Schlagwort-Archive: IS

Irak: Ernüchterung im Kampf um Mossul

Die irakische IS-Hochburg Mossul sollte bis Jahresende zurückerobert sein. Doch nun muss die irakische Regierung zurückrudern. Schiitische Milizen sorgen zudem für weitere Spannungen. (Von Birgit Svensson, Bagdad)

Die Reaktion kam prompt. Nur wenige Stunden nachdem Schiitenmilizen im Kampf um Mossul den Ring um die Stadt geschlossen hatten, explodierte am Donnerstag rund 500 Kilometer weiter südlich in Schomali eine Autobombe. Mehr als 70 Menschen wurden in den Tod gerissen. Es waren Pilger, die aus der für Schiiten heiligen Stadt Kerbela kamen und ihre Heimfahrt nach Bagdad antreten wollten. Am Abend zuvor hatte Iraks Premier Haidar al-Abadi vor der Presse noch erklärt, man habe die jährliche 40-tägige Pilgerreise gut in den Griff bekommen – „ohne nennenswerte Zwischenfälle“.
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„Islamischer Staat“: Der Aufstieg der selbsternannten Gotteskrieger (Teil1-5/6)

(Bildquelle: AMEPRES/Screenarchiv/krj)

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Dezember 2011: Abzug der letzten US-Einheiten aus dem Irak. (Bildquelle: AMEPRES/Screenarchiv/krj)

Nach acht langen Kriegsjahren verließen Ende 2011 die letzten amerikanischen Truppen den Irak. Der Krieg schien beendet zu sein. Die irakische Führung, so glaubte man auch in Washington, sei bereit, den weiteren Weg alleine zu gehen.
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Absturz der russischen Maschine wahrscheinlich Terroranschlag

(Bildquelle: imago/ITAR-TASS)

Nun gehen auch ägyptische Ermittler davon aus, dass es sich bei dem Flugzeugabsturz über dem Sinai um einen Terroranschlag handelt. Es wäre eines der größten Attentate seit dem 11. September 2001.
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Kampf gegen IS in Syrien: USA fühlen sich von arabischen Alliierten im Stich gelassen

(Bildquelle: Yahya Arhab / EPA / keystone)

US-Militärs beklagen ein zurückgehendes Engagement der arabischen Verbündeten im Kampf gegen den IS in Syrien. Stattdessen sind die Partnernationen verstärkt im Jemen aktiv.

Vor einem Jahr entsandten arabische Verbündete der USA ihre Luftstreitkräfte nach Syrien, um den «Islamischen Staat» (IS) zu bekämpfen. Seite an Seite wollten US-Militärs und die Partnernationen durchgreifen. Wochenlang hatten sich der US-Präsident Barack Obama und sein Aussenminister John Kerry bemüht, eine internationale Koalition gegen die Dschihadisten zu schmieden. Doch inzwischen hat der Elan der Alliierten offenbar bedenklich nachgelassen.

«Sie sind alle mit anderen Dingen beschäftigt», sagte Generalleutnant Charles Q. Brown Jr. jetzt der «New York Times». Brown leitet den Luftkrieg von einer 60 Millionen Dollar teuren Militärbasis in Qatar aus.

Der Zeitung zufolge stehen die Vereinigten Staaten mit ihrem Aufgebot von zwei Dutzend Kampffliegern für die Türkei und dem Versuch, mit Spezialtruppen die Rebellen in Syrien zu unterstützen, derzeit vorwiegend allein da. In der Obama-Administration herrsche Resignation, weil die arabischen Partner Schritt für Schritt den US-Amerikanern den Luftkrieg überlassen hätten.

Fokus verschiebt sich auf Jemen

Der Grund? Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hätten die meisten ihrer Flugzeuge in den Jemen verlegt, wo sie gegen die vom Iran unterstützen schiitischen Huthi-Rebellen kämpfen. Auch Jordanien hätte sein Engagement in der Region verstärkt.

Das Königreich Bahrain hatte im Februar zuletzt einen Angriff in Syrien geflogen, Qatar betreibt ohnehin nur Luftraumbeobachtung. Die Vereinigten Arabischen Emirate flogen laut «New York Times» zuletzt im März Lufteinsätze, Jordanien im August und Saudi-Arabien im September.

«Jordanien steht fest zu seinen Verpflichtungen in diesem Kampf», sagte eine Sprecherin der jordanischen Botschaft in New York. «Wir bleiben aktive Partner und Mitwirkende der internationalen Koalition und werden auch weiterhin Luftschläge gegen IS-Ziele ausführen.»

Brown fordert Entgegenkommen

Das Engagement westlicher und arabischer Alliierter im Irak scheint um einiges höher zu sein als in Syrien. Laut «New York Times» entfallen nur fünf Prozent der insgesamt etwa 2700 Luftschläge in Syrien auf die Alliierten, aber 30 Prozent der 5100 Einsätze im Irak, wo die Nato-Partner den Islamischen Staat bekämpfen.

Brown regte an, den Stillstand zu beheben, indem man den Verbündeten auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik stationierte Flugzeuge zur Verfügung stellt. Von dort aus sind es nur 15 Flugminuten bis zur syrischen Grenze. Generell sei die Entsendung von mehr Aufklärungs- und Überwachungsflugzeugen nach Incirlik geboten.

Die Zahl der militärischen Ziele – Ölförderanlagen, Waffenfabriken, und andere Einrichtungen, die den IS unterstützen – steigt offenbar beständig: Im vergangenen Monat bombardierten die US-Streitkräfte demnach bei 67 Prozent der Einsätze diese Ziele.

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Terroristen oder Zivilisten – Informationskrieg in Syrien

(Bildquelle: picture-alliance / AP Photo / A. Kots)

Seit fünf Wochen greifen russische Kampfjets Ziele in Syrien an. Wen sie dabei treffen, IS-Kämpfer, andere Regimegegner oder Unbewaffnete, ist umstritten. Unabhängige Quellen sind rar.

Vor knapp zwei Wochen sollen russische Luft-Boden-Raketen das Krankenhaus in Sarmin in der syrischen Provinz Idlib zweimal getroffen haben. Zwölf Zivilsten starben dabei, darunter zwei Mediziner, so berichtete die US-Stiftung SAMS, die die Klinik eingerichtet hat. Ein Radiosender zeigte dazu im Netz ein Bild eines völlig zerstörten Gebäudes. Russland dementierte. Das Verteidigungsministerium in Moskau präsentierte Luftaufnahmen, die belegen sollen, dass die Klinik Ende Oktober – elf Tage nach dem Angriff – noch völlig intakt gewesen sei. Während Russland weiter darauf beharrt, mit Präzisionsbomben nur „Terroristen“ zu treffen, melden syrische und westliche Quellen immer mehr Tote in der Zivilbevölkerung.

Von Ende September bis Ende Oktober stiegen russische Kampfjets knapp 1400 Mal auf und zerstörten dabei nach Moskauer Angaben 1623 „Terror-Objekte“. Doch diese Darstellung wirft in zweifacher Hinsicht Fragen auf: Zum einen ist unklar, wen genau die Russen mit „Terroristen“ meinen. Zum anderen tauchen zivile Opfer in den Berichten nicht auf. Warum sollten bei russischen Angriffen keine Unbewaffneten sterben, während bei US-Angriffen in Irak, Afghanistan und auch Syrien immer wieder Zivilisten ums Leben kommen?

FSA statt IS unter Beschuss

Russland betont, an der Seite von Syriens Präsident Baschar al-Assad gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) und den syrischen Al-Kaida-Ableger Nusra-Front vorzugehen. Beides sind auch aus westlicher Sicht Terrorgruppen. Doch Moskau und Damaskus bezeichnen oft alle Regimegegner pauschal als Terroristen. Im Westen gelten viele Rebellengruppen hingegen als gemäßigt. Einige dieser Gruppen, wie die Freie Syrische Armee (FSA), werden vom Westen und von arabischen Staaten unterstützt. Genau diese Gruppen sind offenbar die primären Ziele von Suchoi-Kampfjets.

Der in der umkämpften Stadt Aleppo ansässige Journalist Mohammed Al-Khatieb wirft den Russen im Internetportal Al-Monitor vor, vorrangig die FSA und deren Verbündete zu beschießen. Dem Washingtoner „Institute for the Study of War“ zufolge greift die russische Luftwaffe zwar auch Regionen an, die vom IS oder der Nusra-Front kontrolliert werden. Ein Großteil der Bombardements treffe jedoch Gebiete, in denen andere Rebellen aktiv sind.

Darüber treffen die russischen Jets neben militärischen Stellungen offenbar immer wieder Krankenhäuser, Moscheen und Wohngebiete. Safouh Labanieh, Geschäftsführer des Deutsch-Syrischen Vereins zur Förderung der Freiheiten und Menschenrechte mit Sitz in Darmstadt, erhebt einen schweren Vorwurf: „Leider treffen die russischen Angriffe nur Zivilisten und die gemäßigte Opposition.“ Labanieh kehrte erst vor zwei Tagen aus dem Kriegsgebiet zurück. Niemand wisse von Attacken auf IS-Stellungen, sagte er der Deutschen Welle.

Viele Zivilisten getötet

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft Russland vor, bei zwei Angriffen in Ghantou und Ter Maaleh Mitte Oktober 59 Zivilsten getötet zu haben, darunter 33 Kinder. Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte errechnete, dass im ersten Monat der russischen Luftangriffe insgesamt knapp 600 Menschen getötet worden seien, davon ein Drittel Zivilisten.

Andrej Kartapolow vom russischen Generalstab weist solche Berichte zurück. Die Luftwaffe habe gar nicht so viele Angriffe geflogen, wie angeblich zivile Objekte zerstört wurden.

Im Krieg der Informationen setzen alle Seiten auf Satellitenfotos und Videos. Wann diese aufgenommen wurden und ob sie retuschiert wurden, ist häufig unklar. Der Rechercheverbund Bellingcat versuchte am Mittwoch, den Angriff in Sarmin aufzuklären, warf aber selbst einige Fragen auf. Nach Auswertung von Luftaufnahmen und im Netz zugänglichen Informationen teilte Bellingcat mit, dass russische Streitkräfte das Krankenhaus wohl nicht direkt getroffen hätten. Ein im Internet verbreitetes Foto zeige nicht die Klinik. Allerdings habe Russland Bilder falsch datiert, um das Ausmaß anderer Zerstörungen in dem Ort zu verschleiern. Es bestehe kein Zweifel, so Bellincat, dass das Krankenhaus beschädigt wurde – wann und wie genau, dazu machte der Rechercheverbund keine Angaben.

Kaum verlässliche Informationen

Nur noch wenige unabhängige Journalisten wagen sich ins Kriegsgebiet. Einer von ihnen war der Schweizer Kurt Pelda, der selbst russische Bombardements miterlebte. Pelda berichtet, wie bei einem Angriff auf eine Artillerie-Stellung der Nusra-Front eine Streubombe eingesetzt worden sei. Ein Teil dieser Bombe sei als Blindgänger in einem nahe gelegenen Dorf eingeschlagen. Weil die Russen meist Flächenwaffen anstelle von Präzisionswaffen einsetzten, würde immer wieder Unbeteiligte getroffen. „Es ist nicht so, dass die Russen Zivilisten töten wollen, aber es gibt einfach diese Kollateralschäden“, kommentiert der Journalist.

Problematisch ist auch, dass die russische und die syrische Armee teilweise dieselben Flugzeugtypen einsetzen. „Wenn die Syrer sagen, das waren russische Luftangriffe, dann ist das nicht in jedem Fall so klar“, erläutert Pelda.

Klar sind hingegen die Folgen für die Zivilbevölkerung. Ermutigt von der Luftunterstützung des großen Verbündeten gehen die Truppen des Assad-Regimes vielerorts in die Offensive. Immer mehr Menschen fliehen aus den umkämpften Gebieten Richtung türkische Grenze. Nach UN-Angaben flüchteten allein im Oktober mindestens 124.000 Syrer aus ihren Häusern in den Provinzen Aleppo, Hama und Idlib. Das beobachtete auch Kurt Pelda. „Die Leute warten nicht erst, bis die russischen Kampfflugzeuge kommen“, berichtet er.

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Experten-Bericht zu Syrien: Giftgas zwischen IS und Rebellen eingesetzt

(Bildquelle: dpa)

Bei Kämpfen zwischen der Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) und Rebellen in Syrien sind offenbar Chemiewaffen eingesetzt worden.

In einem Bericht der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zu Kämpfen am 21. August in Marea nördlich von Aleppo heißt es, „mit äußerster Sicherheit“ seien mindestens zwei Menschen Senfgas ausgesetzt gewesen. Es sei zudem „sehr wahrscheinlich“, dass ein Baby an den Folgen gestorben sei.

Einsatz vermutlich durch IS-Kämpfer

In dem Bericht vom 29. Oktober wird der IS nicht explizit erwähnt und es wird der Terrororganisation auch keine direkte Schuld zugewiesen. In Diplomatenkreisen heißt es jedoch, dass es sich um einen Gefecht zwischen dem IS und anderen Rebellen handelte.

Woher stammt das Giftgas?

Eigentlich sollte die syrische Regierung ihre kompletten C-Waffen-Bestände vor 18 Monaten zur Vernichtung ausgehändigt haben. Die Regierung von Präsident Baschar al-Assad stimmte der Zerstörung im September 2013 zu, nachdem Hunderte Menschen bei einem Saringas-Angriff nahe Damaskus ums Leben kamen.

Die letzten Giftgas-Waffen wurden im Juni 2014 übertragen. Daher werfe der Bericht die Frage auf, woher das Senfgas stamme, sagte ein Insider. Entweder habe der IS „die Fähigkeit erlangt, es selbst herzustellen, oder es könnte aus einem heimlichen Lager stammen, das der IS erobert hat“, sagte er. „Beide Möglichkeiten sind besorgniserregend.“

Peshmerga hatten von Gaseinsatz berichtet

Der Bericht sei ein weiteres Indiz dafür, dass der IS im Irak und in Syrien Chemiewaffen erlangt haben könnte und sie womöglich auch einsetzt.

Kurdische Behörden hatten vor einigen Tagen erklärt, dass die Islamisten im August im Nordirak Senfgas-Granaten gegen Peschmerga-Milizen eingesetzt hatten.

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Syrien: UNESCO-Weltkulturerbe schwer beschädigt

(Bildquelle: picture-alliance / Prisma Archive)

Die systematische Zerstörung antiker Kulturstätten in Syrien durch IS-Terroristen hört nicht auf. Jetzt hat es eine antike Ruinenstadt im Nordwesten des Landes hart getroffen.

Für die Kulturlandschaft Syriens ist diese Ruinenstadt aus frühbyzantinischer Zeit einzigartig. Die kostbaren Bauwerke sind zwar als UNESCO-Kulturerbe geschützt, wurden jetzt aber durch den Bürgerkrieg schwer beschädigt. Zahlreiche Steinsärge (Artikelbild: vor der Zerstörung) in einem Pyramidengrab nahe dem Ort Al-Bara seien weitgehend zerstört worden, erklärte die oberste syrische Antikenbehörde in einer aktuellen Pressemitteilung. Beweisfotos zeigten deutlich Spuren von militärischen Kämpfen. Alte Gebäude würden mutwillig mit schwerem Gerät und Sprengstoff zerstört, um Steine als Baumaterial für neue Bauten zu gewinnen.

Das Ende des vierten Jahrhunderts besiedelte Al-Bara gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und steht zusammen mit rund 40 anderen Ruinenorten der Region auf der Liste der gefährdeten Stätten . Nach Auskunft der Vereinten Nationen nutzen viele Syrer die historischen Gebäude, um vor der Gewalt des Bürgerkrieges und den Angriffen der Terroristen Zuflucht zu suchen. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana machten „Terroristen“ für die neuen Zerstörungen verantwortlich. Diese Region im Nordwesten Syriens wird von mehreren islamistischen Gruppen kontrolliert, zu denen auch der syrische Al-Kaida-Ableger gehört.

Ende Oktober sei es in der Region auch zu russischen Luftangriffen gekommen, die Zerstörungen angerichtet hätten, vermeldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Nach eigenen Angaben hat die russische Luftwaffe die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat auch in der weltberühmten UNESCO-Welterbestätte Palmyra bombardiert. Sprecher bereuerten allerdings, dass bei dem Bombardement keine historischen Stätten zu Schaden gekommen seien. Die IS-Extremisten hatten die Ruinenstadt Palmyra am 21. Mai erobert und seitdem zahlreiche Tempelanlagen in Schutt und Asche gelegt und zahlreiche Anwohner getötet.

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Insider geht von IS-Bombe als Absturzursache in Ägypten aus

(Bildquelle: imago)

Hat der IS eine Bombe an Bord der abgestürzten Maschine geschmuggelt? Aus Sicherheitskreisen heißt es: Ja. Offiziell ist das nicht.

Ein Bombenanschlag der Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) ist europäischen und amerikanischen Sicherheitsexperten zufolge wahrscheinlich die Ursache für den Absturz der russischen Passagiermaschine auf der Sinai-Halbinsel vom Samstag. Die vorhandenen Spuren deuteten darauf hin, dass der IS eine Bombe an Bord der Maschine geschmuggelt habe, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Sicherheitskreisen.

Bei dem Absturz des Passagierflugzeuges kurz nach dem Start vom Urlaubsort Scharm el-Scheich am Roten Meer waren alle 224 Menschen an Bord getötet worden.

US-Regierung hält sich mit Vermutungen zurück

Einem CNN-Bericht zufolge schließen die US-Geheimdienste einen Anschlag nicht aus. „Es gibt ein eindeutiges Gefühl, dass es ein Sprengkörper war, der im Gepäck oder anderswo im Flugzeug versteckt wurde“, zitierte der Sender einen namentlich nicht genannten Vertreter der US-Regierung. Es gebe aber bislang keine belastbaren oder bestätigten Geheimdienstberichte für eine spezifische Bedrohung vor dem Absturz.

Die US-Regierung vermied es, die Vermutung der Geheimdienste öffentlich zu nähren. „Es wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht hilfreich, unsere eigenen Ansichten oder Meinungen in die Ermittlungen einfließen zu lassen“, sagte Außenamtssprecher John Kirby. Mitarbeitern der Regierung würde von Reisen auf die Sinai-Halbinsel aus Sicherheitsgründen zwar abgeraten. Diese Empfehlung beruhe aber auf keinen neuen Informationen, sondern auf bereits bekannten Bedrohungen.

„Sprengkörper ist signifikante Möglichkeit“

Die britische Regierung war da weniger zurückhaltend. Außenminister Philip Hammond erklärte, er gehe nach der Auswertung verschiedener Quellen davon aus, dass eine Bombe an Bord die Flugzeugkatastrophe ausgelöst haben könnte. Ein Sprengkörper sei eine „signifikante Möglichkeit“ als Ursache, sagte Hammond am Mittwochabend in London. Die Regierung hatte alle Flüge von Scharm el-Scheich nach Großbritannien vorerst gestoppt. Auch Irland ließ vorerst keine Flugzeuge mehr von und nach Scharm el-Scheich fliegen. Aus Deutschland wurden zunächst keine Einschränkungen des Luftverkehrs bekannt.

Die Maschine war über der Sinai-Halbinsel abgestürzt. Die Region ist seit Monaten Schauplatz erbitterter Auseinandersetzungen zwischen ägyptischen Sicherheitskräften und aufständischer Islamisten. Es ist das schwerste Unglück in der Geschichte der russischen Luftfahrt.

Flugschreiber wird derzeit ausgewertet

Ägyptens Außenminister Samih Schukri sagte auf die Frage, ob er einen Terroranschlag für möglich halte, das müsse die Untersuchung klären. Vorschnelle Urteile oder Maßnahmen könnten negative Auswirkungen auf eine große Zahl von Ägyptern haben, die von der Tourismusindustrie lebten.

In Ägypten werden derzeit die Flugschreiber ausgewertet. Wie das Ministerium für zivile Luftfahrt mitteilte, konnten die Informationen vom Datenrekorder sichergestellt werden. Der Stimmenrekorder, der Tonaufnahmen der Gespräche von Pilot und Copilot sowie weitere Geräusche im Cockpit speichert, sei jedoch zum Teil beschädigt, hieß es. Hier müsse noch einiges getan werden, bevor die Daten extrahiert werden könnten.

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