzhauptstadt. Gefechte gab es den Angaben zufolge auch in Dörfern östlich und südlich von Kundus. Die Taliban hatten am Freitag ihre jährliche Frühjahrsoffensive gestartet und außerhalb von Kundus bereits mehrere Kontrollpunkte von Polizei und Armee angegriffen. Nach Angaben des Bezirksgouverneurs haben die Taliban-Kämpfer mittlerweile den gesamten Bezirk eingeschlossen. „Wenn keine Verstärkung eintrifft, wird der Bezirk an die Taliban fallen.“ Die Bundeswehr hatte ihr Feldlager in Kundus im Jahr 2013 an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben.

Entführter kommt aus Potsdam

Ein in Afghanistan entführter deutscher Entwicklungshelfer stammt offenbar aus Potsdam. Der 37-Jährige arbeite seit anderthalb Jahren für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in der nordafghanischen Region Kundus, berichtete die „Berliner Zeitung“. Stefan E. soll am 19. April entführt worden sein. Die GIZ wollte sich zunächst nicht zu dem Mitarbeiter äußern. Das Auswärtige Amt hat einen Krisenstab eingerichtet, machte jedoch keine Angaben. Die GIZ hat laut „Berliner Zeitung“ 125 aus Deutschland entsandte und mehr als 1600 einheimische Mitarbeiter in Afghanistan. Stefan E. ist Wirtschaftswissenschaftler und war zuvor in anderen asiatischen Ländern und den USA tätig.

Der Entwicklungshelfer war offenbar gemeinsam mit einem afghanischen Fahrer mit dem Auto von Kundus nach Masar-i-Scharif unterwegs, als der Wagen gestoppt wurde. Die beiden Insassen seien aus dem Wagen gezerrt, zusammengeschlagen und verschleppt worden, hieß es. Der einheimische Fahrer sei inzwischen wieder auf freiem Fuß.

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Heftige Kämpfe zwischen Armee und Taliban in Afghanistan

(Bildquelle: AMEPRES/youtube/Reuters-online-screen/mag)

In Afghanistan haben sich Sicherheitskräfte am Dienstag heftige Gefechte mit Taliban-Kämpfern geliefert, die auf die Stadt Kundus im Norden des Landes vorrücken.

Nach Behördenangaben waren die Kämpfe im nördlichen Bezirk Imam Sahib nur sechs Kilometer von Kundus entfernt, hunderte Aufständische standen vor der Provinzhauptstadt. Gefechte gab es den Angaben zufolge auch in Dörfern östlich und südlich von Kundus.

Die Taliban hatten am Freitag ihre jährliche Frühjahrsoffensive gestartet und außerhalb von Kundus bereits mehrere Kontrollpunkte von Polizei und Armee angegriffen. Distriktgouverneur Inamuddin Koraischi sagte, Hunderte Taliban-Kämpfer hätten Sonntagnacht die Distrikthauptstadt Imam Sahib eingekesselt. Inzwischen seien die Sicherheitskräfte verstärkt worden. Der Polizeisprecher der Provinz Kundus, Sajed Sarwar Hossaini, sagte: „Die Sicherheitskräfte werden von Armeehubschraubern unterstützt und sind jetzt in der Offensive.“ Angaben zu Opfern unter Soldaten und Polizisten lagen nicht vor. Im westlich von Imam Sahib gelegenen Distrikt Kala-i-Sal wurden weitere 15 Taliban-Kämpfer und drei Angehörige der Sicherheitskräfte getötet, wie Distriktgouverneur Habibullah Mohtascham am Dienstag sagte. Augenzeugen berichteten, in der ganzen Provinz komme es zu sporadischen Gefechten.

Straßen von Kundus menschenleer

In Kundus selbst waren die Straßen am Dienstag menschenleer. Viele Geschäfte und Behörden waren nach Angaben von Bewohnern geschlossen. Angaben zu möglichen Opfern unter Sicherheitskräften und Zivilisten lagen zunächst nicht vor. Am Montag waren bei den Kämpfen nach Angaben des Innenministeriums 27 Taliban-Kämpfer getötet worden, darunter auch ein Kommandeur.

Bundeswehr hatte Feldlager in Kundus

In Afghanistan war zum Jahreswechsel der Nato-geführte Kampfeinsatz nach 13 Jahren zu Ende gegangen. Am Folgeeinsatz zur Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte durch Ausbildung und Beratung sind etwa 12.000 Soldaten aus 40 Staaten beteiligt, darunter bis zu 850 Bundeswehrsoldaten.

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Afghanistan: Afghanische Taliban vor Einnahme von Kundus

(Bildquelle: picture-alliance/epa/G. Habibi)

Die Taliban stehen offenbar vor der Einnahme der Stadt Kundus. Auch in der gleichnamigen Provinz sind sie auf dem Vormarsch. Vor der Intervention des Westens war die Region eine Hochburg der radikalen Islamisten.

Der frühere Bundeswehrstandort Kundus in Nordafghanistan droht an die Taliban zu fallen und das nur rund eineinhalb Jahre, nachdem die deutschen Soldaten abgezogen sind. Taliban-Kämpfer seien bereits in den Bezirk Gul Tepa vorgedrungen, rund sechs Kilometer südlich des Stadtzentrums von Kundus, teilten Vertreter der Provinzregierung mit. In der Stadt sei schweres Artilleriefeuer der afghanischen Streitkräfte zu hören. Bei den Gefechten seien allein am Montag mindestens 30 Kämpfer und Soldaten getötet worden.

Auch in der gleichnamigen afghanischen Nordprovinz sind die Taliban auf dem Vormarsch. Viele Kämpfer der radikalen Islamisten haben nach Behördenangaben die Streitkräfte in schwere Gefechte verstrickt. „Etwa 2000 Aufständische kämpfen rund um das Zentrum des Bezirks gegen unsere Soldaten“, sagte der Gouverneur des Bezirks Imam Saheb in der Provinz Kundus, Imamuddin Koraischi. Sollte nicht bald Verstärkung eintreffen, drohe der Bezirk an die Taliban zu fallen, warnte Koraischi. Die Taliban-Kämpfer attackierten Polizei- und Armeeposten.

Frühjahrsoffensive der Taliban

Bereits am Wochenende hatte es schwere Kämpfe in der Provinz gegeben. Erste Verstärkung für die Armee sei inzwischen eingetroffen und werde derzeit auf verschiedene Gebiete verteilt, sagte Provinzgouverneur Omar Safi. Er hatte schon vor Tagen eine zusätzliche Brigade von 3000 bis 4000 Soldaten angefordert. „Das ist die schlimmste Situation in Kundus seit 2002“, warnte jüngst auch Vizegouverneur Hamdullah Daneschi. „Die Taliban sind stärker geworden und sie werden die gesamte Provinz erobern, wenn unsere Sicherheitskräfte nicht Unterstützung aus Kabul erhalten. Der Vorstoß ist offenbar Bestandteil der alljährlichen Frühjahrsoffensive der Taliban, der ersten seit dem Ende des NATO-geführten ISAF-Einsatzes in Afghanistan. Schon seit Jahren starten die Taliban-Kämpfer nach den kalten Wintermonaten eine Offensive, um ihre Macht am Hindukusch auszuweiten.

Angesichts der Lage in Kundus habe Präsident Aschraf Ghani eine Reise nach Indien verschoben, hieß es aus Regierungskreisen.

Afghanische Armee auf sich gestellt

Der Kampfeinsatz des Westens wurde zum Jahreswechsel nach 13 Jahren von der kleineren Mission „Resolute Support“ abgelöst, die der Ausbildung und Unterstützung afghanischer Sicherheitskräfte dient. Basis dafür war ein Sicherheitsabkommen mit den USA. Vor der militärischen Intervention der NATO-geführten ISAF-Truppe war Kundus eine Hochburg der Islamisten. Die letzten Bundeswehrsoldaten verließen bereits im Herbst 2013 nach zehn Jahren die Unruhe-Provinz. Kundus war jahrelang der gefährlichste Einsatzort der Bundeswehr, wo zeitweise bis zu 1900 deutsche Soldaten stationiert waren. Nirgendwo anders seit dem Zweiten Weltkrieg wurden so viele deutsche Soldaten im Gefecht und bei Anschlägen getötet. Nach Angaben der Bundeswehr starben beim Einsatz in Afghanistan insgesamt 55 deutsche Soldaten. 35 sind durch Fremdeinwirkung gefallen, 20 durch sonstige Umstände gestorben.

Seit dem Abzug der Bundeswehr hat sich die Lage in Kundus immer weiter verschlechtert

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Afghanistan: Kundus bald in der Hand der Taliban?

(Bildquelle: AFP/Getty Images/EJ. Daniels)

Kundus war lange zentraler Standort der Bundeswehr am Hindukusch. Anderthalb Jahre nach dem Abzug warnen afghanische Regierungsvertreter, die Provinz könnte komplett an die radikalislamischen Taliban fallen.

„Das ist die schlimmste Situation in Kundus seit 2002“, erklärte Vizegouverneur Hamdullah Daneschi der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in der nordafghanischen Provinzhauptstadt. „Die Taliban sind stärker geworden, und sie werden die gesamte Provinz erobern, wenn unsere Sicherheitskräfte nicht Unterstützung aus der Hauptstadt erhalten“, beklagte Daneschi. Seit dem Abzug der Bundeswehr im Oktober 2013 habe sich die Lage kontinuierlich verschlechtert.

Ausländische Extremisten, die finanziell gut ausgestattet seien, seien in die Provinz eingesickert. Inzwischen seien die ausländischen Kämpfer und die einheimischen Taliban „mit besseren Waffen ausgerüstet als die Sicherheitskräfte“, so der Vizegouverneur.

Die radikalislamischen Aufständischen kündigten am Mittwoch ihre erste große Frühjahrsoffensive seit dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes in Afghanistan an. Die Operation „Asm“ (Entschlossenheit) werde in zwei Tagen beginnen, teilten die Moslem-Rebellen mit. Hauptziele seien „die ausländischen Besatzer“, diplomatische Vertretungen, Angehörige des „Handlanger-Regimes“ und afghanische Sicherheitskräfte. Eingesetzt würden Selbstmordattentäter und Schläfer, die in die Sicherheitskräfte eingeschleust würden.

Der NATO-Kampfeinsatz wurde zum Jahreswechsel von der kleineren Mission „Resolute Support“ abgelöst, die der Ausbildung und Unterstützung afghanischer Sicherheitskräfte dient. Basis dafür war ein Sicherheitsabkommen mit den USA. Die Taliban kritisierten nun, mit dem Abkommen würden die „Kreuzzügler die Kontrolle über unser Land behalten“. Sie riefen Mitarbeiter der Regierung auf, die Seiten zu wechseln: „Die Mudschaheddin sind bereit dazu, all jenen Beamten und Personen sichere und friedliche Lebensbedingungen zu bieten, die die Reihen der Feinde verlassen“.

Deutscher entführt?

Am Dienstag war bekannt geworden, dass in Kundus ein deutscher Entwicklungshelfer vermisst wird. Möglicherweise wurde er entführt. Der Deutsche sei von den Taliban in den Unruhedistrikt Char Darah verschleppt worden, zitierte die Agentur dpa einen hochrangigen Polizisten, der anonym bleiben wollte. Die Geisel sei am Leben.

Der Vermisste arbeitete für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

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